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Wie wird man "Muslim"?
#16
(16-07-2016, 22:43)Sinai schrieb:
(16-07-2016, 22:02)Mustafa schrieb: Gemeinsamkeiten? Ich verstehe die Frage nicht ganz.

Wenn man in eine muslimische Familie hineingeboren wird,  wird man von Grund-auf von islamischer Kultur geprägt, und sieht sich in aller Regel dann auch selber als Muslim.


Ich verstehe nicht, was Du zum Ausdruck bringen willst.
Was bedeutet "hineingeboren" ?

Meinst Du eine Seele auf Wanderschaft ?
Die dann zufällig oder aufgrund von "Karma" oder was weiß ich in eine bestimmte Familie "hineingeboren" würde ?
Das riecht nach der Vorstellung der Seelenwanderung


Nein. Meine Frage bezog sich lediglich auf deine Worte. Ich wollte in deine Worte nichts hineininterpretieren. Die Frage nach den Gemeinsamkeiten von einem "persönlichen Glaubensbekenntnis" und einem "Hineingeboren - werden in eine muslimische Familie", bezog sich auf den Aspekt, der einen Menschen zum "Muslim - sein" bestimmen soll.

Liebe Grüße
Egon Spengler
Ich bin weit über die Fähigkeit rationalen Denkens hinaus entsetzt.
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#17
(16-07-2016, 22:21)Egon Spengler schrieb: Hallo Mustafa,

darf ich mich nach deiner Vorgehensweise bzw. Methodik und "Theologie" erkundigen?

Liebe Grüße
Egon Spengler

Darfst du, jedoch bin ich kein Religionswissenschaftler, und beantworte deine Fragen demnach gemäß meiner persönlichen Meinung als Muslim.
Wie du diese "Methodik" nennst, bleibt dir überlassen.
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#18
(16-07-2016, 23:01)Egon Spengler schrieb: Nein. Meine Frage bezog sich lediglich auf deine Worte.  Ich wollte in deine Worte nichts hineininterpretieren.

Auch ich will nichts in seine Worte "hineininterpretieren".
Aber das Wort "hineingeboren "  läßt mich aufmerken.
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#19
(16-07-2016, 23:05)Mustafa schrieb: Darfst du, jedoch bin ich kein Religionswissenschaftler, und beantworte deine Fragen demnach gemäß meiner persönlichen Meinung als Muslim.
Wie du diese "Methodik" nennst, bleibt dir überlassen.

Er hat die muslimische Methodik.  Ist nichts Schlechtes, da gab es bedeutende Gelehrte, zB Khayyam
Das weiß ich, weil eine algerische Rotweinsorte so benannt ist, und ich bin dem Namen nachgegangen.
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#20
(16-07-2016, 23:05)Mustafa schrieb:
(16-07-2016, 22:21)Egon Spengler schrieb: Hallo Mustafa,

darf ich mich nach deiner Vorgehensweise bzw. Methodik und "Theologie" erkundigen?

Liebe Grüße
Egon Spengler

Darfst du, jedoch bin ich kein Religionswissenschaftler oder Fachgelehrte, und beantworte deine Fragen demnach gemäß meiner persönlichen Meinung als Muslim.
Wie du diese "Methodik" nennst, bleibt dir überlassen.

Danke für deine Antwort. Meine Frage richtet sich nicht speziell an Religionswissenschaftler, sondern an Muslime - ihrer subjektiven Sichtweisen und Sinngebungen, sowie deren Verständnis von bestimmter tradierter Doktrinen, um den Spielraum zu ergründen, inwieweit das Bild vom "Islam" zu restaurieren sein könnte.  

Die Anmerkungen hinsichtlich der Methodiken halte ich nur im Hinblick auf Paradigmen, deren Grenzen und mögliche Verzerrungen erwähnenswert, damit sich auch Nicht - Muslime ohne Expertise gewissermaßen konstruktiv am freien Diskurs beteiligen können.

Siehe:
Zitat:Zunächst soll die Erarbeitung von Fragestellungen (Methodologie) und Begriffsanalysen im Vordergrund stehen, um das gemeinsame Verständnis von den herangetragenen kollektiv - geteilten oder subjektiven Sichtweisen zu fördern. 
Ich bin weit über die Fähigkeit rationalen Denkens hinaus entsetzt.
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#21
(16-07-2016, 13:18)Mustafa schrieb: Der User Reisender hat schon recht.

Es reicht ein persönliches Bekenntnis zum Islam.

Oder man wird in eine muslimische Familie hineingeboren.

(16-07-2016, 23:21)Sinai schrieb:
(16-07-2016, 23:01)Egon Spengler schrieb: Nein. Meine Frage bezog sich lediglich auf deine Worte.  Ich wollte in deine Worte nichts hineininterpretieren.

Auch ich will nichts in seine Worte "hineininterpretieren".
Aber das Wort "hineingeboren "  läßt mich aufmerken.

Wie oben angeführt, habe ich lediglich seine Worte gewählt.
Ich bin weit über die Fähigkeit rationalen Denkens hinaus entsetzt.
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#22
Mir sind interpretative Begriffsdefinitionen suspekt. Entweder man verwendet die Begriffe im Kontext z. B. des umgangssprachlich formulierten Problems oder Themas oder man schickt eine Definition vorweg, wie man den betreffenden Begriff verwenden soll. Die Definition soll eben keine Wertungen enthalten, ganz im Gegensatz zu deinem Beispiel.
(16-07-2016, 20:47)Egon Spengler schrieb: Die Grundlage jener Vorgehensweise (Methodologie) mag jedoch in solchen Betrachtungsgegenständen eine entscheidende Rolle spielen, inwieweit die Begriffe ihre Form durch spezifische "Interpretationsverfahren" (Hermeneutik) erhalten können.

Beispiel: Exklusivistische Religionstheologien werten andere Glaubenswege ab, während Inklusivistische einige zum Teil anerkennen. Jene theologischen Positionen wenden diverse "Interpretationsverfahren" an, um Begriffe wie "Glaube" zu definieren. Nach jenen Sichtweisen kann "Glaube" also Bedingungen und Stufen mit sich führen. An dieser Stelle kann hilfreich sein, zwischen theologischen "Begriffsdefinitionen" und kulturellen "Gebrauchsdefinitionen"¹ zu unterscheiden.
... werten ... Meiner Meinung nach sollte eine Begriffsdefinition wertfrei erfolgen. Sonst kann ich gleich "in der Wolke" umgangssprachlicher Begriffsverwendung bleiben, in der natürlich a-priori-Wertungen enthalten sind.

Wenn überhaupt, würde ich "Gebrauchsdefinitionen" nach kulturellen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten bevorzugen, die möglichst wertfrei und intersubjektiv zu halten sind - also auf so etwas wie "universeller Grundlage". 

(16-07-2016, 20:47)Egon Spengler schrieb: Diese diversen "Interpretationsverfahren" sind unter den Schlagwörtern u.a. Intentionalität, phänomenologischer Reduktionismus, Interpretative Paradigma, symbolischer Interaktionismus ... nachzuschlagen.
Wir sollten uns vielleicht darauf verständigen, hier kein Proseminar in theologischer/philosophischer Rhetorik abzuhalten. Wenn (dir geläufige) spezielle Verfahren angewendet werden sollen, dann stelle sie uns kurz vor. 

Zum Islam und dem dort erwarteten "Glauben":
(16-07-2016, 20:47)Egon Spengler schrieb: Nach meiner Erfahrung liegen viele Lehren vor. So lässt sich "Glaube" nach populären im Konsens stehenden Lehren des Islam folgendermaßen unterscheiden - zwischen dem Tauhid - dem "Glauben an die Einheit Gottes" und dem Iman, der "Glauben" in Elemente wie - Innerer Überzeugung, Aussprechen der Inneren Überzeugung und Durchführung der inneren obligatorischen Handlungen - und gewissermaßen Prämissen enthält, die durch "die sechs Glaubensartikel des Imans" bestimmt werden mögen.
Diese sind: ??? 


(16-07-2016, 21:44)Egon Spengler schrieb: Wer von der Existenz von transzendenten Entitäten wie "Gott" ... überzeugt ist, kann gegebenenfalls nach der katholischen Kirche keinen "Glauben" besitzen, sondern eine Weltanschauung?
(16-07-2016, 21:44)Egon Spengler schrieb: Was ist der Unterschied zwischen "inneren" und "äußeren Glauben"?
Begründet die katholische Kirche auch diese "Ansichten"?
Benedikt XVI hat das in einer Enzyklika mal erläutert. (Röm. katholischen) Glauben lebt man, wenn man sich zu den Vorgaben und Riten der Kirche bekennt. Das ist quasi das Band der Katholiken weltweit. Davon abweichen kann die "innere Überzeugung", z. B. meine persönliche Interpretation von Jesu Zeugung.
Eugen Drewermann nennt den katholischen Glauben deshalb auch "äußerlichen Glauben", weil das Einhalten bestimmter Formalitäten ausreicht, um frommer, d. h. vor Gott gerechtfertigter Katholik zu sein. Nach protestantischer Auffassung ein Unding! Und ich könnte mir vorstellen auch im Islam!

(16-07-2016, 21:44)Egon Spengler schrieb: Kannst du "Weltanschauung" definieren?
Nun, "Weltanschauung" beinhaltet jene Vorstellungen, die unser individuelles Verhältnis zur Welt einschließlich unserer Mitwesen (Mitmenschen, Tiere, Pflanzen, Biosphäre, Natur) interpretieren und bewerten. Im Gegensatz zur (neutralen) Begriffsdefinition "Weltanschauung" stecken unsere Vorstellungen darin voller Wertungen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#23
(16-07-2016, 23:39)Egon Spengler schrieb: Wie oben angeführt, habe ich lediglich seine Worte gewählt.

Ich habe mich früher sehr mit dem Islam beschäftigt, und da kommt der Begriff "hineingeboren " nicht vor . . .
Das ist keine islamische Vorstellung: der eine würde in eine islamische Familie "hineingeboren ", der andere würde in eine hinduistische Familie "hineingeboren "

Dies würde nämlich eine Gleichwertigkeit der Menschenleben bewirken, und kein Moslem dürfte im Dschihad ein Hindukind erschlagen oder versklaven

Somit trifft dieser Begriff absolut nicht zu. Er ist indisch
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#24
(16-07-2016, 23:24)Sinai schrieb:
(16-07-2016, 23:05)Mustafa schrieb: Darfst du, jedoch bin ich kein Religionswissenschaftler, und beantworte deine Fragen demnach gemäß meiner persönlichen Meinung als Muslim.
Wie du diese "Methodik" nennst, bleibt dir überlassen.

Er hat die muslimische Methodik.  Ist nichts Schlechtes, da gab es bedeutende Gelehrte, zB Khayyam
Das weiß ich, weil eine algerische Rotweinsorte so benannt ist, und ich bin dem Namen nachgegangen.

Es gibt eine Vielzahl von diversen Lehren und Gelehrter innerhalb einer islamischen Rechtsschulen. Meiner Meinung nach führen normative Bewertungen zu einer vermeidbaren verzerrten Rekonstruktionen der untersuchten subjektiven oder kollektiven Sichtweisen eines z.b. Kulturphänomens. (Siehe: Eurozentrismus)
Die Angabe von Lehren, nach denen sich der Befragte richten will, vereinfacht den Fragekatalog, um bei der Untersuchung des Konstruktes bereits gemeinsam - geteilte Begrifflichkeiten verwenden zu können. (Vermeidung von Suggestivfragen).
Ich bin weit über die Fähigkeit rationalen Denkens hinaus entsetzt.
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#25
(16-07-2016, 23:57)Ekkard schrieb: Mir sind interpretative Begriffsdefinitionen suspekt.

Benedikt XVI


Mir auch.  Aber wie vermeiden bei einer Diskussion zwischen indogermanischer (deutscher) und semitischer (arabischer) Begriffswelt ?   Da sind doch viele Begriffe nicht kongruent. Und bei religiösen (das heißt uralten) Begriffen ist das noch viel ausgeprägter.
Beispiel:
der Deutsche sagt Hölle. Sie findet in einer Ebene statt
der Araber sagt Hölle, eigentlich Dschehennah    Sie hat 7 Etagen


zu Benedikt XVI ist anzumerken, daß er ein höchst umstrittener Kleriker war. Er konnte von den Katholiken nicht abgeschüttelt werden, da wirkte die Mechanik des Kirchenrechts dagegen, aber nicht alle Katholiken akzeptierten diese Person innerlich
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#26
Warum auch? Aber wir verlieren mal wieder das Thema ...
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#27
(17-07-2016, 00:30)Ekkard schrieb: Warum auch? Aber wir verlieren mal wieder das Thema ...

Direkt zum Thema:  Wie wird man "Muslim"?
Ich denke, daß hier lustigerweise Karl May eine treffliche Beschreibung gibt.

Ja, ich weiß, daß er die Länder über die er schrieb, nie bereist hatte.
Aber ist das erforderlich ?  Alle Nasa Forscher schreiben dicke Bücher über den Mond und waren auch nie dort.

Karl May wertete ernstzunehmende Reiseberichte aus. Die existierten auch schon damals.
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#28
Zitat:Ekkhard schrieb:

Wenn überhaupt, würde ich "Gebrauchsdefinitionen" nach kulturellen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten bevorzugen, die möglichst wertfrei und intersubjektiv zu halten sind - also auf so etwas wie "universeller Grundlage". 

Unter universeller Grundlage, die "theologische Begriffsdefinition" tragen sollen, möchte hier gemeint sein, dass die Grundlage auf ein absolutes Wesen reduziert wird. In den Sinn kommt mir hierbei zur kurzen Erläuterung Folgendes - diese Letzbegründung beanspruchen einige Theologen auch für rechtsphilosophische Fragen, die bezüglich einer Metaethik meinen Erfahrungen nach häufig mit dem "Naturecht" verbunden wird, in etwa  "Gott" als oberster Richter.

Zitat:Zum Islam und dem dort erwarteten "Glauben":
(16-07-2016, 20:47)Egon Spengler schrieb: Nach meiner Erfahrung liegen viele Lehren vor. So lässt sich "Glaube" nach populären im Konsens stehenden Lehren des Islam folgendermaßen unterscheiden - zwischen dem Tauhid - dem "Glauben an die Einheit Gottes" und dem Iman, der "Glauben" in Elemente wie - Innerer Überzeugung, Aussprechen der Inneren Überzeugung und Durchführung der inneren obligatorischen Handlungen - und gewissermaßen Prämissen enthält, die durch "die sechs Glaubensartikel des Imans" bestimmt werden mögen.
Diese sind: ??? 

Diese mir Bekannten kann und will ich aus Zeitgründen nicht alle aufzählen. Daher kurz dazu, um die Komplexität zu erläutern.

Anders als in der katholischen Kirche gibt es kein Oberhaupt, das die Doktrinen begründet. Meiner Informationen nach haben die Lehren der vier klassischen Rechtsschulen (Maddhab) selbst innerhalb frt Rechtsschulen unterschiedliche Konzepte bezüglich des "tauhid" aufzuweisen, welche wie nach einiger islamischer Ansichten in etwa das Herzstück der Religion des "Eingottglaubens" ausmacht. Diese wirken sich auf die Interpretation bzw. Hermeneutik des Qurans insoweit aus, dass z.B. Metaphern und Allegorien (Taweel) oder in etwa "rationale Eigeninterpretationen" (~Itchitad) ausgeschlossen werden können. 

Sozialpsychologische Erklärungsansätze führen die Akzeptanz der Einigkeit der sunnitischen Rechtsschule auf Faktoren wie der Traditions- bzw. Identitätswahrung zurück, da sich diese unterschiedlichen Rechtsschulen in ihren Grundlagen widersprechen können. So kann aus meiner Erfahrung nicht von allgemein - akzeptierten Lehren gesprochen werden. 
Ihre Gemeinschaft beruht aus gesellschaftlicher und theologischer Sicht möglicherweise u.a. auf der Akzeptanz der Überlieferungsgeschichten, sowie der historischen gemeinschaftlichen Entwicklung, die ihre Grundlage (~aqida) auf den Quran und die Hadith (Bukhary und Sahih Muslim) beziehen wollen sieht. 

Im Kontext verknüpfe ich häufig die theologische Terminologie "taqleed" (~Nachahmung), die das Befolgen der Anweisungen eines islamischen Gelehrten beinhaltet. Auch der Umgang mit dem Autrotitätsanspruch ist mir aus theologischer Sicht unschlüssig. Inwiefern also "Iman", "taqleed" und "klare Botschaft" im Einklang stehen, versuche ich selbst zu ertasten. "Aql" rationales Denken als Schlüssel zur Erkenntnis des "tauhid" sowie "Kufr Bit taghut" (Lossagung der Götzen) und "Kalam" (~Philosophie, Epistemologie, Scholastik) erhalten ihre differenzierten Definitionen und vermischen sich oft mit etymolgoischen oder mythologischen - modifzierten - Symbolen. Ein historischer Seziertisch bleibt außer Frage. Diese Überlegungen führen mich zur Ontologie und Metaphysik, die ich über die Frage des Muslims - werden, einzuleiten versuche.

Das erstmal dazu. 

Zitat:
(16-07-2016, 21:44)Egon Spengler schrieb: Wer von der Existenz von transzendenten Entitäten wie "Gott" ... überzeugt ist, kann gegebenenfalls nach der katholischen Kirche keinen "Glauben" besitzen, sondern eine Weltanschauung?
(16-07-2016, 21:44)Egon Spengler schrieb: Was ist der Unterschied zwischen "inneren" und "äußeren Glauben"?
Begründet die katholische Kirche auch diese "Ansichten"?
Benedikt XVI hat das in einer Enzyklika mal erläutert. (Röm. katholischen) Glauben lebt man, wenn man sich zu den Vorgaben und Riten der Kirche bekennt. Das ist quasi das Band der Katholiken weltweit. Davon abweichen kann die "innere Überzeugung", z. B. meine persönliche Interpretation von Jesu Zeugung.
Eugen Drewermann nennt den katholischen Glauben deshalb auch "äußerlichen Glauben", weil das Einhalten bestimmter Formalitäten ausreicht, um frommer, d. h. vor Gott gerechtfertigter Katholik zu sein. Nach protestantischer Auffassung ein Unding! Und ich könnte mir vorstellen auch im Islam!

Ich versuche Generalisierungen zu vermeiden. 

Wie bereits erläutert, gibt es selbst Abweichungen innerhalb der jeweiligen Rechtsschulen. Zu beachten ist, dass sich die islamische Theologie in Komponente aufteilen lassen kann, da Religion und Staat in weiten Teilen der mittelöstlichen Welt zusammen einhergeht. Als Beispiel ist die Rechtswissenschaft (figh)  für die Normfindung der Auslegungen der islamische Theologie und Hadithwissenschaft zuständig. Sie ist stark interessen - geleitet und institutionalisiert. Je nach Staat und ihrer ökonomischen und wirtschaftlichen Situation und "Mechanismen" sind die Regelungen also kontextuell aufzufassen. 

Die theologischen Regelungen der Großgelehrten einzelner Rechtsschulen wie der Hanifis gehen mit dem "Takfir", die Praxis einen Muslims als Nicht - Muslim zu verurteilen (Exkommuniaktion) sehr vorsichtig um, vermeiden diese Praxis sogar. In Verbindung mit dem takfir stehen oft die Hanbaliten, aus denen auch aus geshcichtswissenschaftlicher Sicht die berüchtigten Salafisten und Wahabiten (polit. termini) hervorgehen, die gewissen Lehren befolgen, welche den tauhid so kategorisch auffassen, dass jede Art von Abweichung als "Shirk"(~Idolisierung) oder Bidah (Erneuerung), kurz gesagt, als Polytheismus auslegt werden muss. Statistiken zufolge sollen sie weit unter 5% des gesamten Sunnitentums ausmachen.

Zitat:Egon SpenglerKannst du "Weltanschauung" definieren?
Nun, "Weltanschauung" beinhaltet jene Vorstellungen, die unser individuelles Verhältnis zur Welt einschließlich unserer Mitwesen (Mitmenschen, Tiere, Pflanzen, Biosphäre, Natur) interpretieren und bewerten. Im Gegensatz zur (neutralen) Begriffsdefinition "Weltanschauung" stecken unsere Vorstellungen darin voller Wertungen.
[/quote]

Interessant, darauf gehe ich nochmal später ein. Die aus dieser Ansicht genierten Fragestellungen können sicherlich zu weiteren Inspirationen führen.
Ich bin weit über die Fähigkeit rationalen Denkens hinaus entsetzt.
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#29
(17-07-2016, 00:00)Sinai schrieb: Ich habe mich früher sehr mit dem Islam beschäftigt, und da kommt der Begriff "hineingeboren " nicht vor . . .
Das ist keine islamische Vorstellung: der eine würde in eine islamische Familie "hineingeboren ", der andere würde in eine hinduistische Familie "hineingeboren "

Ich weiss nicht, was Dich an dem Konzept irritiert. Die meisten Menschen auf der Welt werden in ihre jeweilige Religion hineingeboren. Sie haben die Religion, die sie haben, weil ihre Eltern diese Religion haben. Sie haben sich nie bewusst fuer eine Religion entschieden oder waren zum Zeitpunkt der formalen Entscheidung noch voll im Erziehungsprozess eingebunden; und Letzteres ist keine wirkliche Entscheidung, wenn man nur eine gebotene Option hat.

Das ist also der Normalfall, wie ein Mensch zu einer spezifischen Religion kommt. Konzepte davon, was wir fuer "gut" und "richtig" halten, sind insofern auch eher diesem Mechanismus geschuldet als der Begruendung durch die Angehoerigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft. Letztere gibt nur die aeussere Form zu dieser inneren Haltung. Das ist uebrigens auch der Grund, warum selbst Agnostiker oder Atheisten in unserer hiesigen Gesellschaft meist christlich gepraegt sind, oder warum Religionsfragen oft mit Kulturkampf vermengt sind.
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#30
Zitat:Mir sind interpretative Begriffsdefinitionen suspekt.

Entweder man verwendet die Begriffe im Kontext z. B. des umgangssprachlich formulierten Problems oder Themas oder man schickt eine Definition vorweg, wie man den betreffenden Begriff verwenden soll. 

Also - "theologische Begriffsdefinition" beziehen sich meist auf ihren "persönlichen Glauben". Sinai hat die Problematik einer verzerrten Rekonstruktion einer individuellen Sinngebung recht anschaulich verdeutlicht, finde ich. "Gebrauchsdefinitionen" sind u.a. kulturspezifisch und vielfältig in ihren Gehältern.

Der wichtige Unterschied ist hierbei, dass "theologische Begriffsdefinition" das Prinzip der Letztbegründung beanspruchen, also universelle Gültigkeit, einen absoluten Wahrheitsanspruch ("Gott") besitzen.

"Gebrauchsdefinitionen" sind wandelbar, dynamisch und richten sich nach den aktuellen Gepflogenheit der Menschen, die also kontextuell, kulturell bedingt, milleuatypisch von daher aber auch interessen - geleitet  (instituionalisiert) sein können. Sie richtet sich u.a. nach dem Prinzip der Offenheit.


Zitat:Die Definition soll eben keine Wertungen enthalten, ganz im Gegensatz zu deinem Beispiel.

Hier liegt ein Missverständnis vor.

Diese kategorialen Zuordnungen sind insofern zunächst wertfrei zu erachten, da diese Kategorien weder als positiv noch negativ ausgelegt werden. Man muss sich da schon von seiner Ideologie versuchen, zu lösen. Gruppierungen, die sich jenen Kategorien zuordnen lassen, identifizieren sich mit jenen Kriterien.

Beispiel: Wenn sich eine xy - Gemeinschaft zu den Grundsätzen bekennt, dass alle in die Höhle fahren, die nicht an die Existenz eines Schöpfers aller Dinge glaubt, der auf dem Planeten Jupiter lebt, unsichtbar und zugleich auf einem goldenen fliegendem Pferd reitet, dann ließe  sich diese Gemeinschaft wertfrei unter der Kategorie "exklusvistischen Religionstheolgie" mit dem Prinzip einer Letztbegründung und universellen Geltungsansprüchen einordnen lassen können. Diese Gemeinschaft würde sich wahrscheinlich selbst nicht einer solchen Kategorie zu ordnen, wenn sie den Begriff der "Religion" ablehnt oder ihr Wahrheitsanspruch über gesellschaftl. Wortkonstruktionen steht. 

Siehe:
Zitat:Beispiel: Exklusivistische Religionstheologien werten andere Glaubenswege ab, während Inklusivistische einige zum Teil anerkennen. Jene theologischen Positionen wenden diverse "Interpretationsverfahren" an, um Begriffe wie "Glaube" zu definieren. Nach jenen Sichtweisen kann "Glaube" also Bedingungen und Stufen mit sich führen. An dieser Stelle kann hilfreich sein, zwischen theologischen "Begriffsdefinitionen" und kulturellen "Gebrauchsdefinitionen"¹ zu unterscheiden.

Diese Begriffe können nat. gewissermaßen instrumentalisiert und ideologisiert werden, z.B. aus demokratischer Sichtweise (diktatorisch, faschistoid) oder Theologische (satanisch, Irrlehre). Dann unterliegen sie aber nicht den Gütekriterien und Maßstäben der z.b. kulturwissenschaften Methoden. Falsch und richtig gibt es da nicht.
Ich bin weit über die Fähigkeit rationalen Denkens hinaus entsetzt.
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