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Diogenes Laertios - Druckversion

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Diogenes Laertios - Bion - 14-11-2017

Verfasser einer Philosophiegeschichte in zehn Büchern. Geschrieben hat er diese wohl in der Mitte des 3. Jahrhunderts nC1. Seine genauen Lebensdaten sind unbekannt.

Bis auf Fehlstellen im 7. Buch (nach ↗Leukipp bricht dort der Vortrag ab) ist das Werk vollständig überliefert2.

Für D. L. gibt es die ↗griechische Philosophie betreffend zwei Überlieferungsstränge. Die ionische Richtung und die italische: die ionische (1. – 7. Buch) lässt er mit ↗Thales und ↗Solon beginnen, führt sie mit ↗Anaximander etc., der ↗Akademie und den ↗Peripatetikern fort, mit der ↗Stoa lässt er sie enden. Die italische Richtung nimmt ihren Anfang mit ↗Pythagoras. Aus der pythagoreischen Schule erwachsen nach  D. L. die Schulen ↗Demokrits und ↗Epikurs (8. – 10. Buch). Er zitiert viele Gewährsleute, wobei es unwahrscheinlich ist, dass er diese auch selbst gelesen hat.

D. L. gibt Einblick über das zu seiner Lebenszeit vorhandene Wissen über die griechische Philosophie. Was er berichtet, ist reich an ↗Legenden und ↗Anekdoten.

In hohem Maß authentisch ist, was D. L. über Epikur, 10. Buch, zu erzählen weiß. Das 10. Buch nimmt eine Sonderstellung innerhalb des Werks ein. Es enthält drei Lehrbriefe Epikurs, die in vollem Umfang wiedergegeben werden. Die Ausführlichkeit und Zuneigung3, mit der sich D. L. mit Epikur beschäftigt,  lässt eine gewisse Nähe zur Denkwelt des Philosophen vermuten.  

Das Werk wurde in seiner Geschichte mehr gescholten als gewürdigt. Seinem inhaltlichen Reichtum wurde die formale Armut gegenübergestellt. Als Philosophiegeschichte wurde der Text als zu unphilosophisch getadelt, als literarisches Werk sei es zu formlos gestaltet, als philologische Quellensammlung zu wenig kritisch und darüber hinaus ungeordnet4. Dagegen hat A. Ch. Borheck5 im Vorwort zu seiner Übertragung des Textes (1806) ins Deutsche zu Recht angeführt, dass alle, die ihn tadeln, "bei ihm borgen müssten", wenn sie über die alten Philosophen etwas sagen wollten.


1)  Nach dem Schweizer Altphilologen Max Imhof (1928-2017) wurden die Bücher im letzten Viertel des 3. Jhs wohl aus dem Nachlass des Verfassers herausgegeben und im 9. Jh in Konstantinopel in einem Exemplar mit schon sehr verdorbenem Text wiederentdeckt (erwähnt von Fritz Jürß in: Diogenes Laertios. Leben und Lehre der Philosophen. 2. Aufl.  2010 Stuttgart, Verl. Reclam, S. 31.).

2) Die älteste vollständig erhaltene Handschrift (Codex Neapolitanus Burbonicus gr. III B 29) stammt aus dem 12. Jh.

3) In der Regel trägt D. L. verleumderische Bemerkungen, die er seinen Quellen entnimmt, unkommentiert vor. Bei  Epikur hingegen merkt er sie zwar an, widerspricht ihnen aber heftig.

4) Es wurde daher vielfach die Vermutung geäußert (siehe auch Anmerkung 1), dass das Werk dem Nachlass des Autors entstammt und in einem unfertigen Zustand, jedenfalls aber, ohne eine Endredaktion erfahren zu haben, öffentlich wurde.

5) August Christian Borheck (1751 - 1815): Deutscher Historiker und Altphilologe. Erster Übersetzer der Philosophiegeschichte des Diogenes Laertios ins Deutsche.




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