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Humanismus und Materialismus
#1
Dem Materialismus wird vorgeworfen, mit seiner rationalen und logischen Ausformung, Religion als problematisch zu deklarieren.
Materialismus toleriert keine Menschlichkeit, so die These.

So wäre der Humanismus nicht mit dem Materialismus vereinbar, sondern gar das Gegenteil.

Widerspricht sich ein Atheist, wenn er von sich behauptet, Humanist und gleichzeitig Materialist zu sein?
"What can be asserted without proof can be dismissed without proof." [Christopher Hitchens]
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#2
Das kommt auf die Definition von "Humanismus" und "Materialismus" an.
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#3
(15-12-2010, 00:47)humanist schrieb: Dem Materialismus wird vorgeworfen, mit seiner rationalen und logischen Ausformung, Religion als problematisch zu deklarieren.
Materialismus toleriert keine Menschlichkeit, so die These.
So wäre der Humanismus nicht mit dem Materialismus vereinbar, sondern gar das Gegenteil.
Widerspricht sich ein Atheist, wenn er von sich behauptet, Humanist und gleichzeitig Materialist zu sein?

Zuerst mal stößt es mir ein wenig sauer auf, wenn Ratio und Logik für den Materialismus vereinnahmt werden.
Dass Religion problematisch ist, dürften auch deren Anhänger meist so sehen; der Materialismus geht IMHO darüber hinaus und lehnt Religion grundsätzlich als Illusion ab.

Ob Materialismus und Humanismus vereinbar sind hängt m.E. erst mal davon ab, wie man 'Menschlichkeit' definiert...
Wenn ich mal aus Wiki zitiere -

Zitat:Der Humanismus beruht auf folgenden Grundüberzeugungen:
Das Glück und Wohlergehen des einzelnen Menschen und der Gesellschaft bilden den höchsten Wert, an dem sich jedes Handeln orientieren soll.
Die Würde des Menschen, seine Persönlichkeit und sein Leben müssen respektiert werden.
Der Mensch hat die Fähigkeit, sich zu bilden und weiterzuentwickeln.
Die schöpferischen Kräfte des Menschen sollen sich entfalten können.
Die menschliche Gesellschaft soll in einer fortschreitenden Höherentwicklung die Würde und Freiheit des einzelnen Menschen gewährleisten.

Zitat:Der erkenntnistheoretische oder ontologische Materialismus ist eine philosophische Position, die alle Vorgänge und Phänomene der Welt auf Materie und deren Gesetzmäßigkeiten und Verhältnisse zurückführt. Auf die Frage „Was ist?“ antwortet der Materialismus: Nur Materie. Der Materialismus geht also davon aus, dass auch Gedanken und Ideen Erscheinungsformen der Materie sind bzw. auf solche zurückgeführt werden können. Er erklärt dem Menschen die ihn umgebende Welt und die in ihr ablaufenden Prozesse ohne geistige bzw. immaterielle Elemente, wie beispielsweise Gott...

- dann scheinen mir Begriffe wie 'Würde', 'Persönlichkeit', 'schöpferische Kräfte', 'Freiheit' etc. im Materialismus nur auf Umwegen als real, als Wert erkennbar zu sein. Ich würde also denken dass Humanismus und Materialismus einander nicht widersprechen, dass aber sie unter einen Hut zu bringen zusätzliche Denkarbeit erfordert... :icon_wink:
() qilin
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#4
Beim Materialismus muss man auch die Epoche beachten. Im ausgehenden 19. Jahrhundert orientierte sich der Materialismus an der klassischen Mechanik Newtons. Die Welt stand scheinbar vor der Lösung der gesamten Physik durch Formalismen, aus denen durch Differenzial- und Integralrechnung alle Verhaltensweisen von Materie ermittelt werden konnte. Nennen wir diese Epoche einmal "Klotzmaterialismus". Mit den Erkenntnissen des beginnenden 20. Jahrhunderten änderte sich diese Denkweise schlagartig. Drei Erkenntnisse erzwangen eine Abkehr vom Klotzmaterialismus, was Materialismus für weite Kreise salonfähig machte: die Relativitätstheorie, die Quantenphysik und die Informationstheorie.
Nach wie vor bleibt es bei der Idee, dass auch der Geist Ausfluss des Verhaltens der Materie ist, aber erweitert um Kräfte, Felder und Information.
Mir persönlich scheint es so, dass Geist und Materie nur Anschauungsformen sind, um unsere Welt ordnend zu erfassen. Wir formen in unserer Vorstellung gewissermaßen Werkzeuge, mit denen wir die Erscheinungen einerseits der Natur und andererseits der Menschen mit ihrem Bewusstsein be-greifen. Nichts davon steht für sich. Für mich haben sich beide Extreme (Materie und Geist) überlebt.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#5
... oder ich bin eben auch "Materialist".
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#6
Nach den Definitionen kann man doch durchaus ein humanistischer Materialist sein, oder?

Für den Materialisten kann doch durchaus der Mensch/die Menschheit und deren Wohlergehen durchaus im Mittelpunkt stehen.

Und die anderen Teile der Defiition stehen doch auch nicht im Gegensatz dazu.

Die Würde des Menschen, seine Persönlichkeit und sein Leben müssen respektiert werden.
Der Mensch hat die Fähigkeit, sich zu bilden und weiterzuentwickeln.
Die schöpferischen Kräfte des Menschen sollen sich entfalten können.
Die menschliche Gesellschaft soll in einer fortschreitenden Höherentwicklung die Würde und Freiheit des einzelnen Menschen gewährleisten.


Warum sollte ein Mensch, der sich selbst ausschließlich als eine Ansammlung von Materie sieht, evtl. zusätzlich der neueren Faktoren, die Du aufgeführt hast, nicht nach der Verwirklichung des humanistischen Ideals für die anderen Materiehaufen vulgo Mitmenschen streben?
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#7
Hallo Agnostik,
so gefragt, scheidet nichts aus. Ich fasse mich als ein in sich verbundenes System von Material auf. Was der "Klotzmaterialist" gerne vergisst: Dieses System läuft nicht ab, wie ein Uhrwerk. Inzwischen weiß man mehr über Systemeigenschaften, die sich weit weg vom "thermodynamischen Gleichgewicht" selbst entwickeln und erweitern. Diese "Entwicklung" benimmt sich aus subjektiver Sicht wie etwas Selbständiges, ja wie eine Person oder wie "Geist".
Deswegen halte ich es durchaus für wahrscheinlich, dass alle derartigen Begriffe auf jene Systemeigenschaften zurückzuführen sind.
Vielleicht ist es ja auch so, dass wir unsere Erfahrungen mit Mitmenschlichkeit, Liebe, Solidarität, Würde usw. eins zu eins in die Welt der komplexen materiellen Systeme übernehmen können. Außer in Fachkreisen können wir anderen weiterhin z.B. "Liebe erfahren". Spielt eigentlich keine Rolle, dass darin ein komplexes System in uns aktiv wird.
Mit dem gleichen Recht kann man von "Gott" reden und denken, auch wenn darin ein komplexes Zusammenwirken von Menschen verborgen liegt.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#8
(16-12-2010, 02:45)agnostik schrieb: Nach den Definitionen kann man doch durchaus ein humanistischer Materialist sein, oder?

Natürlich kann man - es ist wie gesagt nur ein wenig mehr Denkarbeit vonnöten :icon_cheesygrin:
() qilin
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#9
@ Ekkard

Für mich ist es eine der Möglichkeiten.
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#10
(15-12-2010, 00:47)humanist schrieb: Dem Materialismus wird vorgeworfen, mit seiner rationalen und logischen Ausformung, Religion als problematisch zu deklarieren.
Materialismus toleriert keine Menschlichkeit, so die These.

So wäre der Humanismus nicht mit dem Materialismus vereinbar, sondern gar das Gegenteil.

Widerspricht sich ein Atheist, wenn er von sich behauptet, Humanist und gleichzeitig Materialist zu sein?
Warum sollte diese Aussage sich widersprechen. Wer die Welt so nimmt, wie sie ist, mit allem, was geboten wird, kann an der Entwicklung der Welt in allen Bereichen mitarbeiten, so daß er sich ein gutes Leben aufbaut und seinen kreativen Geist entwickelt, dessen Erfolge allen Menschen zuguten kommen können.

Und Entwicklung geht immer vorwärts, wie ein Uhrwerk, gelegentlich bleibt die Uhr mal kurz stehen, aber gibt man ihr einen Schwung, dann springt sie weiter und zeigt die Zeit an.

In religiösen Institutionen war es immer gang und gäbe, den Menschen ein Versprechen auf das Himmelreich zu geben, entweder wird man dort belohnt oder es erwarten den Menschen wer weiß was für schöne Dinge und da noch kein Mensch zurück gekommen ist, sind die Versprechen haltlos.

Es macht den Menschen nur gefügig, wenn er an solche Versprechen glaubt.

Und wem gefügig ? Denen, die seit Jahrtausenden auf dem Rücken der einfachen Menschen ihre Pfründe erhalten und vermehrt haben.

Und deshalb lassen die Mächtigen in vielen Ländern ihr Volk lieber in Unwissenheit dahin vegetieren, damit sie glauben, was man ihnen verspricht.

Wird aber in der Zukunft nicht mehr klappen, denn die Technik hat bereits die ganze Erde erfaßt und keiner kommt mehr ohne Technik aus, kann sich wirtschaftlich nicht auf dem aktuellen Stand halten und merkt, daß er im Leben zu spät kommt, wenn er nur noch die Rücklichter sieht und deshalb wird sich die Welt verändern, mit Riesenschritten.
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