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Religion(Glaube) und Haare
#1
Hallo, mal ein haariges Thema.

In vielen Religionen wird auf Haare hingewiesen, bei den einen darf man sie nicht kürzen, ja es wird sogar unterschieden zwischen scheren und schneiden.
Andere wiederum scheren sie um sich ihrer Gemeinschaft zu kennzeichnen. Wieder andere verdecken Ihre Haare.

Woher kommt es, das so unterschiedliches Gehabe über ein paar Haare existiert?
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#2
Es handelt sich um Alleinstellungsmerkmale der jeweiligen Gesellschaft. In 1000 Jahren wird man sich wundern, was bei uns alles als "normal" galt.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#3
Viele Religionen messen dem Haupthaar (auch den Finger- und Zehennägeln) magische Eigenschaften zu. Das Haupthaar ist Träger des "Seelenstoffes" und der Lebenskraft (auch Zauberkraft, vgl. Ri 16, Simsonsage). Während eines Gelübdes (Judentum) oder einer Wallfahrt (Islam) darf es weder gewaschen noch geschnitten werden. Die Schur (der Schnitt) des Haupthaares danach ist Teil einer Opferhandlung (Haaropfer). Auch Paulus nimmt das auf sich (vgl. Apg 21,24). Im Haaropfer hat auch die Tonsur christlicher Mönche ihren Ursprung. In manchen Gemeinschaften wird das Haupthaar ganz oder Teilweise bei  Initiationsriten geopfert.

Bei buddhistischen Mönchen ist das geschorene Haupthaar wohl dem Beispiel Buddhas geschuldet, der gegen den Wunsch seiner weinenden und klagenden Eltern, mit geschorenem Haar und Bart, mit fahlem Gewand bekleidet, fort in die Hauslosigkeit zog. In buddhistischen Texten ist das vielfach festgehalten. Es ist ein Merkmal der Gleichwertigkeit innerhalb der Gemeinschaft.
MfG B.
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#4
@Bion: Danke, wieder etwas gelernt bzw. in Erinnerung gerufen!
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#5
Ebenfalls Danke Bion!
Aber das Thema läßt mich so nicht ganz los.
War es nicht so, das im alten Griechenland den Sklaven das Haupthaar geschoren wurde um sie zu kennzeichnen?
Dann gibt es aber auch noch die Asiaten sowie die indianische Rasse (Amerika), die zwar ein volles Haupthaar haben aber der Bartwuchs nicht so prickelnd ist. Sehr spärlich, und diese paar Härchen werden sehr gepflegt.
Vielfach kann man das mit dem Alter und damit der damit verbundenen Lebensweisheit(erfahrung) in Verbindung bringen.
Na ja, hier spielen wohl mehr die Gene eine Rolle als die Religion.
Bei Mönchen und auch Nonnen (wenn auch nur bis zum Superkurzschnitt) kann ich mir die Schur sehr gut vorstellen als Zeichen der Unterwürfigkeit ihrem Gott gegenüber (was man auch schon als freiwillige Sklaverei) bezeichnen könnte.
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#6
Im Buddhismus ist die Schur von Haupthaar, Barthaar und Augenbrauen auch ein Zeichen von der Abkehr von weltlichen Bedeutungslosigkeiten wie Schönheitsideal und ähnlichem,..
Die gefährlichste Meinung ist die Meinung der Leute, die gar keine eigene Meinung haben
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#7
(24-11-2015, 15:03)Wilhelm schrieb: War es nicht so, das im alten Griechenland den Sklaven das Haupthaar geschoren wurde um sie zu kennzeichnen?

Im antiken Griechenland und Rom waren Sklaven weder durch Kleidung noch durch sonstige äußere Merkmale gekennzeichnet. Sie waren auf der Straße von den städtischen Vollbürgern bzw. römischen Bürgern nicht zu unterscheiden. Haussklaven reicher Familien konnten durchaus auch besser gekleidet sein als arme Vollbürger.

Dass Sklaven der Kopf geschoren wurde, war eher die Ausnahme.

In frühen jüdischen und christlichen Gemeinschaften galt es für Männer als Schande, lange Haare zu tragen (vgl. 1Kor 11,14). Statthaft war das nur in Verbindung mit einem Nasiräer-Gelübde (vgl. Num 6,5). Auch Römer trugen die Haare kurz. Erst ab Ende der Spätantike bzw. Beginn des frühen Mittelalters wurde das Tragen von langen Haaren bei Männern zunächst zum Standeszeichen (bei den Vandalen und Merowingern waren die "Langhaarträger" Mitglieder der königlichen Familie, bei den Vandalen auch Mitglieder hochadeliger Familien) und später allgemein zu einem Merkmal für Freiheit. Das ist aber nicht durchgängig der Fall. Karl der Große beispielsweise trug seine Haare kurz.

Von Schädelrasuren, die kultisch begründet waren - Ganzkörperrasuren ägyptischer Priester und jüdischer Nasiräer mit Ende ihres Gelübdes, Teil- und Ganzkörperrasuren im Zuge von Reinigungsopfern (vgl. Lev 14,1ff.), Kopfrasuren buddhistischer Mönche, Tonsuren heidnischer Druiden und christlicher Mönche, etc. -, abgesehen, war es, wenn Menschen den Schädel kahlrasiert bekamen, bis ins 20. Jh nahezu immer eine Maßnahme der Demütigung (zB bei Strafgefangenen, politischen Gefangenen). Manchmal wurden diese demütigenden Maßnahmen hygienisch begründet.
MfG B.
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#8
Hi,

ich möchte mal einen wie ich finde interssanten Aspekt mit einbringen der gerne übersehen wird bei solchen (scheinbar) religiösen Vorschriften.

Man sollte auch an Parasiten denken. Vor allem Läuse waren und sind stets ein großes Übel.
Die schönen Perücken aus dem Barrock und Roccoco hatten zum einen den Grund, dass man darunter eine Kurzhaarfrisur trug stark gepudert gegen Läuse (Mann und Frau). Lange Haare waren da offensichtlich ein großes Problem.
Hierin könnte (!) ein Grund für solche Vorschriften, die Haare zu kürzen oder gar zu rasieren, liegen.
Ähnliches ist auch bei dem Verbot zum Verzehr von Schweinefleisch zu vermuten (Stichwort: Schweinebandwurm).

Man muss sich dabei klarmachen, dass solche religiösen Vorschriften eigentlich nichts religiöses haben sondern dem Zusammenleben und der Gemeinschaft dienlich sein sollen. Solche Vorschriften bzw. Richtlinien wurden dann aber gerne religös verpackt um ihnen eine stärkere Autorität und somit Wirkung zu verleihen.

So ist auch das biblische Verbot des Mischens von Milch, Blut und Fleisch kulturell betrachtet ein Geniestreich gewesen. So konnte man ein bis dato noch halbnomadisch lebendes Hirtenvolk sesshaft machen. Denn wer dem Verbot folgt muss sich an einen Wasserlauf dauerhaft aufhalten und kann nicht mehr frei umherziehen und sein Fleisch der Tiere in dessen Blut kochen etc..
Aber ich schweife ab, sorry.

Abschließend nochmal, nicht selten sind es Schutzvorschriften, welche aus dem Alltag heraus entstanden sind (z.B. Schuttz vor Parasiten, Ungeziefer...) und einen religösen Überbau im Anschluss erfahren haben.

Grüße Edwin

PS: Einige Südamerikanischen Indianderstämme, welche eh schon eine geringe Körperbehaarung aufweisen, zupfen sich z.B. alle ihre Körperhaare penibel aus (z. T. auch die Augenbrauen, Wimpern).
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#9
(27-11-2015, 18:50)Edwin schrieb: Einige Südamerikanischen Indianderstämme, welche eh schon eine geringe Körperbehaarung aufweisen, zupfen sich z.B. alle ihre Körperhaare penibel aus...

Ja, besonders jene im Putumayo-Gebiet.

Bei diesen Völkern ist das Depilieren üblich. Aber auch bei diesen haben Haare eine magische Funktion. Da sich die Naturvölker in den tropischen Urwaldgebieten die Naturgeister in der Regel stark behaart vorstellen, gelten dort Menschen mit starker Behaarung für besonders geeignet, mit den Geistern Kontakt aufzunehmen. Stark behaarte Menschen werden daher für erwählt gehalten, die Funktion des Schamanen auszuüben. Den Schamanen dieser Völker ist das Depilieren untersagt.
MfG B.
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#10
Nachgeschlagen:
Haare die nicht geschnitten wurden, waren bei den Israeliten ein Symbol der Lebenskraft. So durften z.B. gottgeweihte Personen (Nasiräer) ihre Haare nicht schneiden oder schneiden lassen. Das Scheren des Hauptes war damals in Israel ein heidnischer Trauerbrauch und deshalb verboten. Eine besondere Schande war das abschneiden des Bartes.
Ausnahme war das Scheren des Hauptes eines Nasiräers, bei der Beendigung seines Gelübdes. Aber wächst ja wieder.
4.Mose 6,5
Alle Tage des Gelübdes seiner Weihe soll kein Schermesser über sein Haupt kommen. Bis die Tage erfüllt sind, die er sich für den HERRN geweiht hat, soll er heilig sein; er soll das Haar seines Hauptes frei wachsen lassen.
"Simson" ist auch eine Geschichte dazu, die wahrscheinlich in Bezug auf die Haare den Rapunzelschreiber inspirierte.
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#11
(27-11-2015, 18:50)Edwin schrieb: Man muss sich dabei klarmachen, dass solche religiösen Vorschriften eigentlich nichts religiöses haben sondern dem Zusammenleben und der Gemeinschaft dienlich sein sollen. Solche Vorschriften bzw. Richtlinien wurden dann aber gerne religös verpackt um ihnen eine stärkere Autorität und somit Wirkung zu verleihen.

Danke für dieses Zitat, ich "klaue" mir das mal für meinen Thread zur Religionsgründung. Icon_lol
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#12
(27-11-2015, 18:50)Edwin schrieb: Man muss sich dabei klarmachen, dass solche religiösen Vorschriften eigentlich nichts religiöses haben sondern dem Zusammenleben und der Gemeinschaft dienlich sein sollen. Solche Vorschriften bzw. Richtlinien wurden dann aber gerne religös verpackt um ihnen eine stärkere Autorität und somit Wirkung zu verleihen.

Das ist zwar eine verbreitete, aber dennoch gewagte Schlussfolgerung. Nur weil etwas dem Zusammenleben und der Gemeinschaft dienlich ist, widerspricht das nicht dem Religiösen. Dabei würde ich genau das Gegenteil annehmen: wenn man das Bild des göttlichen Erziehers aufgreift, wie es beispielsweise im Islam sehr stark geprägt wurde, können wir diese sozialen Aspekte natürlich auch als Teil der Religion betrachten. Das Problem tritt erst auf, wenn man versucht, eine Religion, die vor mehreren hundert Jahren entstanden ist, in die heutige Welt zu transferieren. Dann passt es womöglich nicht mehr.
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