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Wissen wohin führt es uns?
#1
Eine Frage die mich beschäftigt und vielleicht auch den ein oder anderen, ist die Frage wohin führt uns Wissen? Mit Wissen sind die Erkenntnisse bzw. der Menschliche Fortschritt gemeint. Wenn man sich ein paar Hollywood Filme anschaut, sieht man dass diese Frage doch recht häufig gestellt wird. Was passiert mit dem Menschen, wenn er sich immer mehr und mehr aneignet. 
Geht durch die Aneignung dessen vielleicht auch die Fähigkeit der Empathie verloren? Recht häufig werden "Intelligentere Menschen" als Gefühllos betitelt oder als Autistisch oder sonst etwas dargestellt. Ein fiktives Beispiel wäre Sheldon Cooper aus der Serie Big Bang Theory, dieser scheint laut Aussagen seiner Kollegen Intelligenter zu sein als sie und wird meistens als nicht Verständnisvoll dargestellt. Entwickelt sich die Menschheit sogar vielleicht zu einem Wesen, dass fern von Gefühlen leben wird? Ein neutrales ohne Vorurteile geprägtes Wesen, dass kein Individuum mehr sein kein, sondern sich zu einem Terminierten Punkt hin entwickelt. Wohin entwickeln wir uns und wie weit werden wir noch kommen? Wird es jemals das Absolute Wissen geben, dass von dem jedem Menschen akzeptiert und eingesehen werden muss, also werden wir irgendwann damit  aufhören können eine Theorie für alles aufzustellen zu müssen, ist das überhaupt möglich? Welches Wissen ist Absolut? Viele Fragen, über die ich sehr viele Meinungen hören will. Falls fragen unverständlich formuliert wurden, verbessert mich!
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#2
(27-04-2016, 22:43)Holmes schrieb: Recht häufig werden "Intelligentere Menschen" als Gefühllos betitelt . . .


Ja, das stimmt leider zweifellos.
Ich wurde einmal am frustrierten Heimweg von der Uni in der U-Bahn von einer Gruppe angequatscht und in ein (angenehmes) Gespräch verwickelt. Dumme, aber herzliche Leute. Erzählten mir irgend einen Schmarrn von Jesus und der Nächstenliebe. Ich ging dann tatsächlich zu ihrem Treffen. Dort war ich zunächst beleidigt, da etliche Schwachsinnige dort waren, die hatten sie offenbar auch in der U-Bahn Station aufgegabelt. Die machen keinen Unterschied "Alle sind Sünder" und da ist es denen offenbar völlig egal ob das ein Akademiker oder ein Putzmann auf Sozialposten ist . . .
Oder ein haftentlassener Gewohnheitsverbrecher
Ich war empört
Der haftentlassene Gewaltverbrecher (Schlagwort 'Jesus liebt dich') wurde alsbald rückfällig, kam in Haft und brachte sich dort Gott sei Dank bald um (Schuhbänder), aber der Rest entpuppte sich als liebe Gruppe, machte dauernd kleine Ausflüge und akzeptierte mich als Menschen, auch wenn ich beim Proseminar durchfiel. Die wußten gar nicht, was ein Proseminar ist.
Die wußten nur aus meinen Erzählungen von meiner Soldatenzeit (wo ich auf Steuerzahlerkosten gelernt habe, Leute umzubringen) und sie wußten, daß ich auf der Uni bin. Die lieben Deppen sagten Unisoldat zu mir
Liebe Menschen !   Ganz große Solidarität
Aber als ich mit dem Studium fertig wurde, verstießen sie mich "bist ein lieber Kerl aber jezt bist du ein Fend"

War eine interessante Lebensphase. Wertvoll? Ja und nein. Wurde zum schweren Alkoholiker (1 1/2 Liter Wein tgl.)  und Kettenraucher (80 am Tag) wovon ich dann sehr schwer loskam.

Aber ohne dieses liebe Geschmeiß hätte ich das Studium nie abgeschlossen . . .
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#3
(27-04-2016, 22:43)Holmes schrieb: ... wohin führt uns Wissen? Mit Wissen sind die Erkenntnisse bzw. der Menschliche Fortschritt gemeint. ... Was passiert mit dem Menschen, wenn er sich immer mehr und mehr aneignet.
Fortschritt, Aneignen und Wissen sind unterschiedliche Dinge.

Dabei ist "Fortschritt" der schillernde Begriff für alles Mögliche, den man gar nicht so richtig fassen kann. Er ist so unklar, dass man mit Fug und Recht sagen kann: Fortschritt gibt es nicht, sondern nur Entwicklungen, die wahrscheinlich nicht einmal zielgerichtet ablaufen. Es gibt bestenfalls lokale und temporäre (also subjektive) Ziele.

"Aneignen" ist eine natürliche Eigenschaft aller Lebewesen. Sie eignen sich alles an, was der Ernährung, Kleidung und Fortpflanzung dienen könnte. Der Mensch macht da keine Ausnahme.
Wenn man „Wissen“ erzeugt, geht damit eine Machtzunahme einher. Da die meisten Menschen wenig altruistisch denken, handelt es sich um die individuelle Machtzunahme, sofern das Wissen selbst nicht Kooperation verlangt. Niemand kann z. B. heute noch erfolgreich Erze aus dem Boden buddeln. Das können (erfolgreich) nur große Firmen, sprich Gemeinschaftsunternehmen.

(27-04-2016, 22:43)Holmes schrieb: Geht durch die Aneignung dessen vielleicht auch die Fähigkeit der Empathie verloren?
Nein bzw. nicht mehr als das bei angehäuftem Reichtum ohnehin der Fall ist. Reichtum verleiht das Gefühl der gefahrlosen Macht. Folglich hört die Rücksichtnahme gegen „die anderen“ oder „die Gesellschaft“ auf oder wird bestenfalls als lästig empfunden. Aber Menschen sind keine Automaten. So muss es nicht sein. Viele Reiche sind auch sozial engagiert.

(27-04-2016, 22:43)Holmes schrieb: Recht häufig werden "Intelligentere Menschen" als Gefühllos betitelt oder als Autistisch oder sonst etwas dargestellt.
Das dürfte ein unzulässiges Junktim (eine sprachlogische Verbindung) zwischen Einsichtsfähigkeit und Empathie sein, das keiner näheren Beleuchtung standhält. Es gibt die Beispiele von Autisten, die einfach die Gestik und Mimik ihrer Mitmenschen nicht richtig verarbeiten können und sich zugleich sehr intelligent allen Wissensgebieten gegenüber verhalten, die man im weitesten Sinne als „objektiv“ oder wenigstens „intersubjektiv“ bezeichnen kann. Umgekehrt gibt es Soziopathen, die selbst für Verbrechen zu dumm sind (aber natürlich viel Schaden anrichten). Und dazwischen gibt es alles andere, so dass Intelligenz und Empathie meiner Meinung nach nicht zusammen hängen.

(27-04-2016, 22:43)Holmes schrieb: Entwickelt sich die Menschheit sogar vielleicht zu einem Wesen, dass fern von Gefühlen leben wird? Ein neutrales ohne Vorurteile geprägtes Wesen, dass kein Individuum mehr sein kein, sondern sich zu einem Terminierten Punkt hin entwickelt.
Die Menschheit unterliegt der Evolution. Es wir davon abhängen, wie sich die äußeren Umstände ergeben. Empathie und Bewusstsein haben sich entwickelt, weil, in Gesellschaft zu leben, einen Überlebensvorteil bietet. Unser Bewusstsein ist unser „Gesellschaftsorgan“ und die Empathie der Klebstoff, mit dem die Kleingruppen zusammen halten. Ich wüsste nicht, wie sich daran etwas ändern sollte. Wirklich solitär (biologisch selbständig) lebende Organismen sind wir ohnehin nicht. Die gefühlte Individualität halte ich für eine Illusion.

„Theorie von Allem“: Aus wissenschaftlicher Sicht handelt es sich nur um die gemeinsame Theorie vom Mikrokosmos (Quantentheorie) bis zum Makrokosmos (Allgemeine Relativitätstheorie).
(27-04-2016, 22:43)Holmes schrieb: Wird es jemals das Absolute Wissen geben, das von dem jedem Menschen akzeptiert und eingesehen werden muss … ?
“Absolutes Wissen“ gibt es nicht. Es gibt nur ein vorläufiges Wissen und nur im Rahmen der Wahrnehmungsmöglichkeiten, sei es durch Beobachtung oder Messung.
„Absolutes Wissen“ war die Fiktion, als man über die Begrenztheit der Messmöglichkeiten noch nichts wusste, und Gott letztlich für „Alles“ stand.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#4
(28-04-2016, 12:08)Ekkard schrieb: “Absolutes Wissen“ gibt es nicht. Es gibt nur ein vorläufiges Wissen und nur im Rahmen der Wahrnehmungsmöglichkeiten, sei es durch Beobachtung oder Messung.
„Absolutes Wissen“ war die Fiktion, als man über die Begrenztheit der Messmöglichkeiten noch nichts wusste, und Gott letztlich für „Alles“ stand.

Also ist die Menschheit dazu verdammt, nur temporäre Erkenntnisse zu erlangen die nie Absolut werden können?

Zitat:Ekkard
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Die Menschheit unterliegt der Evolution. Es wir davon abhängen, wie sich die äußeren Umstände ergeben. Empathie und Bewusstsein haben sich entwickelt, weil, in Gesellschaft zu leben, einen Überlebensvorteil bietet. Unser Bewusstsein ist unser „Gesellschaftsorgan“ und die Empathie der Klebstoff, mit dem die Kleingruppen zusammen halten. Ich wüsste nicht, wie sich daran etwas ändern sollte. Wirklich solitär (biologisch selbständig) lebende Organismen sind wir ohnehin nicht. Die gefühlte Individualität halte ich für eine Illusion.

Also wird Empathie nur als ein Überlebensmechanismus gebraucht, somit wäre doch durch technischen Fortschritt, genau dieser Überlebensmechanismus, der durch den Überlebenskampf entstanden ist überflüssig? Wozu wird Empathie noch benötigt, wenn durch Technik die nötigen Informationen ausgetauscht würden und man diese durch Intelligenz zusammensetzen könnte, so dass diese jeder versteht. Ich empfinde es als wichtig zu gestehen, dass der Fortschritt, den die Menschheit gerade erlebt die Empathie einschränkt. Denn Fortschritt funktioniert meines Erachtens, nur ohne Empathie, denn wer sich von Empathie leiten lässt wird keine Mathematische
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#5
(28-04-2016, 21:53)Holmes schrieb: Wozu wird Empathie noch benötigt, wenn durch Technik die nötigen Informationen ausgetauscht würden und man diese durch Intelligenz zusammensetzen könnte, so dass diese jeder versteht. Ich empfinde es als wichtig zu gestehen, dass der Fortschritt, den die Menschheit gerade erlebt die Empathie einschränkt. Denn Fortschritt funktioniert meines Erachtens, nur ohne Empathie, denn wer sich von Empathie leiten lässt wird keine Mathematische

Ich denke nicht, dass die Erweiterung von Wissen oder die Erlangung von Bildung die Fähigkeit einschränkt, Gefühle zu empfinden. Einfach aus dem Grunde, weil wir ohne die Wahrnehmung von Gefühlen nicht in der Lage wären, Entscheidungen zu treffen. Woher weiß ich was ich will, wenn ich nichts fühle? Gebildete Menschen wissen gewöhnlich sogar besser darüber bescheid was die wollen als weniger Gebildete. 

Es ist aber wohl so, dass die Erlangung von überdurchschnittlicher Bildung bei den meisten eine gewisse Arroganz entstehen lässt. Man erkennt seine Überlegenheit in bestimmten Bereichen und fühlt sich auf Grund selektiver Wahrnehmung als etwas "Besseres". Was dazu führt, dass der als unterlegen Betrachtete gering geschätzt wird, was Außenstehende dann als mangelnde Empathie wahrnehmen. Aber genau das ist ohne Gefühle und ohne Empathie gar nicht möglich. Eine empathielose Person wird auf andere Personen nie herabblicken, sondern einer solchen Person wäre das völlig egal. 

Wenn du schreibst, dass der Fortschritt, den die Menschheit gerade erlebt, die Empathie einschränkt, dann möchte ich hier entschieden widersprechen. Vor 100 Jahren hatten die Völker Europas kein Problem damit, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Noch vor 300 Jahren waren qualvolle öffentliche Hinrichtungen gleichzeitig Volksfeste. Und auch noch vor 40-50 Jahren war häusliche Gewalt gegen Kinder gesellschaftlich akzeptiert. 
Frühere Zeiten waren viel gewalttätiger als dies heute der Fall ist. Und auch heute ist zu beobachten, dass in weniger entwickelten Gesellschaften die Neigung zu Gewalt erheblich höher ist als in Gesellschaften mit hoher Bildung.
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#6
(28-04-2016, 21:53)Holmes schrieb: Also ist die Menschheit dazu verdammt, nur temporäre Erkenntnisse zu erlangen die nie Absolut werden können?
Ja, so ist das. Wie sich an den ideologisch untermauerten Kriegen zeigt, sind Gewissheiten z. B. zu den guten Gotteskindern zu gehören, außerordentlich gefährlich, um nicht zu schreiben: "Tod bringend".


(28-04-2016, 21:53)Holmes schrieb: Also wird Empathie nur als ein Überlebensmechanismus gebraucht, somit wäre doch durch technischen Fortschritt, genau dieser Überlebensmechanismus, der durch den Überlebenskampf entstanden ist überflüssig?
Du siehst die Evolution um einige Größenordnungen zu eng. Evolution kennt kein Ziel. Sie nutzt lediglich langfristige Trends, so genannte "ökologische Nischen", Massenvermehrungen eingeschlossen. Letztere sind aber nie von langer Dauer im erdgeschichtlichen Sinne (also über Zehntausende von Jahren. Den technischen Fortschritt wird es nur so lange geben, wie die Lagerstätten und die Umweltressourcen ihn hergeben.
Wenn schon kleine Engpässe in der Welt zu erbitterten Kriegen führen, kann man sich leicht ausmalen, wie sich ein massiver Mangel auswirken wird. Sollte die Menschheit diesen Zustand überleben wollen, so ist ein Haufen Empathie erforderlich.

Soviel zur Frage, ob Empathie noch benötigt wird!


(28-04-2016, 21:53)Holmes schrieb: Ich empfinde es als wichtig zu gestehen, dass der Fortschritt, den die Menschheit gerade erlebt, die Empathie einschränkt. Denn Fortschritt funktioniert meines Erachtens, nur ohne Empathie, denn wer sich von Empathie leiten lässt wird keine Mathematische ...
Das sehe ich so wie Thomas. Allerdings gebe ich dir Recht, dass man mathematische Systeme nicht auf der Basis von irgendwelchen Gefühlen erzeugen kann. Aber Mathematik oder Informatik ersetzen keine gesellschaftlichen Beziehungen bzw. Bindungen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#7
(29-04-2016, 13:21)Thomas schrieb: Frühere Zeiten waren viel gewalttätiger als dies heute der Fall ist. Und auch heute ist zu beobachten, dass in weniger entwickelten Gesellschaften die Neigung zu Gewalt erheblich höher ist als in Gesellschaften mit hoher Bildung.



Und Auschwitz ?
Und Hiroshima ?
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