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Einiger Islam?
#1
Warum ist der Islam eigentlich nicht einheitlich?
Warum gibt es im Islam unterschiedliche "Schulen" bzw. Richtungen und warum sind diese sich offensichtlich nicht einig?
Ist der Koran denn nicht klar genug, und wenn  - warum nicht?
Wenns an den Menschen und ihrem Verständnis liegt, - wird das im Koran behandelt und welche Antworten hat der Koran darauf?

Wie kann es sein, das "G#ttes" entgültig letzte Offenbarung vom Menschen so unterschiedlich ausgelegt wird?
Und welche Schlüsse ergeben sich daraus?

Für mich:
Entweder der Koran stimmt aber keiner versteht ihn richtig.
Oder der Koran ist nicht vollständig und endgültig weil er diesen verschiedenen Auslegungen nicht vorgebeugt hat.
(Im 21 Jhd. beschießen Moslems andere Moslems aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen, machen das Christen auch?)
Diese "Uneinigkeit" der verschiedenen "Schulen" die sich allesamt auf den Koran berufen lässt mich zu dem Schluß kommen, daß der Koran allenfalls an die Seite der Bibel gestellt werden kann, aber eben nicht mehr.
Das ist meine ganz persönliche Ansicht. 
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#2
@deja-vu
Konflikte zwischen Christen gibt es doch auch, zwar in kleinem Rahmen (z.B. Nordirland (Protestanten, Katholiken)
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#3
(11-02-2016, 10:24)Wilhelm schrieb: Konflikte zwischen Christen gibt es doch auch, zwar in kleinem Rahmen (z.B. Nordirland (Protestanten, Katholiken)

"Konflikte" zwischen Katholiken und Protestanten hat es auch "in großem Rahmen" gegeben, und zwar während des Dreißigjährigen Kriegs.

Vergleichbares beginnt sich derzeit für die islamische Welt anzubahnen.

(11-02-2016, 02:32)deja-vu schrieb: Warum ist der Islam eigentlich nicht einheitlich?

Einigkeit hat es unter Muslimen nie gegeben. Schon in den Anfängen wurden Meinungsverschiedenheiten blutig ausgetragen, auch sogenannte rechtgeleitete Kalifen wurden ermordet. Sunnitische Rechtsgelehrte, die schiitische Gemeinschaften als Abtrünnige (Heuchler) bezeichnet hatten, deren Angehörige unter Berufung auf Sure 4:88ff.  getötet werden müssten, traten zu allen Zeiten auf. Und ebenso umgekehrt.

Eine neue Qualität im Umgang mit "Abtrünnigen" tat sich im 18. Jh auf. Eine Gruppe sunnitischer Muslime nahm sich das Recht heraus, andere Sunniten, die ihre religiösen Auffassungen nicht teilten, als Abtrünnige zu bezeichnen. Unterstützt durch den Prediger Ibn Abd al-Wahhab, der behauptete, nur wer seine rigoros puritanische Auffassung, wie der Islam zu leben sei, teile, dürfe sich als Muslim bezeichnen, begann der Emir von Diraja, Muhammad ibn Saud, mit der gewaltsamen Einigung der Stämme auf der Arabischen Halbinsel. Wer sich der strengen wahhabitischen Beurteilung, was denn nun als wahrer Islam bezeichnet werden dürfe, widersetzte, wurde umgebracht.

Die in 4:88ff. festgehaltene Vorgabe, dass man sich im Kampf gegen einen äußeren Feind von Abtrünnigen nicht unterstützen lassen dürfe, ist übrigens eine der Ursachen, dass sich die Saudis im Finden von Allianzen gegen den IS so schwer tun, zumal sie mit der religiösen Ideologie des IS mehr verbindet als mit sunnitischen Gruppen, die einen gemäßigten Islam leben wollen bzw. eine säkulare Form des Gemeinschaftslebens anstreben oder gar dem schiitischen Lager zuzuordnen sind.
MfG B.
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#4
Eben genau diese Entwicklungen dürften eigentlich nicht vorkommen. Der Koran als direktes Wort "G#ttes" würde doch wohl sich widersprechende Auslegungen zu verhindern wissen, sollte man meinen. So kann man sich doch auf die Auslegungen diverser Gelehrter und Korankundiger letztlich auf den koran selbst nicht verlassen.
Für mich folgt daraus, wie schon oben bemerkt, daß der Koran allenfalls in seiner Wertigkeit der Bibel an die Seite gestellt werden kann, die für die Masse ihrer Verfechter ja nicht das direkte Wort "G#ttes" darstellt. Der Koran offensichtlich auch nicht.
Das ist meine ganz persönliche Ansicht. 
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#5
(12-02-2016, 02:40)deja-vu schrieb: Der Koran als direktes Wort "G#ttes" würde doch wohl sich widersprechende Auslegungen zu verhindern wissen,...

Dass der Koran "Gottes Wort" sei, ist eine in der islamischen Welt weit verbreitete  Annahme, ein islamisches Dogma sozusagen. Selbst wer sich mit der Frühgeschichte des Islam nur oberflächlich beschäftigt, kann dieser Behauptung nichts abgewinnen.

Im Grunde wurde der Koran zur Zeit des Kalifen Utman aus verschiedenen Textvorlagen und der kollektiven Erinnerung der noch überlebenden Gefährten des Propheten geschaffen. Was vorlag, waren visionär-prophetische Erzählungen zum Entstehen der Welt, Erklärungen zur Geisterwelt, ein Katalog von Geboten und Verboten, Verhaltensanweisungen im Zusammenhang mit Kriegshandlungen, Verhaltensanweisungen in persönlichen Dingen und Rechtfertigungen für persönliches Fehlverhalten (göttliche Genehmigung persönlichen Fehlverhaltens), etc., etc. eines politischen Führers. Zur Zeit der utman'schen Überarbeitung waren schon verschiede, voneinander abweichende Handschriften von Korantexten im Umlauf. Durch Utman wurden die Textteile (Suren und Verse) auch in eine neue Ordnung gebracht, wobei die Reihenfolge ihres Entstehens (der Offenbarung) keine Rolle spielte. Alle von der neu geschaffenen Ordnung abweichenden Koranexemplare mussten vernichtet werden.

Die koranischen Erzählungen sind eine Zusammenschau aus der altorientalischen Mythologie, insbesondere der jüdischen, ergänzt durch christliche, zoroastrische und gnostische Elemente, die zum Teil neu interpretiert wurden.

Unterschiedliche Bewertungen (beispielsweise die krass widersprüchlichen Aussagen den Alkoholgenuss betreffend 2:219; 4:46; 5:90-91; 16:67) werden lapidar mit der Außerkraftsetzungen göttlicher Anweisungen (Abrogation) und dem göttlichen Neuinterpretierungsrecht von Geboten erklärt. Auf die Schwächen, die solche Erklärungen hinsichtlich göttlicher Vollkommenheit bergen, pflegt man in der Regel nicht weiter einzugehen.
MfG B.
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#6
(12-02-2016, 02:40)deja-vu schrieb: Eben genau diese Entwicklungen dürften eigentlich nicht vorkommen. Der Koran als direktes Wort "G#ttes" würde doch wohl sich widersprechende Auslegungen zu verhindern wissen, sollte man meinen. So kann man sich doch auf die Auslegungen diverser Gelehrter und Korankundiger letztlich auf den koran selbst nicht verlassen.

Auch wenn man vom Koran selbst keine Ahnung hat, darf man ruhig misstrauisch werden, sobald der Begriff auslegen/Auslegung fällt. Eine Auslegung erfolgt immer auf Grund von "Erfordernissen" und Vorstellungen von einer besseren und gerechteren Welt. Oder Umgekehrt , als Ausdruck dafür, dass man mit den Gegebenheiten nicht zufrieden ist. Dass dem so ist, kann man daran erkennen, dass es mit der wirklichen Welt des Islam nicht weit her ist und seit Mohammed noch keine der vielen Koran-Auslegungen diese Welt besser oder gerechter gemacht hätte, bzw. hat. (Wie natürlich auch alle Bibelauslegungen, welche das gleiche Ziel anstreben, die Welt im Durchschnitt eher schwieriger gemacht haben).
Ich habe überhaupt nichts gegen Gläubige, es sei denn, sie behaupten, die Würde des Menschen hinge alleine vom Glauben an einen Gott  ab.
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#7
(11-02-2016, 02:32)deja-vu schrieb: Warum ist der Islam eigentlich nicht einheitlich?
Warum gibt es im Islam unterschiedliche "Schulen" bzw. Richtungen und warum sind diese sich offensichtlich nicht einig?


Wie sieht es bei den Protestanten aus? Überall, wo Menschen keine religiöse Instanz haben, die ihnen die Deutung abnimmt, hat man immer so viele Auslegungen wie es Menschen gibt. Ich halte das für ganz normal.


Zitat:Ist der Koran denn nicht klar genug, und wenn  - warum nicht?

Im Koran selbst steht, dass es mehrdeutige Verse gibt.
Der Koran ist schon deshalb unklar, weil er widersprüchlich ist. Dazu kommen noch Unklarheiten in der Umma, wie er auszulegen sei, wie verbindlich die Rechtsschulen sind etc.
Der Islam ist eine durchweg heterogene Religion.


Zitat:Wenns an den Menschen und ihrem Verständnis liegt, - wird das im Koran behandelt und welche Antworten hat der Koran darauf?


Der Koran weist an mehreren Stellen darauf hin, dass die Menschen ihren Verstand benutzen sollen und dass er mehrdeutig ist. Er weist auch darauf hin, dass es Menschen gibt, die ihn missverstehen werden.
Die Verantwortung für das rechte Verständnis liegt allein beim Menschen und bei, so nennt der Koran das, Gottes "Rechtleitung".


Zitat:ie kann es sein, das "G#ttes" entgültig letzte Offenbarung vom Menschen so unterschiedlich ausgelegt wird?
Und welche Schlüsse ergeben sich daraus?

Der Islam hat noch nicht den Sprung gemacht, den das Christentum gemacht hat. Der Islam geht tatsächlich davon aus, dass sich Gott im Koran offenbart hat und damit wäre dann Schluss. Das Christentum hat verstanden, dass sich in religiösen Schriften Gott immer wieder jedem einzelnen Menschen offenbart und die vorliegende Schrift daher nur "Gotteswort in Menschenwort" ist. Beim Islam ist es insofern nicht anders, dass sich Gott eigentlich jedem Muslim durch die Schrift selbst offenbart. Dadurch ergibt sich dann eine Buch(staben)Gläubigkeit. Es zählt nicht das individuelle Verhältnis zu Gott, sondern eine Pflichterfüllung. Sieht man beispielsweise gut an den Pflichtgebeten. Egal, ob Du arabisch kannst oder nicht: das Pflichtgebet wird nur angenommen, wenn es in Arabisch gesprochen wird.Ob Du es selbst verstehst, was Du sagst, ist sekundär. Es ist auch interessant, wie viele deutsche Konvertiten den Koran in (wahrscheinlich falschen) Arabisch rezitieren, weil das belohnt wird, obwohl sie nicht ein Wort von dem verstehen, was sie rezitieren.
Es fehlt dem Islam an der individuellen Dimension der Gottesbeziehung, die das Christentum ausmacht. Deswegen ist manchen Strömungen auch egal, wie fromm jemand ist, wenn er nicht den Punktekatalog korrekt abarbeitet, kommt er deren Auffassung nach in die Hölle.


Zitat:Entweder der Koran stimmt aber keiner versteht ihn richtig.

Das Problem ist, dass der Koran oft nur halbe Infos liefert. Siehe das Thema Schriftverfälschung. Jede Menge Behauptungen, die durch die Behauptungen vieler Muslime noch unrichtiger werden. Der Koran dürfte durch und durch ein kulturelles Produkt seiner Zeit sein, deshalb tun sich viele auch so schwer mit der Anpassung des Islam an die heutige Zeit und die hiesige Kultur. Wäre der Islam wirklich eine zeitlose Weltreligion, hätte er keine Probleme, sich an Raum und Zeit anzupassen.
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#8
(12-02-2016, 16:01)Bion schrieb: Unterschiedliche Bewertungen (beispielsweise die krass widersprüchlichen Aussagen den Alkoholgenuss betreffend 2:219; 4:46; 5:90-91; 16:67) werden lapidar mit der Außerkraftsetzungen göttlicher Anweisungen (Abrogation) und dem göttlichen Neuinterpretierungsrecht von Geboten erklärt. Auf die Schwächen, die solche Erklärungen hinsichtlich göttlicher Vollkommenheit bergen, pflegt man in der Regel nicht weiter einzugehen.

Wenn man es als Erziehung des Menschen sieht, dann macht das schon Sinn.
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#9
Ja, möglicherweise lässt sich das so verstehen.

Offenbar wurde zur Zeit Mohammeds nicht wenig Wein getrunken. Und auch noch danach, was Berichte von (oft auch übermäßigem) Weinkonsum an den Höfen der Kalifen belegen.

Dass die den Alkoholgenuss betreffenden Weisungen für Muslime nicht eindeutig sind, ist im Koran nachzulesen. Islamische Rechtsgelehrte begegnen solchen Unklarheiten in der Regel mit dem wenig überzeugenden Argument, dass die späteren göttlichen Weisungen die früheren außer Kraft gesetzt hätten. Darunter leidet die angenommene göttliche Vollkommenheit.

Was sagt also der Koran zum Wein?

16:67: Und (wir geben euch) von den Früchten der Palmen und Weinstöcke (zu trinken), woraus ihr euch einen Rauschtrank macht, und (außerdem) schönen Unterhalt. Darin liegt ein Zeichen für Leute, die Verstand haben.

Eine eindeutige Einladung, Wein zu konsumieren!

2:219: Man fragt dich nach dem Wein und dem Losspiel. Sag: In ihnen liegt eine schwere Sünde. Und dabei sind sie für die Menschen (auch manchmal) von Nutzen. Die Sünde, die in ihnen liegt, ist aber größer als ihr Nutzen.

Klar! Wer zum Alkoholiker wird, für den ist Alkohol ein Übel!

4:43: Ihr Gläubigen! Kommt nicht betrunken zum Gebet, ohne vorher (wieder zu euch gekommen zu sein und) zu wissen, was ihr sagt.

Jeder wird einsehen, dass die Aufforderung, nicht besoffen zum Gebet zu kommen, vernünftig ist. Weil solche Empfehlungen offenbar nichts bewirkten:

5:90-91: Ihr Gläubigen! Wein, das Losspiel, Opfersteine und Lospfeile sind (ein wahrer) Gräuel und des Satans Werk. Meidet es! Vielleicht wird es euch (dann) wohl ergehen. Der Satan will (ja) durch Wein und das Losspiel nur Feindschaft und Hass zwischen euch aufkommen lassen und euch vom Gedenken Gottes und vom Gebet abhalten.

Welchen Stellenwert der Wein für die Gefolgschaft des Propheten offenbar hatte, lässt sich aus Versprechen himmlischer Genüsse herauslesen:

47:15: Das Paradies […] ist so beschaffen: In ihm sind Bäche mit Wasser, das nicht faul ist, andere mit Milch, die (noch) unverändert (frisch) schmeckt, andere mit Wein, den zu trinken, ein Genuss ist, und (wieder) andere mit geläutertem Honig.

83:25: Sie erhalten versiegelten edlen Wein zu trinken, …
MfG B.
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#10
(24-05-2016, 10:26)Bion schrieb: 5:90-91: Der Satan will (ja) durch Wein und das Losspiel nur Feindschaft und Hass zwischen euch aufkommen lassen


Offenbar sind Araber durch Alkohol extrem gefährdet, somit war der Koran eine sehr segensreiche Schutzmaßnahme.
Ich war einmal auf Sprachkurs in England, und machte eine interessante aber auch tragische Entdeckung.
Es gab ca 30 % arabische Studenten. Dort in England fern Arabiens begann die Hälfte von ihnen, Bier zu trinken

Sie wurden extrem brutal und sie begannen Zank mit ihren arabischen Mitbrüdern. Unglaublich. Alsbald flogen die Fäuste und Messer blitzten auf

- - - - - - - -

Eins möchte ich noch sagen: hätten die Araber nicht den Islam, dann wären sie während der britisch-französischen Kolonialzeit verreckt
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