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Die "religio" einer Gesetzesreligion
#16
(03-10-2014, 10:56)Bion schrieb: Hieronymus beispielsweise hatte "religio" noch im Sinne von Kultausübung verwendet (Vgl. Vulgata Ex 12,26.43; Iac 1,26f.).
Was ist denn "Kultausübung"? Wozu ist sie? Was ist denn Religion deiner Meinung nach? Was ist eine monotheistische Religion deiner Meinung nach?
"A million heads are better than one!" John Lennon
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#17
"Kultausuebung" bestand zunaechst hauptsaechlich darin, den Goettern ihren zustehenden Anteil zu sichern, also Opfer darzubringen. Uebermaessige Verehrung der oder Furcht vor den Goettern galt nicht als "religio", sondern als "superstitio", ein Vorwurf, der auch dem Christentum gemacht wurde.

Wenn Du ueber den Begriff "religio" im Monotheismus reden willst, welcher Zeitrahmen schwebt Dir denn vor? Da Du das lateinische Wort behandeln willst, ist der Zeitrahmen ziemlich weit, vom Roemischen Reich bis zum 2. Vatikanischen Konzil, und Begriffe aendern sich laufend.

Seit dem 2. Vatikanischen Konzil ist selbst im Katholizismus Religionsfreiheit und Dialogbereitschaft innerhalb einer demokratischen Gesellschaft verankert. Was genau willst Du also angehen?
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#18
(03-10-2014, 12:32)Ulan schrieb: " Was genau willst Du also angehen?
Die ursprüngliche Bedeutung der Religion. Warum Religion?
Die ursprungliche Bedeutung des Wechsels zum Monotheismus. Warum der Wechsel?
"A million heads are better than one!" John Lennon
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#19
(03-10-2014, 13:21)Gysi schrieb: Die ursprüngliche Bedeutung der Religion. Warum Religion?

Ich denke, das wurde bereits beantwortet. Es ging urspruenglich um Abwendung von Schaden von der Gemeinschaft durch Beschwichtigung und durch Herausfinden des Willens der hoeheren Maechte.

(03-10-2014, 13:21)Gysi schrieb: Die ursprungliche Bedeutung des Wechsels zum Monotheismus. Warum der Wechsel?

Weil die philosophischen Vorstellungen und das Gottesbild sich mit der Zeit aenderten. Die urspruenglichen polytheistischen Goetter waren eigentlich nichts anderes als Projektionen weltlicher Herrscher, genau so eitel, rachsuechtig und wankelmuetig, nur halt maechtiger. Daher das Ziel der Beschwichtigung.

In der Bibel sieht man aber die Weiterentwicklung dieses Gedankens. Wenn du im Pentateuch die verschieden alten Straenge vergleichst, wie den jahwistischen und den elohistischen, kannst Du sehr schoen sehen, wie sich das Gottesbild in 500 Jahren veraendert hatte. Der kleine, rachsuechtige, Fehler machende Stammesgott mit Selbstzweifeln macht dem ueberlegteren, aber auch ferneren Gott Platz. Dabei ist das immer noch kein wirklicher Monotheismus; die Formulierung "Du sollst keinen anderen Gott neben mir haben", die du im ersten Beitrag gebracht hast, macht das ja deutlich: da sind noch andere. Aber auch in der griechischen Philosophie ist der Monotheismus durchaus nicht fremd; bei Platon war Gott dann schon die hoechste Idee.

Die Idee "Gott" wurde also abstrakter, entfernter. Da war fuer menschelnde Vielgoetterei dann irgendwann kein Platz mehr.

Falls Du speziell den Wechsel zum Monotheismus im Roemischen Reich meinst, ist die Antwort banaler: Zufall, und eventuell der Wunsch einer Gattin.
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#20
(02-10-2014, 23:44)Ekkard schrieb: Harpya
HarpyaReligion nimmt keine Rücksicht auf Einzelne, speziell behandelt werden die allerdings schon.
Welches Gesetz tut das auf säkularem Gebiet? Das ist doch der Sinn von gesellschaftlichen Regeln!


(02-10-2014, 22:36)Harpya schrieb: Was ist das schon für ein Menschenverständnis mit der Taufe Kinder zwangsweise in die Kirche einzugliedern, dass sie sich dann aktiv erst später davon lösen müssen?
Müssen sie? Was dir nicht passt, wird von anderen als wertvolle Tradition betrachtet.



(02-10-2014, 22:36)Harpya schrieb: Wo immer möglich strebte Religion nach Macht und Einfluss, kann man nichts verniedlichen.
Diese Gefahr besteht immer - aber immer auch ohne Religion!

Wenn Zwangseinweisung in eine Religion wertvolle Tradition ist möcht ich nicht wissen was da sonst noch folgt.

Was Macht und Einfluss betrifft.
Die abrahamitischen Religionen haben über Jahrhunderte /Jahrtausende bewiesen, das sie nicht in der Lage sind ein
Gemeinwesen zuschaffen, das nicht auf Gewalt, Verfolgung und Unterdrückung beruht.
Sie haben mehr durche Eroberung, Missionierung, eine breite Spur von Blut und Schrecken hinterlassen
und die gesellschaftliche Entwicklung verzögert.
Islam ist da noch auf Mittelalterstand, mangels Aufklärung.
Keine Ideologie hat so deutlich bewiesen, dem Gemeinwesen abträglich zu sein, über Jahrtausend.


Nicht kompromissfähig, eine Lehre für alle mit Absolutheitsanspruch auf den Grundlagen archaischen Gedankengutes.

Dann kommen so nette Argumente, die Religion ist ok, die Gläubigen sind das Problem.

Wenn einer betrunken einen Unfall baut ist auch nicht das Auto schuld.
Ok, dann seh ich eine große Anzahl von Gläubigen mal wie im Rausch an.

Normalerweise versucht man die Leute von ihrer Sucht zu befreien, damit sie ihr Leben nicht ganz ruinieren.
Wie mit allen Suchtkrankheiten natürlich schwierig aber möglich, zunehmend zeigen sich Erfolge.

Kann ja auch mal Volksweisheiten anbringen, "Eines ziemt sich nicht für alle".
Privat , kein Problem, da gilt das Recht auf Rausch.
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#21
(03-10-2014, 13:52)Ulan schrieb: Falls Du speziell den Wechsel zum Monotheismus im Roemischen Reich meinst, ist die Antwort banaler: Zufall, und eventuell der Wunsch einer Gattin.
Irgendwie sind wir vom Thema abgekommen. Ich wollte nur aufzeigen, dass das Christentum - wie die anderen beiden monotheistiscvhen Gesetzesreligionen- in einer Demikratie mit Meinungs- und Religionspluralismus ncht mehr den Stand haben kann, den ursprünglich beanspruchte. Die Demokratie duldet keine Konkurrenz für ihre Gesetze!

Fudamentalisten des Islam wollen die Scharia aber durchsetzen! Das wollen sie, weil sie die Religionen ursprünglich verstehen. Das tun die Christen heute nicht mehr, jedenfalls nicht mehr politisch bemerkbar. Aber auch der christliche Fundamentalismus ist wieder schwer im Kommen. Deswegen istes m.E, notwendig, den Machtanspruch der menschengemachten Demokratien gegen die angeblich gottgemachten Religionen zu formulieren.
"A million heads are better than one!" John Lennon
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#22
Hm? Es mag sein, dass sich gewisse religiöse Ideologien mit Demokratie nicht vertragen. Aber es geht doch um überhaupt den Respekt vor Regeln, die man in der Gesellschaft vorfindet. "Religion" ist im weitesten Sinne die Lehre vom Respekt vor dem, was nicht ich bin (sondern Staat, Gesellschaft und noch abstraktere Vorstellungen bis hin zu den Gottheiten).
Es gibt auch kein Patentrezept, wie solcher Respekt herzustellen sei. Das Spektrum reicht von der Beispiel gebenden mythischen Geschichte bis zu Sanktionen und Höllenstrafen.

Mit Demo- oder Theokratie hat das wenig zu tun, sondern mit der inneren Haltung den Mitmenschen gegenüber.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#23
(03-10-2014, 16:55)Gysi schrieb: Irgendwie sind wir vom Thema abgekommen.
Nun, ich habe lediglich Deine spezifischen Fragen, die Du gestellt hast, beantwortet.

(03-10-2014, 16:55)Gysi schrieb: Ich wollte nur aufzeigen, dass das Christentum - wie die anderen beiden monotheistiscvhen Gesetzesreligionen- in einer Demikratie mit Meinungs- und Religionspluralismus ncht mehr den Stand haben kann, den ursprünglich beanspruchte.
Tut es ja nicht, jedenfalls nicht die Grosskirchen. Die haben sich schon lange angepasst, was ich mit dem Hinweis auf das 2. Vatikanische Konzil als dessen deutlichstem Ausdruck erlaeutern wollte.

(03-10-2014, 16:55)Gysi schrieb: Die Demokratie duldet keine Konkurrenz für ihre Gesetze!
Aber die Demokratie hat die Moeglichkeit, ihre Gesetze recht weitgehend anzupassen, um Wuensche von Religionsgemeinschaften, denen das Volk (demos) anhaengt, zu befriedigen; es ist ja schliesslich eine Demokratie. Es waere schoen, wenn das mit Minderheitenschutz durchginge, ist aber nicht zwingend der Fall. Auch die Diktatur der Mehrheit ist immer noch Demokratie, auch wenn keine sehr schoene.
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#24
(03-10-2014, 18:58)Ulan schrieb:
(03-10-2014, 16:55)Gysi schrieb: Die Demokratie duldet keine Konkurrenz für ihre Gesetze!
Aber die Demokratie hat die Moeglichkeit, ihre Gesetze recht weitgehend anzupassen, um Wuensche von Religionsgemeinschaften, denen das Volk (demos) anhaengt, zu befriedigen; es ist ja schliesslich eine Demokratie. Es waere schoen, wenn das mit Minderheitenschutz durchginge, ist aber nicht zwingend der Fall. Auch die Diktatur der Mehrheit ist immer noch Demokratie, auch wenn keine sehr schoene.

Warum sollte sie das in größerem Ausmasse tun ?
Kann man ja gleich wieder Staatsreligion einführen und ein Primat eines Glaubens befürworten.
Wo kommen denn Kirchen der Demokratie entgegen, wenns nicht um ihre abwandernden Pfründe geht ?
Auch die Grosskirchen vertreten ihre Interessen und Glaubensinhalte in verschiedenen Teilen der Welt ganz anders.

Jedenfalls bleibts immer beim von oben nach unten System unter weitgehender Ausklammerung der weiblichen Bevölkerung,
einer Diktatur mit festgemauertem Überbau.

Was soll man sich denn and das Geister und Hellseherwesen/Übersinnliches der Glaubensrichtungen anpassen
ohne spiritistische Ader.
Ist doch strange , symbolisch oder nicht, Leichenverzehrung zu ritualisieren und überall Leichen aufzuhängen.
Letztens im Urlaub im Gasthaus in Österreich , Platz genommen, Essen bestellt,
mal hochgesehen, direkt hinter mir an der Wand
ein ca. 1m hohes Kreuz von dem mir so ein Verendeter auf den Teller sah.
Da musste ich mich doch mal fix umsetzen, ist doch eklig.

EInen vorgefertigten Schablonenglauben zu haben ist keine Normalität.
Schliesslich gibts auch keinen der annährend die Weltbevölkerung vertritt.

Diese lavierende, opportunistische Lamorjanz der Lehre über die Zeit ist doch eher abstossend.

Mal neutral.
Man muss ein rotes Auto fahren. Viel Einspruch.
Ja, vielleicht nicht ganz doll rot, rötlich geht auch. Immer noch Gegner.
Eigentlich reichts ja auch wenn die Farbe einen Rotanteil hat. AUch nicht alle einverstanden

Tja, da landet man dann bei Rot ist ja nur eine Farbe im Spektrum, färbt doch wie ihr wollt.
Was ist das denn noch wert ?

Könnte man noch kritisch anmerken, das die Rotfans das Auto nur auf einer Seite bunt zeigen
und nur von einer Seite, die eine Hälfte ist immer noch rot.

So ist das eben, wie Mohammed, nicht genug Macht, Kreide fressen, ganz lieb sein.
Ändert sich später, Beispiele gibts genug.

Ich schau mir lieber die Taten statt billiger Worte an, da sehe ich nicht viel, ausser Anspruchsverhalten , ohne Entgegenkommen.


Was Demokratie betrifft.
Nur eine Mehrheit auszählen hat nichts demokratisches.
Sag ich mal so als ehemaliger Dunkeldeutscher.
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#25
(03-10-2014, 20:45)Harpya schrieb: Warum sollte sie das in größerem Ausmasse tun ?

Von "sollte" war keine Rede. Ich bin da durchaus Deiner Meinung. Es ging hier mehr um das "koennte", sprich, es ist nicht ausgeschlossen.

(03-10-2014, 20:45)Harpya schrieb: Was Demokratie betrifft.
Nur eine Mehrheit auszählen hat nichts demokratisches.
Sag ich mal so als ehemaliger Dunkeldeutscher.

Wenn die Mehrheit korrekt ausgezaehlt wird, schon. Wir vergessen ganz gerne, dass das Modell der westlichen Demokratie mit seinen pluralistischen Zuegen weder das einzige Demokratie-Modell ist noch selbstverstaendlich. Man muss schon etwas tun, um es zu erhalten. Ich muss von meinem gegenwaertigen Wohnort nur ein paar Kilometer nach Osten ueber die Grenze schauen, um zu sehen, dass Demokratie auch auf sehr viel unangenehmere Weise fuer Minderheiten gestaltet werden kann.
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#26
Fragt sich wie die Mehrheit erreicht wird, evtl. das Hongkong Modell wo der Kanditdat
linientreu vorbestimmt wird.

Die Demokratie des athenischen Sklavenhalterstaates will ja auch keiner.

Unter Demokratie stell ich mir jetzt nicht vor, das man gerne abstimmen kann,
wenn man's falsch macht aber nur einmal.

Die liebe Frau Ypsi-dingsda, die ihre Abgeordneten die Stimmzettel fotografieren liess gehörte zu Recht politisch geschreddert.
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#27
(03-10-2014, 18:58)Ulan schrieb:
(03-10-2014, 16:55)Gysi schrieb: Ich wollte nur aufzeigen, dass das Christentum - wie die anderen beiden monotheistiscvhen Gesetzesreligionen- in einer Demikratie mit Meinungs- und Religionspluralismus ncht mehr den Stand haben kann, den ursprünglich beanspruchte.
Tut es ja nicht, jedenfalls nicht die Grosskirchen. Die haben sich schon lange angepasst, was ich mit dem Hinweis auf das 2. Vatikanische Konzil als dessen deutlichstem Ausdruck erlaeutern wollte.
Die Großkirchen haben sich der Demokratie angepasst, dem MENSCHENwort! Sie haben die Autorität des GOTTESwortes aufgegeben. Und das ist ja auch gut so!
"A million heads are better than one!" John Lennon
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#28
(04-10-2014, 09:13)Gysi schrieb: Die Großkirchen haben sich der Demokratie angepasst, dem MENSCHENwort! Sie haben die Autorität des GOTTESwortes aufgegeben.

Das sicherlich nicht. Die Grosskirchen haben lediglich eingeraeumt, dass auch die Bibel Menschenwort ist. Goettlich inspiriert, ja, aber nicht woertlich diktiert. Das erlaubt dann mehr Spielraum, der sowieso notwendig war, da die heutigen Menschen eher eine Idee davon haben, was in dem Buch eigentlich drinsteht.
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#29
(04-10-2014, 09:37)Ulan schrieb:
(04-10-2014, 09:13)Gysi schrieb: Die Großkirchen haben sich der Demokratie angepasst, dem MENSCHENwort! Sie haben die Autorität des GOTTESwortes aufgegeben.

Das sicherlich nicht. Die Grosskirchen haben lediglich eingeraeumt, dass auch die Bibel Menschenwort ist. Goettlich inspiriert, ja, aber nicht woertlich diktiert. Das erlaubt dann mehr Spielraum, der sowieso notwendig war, da die heutigen Menschen eher eine Idee davon haben, was in dem Buch eigentlich drinsteht.
Du kannst alles für die Religion gutreden, die ursprünglich was ganz anderes meinte. Die modernen Christen haben ja irgendwann die Hölle abgeschafft. Diese wunderbare Erfindung Jesus', die "Gehenna"! "Ja", sagte mir ein Zeuge Jehovas, "das ist doch alles symbolisch zu verstehen!" Was muss "symbolisch" verstanden werden, was wörtlich? Das bestimmen irgendwelche weltlichen Führer. Noch ein, zwei Schritte in die Symbolik - und Gott himself ist auch nur "symbolisch" gemeint... Passen tät's.
"A million heads are better than one!" John Lennon
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#30
(04-10-2014, 11:41)Gysi schrieb: Du kannst alles für die Religion gutreden, die ursprünglich was ganz anderes meinte.

Welches "Du" benutzt Du hier? Ich persoenlich bin nicht glaeubig. Ich kann aber positiv anerkennen, wenn sich eine Glaubensgemeinschaft den veraenderten Realitaeten stellt und nicht einfach so tut, als waer nichts gewesen.
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