Umfrage: Was meint Ihr zum Thema Freitod/Selbstmord
Diese Umfrage ist geschlossen.
Sich selbst zu töten, ist für mich Sünde
12.90%
4 12.90%
Sich selbst zu töten, ist für mich moralisch zumindest fragwürdig
6.45%
2 6.45%
Sich selbst zu töten, ist die Folge einer seelischen Krankheit
22.58%
7 22.58%
Sich selbst zu töten, ist eine berechtigte Konsequenz, wenn man das Leben als sinnlos erachtet
3.23%
1 3.23%
Sich selbst zu töten, ist das Recht jedes Menschen, er muss es nicht begründen.
35.48%
11 35.48%
Sich selbst zu töten, ist eine Möglichkeit, unerträglichen Situationen aus dem Weg zu gehen
9.68%
3 9.68%
Ich habe dazu keine klare Meinung
9.68%
3 9.68%
Gesamt 31 Stimme(n) 100%
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Selbstmord, Freitod, Suizid
Hi,

da stimme ich Gundi zu, das eigene Leben gehört einem selbst.
Ich persönlich bin der Meinung, dass man nicht nur selbstbestimmt leben sondern auch sterben dürfen sollte.
Mir geht es dabei vorallem darum, dass man die Möglichkeit haben sollte "möglichst schnell und schmerzfrei" sterben zu können (Stichwort Sterbehilfe).

Warum jemand nun so etwas wünscht, kann vielerlei Gründe haben. Diese gilt es auch stets gut zu ergründen und zu bewerten.
Aber Grundsätzlich, wie schon gesagt selbstbestimmt leben und sterben dürfen.

Grüße Edwin
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(25-10-2017, 22:45)Gundi schrieb: Sich selbst zu töten steht jedem Menschen frei. ...
Das Gedaken an Selbstmord häufig mit seelischen Krakheiten zu tun haben, ist wieder eine ganz andere Diskussion.
Nein, das ist ein und dieselbe Diskussion! Die wenigsten Selbstmörder werden "frei" gewesen sein, dh sie waren nicht ganz klar im Kopf als sie das gemacht haben.
Sich seiner eigenen Bestimmung zu entziehen, wenn sie auch noch so schwer ist, halte ich für eine große Sünde. Und es ist wie schon gesagt die Frage, was man dadurch erreicht.
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(26-10-2017, 00:14)eddyman schrieb: Sich seiner eigenen Bestimmung zu entziehen, wenn sie auch noch so schwer ist, halte ich für eine große Sünde.

Ich glaube dass in dieser Bestimmung unsere Selbstbestimmung enthalten ist und wir auch den Freitot wählen können.
Selbst wenn dies bestimmt nicht dass ist was man in erster Linie wollte, es ist aber unter Umständen eben unsere Rettung den Tod auch frei wählen zu dürfen. Gerade WEIL das irdische Leben für die Seele ein Restrisiko trägt.
Unsere Freiheit und freier Wille ist ein notwendiges "Werkzeug" das uns mitgegeben wurde um sie zu gebrauchen und in anspruch nehmen zu können wenn es die Lebensumstände notwendig machen.
Gott wäre grausam, rücksichtslos, dumm und definitiv nicht allwissend wenn er uns die Möglichkeit zum Freitod verwehren würde.

Es kann m.E. nur eine Vor-Bestimmung geben, also wie vor-läufig!
Ein AN-Streben, Zielen, anvisieren, im Auge behalten, ein in die und die Richtung verlaufendes Leben dass aber des WEITEREN SEINE ABzweigungen ahebn DARF, kann und wird.
Die Bestimmung ist nur eine grobe Vor-Form des Lebens das eine freie Gestalltung und Veränderung nicht ausschließt.
Ansonstens würde Gott ja ein starres, unbewegliches, feststehendes Muster und somit Urteil über unser Leben legen.
Die Freiheit der Seele besteht darin genau dieses Risiko des Lebens wählen zu dürfen und können.
Wir sind Seelen die auf dem Paradies gehen DÜRFEN. Nicht müssen.
Für Gott existiert kein Zwang, also auch nicht der Zwang sein Leben leben zu müssen. Wir tragen sowieso sein "Muster" und kehren automatisch zurück. Das irdische Leben ist nur ein Geschenk dass man auch ablehnen kann, wenn man genug davon hat. Gerade weil wir selber MITbestimmen dürfen besteht die Gefahr viele Fehler zu machen. Um uns von diesen Fehlern zu befreiwen, erlösen, zu schützen, duürfen wir den Freitod wählen.
Gott hat die Grausamkeiten die auf der Erde möglich sind (incl. fieser psychischer Druckmittel und ihre Opfer), überhaupt NICHT in dieser Bestimmung drin!
Gerade weil bereits vieles menschlich Selbstverschuldet ist, ist der Freitod als Hiolfsmittel zur Erlösung ja notwendig geworden.
Die Sklaverei nimmt doch kein Ende, sie sieht mit jedem Jahrhundert NUR ANDERES AUS!
Die Erde das Leben befindet sich in einem Hamsterrad, an dem sich nur das äußere Bild ständig wechselt aber das Innere "Radlager" auf dass es wirklich ankommt, dreht sich zu langsam weil wir Menschen nicht genug mitdenken.

Die Menschen lassen sich von anderen Menschen die mehr Macht haben bestimmen.
Bestimmung?????

Wenn der Freitod nicht im Plan enthalten ist, dann darf zwangsläufig auch keine Medizin im Plan der Bestimmung enthalten sein.
Willst du wirklich auf einen Heiltrank verzichten?
Gott hat doch auch die Idee der Heilung im Plan... .... und er hat den Menschen die ErfindungsKraft mitgegeben.
Gott will dass wir uns selbst erlösen können.

Also es läuft m.E. alles zwar nach Plan "G" hat aber individuellen "K+S" Freiraum.
Gerade weil der Seele das Leben in Fleisch und Blut ermöglicht wurde und es dazu genau diese Selbstbestimmtheit ALS Schutzvorrichtung braucht, kann, darf und müsste sogar, der Mensch sich im Grunde auch selber töten dürfen oder töten lassen dürfen.
Die ERLÖSUNG vom Leid..... meint m.E. auch den Tod wählen zu dürfen. Freilich geht Gott davon aus dass der Mensch VERNÜNFTIG IST und diese Methode nur im NOT-FALL anwendet. So viel VERTRAUEN hat Gott IN UNS.
Warum sollte Gott an unsere Vernunft zweifeln?

Wir entziehen uns unserer Bestimmung wenn wir NICHT Selbstbestimmt handeln!
Die Sünde besteht also genau darin an einem starren festgelegten Gottesplan zu glauben und Gott damit so viel Unvernunft zuzumuten weil sich damit die Freiheit der Seele ausschließt.
Was Gott bestimmt hat, kommt sowieso und ist festgelegt, an dieser Bestimmung können wir überhaupt nix verändern.

Wir leben innerhalb dieser Bestimmung in einem freie bestimmbarem Sein.
Erlöst, schuldlos, frei und mit Hirn, Verstand und Vernunft der göttlichen Ausstattung ausgestattet, also begabt. Wir haben ALLE die GABE Gottes und dürfen frei und Selbstbestimmt innerhalb unseres "Seelen-Spielplatz" ERDE selbstBestimmt handeln.
Die Macht Gottes macht das möglich!
Wer zweifel an dieser Macht?
Das ist meine Meinung, Gedanken, ggf notwendige Vorvorurteile, die ich so gut es mir derzeit möglich ist, ausgedrückt habe.
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(26-10-2017, 00:14)eddyman schrieb: Die wenigsten Selbstmörder werden "frei" gewesen sein, dh sie waren nicht ganz klar im Kopf als sie das gemacht haben.

Das kann durch andere Menschen mitverursacht sein oder ein Mensch ist krank. Wir leben alle unter gegenseitigen Einfluß.
Wenn es eine Bestimmung gibt, wie du sagst, dann kann diese Bestimmung nur 1 Bestimmung FÜR ALLE sein.
Wir haben alle der SELBEN Betimmung zu folgen.

Dann ist es die Bestimmung eines JEDEN es NICHT soweit kommen zu lassen!!!!

Sowie ein Mensch sich umbringt, trägt ein anderer die SCHULD!

Alle Menschen die diesen Menschen beeinflußt haben, haben diesen Todeswunsch VERURSACHT.

Der Selbstmörder ist ein Opfer der Gesellschaft in der er sich befindet.

Eine Bestimmung die göttlich ist TRIFFT auf ALLE Beteiligten!
Es existiert auf der Erde kein Mensch, kein Einzelner allein!!! Wir sind ein "ALLE" und leben im ALLES.
Es existiert keine EINzellBestimmung.
Das ist meine Meinung, Gedanken, ggf notwendige Vorvorurteile, die ich so gut es mir derzeit möglich ist, ausgedrückt habe.
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(26-10-2017, 00:14)eddyman schrieb: Die wenigsten Selbstmörder werden "frei" gewesen sein, dh sie waren nicht ganz klar im Kopf als sie das gemacht haben.

Es steht mir nicht zu, das zu beurteilen. Dafür fehlt mir auch Hintergrundwissen.

(26-10-2017, 00:14)eddyman schrieb: Sich seiner eigenen Bestimmung zu entziehen, wenn sie auch noch so schwer ist,

Es gibt keine Bestimmung. Der Mensch ist letzten Endes sinnfrei auf der Welt. Oder, um es mit Sartre zu sagen: Er ist dazu verurteilt frei zu sein. Er alleine bestimmt über sein Leben. Und diese Freiheit darf er selbstverständlich auch für den Tod in Anspruch nehmen.

(26-10-2017, 00:14)eddyman schrieb: halte ich für eine große Sünde.

Wer nicht religiös ist, teilt auch die Auffassung von der Sünde nicht. Insfern ist derlei Argument für den atheistischen Selbstmörder ziemlich belanglos.

(26-10-2017, 00:14)eddyman schrieb: Und es ist wie schon gesagt die Frage, was man dadurch erreicht.

Na, man entzieht sich Problemen im Leben (welcher Natur diese auch immer sein mögen).

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(26-10-2017, 08:06)Gundi schrieb: Es gibt keine Bestimmung. Der Mensch ist letzten Endes sinnfrei auf der Welt. Oder, um es mit Sartre zu sagen: Er ist dazu verurteilt frei zu sein. Er alleine bestimmt über sein Leben. Und diese Freiheit darf er selbstverständlich auch für den Tod in Anspruch nehmen.
Nein, das darf er nicht! Ich krieg die Krise wenn ich mir vorstelle, jemand der an Suizid denkt liest diese Kommentare, die so scheinbar rational daherkommen.
Ich beziehe mich auf das Kausalitätsgesetz, das in dieser Welt vorherrscht. Der momentane Ist-Zustand ist die Auswirkung einer Ursache aus der Vergangenheit. Ein Mensch hat potentiell die Möglichkeit (oder die "Freiheit") seinen Körper zu töten, kann dadurch aber seiner Kausalitätskette nicht entrinnen. Durch sie ist und bleibt er gebunden, und um diese zu verändern braucht er dieses Leben, und dazu braucht er diesen Körper!

"Wie hat er sich betrogen!
Hier stand er hinterm Busch versteckt,
Dort steht er bloß und aufgedeckt,
Und alles, was ihn hier erschreckt,
Ist mit ihm gezogen.
Wie hat er sich betrogen!"
(Matthias Claudius)

(26-10-2017, 08:06)Gundi schrieb: Na, man entzieht sich Problemen im Leben
Einem Scheissdreck entzieht man sich!
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(26-10-2017, 11:04)eddyman schrieb:
(26-10-2017, 08:06)Gundi schrieb: Es gibt keine Bestimmung. Der Mensch ist letzten Endes sinnfrei auf der Welt. Oder, um es mit Sartre zu sagen: Er ist dazu verurteilt frei zu sein. Er alleine bestimmt über sein Leben. Und diese Freiheit darf er selbstverständlich auch für den Tod in Anspruch nehmen.
Nein, das darf er nicht! Ich krieg die Krise wenn ich mir vorstelle, jemand der an Suizid denkt liest diese Kommentare, die so scheinbar rational daherkommen.

Hallo eddyman,
offenbar ist dieses Thema sehr emotional für dich und wir diskutieren hier auf unterschiedlichen Ebenen. Selbstverständlich soll niemand zum Selbstmord ermutigt werden. Alleine schon deshalb, weil solche Menschen häufig nur ihr momentane, temporäre Situation sehen und nicht sehen, dass sich vieles im Leben ändern kann.
Mein Statement ist daher rein theoretischer und philosophischer Natur.
Und es ist nun mal so, dass man Selbstmord nicht verbieten kann oder moralische Gründe anführen kann (wenn der Selbstmörder nicht daran glaubt). Niemand hat das Recht auf das Leben (und damit auch den Tod) eines anderen Menschen.

(26-10-2017, 11:04)eddyman schrieb: Ich beziehe mich auf das Kausalitätsgesetz, das in dieser Welt vorherrscht. Der momentane Ist-Zustand ist die Auswirkung einer Ursache aus der Vergangenheit. Ein Mensch hat potentiell die Möglichkeit (oder die "Freiheit") seinen Körper zu töten, kann dadurch aber seiner Kausalitätskette nicht entrinnen. Durch sie ist und bleibt er gebunden, und um diese zu verändern braucht er dieses Leben, und dazu braucht er diesen Körper!

Ein toter Mensch ist mit nichts mehr verbunden. Er ist ja tot und damit weg.
Außerdem kann der Mensch nicht gegen alles vorgehen und seine "Kausalität" ändern. Wenn jemand unheilbar krank ist und nur noch Schmerzen hat, kann er dagegen nichts tun.

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(26-10-2017, 11:04)eddyman schrieb: Ich krieg die Krise wenn ich mir vorstelle, jemand der an Suizid denkt liest diese Kommentare, die so scheinbar rational daherkommen.

Ich verstehe deine Sorge zwar, aber ich denke nicht dass diese Kommentare eine Entscheidung beeinflussen.

Vielleicht hält der Glaube ein paar wenige davon ab, aber es gibt auch Gläubige die sich das Leben nehmen.
Wer sich dazu entscheidet kann nur zum Zeitpunkt des Ausführens ggf mit Worten davon abgehalten werden, denke ich.
Rationale Kommentare im Vorfeld sind nicht so gewichtig, die Rationalotät, die Wirklichkeit, die Realität ist dass was ein Suizidgefährteter ablehnt. 
Zu wissen dass man sich umbringen dürfte, verändert den inneren Gedanken nicht. Wer es wirklich tun will dem ist es doch egal ob er es tun darf oder nicht.
Das ist nur meine Vermutung.

Da bekomme ich eher die Krise wenn ich höre wie Menschen gemobbt werden usw., das ist m.E. die deutlich größere Gefahrenquelle für Suizid als ein Kommentar von Sartre.

(26-10-2017, 11:04)eddyman schrieb: Der momentane Ist-Zustand ist die Auswirkung einer Ursache aus der Vergangenheit.
.... ... ... und um diese zu verändern braucht er dieses Leben, und dazu braucht er diesen Körper!

Ja, Ursachen liegen in der Vergangenheit, für den IST-Zustand gibt es m.E. aber mehrere Verursacher.

Jeder lebt sein Leben, seine eigene Kausalkette die auch von anderen mitverursacht wurden. Diese Kausalketten überkreuzen die Kausalketten anderer Menschen. Da kann man nur täglich dafür sorgen dass man sich nicht zu sehr in die Quere kommt.
Ein harmonischer  Umgang zum Nächsten ist das was jeder tun kann und sollte.
Die menschlichen Kausalketten kann man nur in Gemeinschaft, also zusammen verändern.
Dieses Glaubens-Model von "Schuld" aus der Vergangenheit oder gar aus einem vorgeburtlichen Leben, kann ich nur akzeptieren, wenn ich mir da eine Gemeinschaftsschuld der Menschheit vorstelle. Anders gedacht ergibt es m.E. keinen Sinn.
Nur wenn wir es schaffen in EinzelEinheiten (einzelner Mensch) MIT ALLEN Menschen zusammen 1 gutes Karma zu erreichen, dann erfüllen oder verändern wir die Menscheits-Kausalkette.
Das ist meine Meinung, Gedanken, ggf notwendige Vorvorurteile, die ich so gut es mir derzeit möglich ist, ausgedrückt habe.
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(26-10-2017, 11:04)eddyman schrieb: Ein Mensch hat potentiell die Möglichkeit (oder die "Freiheit") seinen Körper zu töten, kann dadurch aber seiner Kausalitätskette nicht entrinnen. Durch sie ist und bleibt er gebunden, und um diese zu verändern braucht er dieses Leben, und dazu braucht er diesen Körper!

Im Sinne des Kausalitätsgesetzes kann man genausogut sagen, dass ein Mensch, welcher seinen Körper tötet, damit die Ursache für das endgültige Ende seiner Existenz setzt. Damit wäre die Auslöschung seiner Existenz die Wirkung innerhalb der Kausalkette. Wo aber nichts mehr ist, kann auch nichts gebunden bleiben.

Beide Aussagen stehen nun nebeneinander, und welche davon man für wahr hält ist persönliche Glaubenssache, denn weder die eine noch die andere kann bewiesen oder widerlegt werden. Daran vermag auch ein dichtender Pastorensohn nichts zu ändern.
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Ein Suizid und Kommentare dieser Art haben eines gemeinsam, nämlich den einfachen Weg. Das Problem ist, dass der einfache Weg nur am Anfang einfach ist, dann aber recht schwer wird. Besser ist es, zuerst den schweren Weg zu gehen, dann wirds am Ende einfacher. Ich glaube das gilt für alles im Leben.
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(26-10-2017, 23:38)eddyman schrieb: Ein Suizid und Kommentare dieser Art haben eines gemeinsam, nämlich den einfachen Weg. Das Problem ist, dass der einfache Weg nur am Anfang einfach ist, dann aber recht schwer wird. Besser ist es, zuerst den schweren Weg zu gehen, dann wirds am Ende einfacher. Ich glaube das gilt für alles im Leben.

Das Problem mit Prinzipien dieser Art, ist, dass sie zwar gut klingen, aber der Lebenrealitaet im allgemeinen widersprechen. Wir wuenschen uns, dass die Welt irgendwie gerecht ist; sie ist es aber nicht. Ich sehe jetzt nicht, welchen tieferen Sinn es haben sollte, irgendjemand Totkranken, der demnaechst jegliche Kontrolle ueber den eigenen Koerper verlieren wird oder nur noch Schmerzen und den sicheren Tod vor sich hat, davon abzuhalten, seinem Leben ein Ende zu setzen, solange er dies noch kann.

Der Kult um das Leiden ist aber natuerlich ein im Christentum tief verwurzelter Brauch. Dieser versucht einen Sinn aus dem Sinnlosen zu ziehen.
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(26-10-2017, 23:38)eddyman schrieb: Ein Suizid und Kommentare dieser Art haben eines gemeinsam, nämlich den einfachen Weg. Das Problem ist, dass der einfache Weg nur am Anfang einfach ist, dann aber recht schwer wird. Besser ist es, zuerst den schweren Weg zu gehen, dann wirds am Ende einfacher. Ich glaube das gilt für alles im Leben.

Ich sehe das eher umgekehrt: Sich hinter einer Glaubensburg zu verschanzen, sich von den Jenseitsverheißungen beruhigen zu lassen, die religiösen Regeln vorbehaltlos zu befolgen, ohne deren Sinnhaftigkeit je zu hinterfragen – das ist für mich der einfache Weg. Er vermittelt eine scheinbare Sicherheit, die es jedoch in Wirklichkeit nicht gibt.

Solch eine Scheinsicherheit vermag vielleicht den Menschen ein Stück weit durch das Leben tragen, aber wenn einem die Widersprüchlichkeit der Religion einmal mitten ins Gesicht gesprungen ist, dann ist nichts zu machen: dann wirkt der Glaube nicht mehr.

Daher habe ich mich vor geraumer Zeit dazu durchgerungen, mich zu meinem Unwissen zu bekennen. Was passiert, sobald ich die Schwelle des Todes überschritten habe, weiß ich nicht; das weiß niemand. Klar, eine der unendlich vielen Möglichkeiten besteht darin, dass der Gläubige genau richtig liegt. Aber bei der Vielzahl der Religionen und deren Abspaltungen ist schon nicht einmal mehr sicher, welche Gläubigen genau das nun sind, die da richtig liegen. Was aber passiert, wenn uns dort auf der anderen Seite eine Realität erwartet, auf die nicht einmal der gläubigste Mensch gefasst war? Ich fürchte, da wird so manche Blase unbedingten Vertrauens um so schmerzhafter platzen.

Mir ist es lieber, die mit dem Bekenntnis zum Unwissen verbundene Unsicherheit (und auch die Ängste, die manchmal damit einhergehen) auszuhalten. Je länger ich daran übe, desto leichter fällt mir das mittlerweile auch. Damit sollte auch klar werden, dass die Aussage zum endgültigen Ende der Existenz keineswegs etwas ist, an das ich glaube. Vielmehr handelt es sich um eine gängige atheistische Sicht, die der deinen diametral entgegengesetzt ist; damit wollte ich nur verdeutlichen, wie persönlich solche Vermutungen sind, und wie wenig sie über die Realität aussagen.

Was auch immer nach dem Tod kommt: ich werde mich darauf einlassen (müssen), wenn es soweit ist. Etwas anderes bleibt sowieso niemandem übrig, egal, wie gläubig oder ungläubig er nun ist.

Was meine Haltung zum Suizid angeht, so kann ich mich der vorstehenden Äußerung Ulans nur anschließen: wer Selbsttötung nur kategorisch ablehnt, macht es sich zu einfach. Jeder Einzelfall kann nur individuell beurteilt werden, wobei natürlich alle Umstände und Folgen berücksichtigt werden müssen. Im Zweifel ist jedoch die Entscheidung des Betroffenen ebenso zu respektieren, wie das gegebenenfalls dadurch verursachte Leid bei Angehörigen zu würdigen ist.
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(27-10-2017, 00:39)Ulan schrieb: Der Kult um das Leiden ist aber natuerlich ein im Christentum tief verwurzelter Brauch. Dieser versucht einen Sinn aus dem Sinnlosen zu ziehen.
Ich habe viel gelitten, aber umsonst, es hat sich nichts verändert. Entscheidend ist die innere Haltung, in der man leidet. Diese wird in der religiösen Literatur erschreckend wenig erklärt. Ein solch "produktives" Leiden führt zu einer Auflösung von "Ursachen" (und somit zu einer Veränderung der Kausalitätskette). So erfahre ich das, und darin sehe ich auch diesen "tief verwurzelten Brauch" begründet. Sinnlos ist das keineswegs, im Gegenteil!
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(27-10-2017, 09:54)AncheCameo schrieb: Mir ist es lieber, die mit dem Bekenntnis zum Unwissen verbundene Unsicherheit (und auch die Ängste, die manchmal damit einhergehen) auszuhalten. Je länger ich daran übe, desto leichter fällt mir das mittlerweile auch.
Das geht ja grundsätzlich einher mit dem was ich gesagt habe. Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es tendentiell besser ist "auszuhalten" als sich dem zu entziehen.
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Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob wir auch dasselbe meinen. Die Fähigkeit, etwas aushalten zu können, ist bei der Bewältigung von Gegebenheiten von Vorteil, das bestreite ich nicht. Aber die Methoden, mit einer Situation umzugehen, stehen mMn gleichwertig nebeneinander: manchmal ist es besser, sie auszuhalten, manchmal besser, sich ihr zu entziehen; aber manchmal auch, sich dagegen zu wehren oder sie gar herauszufordern. In jedem Einzelfall fällt die Bewertung, welche Alternative am sinnvollsten ist, anders aus.

Beim Titelthema ist nicht einmal die Interpretation der Reaktion eindeutig: du wirst es vermutlich durchgängig so interpretieren, dass der Suizident versucht, sich einer für ihn unerträglichen Gegebenheit zu entziehen; ich kann mir aber auch vorstellen, dass der Suizid in bestimmten Fällen als Herausforderung des Schicksals gesehen wird, als ein es-darauf-ankommen-lassen.
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