Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
1 Jahr nach den Tragödie von Duisburg mit 21 Toten
#1
Guten Tag zusammen,

ein Jahr nach der Tragödie von Duisburg, bei der bei einem Fest der Jugend 21 Menschen durch eine Massenpanik 21 Menschen ums Leben gekommen sind laufen zwar inzwischen 16 Strafverfahren, aber politisch wurden bisher keinerlei Konsequenzen gezogen.

Auch wenn den Bürgermeister strafrechtlich keinerlei Konsequenzen drohen hat er sicherlich zumindest eine politische Verantwortung für das, was da in seiner Stadt Duisburg passiert ist.

Schließlich wurde die Veranstaltung durch Menschen seiner Behörde, die in seinem Namen Entscheidungen fällen genehmigt. Auch der (stellvertretende) Polizeipräsident hätten meiner Erwartung nach Verantwortung übernehmen müssen.

Ein Abwahlverfahren für den Oberbürgermeister läuft zwar, aber mal schauen, ob das jemals zur tatsächlien Abwahl führt und wer sonst von den obersten politischen Verantwortlichen tatsächlich Verantwortung übernimmt.

Ich befürchte, da werden wir nicht viel sehen.

Gruß
Gerhard
Zitieren
#2
Ich war nicht dabei und würde mich aufgrund von Kirmes- und Kinoerlebnissen (mit Gedränge) niemals zu so einem Festival begeben.
Kaum ein Mensch lernt in Deutschland "making a queue" (eine Schlange zu bilden). Nein, alles drängelt und schiebt. Bei weit über 100 schiebenden Leuten, bei dem jeder nur 100 N Kraft aufwendet, kommen so 10kN (eine Tonne!) zusammen. Die vorne können nicht mehr atmen! Die hinten, die Schieber, denen alles nicht schnell genug geht, sind die Mörder ohne es zu ahnen.

Es müsste "eiserne" Regel werden, wenn es nicht voran geht: Make a queue!
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Zitieren
#3
Nur Ekkard, man kann in Deutschland nicht damit rechnen, dass so viele Menschen sich von selbst disziplinieren und automatisch bei Gedrängel eine Schlange bilden.

Schön wäre es, doch realistischerweise ist damit nicht zu rechnen. Ein Gedankenpunkt für uns alle kann und soll das sein.

Ich befürchte nur, ein einzelner von uns kann da jeweils nur wenig bis gar nichts erreichen.

Aber trotzdem ist Dein Ansatz ein Gesichtspunkt, der in der öffentlichen Diskussion bisher leider keinerlei Rolle gespielt hat.
Zitieren
#4
Ich kann mich gut an diesen Tag erinnern.

Da mein Vater früher in der Nähe von Duisburg wohnte, habe ich wer weiß wie oft am Dusiburger Hauptbahnhof auf Bus oder Taxi gewartet.

Das war mit ein Grund, weshalb ich emotional an dem Gechehen beteiligt war und mich das Ganze fast persönlich getroffen hat.

Erst ein paar Tage später erfuhr ich, dass mein Bruder in dieser "Hölle" gewesen war und sich mit Ach und Krach daraus hat befreien können. Er war da gewesen, um zu fotografieren.

Ich kann mich ebenfalls daran erinnern, wie niemand von den Veranstaltern und Politikern verantwortlich sein wollte und alle ihre Hände in Unschuld wuschen.

Danach aber habe ich die Sache aus dem Auge verloren, darum erschreckt mich dieses

(24-07-2011, 18:13)Gerhard schrieb: politisch wurden bisher keinerlei Konsequenzen gezogen.

jetzt doch einigermaßen.

Zitat:Auch wenn den Bürgermeister strafrechtlich keinerlei Konsequenzen drohen hat er sicherlich zumindest eine politische Verantwortung für das, was da in seiner Stadt Duisburg passiert ist.

Das sah ich damals genauso.
Zitieren
#5
Für jeden der Verantwortlichen gilt bis zum Beweis des Gegenteils die Unschuldsvermutung! Weise dem Oberbürgermeister nach, dass er die Bedenkenträger, die es immer und überall gibt, "abgebügelt" hat nach dem Motto: Ich will keine Bedenken lesen, sondern Lösungen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Zitieren
#6
Hallo Ekkard,

unabhängig von einer persönlichen Verantwortung, die man zweifellos nicht annehmen muss, ist der Oberbürgermeister einer Stadt in NRW die Person, in dessen Namen die Entscheidung der Genehmigung der Veranstaltung gefallen ist. Und diese falsche Entscheidung der Genehmigung ist sicherlich zumindest mit verantwortlich für das Unglück, das vor einem Jahr in Duisburg passiert ist. Von daher müsste meines Erachtens nach der Oberbügermeister wegen politischer Verantwortung zurücktreten.

Gerhard
Zitieren
#7
Hallo Gerhard,
im Prinzip gebe ich dir Recht. Allerdings weise ich auf den Zeitpunkt hin (oder den Verfahrenspunkt).
War die Entscheidung "falsch"? Wenn ja, gemessen an was, wenn man das schreckliche Ende (noch) nicht im Blick hatte. Die Frage lautet also: War eine Panik voraus zu sehen? Oder gab es Expertenmeinungen, die z. B. die Art des Zu- oder Ausgangs als zu eng bemängelt hatten. Lt. Kölner Stadtanzeiger gab es ein solches Monitum. Darauf wurde aber nicht Rücksicht genommen. Die Entscheidung trifft doch der Rat, nicht der OB (oder übersehe ich da etwas?)

Daher bleiben "Warum wurde pro Loveparade entschieden?", "Wer hat die Bedenken ausgeräumt?" und "Wer hatte dies zu bestimmen?" Erst wenn diese Fragen hinreichend beantwortet sind, sehe ich Gründe und Zeitpunkt zurück zu treten oder gar für Strafanträge. Vorher halte ich an der Unschuldsvermutung fest.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Zitieren
#8
(24-07-2011, 21:22)Ekkard schrieb: Daher bleiben "Warum wurde pro Loveparade entschieden?", "Wer hat die Bedenken ausgeräumt?" und "Wer hatte dies zu bestimmen?" Erst wenn diese Fragen hinreichend beantwortet sind, sehe ich Gründe und Zeitpunkt zurück zu treten oder gar für Strafanträge. Vorher halte ich an der Unschuldsvermutung fest.

Das sehe ich auch so. So tragisch die ganze Sache auch ist - Menschen wollen in solchen Situationen immer möglichst schnell einen Sündenbock haben, der den Kopf herhalten muss. Aber vorher müssen wichtige Fragen geklärt werden!
Zitieren
#9
Guten Abend,

ich habe durchaus Verständnis, für diese Überzeugung, schließlich würde der OB bei einem Rücktritt durchaus erhebliche dienstrechtliche und finanzielle Konsequenzen erleiden/zu erdulden haben. (Im GEgensatz dazu fallen ja in der Landes- oder Bundespolitik Leute nach einem Rücktritt meist weich.)

Auf der anderen Seite ist es m.E. nach auch für die Opfer und deren Anghörige sicherlich schwer zu ertragen, dass bis heute noch keinerlei Verantwortung für dieses Unglück übernommen wurde, denke ich.

Gruß
Gerhard
Zitieren
#10
Auf Voxnow.de kann man im Moment in der "Samstags-Reportage" eine zweiteilige Sendung zum Jahrestag der Love Parade mit bisher unveröffentlichtem Material ansehen. Im Grunde nur wenig neue Details aber es wird deutlich wo die Fehler lagen. Nicht nur in der Organisation, sondern auch in der Verantwortlichkeit.
Gruß
Motte

Zitieren
#11
Hallo,

sicherlich sieht es so aus, dass gravierende Fehler auf allen Seiten passiert sind; zumindest könnte man diesen Eindruck gewinnen.

Ein anderes Problem scheint wohl zu sein, dass die Zuständigkeiten/Verantwortlichkeiten nicht klar geregelt zu sein schienen.

Ob nun unbedingt Fernsehberichte/Reportagen wirklich Klarheit bringen können ist meines Erachtens nach fraglich.

Meines Erachtens nach kann man sogar die Frage stellen, ob mit den 16 Personen, gegen die zur Zeit noch Ermittlungen laufen wirklich gegen die richtigen ermittelt wird. Schließlich denke ist, dass zum Beispiel mündliche Anweisungen oder politscher Druck im Vorfeld von Entscheidungen nur noch schwer nachweisbar sein dürften.

Gruß
Gerhard
Zitieren
#12
Vollkommen korrekt! Das ist das Problem aller größeren juristischen Personen. Wie wird die Verantwortung für ein Projekt delegiert, wer ist wofür zuständig? Meistens ergibt sich im Versagensfalle, dass so richtig niemand zuständig war. Manche Dinge wurden "eben so mit erledigt".
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Zitieren
#13
Was in meinen Kopf aber einfach nicht reingeht: Wenn ich eine Veranstaltung habe, zu der jedes Mal mehr Leute kommen, dann muss ich doch davon ausgehen, dass bei der aktuellen Veranstaltung mindestens in etwa genauso viele da sind, wie beim letzen Mal. Und dann will man die regelrecht auf einem Platz einpferchen, der von vorn herein um ein vielfaches zu klein ist.

Auch ich fühle mich wie Ekkard bei solchen Veranstaltungen sehr unwohl und bin und war auch nie dort anzutreffen. Nur in einem möchte ich Ekkard eben widersprechen. Die Verantwortlichen müssen natürlich damit rechnen, dass da niemand in der Reihe steht und eben auch alles entsprechend so gestalten, dass da trotzdem nichts schiefgeht. Wenn Du, Ekkard, und ich das schon wissen, sollten das die Profis eben erst recht.

Außerdem wurde die Situation ja erst ab dem Zeitpunkt lebensbedrohlich, als die Schleusen einfach komplett geöffnet wurden um die rießigen Menschenmassen von der Straße zu bekommen - weil die den Verkehr blockierten. Das war nun wirklich unnötig.
Zitieren
#14
Hallo Conzensus,

so weit ich inzwischen informiert wurde war die Frage, ob die Sperren überhaupt wirksam gewesen waren, weil diese sowieso von vielen Personen umgangen wurden.

Ich kann mir vorstellen, dass, wenn die Vorbereitung schlecht gewesen sein sollte es möglicherweise sehr schwer sein dürfte, wirksame Sperren einzurichten.

Die Polizei war eigentlich gar nicht für Sperren vorgesehen, wenn ich richtig informiert bin, zumindest nicht auf dem Veranstaltungsgelände.

Ist nicht ganz so leicht, alles im Nachhinein zu bestimmen, zumal ja jeder wohl die Verantwortung für die Ereignisse von sich weg lenken möchte.

Die Straße, auf der das Unglück passierte war sowieso zu deisem Zeitpunkt für den Straßenverkehr gesperrt. Von daher kann ich Deinen letzten Satz nicht so ganz nachvollziehen.

Ich bin nach wie vor der Meinung, das etliche gravierende Fehler zu Stande gekommen sind. Das fängt spätestens mit der Genehmigung der Veranstaltung an, bei der man zum Beipiel auf Rettungswege usw. verzichtet hat, dann war zum Beispiel bei der Veranstaltung selbst ein Großteil der durch den Veranstalter zu stellenden Ordner erst gar nicht am Veranstaltungstermin erschienen, für die Polizeihandies wurde es versäumt, eine Vorrangschaltung zu veranlassen,

die Straße auf der das Unglück passierte war selbst nicht ordnungsgemäß abgesichert. Dort standen Container, die dort nicht sein durften, defekte Gullideckel mit Löschern in der Straße waren nicht abgesichert usw. usw. usw.

Ich kann es nicht beurteilen, ob man nicht irgendwann den Zustand erreichen muss, wo dann tatsächlich ein Unglück passieren muss...

Bochum hat seinerzeit noch Gott sei Dank rechtzeitig die Notbremse gezogen...

...leider war dazu in Duisburg keiner bereit bzw hatte nicht das dementsprechende Durchsetzungsvermögen.

Gruß
Gerhard
Zitieren
#15
Da sind so viele Fehler passiert und das in Kombination mit einer obersten Riege, die die Love Parade auf Teufel komm raus in Duisburg haben wollte.Ich glaube das war die entscheidende, katastrophale Kombination, man WOLLTE sie unbedingt in Duisburg haben, komme was da wolle und dafür wurden Gesetze verdreht, ausgesetzt, gefälscht und getürkt.
- die Polizei wurde nicht ordentlich instruiert und musste Sachen übernehmen, auf die sie garnicht vorbereitet waren, wie die Schranken
- Die MItarbeiter die für die Schranken zuständig waren waren zahlentechnisch viel zu wenige und wurden ebenso nicht instruiert
- der Rettungsdienst hatte keine mobilen Funkgeräte und wurde ebenso erst Stunden vorher rekrutiert
- Der Platz wurde eingezäunt, damit es sich um eine private Veranstaltung handelt, denn ohne Zaun hätte die STadt die Kosten tragen müssen und das verbietet das Haushaltsgesetz
- die Zahlen wurden öffentlich hochgepusht, innerhalb der Anträge aber so wiederrum kleiner gehalten als sie jemals bei irgendeiner Love Parade gewesen waren
- Baupläne wurden erst Tage vorher an die zuständigen Zulassungsbehörden geschickt, welche unter enormen Druck gesetzt wurden
- damit die Zuschauerzahlen immer im Rahmen der Zulassungsgrenzen für das Gelände passten hat der Veranstalter einen völlig unrealistischen Zu- und Abstromplan der Gäste erstellt, der aber alleine aufgrund der Breite und Länge der Gegebenheiten nie durchführbar war
- die Mitarbeiter mit Kontakt zu den Besuchern wußten selbst nicht, wo die LEute überall zum Gelände hin und vor allem wieder davon weg kommen konnten
- Schon vor dem Start der Veranstaltung lagen gefährliche Gegenstände wie ein liegender Bauzaun und ein offener Gullideckel auf dem Gelände, die u.a. nachher auch für die Panik gesorgt haben
- jegliche Kritik wurde ignoriert, ein Leiter der (glaube ich Feuerwehr) der schon lange vor der Love Parade deutliche Kritik geäußert hat wurde vom Dienst entlassen

Und so weier und sofort. Man könnte bestimmt noch 10 bis 15 weitere Punkte aufzählen... aber meiner Meinung nach liegt der Hauptkritikpunkt bei der Bürgermeisterriege, die die Love Parade unbedingt in Duisburg haben wollten und jegliche Zweifel und Kritik ignoriert haben.
Gruß
Motte

Zitieren


Möglicherweise verwandte Themen...
Thema Verfasser Antworten Ansichten Letzter Beitrag
  Katalonien und sein Streben nach Unabhängigkeit Mellnau 9 233 06-11-2017, 23:42
Letzter Beitrag: Ekkard
  Ist töten gut oder schlecht ? Sinai 28 3323 25-02-2017, 22:48
Letzter Beitrag: Jutta
  Kehrt die Dominanz der Religion auch nach Westeuropa zurück? Erich 23 6217 06-06-2015, 13:58
Letzter Beitrag: Harpya

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste