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"Wer ohne Sünde ist...", warum kam das so spät in die Bibel
#1
Die Stelle des Johannes die sich auf die Steinigung bezieht
dürfte bekannt sein

"
Zitat:8,7 Jesus aber, sich niederbückend, schrieb mit dem Finger auf die Erde.
Zitat:Als sie aber dabei blieben, ihn zu befragen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen:
Zitat:Der Sündlose unter euch werfe als erster auf sie einen Stein.
Zitat:8,8 Und sich wiederum bückend, schrieb er auf die Erde.


Ich bin da jetzt darauf gestoßen, das der Text anscheinend garnicht von Anfang an in der Bibel war.

"Die Perikope ist nicht vor dem 4. Jahrhundert bezeugt, wo sie immerhin u.a. Ambrosius, Augustin und Hieronymus bekannt ist; im fünften Jahrhundert findet sie sich im Codex D. Sie fehlt mithin in den ältesten Papyri,
im Codex Sinaiticus, im Vaticanus, in der altsyrischen Überlieferung einschließlich der Peschitta, in fast allen koptischen Übersetzungen, etc., etc.
"

Zu finden auf *http://www.gavagai.de/re/HHD2008S.htm ganz unten online.rtf

"Der Codex Sinaiticus ist eines der bedeutendsten Bücher der Welt. Vor über 1600 Jahren mit Hand geschrieben, enthält es die christliche Bibel
auf Griechisch mit dem vollständigen Neuen Testament.
Der mit Anmerkungen reich versehene Text besitzt außergewöhnlichen Wert für die Geschichte der Bibel.
Die Handschrift ist als das umfangreichste Buch, das wir aus der Antike besitzen..."

Wie kann das sein ?
Feuer frei bis 400 ?
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#2
Hallo Harpya,

Dieses Rätsel der biblischen Textkritik, fachlich bekannt als Pericope Adulterae  hat schon viele Personen beschäftigt. Sie ist eine von drei längeren, längstbekannten, etwas problematischen Textstellen, die herangezogen werden, um die Unzuverlässigkeit und Korruption biblischer Überlieferungen zu demonstrieren. Die anderen zwei Beispiele sind die sekundären Endungen des Markusevangeliums (Markus 16.9-29), so wie das sogenannte Comma Johanneum (1. Johannes 5.7).

Mag sein, dass einige Christen (und andere Personen) tatsächlich schockiert sind davon zu erfahren, aber wir haben es hier nicht mit irgendwelchen bahnbrechenden, modernen Erkenntnissen zu tun, die das Christentum oder die Bibel in ihren Grundfesten erschüttern können. Im Gegenteil, schließlich können wir an Hand unserer vorliegenden Textzeugnisse sehr gut nachvollziehen was, wann, wo, wie verändert wurde und finden nur einen solch geringen, derartig veränderten Teil vor. Keines dieser drei markanten Einschübe spricht für die gravierenden Veränderungen, die Bibelgegner in der Regel annehmen und proklamieren, um die Bibel zu diskreditieren.

Diese wenigen Beispiele zeigen, dass trotz damaliger, mangelnder Kontrollinstanz, die meisten frühen Kopisten herzlich wenig "das Feur eröffneten" und alle möglichen Veränderungen nach Herzenslust vornahmen. (Was übrigens dein Zitat verschweigt, ist das z. B der Codex Vaticanus, immerhin eines der wichtigsten Textzeugnisse, genau an der Stelle wo diese Geschichte in späteren Texten auftaucht, ein sogenanntes diakritisches Zeichen eines Kopisten vorweist, um damit auf ein textliches Problem aufmerksam zu machen. Zumindest eine andere (problematische) Textvariante musste  also bereits damals im Umlauf gewesen sein.) Aber ich schweife ab...


Aufmerksame Leser diverser Bibelübersetzungen finden bei Johannes meist einen Hinweis auf ein textliches Problem im Kleingedruckten. Die Einheitsübersetzung merkt in einer Fußnote zum Beispiel an:                                    
7, 53 - 8,11 Dieses Stück gehört nicht zum ursprünglichen Bestand des Johannesevangeliums; die besten Textzeugen überliefern es nicht. Die Erzählung stellt aber wohl eine alte Überlieferung dar und gehört inhaltlich zum Evangelium.

Die revidierte Lutherbibel von 1984 enthält lapidar die Anmerkung im Text, gleich zu Beginn der Perikope: Der Bericht 7,53 - 8,11 ist in den ältesten Textzeugen des Johannes-Evangliums nicht enthalten.

Selbst die Neue-Welt-Übersetzung der Zeugen Jehovas veweist darauf und verbannt Joh 7,53 - 8,11 komplett in eine Fußnote mit einem vollständigen Zitat.

Dass die Geschichte, die in keinem Jesusfilm fehlen darf, anscheinend einen späteren Einschub im Johannesevanglium darstellt, wirft natürlich trotzdem einige Fragen auf. Erstmalig taucht diese Story nachweislich in einer außerbiblischen Quelle auf, die sogenannte Didaskalia Apostolorum, eine frühchristliche Gemeindeordnung aus Syrien. Diese kann frühestens aus dem Jahre 230 n. Chr. stammen, basiert aber selbst auf ältere Quellen. Es ist also durchaus annehmbar, dass wir es hier mit einer sehr alten, mündlichen Überlieferung zu tun haben, die im Umlauf war und die nicht unbedingt fiktiv sein muss. Die Story selbst ist ja durchaus nicht ungewöhnlich oder unglaublich im Kontext vergleichbarer Situationen, die Jesus zum Beispiel mit seinen Gegnern erlebte.

Was auffällt, ist das diese Geschichte lange Zeit in den Evangelien keinen festen Platz hatte. Sie kommt in unterschiedlichen Varianten (Mal wird zum Beispiel erklärt was Jesus schrieb) in den späteren, uns erhaltenden Manuskripten u.a. vor bei Lukas 21:38, 24:53; oder Johannes 7:36,  oder gar am Ende des Lukas- oder Johannesevangeliums. Dies deutet darauf hin, dass wir es hier duchaus mit einer älteren, weit verbreiteten Story zu tun haben, die, warum auch immer, irgendwann durch einen Einschub schriftlich festgehalten wurde. (Mitunter wird angenommen das verstärkte Auftreten der Perikope könnte mit der frühkirchlichen Bußpraxis und die daraus resultierenden Streitigkeiten im vierten Jahrhundert zusammen hängen. Wie sollte man mit Christen, die Ehebruch, Mord, usw. begingen, verfahren? Manche hielten Exkommunikation für die einzige Lösung. Andere wollten solche Mitglieder nicht vollends abschreiben und noch ein Mal "Gnade vor Recht" walten lassen. Dementsprechend gewann diese Geschichte an Attraktivität und Aufmerksamkeit.)

Einige Gelehrte nehmen an, dass der Text  eher dem Stil von "Lukas" gleicht oder zu einen der Quellen gehörte, die "Lukas" zusätzlich nutzte, bevor es den Sprung ins Johannesevangelium schaffte. Fast alle sind sich jedoch einig, dass "Johannes" nicht der ursprüngliche Autor sein kann und die Geschichte eher den Textfluss stört. Und es ist diese Frage, welche (für Christen) im Vordergrund stehen sollte: Was hat "Johannes" tatsächlich geschrieben? Dank des reichlichen Quellenmaterials können wir diese Geschichte jedenfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen.

So beliebt wie die Story auch ist und so historisch (oder inspiriert) sie auch ursprünglich sein mag, ist dies eine Textvariante auf der man theologisch, wie auch historisch, nicht viel bauen kann - und auch nicht muss.
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#3
Danke für die ausfuhrlichen Erläuterungen, viele Bildungen von Legenden.
Viel bilden sich ja um tatsächliche Vorgänge die dann in gewaltige Geschichten eingebaut werden.

*** OT entfernt!
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#4
(10-07-2015, 00:21)Rob schrieb: Dieses Rätsel der biblischen Textkritik ... hat schon viele Personen beschäftigt.

Einige Fachgelehrte sind der Meinung, dass schon Eusebius eben diese Geschichte vor Augen hatte, als er (in KG III 39,17) zu Papias' Texten anmerkte:

Ferner führte er aus dem Hebräerevangelium die Geschichte eines Weibes an, das wegen vieler Sünden vor dem Herrn angeklagt worden war.

Dazu merkte M. Theobald (in: Das Evangelium nach Johannes, Bd I, Kap. 1-12, 2009 Regensburg, Pustet Verl., S. 551) an:

Ein in 1941 in Tura bei Kairo gefundener Papyrus mit dem Kohelet-Kommentar des Didymus von Alexandrien (ca. 313-398) bestätigt indes die Annahme, dass unsere Erzählung tatsächlich aus einem apokryphen Evangelium stammt. Der fragliche Text (bei Luhrmann, Fragmente 50f.) lautet:

Wir berichten nun in gewissen Evangelien. Eine Frau wurde, heißt es, verurteilt von den Juden aufgrund einer Sünde und, um gesteinigt zu werden, an den Ort getrieben, wo das zu geschehen pflegte. Als der Erlöser, heißt es, sie erblickte und sah, dass sie bereit waren, sie zu steinigen, sagte er zu denen, die sie mit Steinen bewerfen wollten: "Wer nicht gesündigt hat, hebe einen Stein auf und werfe ihn. Wenn jemand sich gewiss ist, nicht gesündigt zu haben, nehme er einen Stein und treffe sie". Und niemand wagte es. Indem sie sich selbst überprüften und erkannten, dass auch sie verantwortlich waren für einiges, wagten sie nicht, jene (zu bewerfen).

Ohne Zweifel handelt es sich um dieselbe Geschichte wie in Joh 7,53-8,11.
MfG B.
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#5
Das Thema wurde in das Forum "Bibeltexte" verschoben. OT-Beiträge von indymaya wurden samt Antworten auf seine Posts abgetrennt und in die Plauderecke verschoben. Mit dem Ausgangsthema haben Beiträge über die Todesstrafe, Teddys, die nicht Mohammed heißen dürfen, der NS-Volksgerichtshof, etc. nichts zu tun. Es wird dringend ersucht, es zu unterlassen, Themen zuzuspammen!
MfG B.
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#6
Hallo Harpya,

anscheinend ging es dir weniger um Textkritik sondern mehr um die Todesstrafe der Steinigung selbst. Leider war das für mich nicht ersichtlich aus dem ersten Beitrag. Sorry.

In dieser Perikope, ob auf ein authentisches oder fiktives Ereignis bezogen, geht es nicht um die Ablehnung oder gar Abschaffung der Todesstrafe (egal in welcher Form) durch Jesus. Hier geht es den Anklägern der Frau auch nicht wirklich um Recht und Gesetz. (siehe dazu: Ein Mann, der mit der Frau seines Nächsten die Ehe bricht, wird mit dem Tod bestraft, der Ehebrecher samt der Ehebrecherin. (Lev 20,10; Dtn 22,22) ) Wo ist z.B. der Ehebrecher? Ist er gar unter den Anklägern und war dies nur ein abgekartertes Spiel? Die Vermutung liegt zumindest nahe.

Hier versuchen seine Gegner Jesus jedenfalls erneut öffentlich durch ein vermeintliches Dilemma bewusst loszuwerden. Dies steht auch ausdrücklich in der Perikope selbst: Dies aber sagten sie, ihn zu versuchen, damit sie etwas hätten, um ihn anzuklagen. Statt in diese Falle zu tappen, ist es Jesus, der seine Gegner durchschaut und öffentlich vorführt.
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#7
Bion, thanks! Der Verweis auf Didymus hat mir sehr geholfen.
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#8
(13-07-2015, 00:23)Rob schrieb: Hallo Harpya,
anscheinend ging es dir weniger um Textkritik sondern mehr um die Todesstrafe der Steinigung selbst. Leider war das für mich nicht ersichtlich aus dem ersten Beitrag. Sorry.
Eigentlich beides, ist aber alles diffus wie immer.
Es gibt nichts handfestes, wie auch.
Erst mal muss ein belegbarer Jesus her, Textkritik hat ja mit der wahren Realität wenig zu tun.
Da kommen eben die realen Aspekte der Steinigung ins Spiel, wie wurden die ausgeführt das überhaupt eine Vorlage für ein Buch entstehen konnte.
Aus einem geschilderten Einzelfall wird da ein monumental moralischer Berg als Handlungsanweisung für alle
Zeiten aufgebaut.
Als wenn das die Welt überhaupt damals mitbekommen hätte.
Das Jesus 5 min später seine Meinung geändert hat , hätte der Autor sicher nicht berichtet.
Textkritik belegt aber ganz gut die Willkür die in Schriften einfliesst.
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#9
(13-07-2015, 00:42)Harpya schrieb:
(13-07-2015, 00:23)Rob schrieb: Hallo Harpya,
anscheinend ging es dir weniger um Textkritik sondern mehr um die Todesstrafe der Steinigung selbst. Leider war das für mich nicht ersichtlich aus dem ersten Beitrag. Sorry.
Eigentlich beides, ist aber alles diffus wie immer.


Komplexere Themen erfordern eher klare Fragen und Aussagen, so wie strukturierte Argumente ohne allzu emotionalen "Ballast", um möglichst verständlich zu sein. Warum sollte dies nicht auch bei diesem Thema möglich sein? Was ich zum Beispiel nicht nachvollziehen kann ist auf eine überwiegend textkritische Frage und entsprechende Antwort, eine damalige erste Rückantwort zu ernten mit allerlei Details zur Steinigungsprozedur eines islamischen Staates.


Harpya schrieb:Es gibt nichts handfestes, wie auch.


Nichts handfestes? In Bezug auf die Geschichte der Ehebrecherin existieren die uns erhaltenen Schriften, usw. um abzuklären wann, wo, wie diese Geschichte ggf. Einzug ins NT gefunden haben kann. Zudem könnte man überprüfen was sich in diesem fragwürdigen Zeitraum des Einschubs historisch in der frühen Kirche abgespielt haben mag, die die Aufnahme dieser Story vielleicht begünstigte.

In Bezug auf die Todesstrafe durch Steinigung in Palästina im 1. Jhr gibt es doch auch so einige nutzbare Quellen. Dementsprechend könnte zum Beispiel auch durchaus nachvollzogen werden, ob diese Geschichte der Ehebrecherin in diese Zeit passt, oder vielleicht eine spätere Fiktion darstellt -  zum Beispiel an Hand der Überprüfung der damaligen Gesetzgebung.



Harpya schrieb:Erst mal muss ein belegbarer Jesus her, ...


Bedeutet für dich?


Harpya schrieb:....Textkritik hat ja mit der wahren Realität wenig zu tun.


Textkritik beschäftigt sich in erster Linie mit der methodischen Rekonstruktion der "originalen" Texte (oder was am naheliegendsten ist) durch die Untersuchung vorgefundener Abweichungen in den uns erhaltenen Manuskripten, Textfragmenten und Zitaten (z. B. der Kirchenväter). Es ist sozusagen die Wissenschaft und Kunst den verlässlichsten Text herauszufiltern. Ohne diese Arbeit würden wir nicht über den Inhalt der Bibel kritisch, weder für noch gegen, diskutieren können, schließlich basieren unsere Übersetzungen darauf.

Harpya schrieb:Da kommen eben die realen Aspekte der Steinigung ins Spiel, wie wurden die ausgeführt das überhaupt eine Vorlage für ein Buch entstehen konnte.


Jetzt lautet die Frage plötzlich: "Wie wurden Steinigungen damals ausgeführt?" "Vorlage für ein Buch"? Was meinst du damit? Solche Aussagen finde ich eher diffus als das Thema an sich. Kannst du bitte Dein eigentliches Anliegen etwas genauer darstellen.


Harpya schrieb:Aus einem geschilderten Einzelfall wird da ein monumental moralischer Berg als Handlungsanweisung für alle
Zeiten aufgebaut.


1. Selbst wenn es so gewesen wäre, wäre das verkehrt? Ist an der Geschichte etwas moralisch verwerflich?

2. Wenn diese Geschichte einen historischen Anspruch hat, so kann nicht von einem "geschilderten Einzelfall" die Rede sein. Es passt durchaus zu den weiteren Schilderungen über Jesus von Nazareth in den Evangelien, ist folglich in einen größeren Kontext gebettet, welcher berücksichtigt wurde und werden muss.

3. Wenn diese Geschichte keinen historischen Anspruch erheben kann, also sie eine spätere Fiktion darstellt, so passt sie dennoch zu Jesus, ist also auch nicht aus dem Nichts entstanden. So oder so gibt es einen Bezug zum Jesus der Evangelien.

Harpya schrieb:Als wenn das die Welt überhaupt damals mitbekommen hätte.


Die Welt damals nicht, aber das war, laut biblischen Überlieferungen auch nicht die Berufung Jesu zu dem Zeitpunkt. Und, sofern diese Geschichte einen historischen Ursprung hat, wurde sie ja letztlich schriftlich festgehalten, so dass "die Welt" sie mitbekommt.

Harpya schrieb:Das Jesus 5 min später seine Meinung geändert hat , hätte der Autor sicher nicht berichtet.

Kann diese Aussage nicht nachvollziehen. Was meinst du damit?

Harpya schrieb:Textkritik belegt aber ganz gut die Willkür die in Schriften einfliesst.

Kann diese Aussage nicht nachvollziehen. Was meinst du damit?
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#10
(14-07-2015, 21:34)Rob schrieb: Nichts handfestes? In Bezug auf die Geschichte der Ehebrecherin existieren die uns erhaltenen Schriften, usw. um abzuklären wann, wo, wie diese Geschichte ggf. Einzug ins NT gefunden haben kann. Zudem könnte man überprüfen was sich in diesem fragwürdigen Zeitraum des Einschubs historisch in der frühen Kirche abgespielt haben mag, die die Aufnahme dieser Story vielleicht begünstigte.

Es gibt darüber tatsächlich nichts Handfestes, sondern nur Legende und Sagen.

(14-07-2015, 21:34)Rob schrieb: In Bezug auf die Todesstrafe durch Steinigung in Palästina im 1. Jhr gibt es doch auch so einige nutzbare
Quellen.

Welche denn?

*** OT entfernt!
Rhetorische Fragen zur Situation der Juden unter dem NS-Regime haben mit dem Thema nichts zu tun.

Im gleichen Sinne darf man auch annehmen, dass die schreckliche Jüdische  Steinigung  in der christlichen Geschichtschreibung viel schrecklicher dargestellt werden musste, als jemals  tatsächlich eine stattgefunden hat.. Icon_wink
(14-07-2015, 21:34)Rob schrieb: Dementsprechend könnte zum Beispiel auch durchaus nachvollzogen werden, ob diese Geschichte der Ehebrecherin in diese Zeit passt, oder vielleicht eine spätere Fiktion darstellt -  zum Beispiel an Hand der Überprüfung der damaligen Gesetzgebung.

Die passt ganz sicher in überhaupt keine Zeit. Weil es sie genauso wenig real gegeben hat, wie den bösen "Judas", der sich stellvertretenden für den Verrat der ganzen Judenschaft am  Herrn, hat selber aufhängen müssen.. Icon_wink
Ich habe überhaupt nichts gegen Gläubige, es sei denn, sie behaupten, die Würde des Menschen hinge alleine vom Glauben an einen Gott  ab.
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#11
(14-07-2015, 21:34)Rob (an Harpya gerichtet) schrieb: Was ich zum Beispiel nicht nachvollziehen kann ist auf eine überwiegend textkritische Frage und entsprechende Antwort, eine damalige erste Rückantwort zu ernten mit allerlei Details zur Steinigungsprozedur eines islamischen Staates.

Der Einwand ist berechtigt. Daher habe ich das, was im gegenständlichen Beitrag OT ist, nachträglich entfernt.

Bitte beim Thema bleiben. Hier geht es um die Geschichte von der Ehebrecherin und warum diese mit hoher Wahrscheinlichkeit eine spätere Hinzufügung ist.
MfG B.
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#12
Spams von Harpya entfernt!

Nochmals: Hier liegt eine Frage zu einer Textstelle aus Joh vor. Islamisches Recht ist hier OT.  

edit:

Weiterer Spam von Hapya entfernt.
MfG B.
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#13
Hallo Geobacter,

ich hege den Eindruck du hast meinen Beitrag nicht wirklich verstanden, oder möchtest das bisherige Thema nun erweitern. Vorab, was mich nicht interessiert ist eine (allzu salopp formulierte) Radikalkritik, was den Umgang mit antiken Texten betrifft, die selbst den meisten kritischen Historikern wohl befremdlich sein dürfte. Mich interessiert hier rein die Fragestellung Harpyas, was von dieser Textstelle zu halten ist - textkritisch, wie auch historisch - und nicht moralische Einwände gegen die Steinigung oder der persönliche Unglaube einer Person. (Zumindest fehlt es mir leider an nachvollziehbaren Begründungen, um mit einigen deiner Aussagen irgendetwas konstruktives hier anzufangen.)

(14-07-2015, 22:12)Geobacter schrieb:
(14-07-2015, 21:34)Rob schrieb: Nichts handfestes? In Bezug auf die Geschichte der Ehebrecherin existieren die uns erhaltenen Schriften, usw. um abzuklären wann, wo, wie diese Geschichte ggf. Einzug ins NT gefunden haben kann. Zudem könnte man überprüfen was sich in diesem fragwürdigen Zeitraum des Einschubs historisch in der frühen Kirche abgespielt haben mag, die die Aufnahme dieser Story vielleicht begünstigte.

Es gibt darüber tatsächlich nichts Handfestes, sondern nur Legende und Sagen.


Meine Aussage bezieht sich hier auf die textkritische Frage Harpyas, dementsprechend verstehe ich deinen Einwand nicht.


(14-07-2015, 22:12)Geobacter schrieb:
(14-07-2015, 21:34)Rob schrieb: In Bezug auf die Todesstrafe durch Steinigung in Palästina im 1. Jhr gibt es doch auch so einige nutzbare
Quellen.

Welche denn?

Wie ich bereits ausgeführt habe, wäre es zum Beispiel denkbar die gesetzlichen Vorschriften der damaligen Zeit unter die Lupe zu nehmen. Also was sagt zum Beispiel die Thora dazu? Oder was erwähnten zum Beispiel der Historiker Josephus Flavius, oder der Theologe Philon von Alexandrien möglicherweise über die Praxis der Steinigung. Oder man könnte ja, bei ausreichendem Interesse, entsprechende Fachliteratur konsultieren. Ich denke da z. B. an "Sex Laws and Customs in Judasim", von Louis M. Epstein.

Um es auf unserem Beispiel anzuwenden: Weicht diese Geschichte der Ehebrecherin z. B. maßgeblich von den damaligen Gepflogenheiten ab, so liegt die Vermutung nahe, dass der Schreiber der Geschichte die tatsächlichen Gepflogenheiten nicht kannte und eine fiktive Situation niedergeschrieben hat. Wenn sie aber übereinstimmt mit den Vorgehensweisen, oder historischen Begebenheiten, so ist sie logischerweise nicht von vornherein auszuschließen nur aufgrund eines eventuell späteren Einschubs. (Könnte ja z. B. auch sein, dass die Geschichte frühzeitig durch einen Kopierfehler ausgelassen wurde und dementsprechend nachträglich wieder eingefügt wurde)
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#14
(15-07-2015, 00:27)Rob schrieb: ...was erwähnten zum Beispiel der Historiker Josephus Flavius, oder der Theologe Philon von Alexandrien  möglicherweise über die Praxis der Steinigung.

Josephus ist eine wenig ergiebige Quelle, wenngleich er in den "Altertümern" mit Beispielen aus der Zeit der Wanderungen und der Königszeit entsprechende Gesetzestexte der Tora erläutert. Die Anmerkung zur Steinigung des Jakobus (auf Veranlassung des Hohepriesters Ananus) im 20. Buch erschöpft sich in einer Zeile.

Auch bei Philo wird (in den vier Büchern über die Einzelgesetze) vornehmlich das Gesetz erklärt.

Beispiel (Philo, De specialibus legibus III, 52):
Zitat:Des Ehebruchs hat das Gesetz die entweder auf frischer Tat ertappten oder durch klare Beweise überführten Frauen für schuldig erklärt; verdächtige dagegen wollte es nicht durch Menschen geprüft wissen, diese wies es vielmehr an den Richterstuhl der Natur,…

Den Ablauf einer Hinrichtung hat, soviel ich weiß, keiner von beiden beschrieben.

Wie eine Steinigung abzulaufen hatte, wird in der Mischna erläutert.

Anzumerken ist, dass die jüdische Rechtslehre zwar eine Fülle todeswürdiger Verbrechen kennt und in der Mischna detailliert beschrieben ist, auf welche Weise die Urteile zu vollstrecken sind, aber der Nachweis, dass Todesurteile von jüdischen Gerichten tatsächlich ausgesprochen und danach vollzogen wurden, kaum erbracht werden kann.
MfG B.
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#15
(16-07-2015, 19:09)Bion schrieb: Anzumerken ist, dass die jüdische Rechtslehre zwar eine Fülle todeswürdiger Verbrechen kennt und in der Mischna detailliert beschrieben ist, auf welche Weise die Urteile zu vollstrecken sind, aber der Nachweis, dass Todesurteile von jüdischen Gerichten tatsächlich ausgesprochen und danach vollzogen wurden, kaum erbracht werden kann.

Das Steinigungen, zur Zeit Jesu, aktuell waren bestätigen doch auch andere Evangelien, Briefe oder die Apostelgeschichte. Selbst Paulus war so oder so mal dabei.
Römern wird es egal gewesen sei, wenn sich Juden gegenseitig totgeschmissen haben.
Glaubhaft macht diese Geschichte, dass Jesus etwas in den Sand schrieb. Für mich eine "Denkpause" den Geist der Steinewerfer zu prüfen.
Hat etwas lustiges, weil wahrscheinlich jeder von jedem wusste, selbst herumgehurt zu haben und sie sich eigentlich gegenseitig hätten steinigen müssen.
"Später hinzugefügt" sagt nicht aus, dass die Quelle nicht von Augenzeugen stammt..
Sinn sehe ich darin, dass Jesus sagte: "Richtet nicht"
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