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Brahma Vishnu Shiva
#1
Ich will als Erstes die drei großen Götter und deren Familie vorstellen.


Brahma ist der Schöpfergott, der bei jeder Neuerschaffung des Universums auf einem Lotus sitzt, der aus Vishnus Nabel entspringt. Brahmas Frau ist Sarasvati. Brahmas Reittier ist der weiße Schwan Hamsa. Der Schwan ist zu Hause in drei Elementen, Erde, Wasser, Luft, also ein ganz besonderes Tier.

Vishnu heißt in diesem Aspekt Narayana und ruht auf der Schlange Ananta, was endlos bedeutet. Ananta heißt auch Shesha, Überrest, aus dem wieder neues entsteht. Die Schlange ist die auch uns geläufige Weltenschlange. Vishnus Frau ist Lakshmi, auch Shri genannt. Vishnus Reittier ist der Adler Garuda.

In Seiner zehnten Inkarnation, als der weiße Reiter Kalkin, löst Vishnu das Universum auf und die Schöpfung beginnt von neuem. Diese zehnte Inkarnation ist die, die als nächstes erwartet wird. Am Ende das Kalli Yugas.

Brahma, Vishnu und Shiva als der Auflösende, ist eine weitere Möglichkeit der Dreiheit von Schöpfung, Erhaltung, Auflösung.

Beide Ansichten leben nebeneinander her.

Shiva wird im Norden als Mahayogi verehrt, im Süden als der kosmische Tänzer Nataraja und in ganz Indien als Linga, das Phallussymbol. Linga und Yoni – Phallus und Schoß, das Symbol der Schöpfung schlechthin. Shivas Frau ist Parvati, auch Sati, Uma, Durga, Kali genannt. Shivas Reittier ist der Bulle Nandi.

Seine Söhne sind Ganesha, auch Ganapati genannt, und Subrahmanya, auch Karttikeye, Skanda, Kumara, Sharavanabha genannt.

Für Shiva kennt man auch die Bezeichnung Mahesh bzw. Maheshvara, der große Gott.

Soweit ein erster Einblick in die Vielfalt der Einheit.
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#2
Danke für diesen Einblick. Ich habe mir mal auf deiner Seite den Shiva Mythos durchgelesen. Jetzt weiß ich auch, weshalb es in Indien nur zwei Brahma-Tempel gibt.
Gilt der Buddha nicht auch als eine Inkarnation des Vishnu?

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#3
(01-07-2015, 17:00)Gundi schrieb: Danke für diesen Einblick. Ich habe mir mal auf deiner Seite den Shiva Mythos durchgelesen. Jetzt weiß ich auch, weshalb es in Indien nur zwei Brahma-Tempel gibt.
Gilt der Buddha nicht auch als eine Inkarnation des Vishnu?

Ja, Buddha war die neunte, also letzte, Inkarnation.

Manche Hindus sagen, Vishnu kam als Buddha, um die Ungläubigen von den Gläubigen zu trennen. Das mag aus Sicht der Brahmanen so stimmig sein.

Buddha hat sich am Ende gegen die Vormachtstellung der Brahmanen gewandt und gegen den reinen käuflichen Ritus. Er hat die Schriften aus dem Sanskrit in die Landessprache übersetzt, damit die Menschen das verstehen konnten was die Priester sprachen.

Das gefiel dem Klerus natürlich nicht. Verglichen zu den anderen Inkarnationen hat Vishnu da nicht viel erreicht. Es ist alles wieder beim Alten. Der Brahmane ist ein Dienstleister, jedes Wort, jede Tat kostet.
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#4
Ich habe also verstanden, dass die Götter der Hindu in Familien organisiert sind.

- Die Familie Brahma
- Die Familile Vishnu
- Die Familie Shiva

Und das sind Schopfung, Erhaltung, Auflösung

Ist das so richtig?
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#5
Das Problem mit Fragen wie diesen ist, dass es den Hinduismus gar nicht gibt. Es gibt viele verschiedene Hindu-Religionen, die auf solche Fragen jeweils ihre ganz eigenen Antworten haben. Verkuerzt gesagt, abirami vertritt hier eine philosophische Schule von vielen.
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#6
(02-07-2015, 08:31)Ulan schrieb: Das Problem mit Fragen wie diesen ist, dass es den Hinduismus gar nicht gibt. Es gibt viele verschiedene Hindu-Religionen, die auf solche Fragen jeweils ihre ganz eigenen Antworten haben. Verkuerzt gesagt, abirami vertritt hier eine philosophische Schule von vielen.
Was die Sache noch verwirrender macht.
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#7
(02-07-2015, 08:48)Berliner schrieb:
(02-07-2015, 08:31)Ulan schrieb: Das Problem mit Fragen wie diesen ist, dass es den Hinduismus gar nicht gibt. Es gibt viele verschiedene Hindu-Religionen, die auf solche Fragen jeweils ihre ganz eigenen Antworten haben. Verkuerzt gesagt, abirami vertritt hier eine philosophische Schule von vielen.
Was die Sache noch verwirrender macht.

Ja, genau!

Aber irgendwo muss man ja mal anfangen ...


Brahma, Vishnu, Shiva sind natürlich nur eine Möglichkeit, das schaffende, erhaltende und auflösende Prinzip im Kosmos zu benennen. Entstehen – Bestehen – Vergehen. Geburt – Leben - Tod.

Wie geschrieben, auch Vishnu löst auf, als Kalkin.

Die Götter in den Mythen haben ‚Familie‘ – das ist im griechischen Pantheon auch so.

Die Aufgaben der Familienmitglieder kann mann dann auch allesamt wieder kosmisch deuten.

Rundum gilt was Ulan sagt, es gibt kein ‚so ist es‘ im Hinduismus. Und genau das macht ihn spannend.
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#8
(02-07-2015, 08:48)Berliner schrieb: Was die Sache noch verwirrender macht.

Die Verwirrung geht noch weiter, indem hinduistische Philosophie anstelle des "entweder-oder", das westliche Philosophie verwendet, oft ein "sowohl als auch" impliziert. Das betrifft nicht nur Fragen zu goettlicher Tranzendenz oder Immanenz, sondern auch banale Fragen wie "wie viele Goetter gibt es eigentlich", wobei auch hier bei verschiedenen Schulen unterschiedlich gewichtet wird.

Im Westen denkt man bei indischer Religion meist an die Veden, aber die haben mit dem heutigen Hinduismus, obwohl sie an dessen Basis liegen, nur entfernt zu tun. Die heutigen Hindu-Religionen sind eigentlich recht spaet und erst nach Buddhismus oder Jainismus ausgeformt worden. Sie saugen auch alle moeglichen Anregungen anderer Religionen auf, da sie nicht inkompatibel sind.

Die christliche Mission in Indien scheiterte hauptsaechlich an diesem Punkt. Wir hatten ja schon Buddha als Inkarnation Vishnus, aber das geht natuerlich genau so gut mit Jesus Christus. Ich empfehle in diesem Zusammenhang die Geschichte einiger roemisch-katholischer Kirchen in Goa und Umgebung, die letztendlich von Rom exkommuniziert wurden, weil sie irgendwann das Neue Testament nahtlos in den Hinduismus integriert hatten.
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#9
Diese Integration anderer Lehren gab es auch in der Frühzeit des Christentums. Insbesondere gab es Einflüsse aus Griechenland, aber auch aus Ägypten. Solche Einströmungen machen es unmöglich, eine Lehre oder Religion sauber zu halten.
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#10
(02-07-2015, 09:15)Berliner schrieb: Diese Integration anderer Lehren gab es auch in der Frühzeit des Christentums. Insbesondere gab es Einflüsse aus Griechenland, aber auch aus Ägypten. Solche Einströmungen machen es unmöglich, eine Lehre oder Religion sauber zu halten.

Das ist aber eine Frage der zugrunde liegenden Philosophie. Nun passt die Jesus-Geschichte natuerlich sowieso ausgesprochen gut in den Vaishnavismus. Nur wenn ein Gebot wie "Du sollst keine anderen Goetter neben mir haben", lediglich eine Frage danach, in welchem Sinn das gemeint ist, folgern laesst, wird dieses Gebot in der juedisch-christlichen Auslegung bedeutungslos, da es prinzipiell keinen Unterschied zwischen einem Gott oder vielen gibt.

Wobei das Christentum in dem Punkt sowieso eine Steilvorlage gibt. Das Christentum ist ja auch nur "Monotheismus im uebertragenen Sinn". Da verwischen sich die Unterschiede schnell, wenn man mal genau hinguckt.

Und mit diesem Problem aus dem Weg, passt es zusammen.
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#11
(02-07-2015, 08:59)abirami schrieb: Rundum gilt was Ulan sagt, es gibt kein ‚so ist es‘ im Hinduismus. Und genau das macht ihn spannend.
Allerdings. Das könnte ein neues "Krieg der Sterne" möglich machen.
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#12
(02-07-2015, 12:16)Berliner schrieb:
(02-07-2015, 08:59)abirami schrieb: Rundum gilt was Ulan sagt, es gibt kein ‚so ist es‘ im Hinduismus. Und genau das macht ihn spannend.
Allerdings. Das könnte ein neues "Krieg der Sterne" möglich machen.

... dann schau doch mal hier rein

http://www.decodehindumythology.blogspot.de

oder befasse Dich mit dem Mahabharata, das Du auf meiner Webseite findest.
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#13
Da hast Du Dir sehr viel Mühe gemacht. Ich habe das nur erst einmal angelesen und ich meine, dass diese Mythen als Weisheitserzählungen zu betrachten sind. Also Erzählungen über Menschen, die ein wenig Weisheit vermitteln wollen.

Mit dem "Krieg der Sterne" lag ich ja nicht so falsch  Icon_smile
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#14
(02-07-2015, 08:48)Berliner schrieb:
(02-07-2015, 08:31)Ulan schrieb: Das Problem mit Fragen wie diesen ist, dass es den Hinduismus gar nicht gibt. Es gibt viele verschiedene Hindu-Religionen, die auf solche Fragen jeweils ihre ganz eigenen Antworten haben. Verkuerzt gesagt, abirami vertritt hier eine philosophische Schule von vielen.
Was die Sache noch verwirrender macht.

Die gleiche Schwierigkeit haben aber alle Religionen, die Entstehung der Bibel war ja auch schon Abstimmungssache,
die Gnosis Leute wären viel spannender gewesen.
Heute ist das ja auch sehr zerlaufen, Islam genauso, die Entstehung des Koran war auch Chefsache.
AB einer gewissen Größe ist eine Religion nicht mehr mehrheitstauglich ohne Anpassungen.
Entstanden ja auch als lokale Bewegungen und verbreitete sich ja nicht mit beten.
Zoroastrismus scheint noch einigermassen rein zu sein, gibts aber auch nur ein Häufchen.
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#15
(02-07-2015, 16:08)Harpya schrieb: Die gleiche Schwierigkeit haben aber alle Religionen, die Entstehung der Bibel war ja auch schon Abstimmungssache...

Der Unterschied ist, dass es hier nicht als Problem gesehen wird. Die abrahamitischen Religionen wollen immer die eine, detaillierte Deutung, und alles andere ist falsch. Das gibt's im Hinduismus zwar auch, aber oft genug werden auch widerspruechliche Aussagen akzeptiert, da es hier nicht um den eingeschraenkten, menschlichen Horizont geht.

(02-07-2015, 16:08)Harpya schrieb: Zoroastrismus scheint noch einigermassen rein zu sein, gibts aber auch nur ein Häufchen.

Bist Du Dir da sicher? Du findest die zorastrischen Widersacher auch in den Veden, witzigerweise mit vertauschten Rollen, was gut und boese angeht.
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