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Ging Ruth zu Boas einfach ins Bett?
#1
Erst mal die Frage an den Mod hier, ob ich mit diesem Thema hier in der richtigen Gruppe bin? Wenn nein, sag mir bitte wo und verschieb alles dorthin!

Es geht um folgendes:
Ich arbeite am Buch Ruth und bin nun zu einigen Stellen gestossen, dessen ursprünglicher Sinn mir nicht so ganz klar ist.

Eine solche Stelle wäre Ruth 3,7!
Dort heisst es, dass Ruth auf anraten ihrer Schwiegermutter Noomi sich dem Boas genähert hätte. Ich schreib jetzt mal hier "genähert", denn einige Bibeln sagen hier, dass Ruth die Decke von Boas Schlaflager aufgedeckt und sich dann zu seinen Füssen niedergelegt hätte. Moderne Bibeln wie etwa die HfA beschreiben dieses sehr salopp, dass Ruth dem Boas nachts unter die Decke kroch.

Nun, was mir hier nicht so ganz klar ist, ist was da wirklich geschah?
Ich gehe davon aus, dass die Ruth - auch wenn sie eine Moabiterin war (die Moabiter verleiteten unter Bileam die Israelis zum Götzendienst, was teilweise auch durch Unzucht geschah) - eine ehrbare Frau war und sich wohl eher nicht einer so zweideutigen Annäherungsversuch hingab, wie das eben aus dem HfA-Text hervorgeht.
In der Mac Arthur Studienbibel heisst es hierzu unter 3,3.4 dass sich Ruth eines damaligen Brauchtums bediente, womit sie ihre ehrbaren Absichten dem älteren Boas kundtat.
Was also tat Ruth da beim Boas?

Im ähnlichen Zusammenhang mag meine nächste Frage stehen, denn in 3,14 heisst es dann, dass bis dahin niemand erfahren durfte, dass Boas in dieser Nacht einen "Frauenbesuch" hatte - warum durfte dies nicht bekannt werden?
Hätte die Ruth ein falsches Licht auf sich selbst abgegeben, wenn bekannt geworden wäre, dass sie Nachts beim Boas (unter seiner Decke) war - oder hätte das Ansehen Boas (Ruth 2,1) einen "Schaden" genommen?

Wie denkt ihr über diese Fragen?

Schalom

Daniel
Interessiert dich das JNT/KJNT - möchtest du darüber persönlich austauschen? Dann schreib mir an Joh832@gmx.ch
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#2
(26-02-2014, 12:19)Joh832 schrieb: ..., ob ich mit diesem Thema hier in der richtigen Gruppe bin?

Ja, Du hast das Thema richtig eingeordnet.

Manche Fragen können durchaus auch in verschiedenen Unterforen richtig platziert sein. Es wird auch zu berücksichtigen sein, von welchem Gesichtspunkt aus man "sein Thema" diskutiert sehen will. Werden Fragen zu Bibeltexten, Korantexten (Hadithtexten) oder zur Religionsgeschichte zur Diskussion gestellt und in Unterforen "Judentum", "Christentum und Theologie" und "Islam" eingebracht, dann sollte man sich nicht darüber wundern oder ärgern, wenn zum Thema auch "Glaubensbekenntnisse" aller Art gepostet werden.

Wer sein Thema "wissenschaftlich" diskutiert sehen will, trägt sein Anliegen daher in einem der Foren vor, die in der Abteilung "Studium" eingerichtet sind ("Religions- und Kulturgeschichte", "Bibeltexte", "Koran- und Hadithtexte"). In diesen Foren ist ein Übermaß an Glaubensaussage OT.
MfG B.
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#3
(26-02-2014, 12:19)Joh832 schrieb: Nun, was mir hier nicht so ganz klar ist, ist was da wirklich geschah?

Wie denkt ihr über diese Fragen?

Hallo Daniel

sehr schwierig zu beantworten. Das ist eine sehr spezielle Frage mit der sich nur sehr wenige Leute beschäftigen. Was sagt Deine Religionsgemeinschaft dazu ?
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#4
(26-02-2014, 12:19)Joh832 schrieb: ..., dass Ruth die Decke von Boas Schlaflager aufgedeckt und sich dann zu seinen Füssen niedergelegt hätte.

Als "Decke" diente in dieser Zeit zumeist "der Mantel" (ein Wolltuch), mit die Menschen bekleidet gewesen waren.

Joh832 schrieb:Nun, was mir hier nicht so ganz klar ist, ist was da wirklich geschah?

Rut ist eine sehr junge (offenbar sehr gut aussehende) Witwe, die nach jüdischem Recht von einem Verwandten (als Löser) samt Besitz des verstorbenen Ehemannes als Ehefrau (für eine Leviratsehe) beansprucht hätte werden könnte. Da ein Löser im engsten rechtlichen Sinn (ein Bruder des verstorbenen Mannes) offenbar nicht vorhanden gewesen war, konnte sich Rut nach einem solchen innerhalb der entfernteren Verwandtschaft umsehen. Die Initiative (sich als Löser anzubieten) sollte allerdings vom Mann ausgehen. Noomi, die Schwiegermutter Ruts, will die junge Frau mit dem reichen Boas verheiraten und rät ihr, sich Boas in der beschriebenen Art und Weise zu nähern.

Rut, die offenbar Zuneigung zu Boas empfindet, ergreift die Initiative und bietet Boas an, ihr Löser zu sein (also sie in Leviratsehe zu heiraten und damit das Grundstück, das Ruts verstorbenem Mann gehört hatte, "auszulösen"). Boas nimmt das Angebot an, indem er den "Saum seines Mantels" über Rut breitet (bzw. Rut darunter kriechen lässt), nach jüdischem Recht ein verbindliches Eheversprechen (vgl. Ez 16,8). Durch eine Leviratsehe hätte der erste Sohn aus der Verbindung mit Boas als Nachkomme von Ruts erstem Mann gegolten und hätte das Erbe desselben antreten können.

Das Problem, das Vorlag und gelöst werden musste, war der mögliche Anspruch eines Mannes als Löser, der mit Rut näher als Boas verwandt war, was Noomi (und wohl auch Rut) - möglicherweise mit Absicht - übersehen hatte.
MfG B.
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#5
Ich habe die Geschichte so verstanden:

Nach den im Text beschriebenen Sitten gehörte Boas zu den Leuten, die das Land von Ruths verstorbenem Mann für sich beanspruchen durften, aber nur dann, wenn er Ruth heiratete - was er ja auch kurz darauf tat. Er war aber nicht der einzige, der dieses offizielle Recht hatte, sondern es gab noch mindestens einen weiteren Kandidaten. Indem Ruth nachts zu Boas kam, machte sie klar, dass sie ihn (und nicht den anderen) als Nachfolger ihres Mannes wollte. Sie stellte sich damit sozusagen unter seinen Schutz. Dass sie sich "zu seinen Füßen" legte, soll wohl bedeuten, dass es ihr nicht um Sex ging bzw. dazu, ihn mit Sex zu überreden.

Und dass zunächst niemand von dem Besuch erfahren sollte, könnte daran liegen, dass ja noch nicht ganz sicher war, dass Boas der neue Ehemann und Landbesitzer werden würde, weil der andere Kandidat das Vorrecht hatte. Hätte dieser die Möglichkeit angenommen, wäre Ruth vielleicht in Verruf gekommen. Die Geschichte betont schließlich, dass Boas Ruth mit Achtung und Respekt behandelte.
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#6
(26-02-2014, 15:02)Lelinda schrieb: Ich habe die Geschichte so verstanden:

Und dass zunächst niemand von dem Besuch erfahren sollte, könnte daran liegen, dass ja noch nicht ganz sicher war, dass Boas der neue Ehemann und Landbesitzer werden würde, weil der andere Kandidat das Vorrecht hatte. Hätte dieser die Möglichkeit angenommen, wäre Ruth vielleicht in Verruf gekommen. Die Geschichte betont schließlich, dass Boas Ruth mit Achtung und Respekt behandelte.

Danke Lelinda, besonders deine zweite Antwort (wie oben zitiert), hat mir sehr weiter geholfen!

Schalom

Daniel
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