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Literaturempfehlungen zum Thema PANTHEISMUS ???
#31
(31-08-2008, 15:47)edt schrieb: Für mich macht es da eher schon Sinn den Panentheismus als eine erweiterte Form des Begriffes Pantheismus zu sehen.

Es so zu sehen, ist Dir unbenommen.

Die Unsicherheit einer letzten Bestimmung und Bewertung des Pantheismus zeigt sich in einer Vielzahl differenzierender Bezeichnungen.

Der Philosoph Karl Christian Friedrich Krause hat für den mystischen Pantheismus die Bezeichnung "Panentheismus" geschaffen. Krause hat mit seinen Wortschöpfungen immer der Verwirrung mehr gedient, als der Klarheit. Ausdrücke wie "Seinheitsureinheit", "Ordarzulebende", "vollwesengliedbaulich", "Vereinsatzheit", "Sellbilden" und "eigenleburbegrifflich", um einige als Beispiele zu nennen, haben seine Schriften nicht gerade leicht lesbar und seine Gedanken oft schwer nachvollziehbar gemacht. Panenthismus ist eine seiner Wortschöpfungen, die erhalten geblieben ist.

Nun, wer könnte als Beispiel für den mystischen Pantheismus dienen? Meister Eckhart und der protestantische Mystiker Jakob Böhme liefern in ihren Schriften Gedanken, die in diese Kategorie passen. Auch bei islamischen Mystikern und in mystischen Strömungen des Judentums (Kabbala) kann man fündig werden.

Für das, was allgemein unter immanent-transzendentem Pantheismus verstanden wird, liefert der dt. Idealismus gute Beispiele.

MfG E.
MfG B.
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#32
@Epicharm: Sorry, dass ich so unregelmäßig schreibe und es deshalb schon wieder länger her ist, aber trotzdem noch danke für deine ausführliche Antwort!

Als "mystisch" hätte ich von den beiden auch keinen bezeichnen wollen (die Vorstellung ist fast ein bisschen komisch *g*). Vielleicht liegt meine Verwirrung einfach darin begründet, dass ich das Mystische, was in Krauses Definition offenbar enthalten ist, beim Pan(en)theismus gar nicht so mitgedacht habe, es aber da, wo man Krauses Begrifflichkeit gewohnt ist, automatisch mit ankommt - und dann passt's natürlich nicht.
Zugegeben, die Beispiele, die du für Krauses Sprachstil gebracht hast, schrecken mich ziemlich ab, aber wenn bei uns in der Uni-Bibliothek was von ihm zu finden ist, les ich seine Definitionen mal nach.

Danke auch für die Literaturbeispiele. Cusanus' Modell kenn ich bisher nur aus De docta ignorantia, aber das wird demnächst hoffentlich auch noch mehr werden, und vielleicht werden mir dann manche seiner Gedanken noch klarer (oder ich werde mir sicherer, dass ich seine Verbindung vom explicatio-Gedanken und katholischen Dogmen wirklich nicht nachvollziehen kann...).
"Gottes ist der Osten und der Westen; wohin immer ihr also euch wendet, dort ist Gottes Angesicht." (2:115)
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#33
(31-08-2008, 10:31)Epicharm schrieb: Pantheistisches kann man im Denken der großen Philosophen von der Antike bis in die heutige Zeit auffinden. Auch in Schriften von (der Mystik zuneigenden) Muslimen.

Lieber Epicharm,

kennst Du Denker der Gegenwart oder des 20. Jahrhunderts, die sich mit Pan(en)theismus beschäftigt haben, oder deren Denken Pan(en)theistisches enthält?

Lieben Gruss

Petrus
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#34
Hallo Petrus!

Ich glaube dass Thomas von Aquin auch ein panentheistisches Gottesbild hatte, aber dafür kenne ich ihn zu wenig.

Nichtsdestotrotz, würde ich mich nicht auf das Christentum und die westliche Philosophie beschränken. Die panentheistische Glaubensvorstellung findet sich auf der ganzen Welt, sowohl in anderen (Nicht nur Islam und Christentum) Weltreligionen als auch in Naturreligionen und in verschiedenen religiösen Strömungen.

Ich finde es übrigens schade, warum der Panentheismus keine so große Anerkennung gefunden hat wie der Monotheismus. Aber das liegt wahrscheinlich am menschlichen Geist.
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#35
Hallo, edt,

ja, danke, das ist mir klar.

Mich würde nun aber vor allem interessieren, ob es in den letzten -sagen wir- 100 Jahren Denker gegeben hat, die pantheistisch dachten, oder in deren Werk der Pan(en)theismus eine wichtigere Rolle spielte. Mir fällt da keiner ein, ausser Willy Hellpach, aber der ist weder Philosoph noch Fachgelehrter noch hat er sich systematisch mit all dem auseinandergesetzt (wobei ich ihn SEHR schätze, wie man aus dem anderen Thread ersehen kann.

(21-09-2008, 10:19)edt schrieb: Aber das liegt wahrscheinlich am menschlichem Geist.

Ob es am Geist liegt, weiss ich noch nicht einmal. Ich denke, es liegt auch in der Trost-Funktion (auf die der User "Keiner" ja oft und gerne hinweist) einer monotheistischen Religion. Man kann Verantwortung abgeben, kann sich von Engeln oder Maria oder anderen Heiligen trösten lassen, die Welt erscheint einem nicht mehr so brutal, zumindest glaubt man, Schutz (!!!) zu finden, usw. Ich glaube eher, dass die PSYCHE des Menschen verhindert, dass der Pan(en)theismus nicht so recht zum Zuge kommt. Und ich sehe das ja auch an/in mir selbst: Ich schlimmen Notzeiten tendierte ich lange Zeit eher zu einem Glauben an etwas ganz "Konkretes" als zum "wagen" Glauben pan(en)theistischer Prägung. Wobei ich mehr und mehr dieses Konkrete "loslassen" kann.

Hinzu kommt sicherlich auch, in welchem Kulturkreis man sozialisiert ist. Im "christlichen Abendland" pan(en)theistisch zu glauben, ist ja immer auch ein Sich-ausserhalb-der-Allgemeinheit-Stellen.

Ich weiss, das alles klingt wage. Aber ich bin da selbst so unsicher, dass es mir schwer fällt, das in Worte zu fassen.

Einen lieben Gruss

Petrus
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#36
(21-09-2008, 10:39)Petrus schrieb: Mich würde nun aber vor allem interessieren, ob es in den letzten -sagen wir- 100 Jahren Denker gegeben hat,

Achja, entschuldige Petrus, du schriebst ja im 20. Jahrhundert oder in der Gegenwart. Darauf hatte ich nicht richtig geachtet.
Mir fällt ausser Willigis Jäger kein anderer ein. Der ist Zen-Meister und bezeichnet sich als Christ.

Gruß
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#37
(21-09-2008, 10:39)Petrus schrieb: Ob es am Geist liegt, weiss ich noch nicht einmal. Ich denke, es liegt auch in der Trost-Funktion (auf die der User "Keiner" ja oft und gerne hinweist) einer monotheistischen Religion. Man kann Verantwortung abgeben, kann sich von Engeln oder Maria oder anderen Heiligen trösten lassen, die Welt erscheint einem nicht mehr so brutal, zumindest glaubt man, Schutz (!!!) zu finden, usw. Ich glaube eher, dass die PSYCHE des Menschen verhindert, dass der Pan(en)theismus nicht so recht zum Zuge kommt. Und ich sehe das ja auch an/in mir selbst: Ich schlimmen Notzeiten tendierte ich lange Zeit eher zu einem Glauben an etwas ganz "Konkretes" als zum "wagen" Glauben pan(en)theistischer Prägung. Wobei ich mehr und mehr dieses Konkrete "loslassen" kann.

Lieber Petrus,

das meinte ich auch unter anderem mit dem menschlichem Geist. Wobei ich aber nicht sagen würde, dass die Trost-Funktion die primäre Ursache für den Glauben an einen anthropomorphen Gott wäre. Ich denke mal,
der Hauptgrund ist, das die Menschen sich ein panentheistisches Gottesbild einfach nicht vorstellen können.

Schönen Gruß
edt
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#38
(21-09-2008, 10:48)edt schrieb: Mir fällt ausser Willigis Jäger kein anderer ein. Der ist Zen-Meister und bezeichnet sich als Christ.

Lieber edt,

danke. Eine gute Freundin meiner Frau ist Jäger-Schülerin, ich werde sie mal fragen. Lieben Dank für den Tip.

Schönen Sonntag.

Petrus
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#39
Nichts zu danken.
Wenn du willst Petrus, kann ich für dich die Videos aus dem Web raussuchen über Willigis Jäger.
Aber das kann ich erst später.
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#40
Lieber edt,

das ist lieb, aber ich guck erst mal bei Youtube. Wenn Du aber einen Geheimtip hast Icon_wink , dann gerne.

Lieben Gruss

Petrus
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#41
(19-09-2008, 21:06)Melmoth schrieb: Zugegeben, die Beispiele, die du für Krauses Sprachstil gebracht hast, schrecken mich ziemlich ab, aber wenn bei uns in der Uni-Bibliothek was von ihm zu finden ist, les ich seine Definitionen mal nach.

Hallo Melmoth,

die Diskussion hat mich angeregt, Krauses Vorlesungen über das System der Philosophie wieder zur Hand zu nehmen.

Krause hat das System der Philosophie von der griechischen und lateinischen Terminologie (wie er es selbst benannte) "gereinigt". Ich hatte in Erinnerung, dass es für mich eine Plage war, seine Schriften zu lesen. Seine Wortschöpfungen irritierten mich.

Heute nehme ich’s (ohne mich zu ärgern) in seiner Bedeutung zur Kenntnis, wenn ich statt Identität = Gleichwesenheit, statt Kategorie = Grundwesenheit, statt Institution = Selbeigenschauung, usw. lese und erfreue mich am Inhalt. Vielleicht habe ich einmal die Zeit, Krauses System der Philosophie mit dem Abstand, den ich nunmehr gewonnen habe, durchzuarbeiten.

In Spanien (und Lateinamerika) haben seine pädagogischen und religionskritischen Beiträge mehr Wirkung gezeigt als in Deutschland. Dort sind sie von antiklerikalen Kräften aufgenommen, weitergeführt und als Krausismo zum Begriff geworden.

Bei uns ist er (so gut wie) vergessen.

(19-09-2008, 21:06)Melmoth schrieb: Cusanus' Modell kenn ich bisher nur aus De docta ignorantia,...

Cusanus:

Das Licht der göttlichen Gnade zieht den Demütigen, der nicht in hochmütiger Selbstbefangenheit verhaftet bleibt und Gott selbst im Menschen erkennen sieht, die Allgegenwart Gottes im Menschen selbst realisierend, zum Glück der Ruhe im Ursprung aller Visionen. (Aus: De quaerendo Deum, entstanden um 1445)

MfG E.
MfG B.
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#42
(21-09-2008, 09:46)Petrus schrieb: kennst Du Denker der Gegenwart oder des 20. Jahrhunderts, die sich mit Pan(en)theismus beschäftigt haben, oder deren Denken Pan(en)theistisches enthält?

Hallo Petrus,

für die Philosophie des 20. Jh fällt mir H. Bergson ein.

Beispiele:

"Die wahre Zeit als Dauer wird gleichermaßen missverstanden wie das schöpferische Prinzip des Lebens, das als unendlicher Drang, als reine Freiheit und auch als Gott interpretiert werden kann." (Aus: Schöpferische Entwicklung, Paris 1907)

"Das Wesen der dynamischen Religion liegt im Mystischen, ist aber nicht weltabgewandt und beschränkt sich nicht auf die intellektuelle Erfassung der Einheit aller Dinge. Die schöpferische Energie kann als Liebe bezeichnet werden. Der Höhepunkt der Mystik liegt im Einswerden mit dem Schöpfer." (Aus: Die beiden Quellen der Moral und der Religion, Paris 1932)

MfG E.
MfG B.
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#43
(21-09-2008, 11:16)Petrus schrieb: Wenn Du aber einen Geheimtip hast Icon_wink , dann gerne.

Also ich finde den hier besonders gut. Da ist er auch im Einzelinterview mit Scobel.
http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3...index.html

Einfach auf "Das Gespräch mit Willigis Jäger" klicken.
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#44
Danke, Epicharm und edt.

Schönen Tag noch...

Petrus
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#45
@Epicharm: Danke fürs Vorwarnen *g* Nach diesen Beispielen fürchte ich, dass mir schon nach ein paar Seiten die Gelassenheit, mit der du diese Sprache (inzwischen) betrachtest, abhanden kommen wird und hab es vielleicht auch nicht mehr ganz so eilig, es zu lesen… aber irgendwann sollte ich das dem Wissen zuliebe wohl nachholen.

Hm... falls bei der Übersetzung ins Spanische nicht gerade versucht wurde, seine Sprachmodifikationen nachzuahmen, könnte ich mir schon vorstellen, warum seine Texte im spanischsprachigen Raum besser ankamen…

Verglichen damit ist Cusanus richtig nervenschonend. Und ich staune mal wieder über deinen scheinbar unerschöpflichen Vorrat an Philosophie- und Literaturzitaten ;)
"Gottes ist der Osten und der Westen; wohin immer ihr also euch wendet, dort ist Gottes Angesicht." (2:115)
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