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Brahma und Brahman
#1
Finde eben mehr durch Zufall einen Beitrag von Harpya, der sich auf meine Antwort zu PestThurses Thema ‚Brahman‘ bezieht.

Brahma (ohne n) ist der Schöpfergott.

Das Brahman (mit n) ist ein Begriff aus dem (Advaita) Vedanta, das Ewige, das Absolute, das Numinose, das nicht Benennbare. In Sanskrit mit neti neti, nicht dieses nicht jenes, umschrieben.

Man unterscheidet Brahman saguna (mit Eigenschaften, so kann ein Shiva Anhänger Brahman Shiva nennen - PestThurse nannte Es Indra) und Brahman nirguna (das Eigenschaftslose, ohne Form, ohne Name).

Brahman ist nach dem Vedanta 'Das' (Sanskrit 'tat'), zu dem die verkörperte Seele sich zurücksehnt, die Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod. 'Tat tvam asi' ist eine der vier Großen Aussagen des Vedantas - Das bin ich.

Das Gesetz des Manu sind Vorschriften, nach denen sich, ohne Zweifel, die Inder heute noch richten. Sie haben aber nichts mit Mystik/Metaphysik zu tun.

Bitte den Hinduismus nicht komplett verteufeln ... wem das Gesetzbuch des Manu nicht zusagt, der kann die Upanishaden lesen oder Werke der großen Philosophen wie Shankara, Ramanuja oder neuzeitliche Gedanken von Vivekananda, Krishnamurti und und und ...
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#2
Organisationskritische Hinweise von Harpya hierhin verschoben: "Kritik an religiösen Organisationen"
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#3
Die Idee eines ursächlich-schöpferischen, also kausalen kosmischen Prinzips geht in Indien auf alte vedische Hymnen zurück, in denen Brahman als eine fundamentale Macht gedacht war, die alles Daseiende trägt und auch den Göttern Kraft zuführt. Diese Macht galt als eine den vedischen Texten selbst immanente Potenz und ermöglichte mittels der rituellen Praxis den Priestern Einflußnahme auf den göttlichen Willen. Die die vedischen Texte abschließenden Upanishaden sehen im Brahman dann das alleingültige Prinzip der Kosmogenese und konzentrieren ihre Darlegungen auf die Entfaltung einer monistischen Theorie, deren zentraler Pfeiler eben dieses Brahman ist. Hier kulminiert der frühindische Weg der Weltinterpretation, der zunächst die Phasen des Animismus, des Polytheismus und des Henotheismus entfaltete, in einer konsequent auf das universale Eine und Zeitlose ausgerichteten Mystik. Die substantielle Vielfalt der vedischen Hymnenwelt, die in zahllose große und kleine Naturgeister differenzierte magisch-mythische Welt der naiven Religiosität, aber auch die Vielfalt der alltäglichen Sinneswelt findet sich im upanishadischen Denken auf den Status einer Scheinrealität reduziert, die das Auge und den Geist des Menschen täuscht und die einzig reale, die absolute Seinsebene verdeckt, nämlich das unwandelbare Göttliche, an dessen Peripherie die vergänglichen Gestaltungen des Werdens und Vergehens gleichsam wie Schatten, ja wie noch Nichtigeres vorüberziehen.

Indem sie eine wichtige begriffliche Differenzierung vornehmen, gelingt den upanishadischen Theoretikern auf der Bewusstseinebene ein Brückenschlag zwischen dem Eigentlichen und dem Scheinhaften. Atman ist der Kern des menschlichen Subjekts, der einerseits in der Illusion lebt, ein individuelles, isoliertes, sterbliches Dasein umgeben von einem Universum des Vielfältigen und Separaten zu führen, andererseits aber, auf der Ebene des wahren Seins, mit Brahman identisch ist, also mit dem absoluten, göttlichen Welt-Selbst, dem ens realissimum, das, selbst zeitlos und ohne Anfang,   im ewigen Kreislauf alle Elemente der Erscheinungswelt emaniert und wieder in sich aufnimmt. Dieses Brahman ist über das Trennende des Raumes und den Wandel der Zeit erhaben und durchdringt dennoch unterschiedslos alle vergänglichen Erscheinungsformen. Die Autoren der Upanishaden ziehen daraus eine verbindliche moralische Konsequenz: Ziel eines menschlichen Daseins muss es sein, der un-eigentlichen Tragikomödie der Erscheinungswelt zu entrinnen und die Einheit des Subjektkerns, des Atman, mit dem universalen Selbst, dem Brahman, zu erkennen und zu verwirklichen.

An manchen Stellen sprechen die Upanishaden diesem absoluten Selbst auch die Kraft eines ‘göttlichen Logos’ zu, einer formschöpferischen Ur-Potenz, welche sich in sinnlich wahrnehmbaren Gestaltungen des Universums aktualisiert. Insofern Brahman sich differenziert und entfaltet in die Erscheinungswelt - in die Dimension des Nichtseienden -, ist Brahman ‘Vac’, die Macht des Logos, der Schöpfer der Formenwelt. Schon der Prajapati-Mythos der vor-upanishadischen Veden hatte die Konzeption einer Göttin namens Vac gekannt, die nicht nur in sexueller Beziehung zu ihrem Gott/Schöpfer Prajapati stand, sondern auch als materialisierendes Medium seines schöpferischen Willens fungierte. Die Macht des Brahman-Logos produziert einen Formenkosmos, der völlig von seinem Schöpfer durchdrungen ist, dessen Geschöpfe ihn in sich tragen, mit ihm essentiell eins sind - Atman/Brahman. Diese logosinitiierten Formen, nichtseiende Emanationen des Formlosen, des Kausalen, markieren den Horizont der Begierden des verblendeten Subjekts, eben des Atman, der nicht weiß, dass er (oder sie) Brahman ist. Das Brahman unter dem Aspekt seiner dialektischen Identität mit Atman wird auch Paramatman, höchstes Selbst, genannt, im Unterschied zum Jivatman, dem an die Formen der Welt besinnungslos ausgelieferten Subjekt.

Die Upanishaden variieren die Lehre von Atman/Brahman gemäß den Einsichten und dem Differenzierungsvermögen der in ihnen zum Ausdruck gelangenden Philosophen. Der Grundtenor ist, wie gesagt, monistisch. Das kosmische Urprinzip ist als ein mikro- wie makrodimensional unbegrenztes, nicht-personales und absolutes Subjekt zu denken, das die Phänomene der Wahrnehmungswelt transzendiert, diesen aber zugleich als deren existentielle Grundlage und als Wesenskern immanent ist, sie als ihre wahre Substanz trägt. Die Kluft zwischen Atman, dem Kern des Subjekts, und Brahman, dem All-Selbst, ist nicht real, sondern illusionär. Das Illusionäre an sich ist diese Kluft. Wer diese Illusionen ablegt, hat Brahman erkannt und kann, wie Shandilya in der Chandogya-Upanishad, sagen: „Dieser mein Atman im Innern des Herzens ist größer als die Erde, größer als der Luftraum, größer als der Himmel, größer als die Welten.“ Uddalaka Aruni lehrt in der gleichen Upanishad, dass Vielheit nur der Umwandlungsprozess der einen göttlichen Substanz ist, dieser einzig realen Substanz als Urgrund auch des menschlichen Geistes, von der der Wissende weiß: "… nicht stirbt die lebende Seele. Diese feinste Substanz durchzieht das All, das ist das Wahre, das ist das Selbst, das bist du …“ (tat tvam asi). Yajnavalkaya, der auch als erster die Einheit von Atman und Brahman postulierte, definiert in der Brihadaranyaka-Upanishad das höchste Prinzip als ‘Erkenntnis’ und ineins alles andere: „Der Brahman ist dieser Atman; er ist Erkenntnis, Manas [Verstand], Stimme, Hauch, Auge, Ohr, Äther, Wind, Glut, Wasser, Erde, Zorn, Nichtzorn, Freude, Nichtfreude, Recht, Nichtrecht, er ist alles.“

Das vielfach in psychotechnischen Experimenten (Soma) erfahrene Brahman als Urgrund und Identität des Vielen kann per definitionem nur als absolut gedacht werden - dementsprechend hat dieses Eine der Upanishaden keine Anderes, zu dem es relativ stünde, wird somit weder transzendiert noch immanent begrenzt. Eine zeitlich erste Ursache für die Welt, einen den Beginn der Zeitlichkeit und der Dinge initiierenden Schöpfungsakt zu setzen wäre ein künstlicher und völlig willkürlicher Einschnitt in diese Nicht-Begrenztheit, kann also für eine monistisch ausgerichtete Philosophie nur noch als mythologisches Relikt gelten. Nicht nur das Brahman, auch die Welt in ihrer Irrealität hat keinen Anfang, denn sie ist das Werk des Brahman, und in diesem ist kein Bruch; kein Vorher und kein Nachher; kein Beginn und kein Ende; keine Kluft zwischen auch nur irgendetwas; nichts, das ist, was vorher nicht war und nachher nicht sein wird.
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#4
(19-09-2016, 19:03)Tarkesh schrieb: Das vielfach in psychotechnischen Experimenten (Soma) erfahrene Brahman als Urgrund und Identität des Vielen kann per definitionem nur als absolut gedacht werden - dementsprechend hat dieses Eine der Upanishaden keine Anderes, zu dem es relativ stünde, wird somit weder transzendiert noch immanent begrenzt. Eine zeitlich erste Ursache für die Welt, einen den Beginn der Zeitlichkeit und der Dinge initiierenden Schöpfungsakt zu setzen wäre ein künstlicher und völlig willkürlicher Einschnitt in diese Nicht-Begrenztheit, kann also für eine monistisch ausgerichtete Philosophie nur noch als mythologisches Relikt gelten. Nicht nur das Brahman, auch die Welt in ihrer Irrealität hat keinen Anfang, denn sie ist das Werk des Brahman, und in diesem ist kein Bruch; kein Vorher und kein Nachher; kein Beginn und kein Ende; keine Kluft zwischen auch nur irgendetwas; nichts, das ist, was vorher nicht war und nachher nicht sein wird.

In Indien ist die Idee eines Gottes, der das gesamte
Universum in einem zeitlich fassbaren einmaligen
Schöpfungsakt schuf nicht irgendein mythologisches
Relikt aus alter Zeit. Es ist ein Gedankengut, welches mit
christlichen und islamischen Missionaren ins Land kam.

Der belgische Indologe Koenraad Elst stellte fest:

"It is an exclusively Biblical-Quranic belief,[...],
that a single Supreme Being, in a single moment never
to be repeated, created the whole universe from nothing."*

Übersetzung:

"Es ist eine ausschließlich biblisch-koranische Glaubensannahme,
[...], dass eine einzige höchste Wesenheit, in einem einzigen,
nie wiederholten Moment das gesamte Universum aus dem Nichts
erschuf."

*Quelle: *http://koenraadelst.blogspot.de/2016/09/the-idea-of-god_5.html;
Letzter Zugriff 20. September 17:45
Man muss noch Ordnung in sich haben, um einen
tanzenden Stern zu gebären.
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#5
(20-09-2016, 17:48)Severus schrieb: In Indien ist die Idee eines Gottes, der das gesamte
Universum in einem zeitlich fassbaren einmaligen
Schöpfungsakt schuf nicht irgendein mythologisches
Relikt aus alter Zeit. Es ist ein Gedankengut, welches mit
christlichen und islamischen Missionaren ins Land kam.

Der belgische Indologe Koenraad Elst stellte fest:

"It is an exclusively Biblical-Quranic belief,[...],
that a single Supreme Being, in a single moment never
to be repeated, created the whole universe from nothing."

Gegen deine These sprechen zwei Argumente:

1)
Die Upanishaden waren bis spätestens 200 BCE (= v. Chr.) fertiggestellt. Da hätten christliche oder muslimische Missionare schon eine Zeitmaschine benutzen müssen, um Einfluss auf die Brahman-Konzeption zu nehmen.

2)
Die Schöpfung des Materiellen durch ´Brahman´ ist laut brahmanistischer Philosophie kein Akt in der Zeit, sondern jenseits der Zeit. Sie ist kein "einziger, nie wiederholter" Akt wie die Schöpfung in der monotheistischen Theologie. Zeit und Raum werden durch ´Brahman´ ja erst erzeugt. In der Sprache von Zeit und Raum ausgedrückt, findet die brahmanische Schöpfung also in jedem Augenblick statt, sie hat keinen Anfang und kein Ende.

Abgesehen davon findet die biblische Urschöpfung nicht in einem Moment, sondern über mehrere zeitliche Phasen hinweg statt (symbolische 6 Tage). Umstritten ist auch, ob überhaupt eine Creatio ex nihilo vorliegt. Gen 1 kann auch so interpretiert werden. dass Elohim die Welt aus einer präexistenten Urmaterie formt.
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#6
(21-09-2016, 18:09)Tarkesh schrieb: Die Upanishaden waren bis spätestens 200 BCE (= v. Chr.) fertiggestellt. Da hätten christliche oder muslimische Missionare schon eine Zeitmaschine benutzen müssen, um Einfluss auf die Brahman-Konzeption zu nehmen.

Ich habe nicht behauptet, dass die altindische Brahman-Konzeption auch
nur ansatzweise abrahamitisch beeinflusst wäre, sondern sagte nur, dass
in Indien die Idee einer zeitlichen Schöpfung des gesamten Universums durch
einen Gott kein "mythologisches Relikt" ist. Es ist eine Idee, die erst Jahrhunderte
nach den Upanishaden in Indien auftauchte.

Tarkesh schrieb:2)
Die Schöpfung des Materiellen durch ´Brahman´ ist laut brahmanistischer Philosophie kein Akt in der Zeit, sondern jenseits der Zeit. Sie ist kein "einziger, nie wiederholter" Akt wie die Schöpfung in der monotheistischen Theologie. Zeit und Raum werden durch ´Brahman´ ja erst erzeugt. In der Sprache von Zeit und Raum ausgedrückt, findet die brahmanische Schöpfung also in jedem Augenblick statt, sie hat keinen Anfang und kein Ende.

Dass Brahman kein Schöpfergott im Sinne Jahwes ist, ist
eine Tatsache, die ich nicht bestritten habe. Was ich meinte ist,
dass es in Indien nicht so war, dass der Brahmanismus mit seinem
Gedanken der überzeitlichen "Emanation"
eine ältere Vorstellung von einer
einmaligen Erschaffung des gesamten
Kosmos durch einen
Gott abgelöst hätte.

Tarkesh schrieb:Abgesehen davon findet die biblische Urschöpfung nicht in einem Moment, sondern über mehrere zeitliche Phasen hinweg statt (symbolische 6 Tage). Umstritten ist auch, ob überhaupt eine Creatio ex nihilo vorliegt. Gen 1 kann auch so interpretiert werden. dass Elohim die Welt aus einer präexistenten Urmaterie formt.

Ob die Urschöpfung im biblischen Sinne nun in einer Nanosekunde stattfand oder doch
etwas länger Zeit brauchte, ist in dieser Diskussion m.E. nicht so wichtig. Fest steht, dass
sie ein (angebliches) Ereignis der Vergangenheit ist. Dass es gemäß biblischer Vorstellung
eine präexistente Urmaterie gebe ist mir indessen gänzlich neu.
Man muss noch Ordnung in sich haben, um einen
tanzenden Stern zu gebären.
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#7
(21-09-2016, 19:30)Severus schrieb: Dass es gemäß biblischer Vorstellung
eine präexistente Urmaterie gebe ist mir indessen gänzlich neu.

Genesis 1

1 Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde;

2 die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.

Eine ungelöste und wohl auch nicht lösbare exegetische Frage lautet:

Ist Vers 1 eine Kapitelüberschrift, die den Inhalt von Gen 1 zusammenfasst, was bedeutet, dass die eigentliche Schöpfungserzählung erst mit Vers 2 beginnt? Oder beschreibt Vers 1 ein anfängliches Ereignis und Vers 2 ff. die weiteren Veränderungen bis hin zur Vollkommenheit nach dem 6. Tag?

Die Meinungen in der Fachwelt sind gespalten, manche bevorzugen die erste, manche die zweite Interpretation.

Die erste Interpretation besagt, dass die Welt, als Elohim seine Schöpfungsaktivitäten aufnimmt, aus einer chaotischen Urmaterie besteht (Vers 2), über deren Herkunft keine Aussage gemacht werden kann, d.h. entweder sie ist zeitlos präexistent oder hat einen Anfang in der Zeit, der aber relativ zur Genesiserzählung in der Vergangenheit liegt. Dementsprechend beginnt die Genesis nicht mit einer Creatio ex nihilo, sondern der göttlichen Gestaltung einer präexistenten Urmaterie.

Die zweite Interpretation besagt, dass der Schöpfungsprozess mit der Erschaffung von Himmeln (Plural!) und Erde beginnt. Allerdings weist auch dieser Modus nicht zwingend auf eine Creatio ex nihilo hin, da das hebräische ´bereschit´ (am Anfang) nicht notwendig auf einen absoluten Anfang hinweist, sondern auch einen Anfang irgendwo auf einer Zeitlinie bedeuten kann, so dass vor diesem (relativen) Anfang schon andere Dinge existiert haben und geschehen sein können, was ein ´ex nihilo´ ausschließt.

Was stark für Interpretation 1 spricht, ist der Umstand, dass Elohim die Himmel ja nicht zwei Mal geschaffen haben kann, einmal in Vers 1 und dann wieder in Vers 7.

Ich gehe in einem speziell dafür einzurichtenden Thread an anderer Stelle demnächst noch genauer darauf ein.
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#8
(22-09-2016, 17:59)Tarkesh schrieb: 1.)  Die erste Interpretation besagt, dass die Welt, als Elohim seine Schöpfungsaktivitäten aufnimmt, . . .

2.)  . . . mit der Erschaffung von Himmeln (Plural!)


ad 1)  sollte im Deutschen richtig lauten:
"Die erste Interpretation besagt, dass die Welt, als Elohim ihre Schöpfungsaktivitäten aufnehmen, . . . "
hebr. Elohim ist im Plural!

ad 2)  gut beobachtet!
Das mit den Himmeln (Plural) zieht sich durch die ganze Bibel bis in die Geheime Offenbarung (Apokalypse)
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#9
(23-09-2016, 01:08)Sinai schrieb:
(22-09-2016, 17:59)Tarkesh schrieb: 1.)  Die erste Interpretation besagt, dass die Welt, als Elohim seine Schöpfungsaktivitäten aufnimmt, . . .

2.)  . . . mit der Erschaffung von Himmeln (Plural!)


ad 1)  sollte im Deutschen richtig lauten:
"Die erste Interpretation besagt, dass die Welt, als Elohim ihre Schöpfungsaktivitäten aufnehmen, . . . "
hebr. Elohim ist im Plural!

ad 2)  gut beobachtet!
Das mit den Himmeln (Plural) zieht sich durch die ganze Bibel bis in die Geheime Offenbarung (Apokalypse)

´Elohim´ wird von den meisten, vor allem den konservativen, Exegeten als plurale Bezeichnung eines Einzelwesens gedeutet, welche dessen ´Majestät´ verdeutlichen soll (pluralis majestatis). Kritischere Exegeten sehen darin die Vorstellung einer Götterversammlung wirksam, wie sie im gesamten polytheistischen Umfeld des Judentums herrschte und die in der Sprache von Gen 1 und 3 (unterschiedliche Verfasser) noch deutliche Spuren hinterlassen hat ("Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild", "Seht, der Mensch ist geworden wie wir"). Diese ´wir´ werden von diesen Exegeten nicht auf eine Götterversammlung bezogen, sondern schließt die Schar der Engel ein, die den Gott im Himmel umgeben. Es handelt sich dabei aber nur um Interpretationen ohne Anhalt im Text.

Das hebräische Wort für Himmel, "schamajim" (eine Pluralform, wie das -im zeigt), hat keinen Singular. Gedeutet wird der Plural nicht als Vielheit, sondern als Ausdruck immenser räumlicher Ausdehnung.

Ich werde Gen 1 in Bälde in einem separaten Thread an passenderer Stelle ausführlich behandeln. Der Text wirft nämlich jede Menge Fragen auf, vor allem die ersten drei Sätze.
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#10
(24-09-2016, 16:43)Tarkesh schrieb: ´Elohim´ 
( . . . )
Kritischere Exegeten sehen darin die Vorstellung einer Götterversammlung wirksam, wie sie im gesamten polytheistischen Umfeld des Judentums herrschte
( . . . )
schließt die Schar der Engel ein, die den Gott im Himmel umgeben.


Das mit der Schar der Engel ist ein theologisch interessanter Punkt.

Ein umstrittener christlicher (?) Theologe vertritt die Ansicht, daß die Engel die ehemaligen Gottheiten der polytheistischen Nomaden waren, die dann sozusagen vom Jahwe unterworfen wurden.
Sie wären zu seinen Dienstboten degradiert worden.

Warum ich ein Fragezeichen mache:
Der Mann ist zweifellos in einer christlichen Universitätsfakultät angestellt und wird auch dort bezahlt, aber mit seiner Ansicht ist er kein Christ

Noch eine Anmerkung: die in der Bibel beschriebenen Malachim (AT) und Engel (NT) sind Unsterbliche
Zu so was sagt man gemeinhin Götter

Neben dem Jahwe gibt es offenbar Nebengötter

Somit ist das Judentum keine monotheistische Religion
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#11
(13-11-2016, 16:15)Sinai schrieb: Der Mann ist zweifellos in einer christlichen Universitätsfakultät angestellt und wird auch dort bezahlt, aber mit seiner Ansicht ist er kein Christ
Wie kommst du zu diesem fragwürdigen Urteil? Um wen geht es überhaupt?

(13-11-2016, 16:15)Sinai schrieb: (D)ie in der Bibel beschriebenen Malachim (AT) und Engel (NT) sind Unsterbliche
Zu so was sagt man gemeinhin Götter

Neben dem Jahwe gibt es offenbar Nebengötter

Somit ist das Judentum keine monotheistische Religion
Das sehen aber Juden grundsätzlich anders. Also ist das ein Urteil über Kulturgrenzen hinweg, dessen Wert auf sehr dünnem Eis schwimmt.

Ferner: Was hat diese Diskussion bzw. Beurteilung mit Brahma/n zu tun?
Also bitte: Zurück zum Thema!
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#12
(13-11-2016, 16:15)Sinai schrieb:
(24-09-2016, 16:43)Tarkesh schrieb: ´Elohim´ 
( . . . )
Kritischere Exegeten sehen darin die Vorstellung einer Götterversammlung wirksam, wie sie im gesamten polytheistischen Umfeld des Judentums herrschte
( . . . )
schließt die Schar der Engel ein, die den Gott im Himmel umgeben.

Das mit der Schar der Engel ist ein theologisch interessanter Punkt.

Ein umstrittener christlicher (?) Theologe vertritt die Ansicht, daß die Engel die ehemaligen Gottheiten der polytheistischen Nomaden waren, die dann sozusagen vom Jahwe unterworfen wurden.
Sie wären zu seinen Dienstboten degradiert worden.

(...)

Somit ist das Judentum keine monotheistische Religion

Die jüdischen Engel sind in der Tat nichts anderes als´degradierte´ Götter aus der kanaanitischen Götterversammlung unter Hauptgott El. Diese Konstruktion ist exilisch/nach-exilisch, setzt also einen strikten Monotheismus voraus, der das Produkt einer judäischen Priesterelite im babylonischen Exil war. Das ´Judentum´ entstand durch die Etablierung der Tora als gesamtjudäisches Gesetzeswerk im Juda des 5. und 4. Jh. BCE durch Esra und Nehemia. Die Verehrung der alten kanaanitischen Götter war damit in Juda verboten, als Kompensation für diesen gefühlten Verlust präsentierte man dem Volk die Engel, die im präexilischen Pantheon dem Jahwe als Untergötter untergeordnet waren.

In Dtn 32,8 findet man noch die alte kanaanitische Vorstellung von Gott El (= El Elyon, der ´Allerhöchste´) und seinen Untergöttern, zu denen in einer bestimmten Phase auch Jahwe zählte, dem Hauptgott El in Dtn 32,8 sein Erbteil zuweist:

8 Da der Allerhöchste die Völker zerteilte und zerstreute der Menschen Kinder, da setzte er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Kinder Israel
(korrekte Übersetzung: ´Söhne Gottes´, Anm. Tarkesch). 9 Denn des HERRN Teil ist sein Volk, Jakob ist sein Erbe.

Später hatte Jahwe den Platz von El als kanaanitischer Obergott eingenommen und diverse Attribute von ihm übernommen (z.B. das Väterliche und Gütige), was sich auch darin zeigt, dass er die Fruchtbarkeitsgöttin Aschera, die Ehefrau von El, als Partnerin erhält ("Jahwe und seine Aschera"). Das folgt dem gleichen Prinzip wie der Ham-´Skandal´ in Gen 9: So wie Ham Patriarch wird, weil er mit seiner Mutter, der Ehefrau von Noah, Sex hat, so wird Jahwe Patriarch der Götterversammlung, weil er mit Aschera Sex hat. (Ham wird nicht verflucht, weil nur Untergeordnete verflucht werden können - untergeordnet ist dem Noah aber nicht Ham, da nun Patriarch, sondern dessen Sohn Kanaan. So erklärt sich, warum Noah nicht Ham verflucht.)

Allerdings gibt es zu Dtn 32,8 auch die Interpretation, dass diese Verse Jahwe als Höchsten bezeichnen und dass er darin sich selbst und den anderen Göttern (seinen ´Söhnen´) die jeweiligen Herrschaftsgebiete zu weist. Wie auch immer - die Vorstellung von Engelwesen im Dienst von Jahwe geht zum einen auf die prä-exilischen Idee einer Göttersammlung zurück (die es natürlich schon lange vorher in Mesopotamien und Ägypten gab). Zum andern hatte die Vorstellung von guten und bösen ´Geistern´ (Dämonen) im AO eine lange Tradition und dürfte der Engel-Idee ebenfalls teilweise zugrunde gelegen haben.

Das Judentum ist selbstverständlich eine monotheistische Religion. Engel durften nicht rituell verehrt werden - was beweist, dass sie keinen auch nur annähernd göttlichen Status hatten und dass das Judentum, formal gesehen, also nicht polytheistisch ist.
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#13
(14-11-2016, 13:51)Tarkesch schrieb: Das Judentum ist selbstverständlich eine monotheistische Religion. Engel durften nicht rituell verehrt werden - was beweist, dass sie keinen auch nur annähernd göttlichen Status hatten und dass das Judentum, formal gesehen, also nicht polytheistisch ist.

Sprechen wir präzise:
Malachim sind Unsterbliche mit übernatürlichen Kräften, sie werden aber im Allgemeinen vom Judentum nicht rituell verehrt. Ausnahmen sind etwa beim Ritual der 'lashes of fire'
Pulsa dinura – Wikipedia

Ich sehe, Du hast einen Thread Engel im Judentum im Bereich "Judentum" eröffnet, reden wir dort darüber weiter
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