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Buddhismus???
#1
Man hört es nicht selten: Der Buddhismus sei gar keine Religion, vielmehr sei er eine Philosophie.

Mit derlei Sätzen wird oftmals versucht, den Buddhismus aus dem Dogmatismus der Religionen zu entbinden und ihm ein fortschrittlicheres, tiefsinnigeres und akzeptableres Image zu verpassen. Auch ein gewisser Gegensatz zu den übrigen Religionen wird konstruiert, der Buddhismus als die bessere Variante, denn "er habe ja keine Götter". Ja selbst erklärte Atheisten können dem Buddhismus noch etwas abgewinnen.

Nun, was ist tatsächlich dran an solchen Aussagen? Ist der Buddhismus eine Religion oder eine Philosophie?

Imho ist die Antwort einfach: Der Buddhismus beinhaltet ein nicht zu hinterfragendes Weltbild, er hat Geschichten über Ursprung und Leben die fern jeder Wissenschaft sind und er stellt einen Moralkodex auf, welcher sich an alten Vorschriften orientiert und nicht an den realen Gegenbenheiten. Er verspricht Menschen das Paradies (bzw. Nirwana) und lehrt, dass das Leid ertragen werden muss und der Lohn im Jenseits wartet. Er festigt all dies durch Bräuche, Traditionen und vermeintliche tiefsinnige "Glückskeksparolen". Fazit: Der Buddhismus ist eine Religion.
Zur Philosophie fehlt ihm das konsequente Infragestellen. Es fehlt ihm die Anpassung seiner moralischen Vorstellungen an unser Faktenwissen. Es fehlt ihm die Wissenschaftlichkeit.

Und dennoch wird er häufig als Philosophie verstanden? Warum? Was unterscheidet ihm vom Wesen her von den anderen Religionen?

Hat jemand eine Antwort?

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#2
Nun, als allererstes,.. den "Buddhismus" gibt es so nicht,.. es gibt viele verschieden Strömungen, ähnlich wie in der christlichen Kirche,.. es wird ja auch keiner die Mormonen mit Russisch orthodoxen in einen Topf werfen,..es gibt Richtungen wie zB den Lamaismus, die eher als Orthodox anzusehen sind, und dan gibt es wieder verschiedene Zweige des Zen Buddhismus, die sch durchaus auch an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren, frei nach" hinterfrage alles"
Die gefährlichste Meinung ist die Meinung der Leute, die gar keine eigene Meinung haben
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#3
Hallo d.n., danke für deine Antwort.
Du hast natürlich recht, dass es verschiedene Strömungen gibt. Aber treffen meine oben genannten Merkmale nicht auf alle buddhistischen Richtungen zu?

Die Kernfrage ist ja: Was unterscheidet den Buddhismus (oder meinetwegen auch einzelne Richtungen des Buddhismus) vom Wesen her von anderen Religionen? Weshalb bekommt er häufig den Status einer Philosophie und andere Religionen nicht?
Es ist ja keine Schmälerung des Buddhismus wenn man ihn lediglich als Religion betrachtet.

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#4
Nach aussen ist der Bhuddismus auch wie jede andere größere Religion, so friedfertig oder kriegerisch(Myanmar),
extrem wie im alten Tibet, aber auch sehr anpassungsfähig in der Diaspora.
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#5
(09-06-2015, 20:23)Gundi schrieb: Und dennoch wird er häufig als Philosophie verstanden? Warum? Was unterscheidet ihm vom Wesen her von den anderen Religionen?

Hat jemand eine Antwort?

Das ist wohl eher historisch zu sehen und an der frueheren Definition von "Religion" festzumachen. Noch im 20. Jhdt. stand in einigen Standardwerken, dass Religion einer festen Organisation bedarf und sich mit dem Verhaeltnis des Menschen zu Gott oder Goettern beschaeftigt, d.h., die Definition war stark am judeo-christlichen Modell orientiert und passte auch noch auf die antiken griechischen, roemischen oder aegyptischen Religionen. Bei solchen Definitionen faellt der Buddhismus natuerlich aus dem Raster, zumindest allgemein. Lamaismus dagegen wuerde formal wohl passen.
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#6
Ein wichtiger Punkt ist sicher auch, dass du allein im Buddhismus für deine Entwicklung verantwortlich bist, und keine Geister, Götter oder Engel dir irgendwie dabei helfen (zumindest aus Zen - Sicht)
Die gefährlichste Meinung ist die Meinung der Leute, die gar keine eigene Meinung haben
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#7
Wozu brauchts dann Bhuddismus ist ja dann äquivalent zu Atheismus.
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#8
@Ulan: Deine Erklärung klingt schlüssig. Und der Begriff der "Philosophie" hat sich dann wohl oftmals beibehalten im heutigen Sprachgebrauch.

@d.n.: Ich denke eigentlich nicht, dass dieser Aspekt für die Einordnung als Religion/Philosophie entscheidend ist. Denn soweit ich weiß, ist der Karma-Gedanke (imho das transzendente Wesen des Buddhismus) ja nicht soweit entfernt (von seinem transzendenten Wesen her) von Gott.


Aber vielleicht ist auch meine Definition von Philosophie zu eng? Eventuell wird der Begriff der "Philosophie" auch in Asien anders verstanden als bei uns bzw. als im streng wissenschaftlichen Kontext?

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#9
Es ist ganz falsch den Buddhismus als Philosophie zu beizeichnen. Soweit ich das überschaue wurde das versucht, die Ergebnisse waren aber nicht recht überzeugend. Buddha hat das würde ich sagen gar nicht interessiert, und zu seinen Lebzeiten gab es ja in Indien schon so manche Upanischaden. Hätte Er eine Philosophie begründen wollen, hätte Er sich nur umsehen müssen. Die "Zehnerfolge" zeigt, dass Er sich nicht darauf eingelassen hat:
*http://www.palikanon.com/majjhima/m072n.htm

Der Buddhismus ist eine Lehre. Diese ist im Original sehr umfangreich, und hat sich bis heute auf Vipassana und Zen "runtergebrochen", so scheint es mir. Es wird einfach gesagt: mach so und so, und dann siehste schon. Ist sehr praxisorientiert. Und durch die Praxis sieht man dann auch.
In einer Philosophie steigst du in den Zug und weist von vornherein, wohin die Reise geht. Im Buddhismus hast du anfangs keinen Schimmer. Alles was dich hält ist deine Zufluchtnahme zu den drei Juwelen.
Der Zug ist die Lehre, du steigst ein und nimmst damit Zuflucht zum buddhistischen Dharma. Im Zug sind noch andere die mitfahren, das ist der Sangha. Und manchmal, v.a. bei schlechter Wetterlage, gibt es eine Durchsage vom Schaffner, das ist der Meister oder Buddha.
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#10
Zum christlichen Wesen gibts aber auch viele Ähnlichkeiten, zB das sich der
Klerus von der Bevölkerung versorgen lässt, ohne echte Gegenleistung.
ABer das gibts ja überall.

Deb tibetanischen Bhuddishmus sollte man da aussen vorlassen,
der sieht dem anderen ja garnicht ähnlich, muss mal ein Übersetzungsfehler gewesen.
Da mag aber der Dalai Lama verarmen, wenn er nicht jährlich 200 000 Mücken von der CIA bekommen würde.
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#11
Die Frage, ob wir in unserem Kulturkreis Anschauungen der Welt als Religion anerkennen können, die einen ewigen Gott leugnen. Das war die ursprüngliche Aussage des Buddhismus: Buddha konnte in der Welt nur Vergänglichkeit erkennen, deshalb lehnte er die Idee der Upanishaden, dass es etwas Ewiges in der Welt gebe, sowohl im Menschen die Seele als auch ein Absolutum, strikt ab. Meiner Auffassung nach ist der Buddhismus ein uratheistisches System. Das mag sich in späteren Entwicklungen verändert haben, hier bin ich nicht kompetent.
In unserem Kulturkreis kommt hinzu, dass Religion ursprünglich als "die rechte Art des Glaubens an den einen Gott" verstanden wurde und der Begriff Religion an den lateinischen Kulturkreis gebunden war. Es ist auch im theologischen Bereich weitgehend Konsens, dass es überhaupt schwierig ist, einen Begriff, der so eng an eine Sprache, Kultur und Religion gebunden ist, auf Strömungen anderer Kulturkreise anzuwenden, wenn man ihnen gerecht werden will. Zur Zeit von Augustinus gab es hierzulande ja keinen Buddhismus.
Insofern ist natürlich auch fraglich, ob die Bewertung "Atheismus" dem Buddhismus gerecht wird, vielleicht ist ja schon die Frage, ob der Buddhismus eine Religion sei, vom Grundansatz verkehrt.
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