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Naturwissenschaftliche Methode (Axiomatik)
#1
Die "naturwissenschaftliche Methode" ist an einigen wenigen Grundregeln aufgehängt. Die wesentlichsten lauten:
  • Kausalität / Kausalkette: Die Beschreibung (eines Experiments) muss auf mindestens eine Ursache zurück zu führen sein.
  • Universalität: Ein Experiment muss überall, zu jeder Zeit und von jedermann durchgeführt dasselbe Ergebnis haben.
  • Räumliche und zeitliche Konkretisierung: Beschreibungen müssen Ort und Zeit ggf. den Ablauf benennen.
  • Weltanschauliche Abstinenz: Die Beschreibung darf keine weltanschaulichen Beurteilungen enthalten, genau genommen überhaupt keine Urteile fällen.
  • Intellektuelle Redlichkeit: Randbedingungen und Prämissen müssen lückenlos genannt werden
  • Occam's razor: Theorien, die mit weniger Prämissen auskommen, sind anderen Beschreibungen vorzuziehen
  • Falsifizierbarkeit: Eine Theorie darf nicht gegen bestimmte empirische Ergebnisse "immunisiert" werden.
Die Wirkungsgeschichte dieser Methode ist dermaßen erfolgreich, dass an ihrer angemessenen Axiomatik keine Zweifel besteht.

(Der Beitrag steht bereits im Forum unter "Nobelpreis #35" (klick!) und ist dort schwer zu finden.)

Wir können ja mal nachsinnen, welche Folgerungen sich ergeben, und wieweit dieselbe Axiomatik vielleicht für andere Wissenschaften auch gelten. Es gibt in dem Zusammenhang einen sehr lesens- und bedenkenswerten Beitrag von 'petronius': "carl sagans werkzeugkasten zur aufdeckung von unsinn" (klick!)
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#2
In meiner Weltsicht stehen die Physik und Mathematik allumfassend über den Dingen. 

Dabei ist die Physik die "materielle" Grundlage der Welt, die Mathematik beschreibt "formell" die Logik. Physik ist also objektgebunden (was ist faktisch möglich), während die Mathematik rein geistig existiert (was ist theoretisch möglich).

Alle anderen Wissenschaften sind nur Teilgebiete der Physik/Mathematik. So ergibt sich die Chemie als Teilgebiet der Physik, die sich mit Reaktionen der Atome und Moleküle befaßt. Die Biologie wiederum ist ein Teilgebiet der Chemie, also die Reaktionen der organischen Moleküle miteinander.
Die Medizin ist dann ein Teilgebiet der Chemie, die sich mit den Reaktionen innerhalb eines Lebewesens beschäftigt.
Die Psychologie ist ein Teilgebiet der Medizin, die sich speziell mit den Abläufen im menschlichen (oder auch tierischen) Gehirnen bis zur Interaktion einzelner Lebewesen beschäftigt.
Die Philosophie wiederum ist ein Teilgebiet der Psychologie die sich mit der Interaktion der Lebewesen als Gruppen beschäftigen. Geschichte und Religion sind Untergruppen der Philosophie, die Geschichte stellt fest, was früher passierte und die Religion beschäftigt sich mit der seltsamen Neigung des Menschen, ohne jegliche Beweislage an Übernatürliches zu glauben.

Letztendlich ist für mich alles Physik und jeder Vorgang im Universum erklärbar. Damit kann man auch die naturwissenschaftlichen Methoden auf jede Wissenschaft anwenden, wobei aber zu berücksichtigen ist, daß die genannten Untergruppen oftmals sehr selektiv, pauschal betrachtet werden müssen, weil die Zusammenhänge bis runter zur physikalischen Grundlage so komplex sind, daß sie mit unseren Methoden nicht vollständig erfaßt werden können.

Daher gehen bei den Untergruppen wegen der Außerachtlassung der gesamten physikalischen Vorgänge auch Informationen verloren, so daß die Methoden oftmals nicht wirklich praktisch verwendet werden können, weil die Randbedingungen unklar bleiben und damit auch eine Wiederholung nicht zum gleichen Ergebnis führt, weil die Randbedingungen unerkannt anders sind.
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#3
(02-09-2017, 17:38)HJS6102 schrieb: In meiner Weltsicht stehen die Physik und Mathematik allumfassend über den Dingen.
Es geht um die Axiomatik. Ob eine naturwissenschaftliche Disziplin über allen anderen steht, wage ich zu bezweifeln. Zweifellos ist hingegen die Axiomatik der Naturwissenschaften. Für die Mathematik gelten Sonderregeln, denn sie bricht mit den Axiomen der Naturwissenschaften zugunsten formaler Logik.

Mathematik beschreibt keineswegs, was "theoretisch möglich" ist, sondern bildet Ketten (so genannte Sätze) von zuvor definierten Dingen (Punkte, Geraden, Winkel) unter vorbestimmten Verknüpfungsoperationen (schneidet, hat Abstand, wird gedreht, + - * /. ..).
So werden
- die Kausalität durch die (willkürlichen) Verknüpfungsregeln
- die Universalität durch Folgerichtigkeit
- die Konkretisierung durch Definitionen
- Randbedingungen durch Voraussetzungen und Axiome
- Falsifizierbarkeit durch den Beweis
ersetzt.

Ganz sicher gelten weltanschauliche Abstinenz und Occam's razor auch in der Mathematik, obwohl es ausgesprochen schwierig sein kann, einen "langen und umständlichen" Beweis auf minimale und stringente Form zu bringen.

(02-09-2017, 17:38)HJS6102 schrieb: Alle anderen Wissenschaften sind nur Teilgebiete der Physik/Mathematik ...
"der Physik", da könnte ich unter Vorbehalt zustimmen, "/Mathematik" mit einiger Sicherheit nicht. Empirie (unter Universalität eingeschlossen) fällt für die Mathematik aus, ist aber für alle Naturwissenschaften der Prüfstein.

(02-09-2017, 17:38)HJS6102 schrieb: Die Philosophie wiederum ist ein Teilgebiet der Psychologie die sich mit der Interaktion der Lebewesen als Gruppen beschäftigen.
Hm? Ist Philosophie nicht eigentlich eine Metasprache, die uns unsere Denkgewohnheiten erklärt oder sie in Frage stellt? Wenn dein Statement so stimmt, dann wären philosophische Überlegungen sich automatisch bildende Ausflüsse unserer hirnphysiologischen Prozesse.
Das scheint mir eher nicht der Fall zu sein. Man muss in der Philosophie schon bereit sein, die Denkautomatismen durch bewusste Anstrengung zu überwinden. Ansonsten bewegen wir uns schleichend im Rahmen unserer Vorurteile.

(02-09-2017, 17:38)HJS6102 schrieb: Letztendlich ist für mich alles Physik und jeder Vorgang im Universum erklärbar.
Kannst du in allen Fällen, vor allem bei komplexen Systemen, den historischen Werdegang (Kontingenz) durch physikalische Elementarvorgänge "erklären"?

(02-09-2017, 17:38)HJS6102 schrieb: Damit kann man auch die naturwissenschaftlichen Methoden auf jede Wissenschaft anwenden, wobei aber ...
Das ist zu wesentlichen Teilen so, weil die Axiomatik recht allgemein gehalten ist. Wie das Beispiel Mathematik zeigt, sind Anpassungen oder spezielle Axiome erforderlich. Ich könnte mir das für historische, philosophische oder literaturwissenschaftliche Forschung durchaus vorstellen. Welche könnten dies sein? Oder welches Axiom muss man eventuell fallen lassen, z. B.:
Medizin: Muss eine Heilung universal und wiederholbar sein? Immer?
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#4
(01-09-2017, 21:59)Ekkard schrieb: Wir können ja mal nachsinnen, welche Folgerungen sich ergeben, und wieweit dieselbe Axiomatik vielleicht für andere Wissenschaften auch gelten.

Interessante Fragestellung. In der Tat lässt sich derlei gar nicht so einfach für andere Wissenschaften beantworten. Einige deiner Stichworte sind aber imho generelle Merkmale wissenschaftlicher Methode und daher auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften zu finden (bzw. sollten es sein):

1) Kausalität / Kausalkette (zumindest im weitesten Sinne): Argumente bedürfen einer logischen Argumentation. Dies bedarf nicht zwangsläufig eines Experimentes oder mathematischer Lösungen sondern kann auch über Sprache erfolgen.

2) Weltanschauliche Abstinenz: Der Wissenschaftler muss imho immer weltanschaulich frei seine Wissenschaft betreiben. Das gilt für naturwissenschaftliche Phänomene genauso wie für Literaturwisenschaft, Soziologie oder anderes.

3) Intellektuelle Redlichkeit: Welche Annahmen werden getroffen, welche Quellen verwendet etc.? Gilt für alle Wissenschaften.

4) Occam's razor: Kenne ich als solchen Begriff nur aus den Naturwissenschaften, sollte imho aber in anderen Wissenschaften ebenso gelten. Ist dort allerdings nicht so einfach machbar. Beispiel: Eine soziologische Arbeit zu den Gründen für Gewalt von Jugendlichen. Die Komplexität des Themas und Vielschichtigkeit an Ursachen sowie die fehlende Möglichkeit diese Ursachen in ihrer Bedeutung quantitativ zu prüfen/werten erlauben eben einen gewissen Rahmen für Spekulationen.

5) Falsifizierbarkeit: Gilt imho ebenfalls für alle Wissenschaften. Bei der Vorlage neuer Daten, muss die jeweilige Theorie angepasst oder verworfen werden.

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#5
Ja, das mit der Mathematik habe ich falsch oder unklar ausgedrückt. 
Ich meinte damit mehr, die Mathematik wird in der Physik als Hilfswissenschaft benötigt, um physikalische Vorgänge zu beschreiben. Die Physik kann damit nicht ohne Mathematik existieren, sie überscheiden sich. 
Gleichzeitig ist die Mathematik aber mehr als nur die Hilfswissenschaft der Physik, da es durchaus mathematische Modelle geben kann, die in der Physik nicht vorkommen.
Umgekehrt besagt die Mathematik an sich nichts über die physikalischen Grundelemente (zB Elektronen). 

Philosophie ist nichts anderes als Gedanken von Menschen zu gesellschaftlichen Phänomenen. Alle Gedanken basieren auf biochemischen Prozessen im Gehirn. Diese wiederum sind physikalisch erklärbar. Einen von der Materie losgelösten Geist/Seele gibt es nach meiner Auffassung nicht.
Daher basiert jeder menschliche Gedanke rein auf der Physik. Natürlich sind die Zusammenhäng zwischen den physikalischen Wechselwirkungen zwischen den Elektronen untereinander und den Elektronen und Atomkernen bis hin zur Formulierung eines Gedankens so vielfältig und hochkomplex, daß es praktisch unmöglich ist, diese Kette vollständig zu untersuchen oder gar aufzuschreiben.
Es gibt aber auch keine Anhaltspunkte dafür, daß es mehr gibt, als nur diese physikalischen Prozesse.

Nur weil Vorgänge praktisch nicht vorhersagbar sind (etwa das konkrete Wetter in Hamburg am 12.12.2025), heißt das noch nicht, daß es prinzipiell unmöglich wäre, es vorherzusagen. Wenn man nur Newtons Physik nimmt, wären die Erforschungen aller Zustände der Luftmoleküle etc theoretisch möglich und theoretisch alle Folgen berechenbar. Praktisch scheidet das natürlich wegen der zigtrilliardenfachen Rückkopplungen aus. Dazu kommt noch, daß auch Quanteneffekte eine Rolle spielen, die wiederum prinzipiell im Detail unvorhersehbar sind und nur in statistischen Größenordnungen vorhersehbar sind.

Das gilt auch für das Gehirn. Dessen Vorgänge beruhen auf den Naturgesetzen, sind aber aus mathematischen und physikalischen Gründen für uns im Detail unvorhersehbar. Damit wird aber die Philosophie nicht aus der Naturwissenschaft entlassen, sondern nimmt eine Rolle ein, bei der man die Randbedingungen nur sehr grob abschätzen kann. 

Das Durchbrechen von Denkautomatismen ist eben am Ende auch nur ein physikalischer Vorgang, quasi eine Instabilität in einer Schwingung, die zum Kollaps der Schwingung führt.

Mit "erklärbar" meine ich nicht "für uns Menschen vorhersagbar", sondern im Prinzip im Nachhinein bei genügender Kenntnis des Systemzustands und vollständiger Kenntnis aller Naturgesetze. Hier fallen Theorie und Praxis auseinander. Ich kann durchaus erklären, warum Wasser vom Hahn in das Waschbecken fließt, ohne jedes einzelne Molekül im Detail beschreiben zu müssen. Aber rein theoretisch ginge es, nur lohnt sich der Aufwand nicht.

Wenn Du verneinst, daß es prinzipiell erklärbar ist, wie die Welt funktioniert, dann verneinst Du die Naturgesetze als einziges Ordnungsmerkmal und Du brauchst eine übernatürliche Macht. 
"Erklärbar" heißt für mich, daß die Vorgänge rein aufgrund von Naturgesetzen abgelaufen sind.

Es gibt also keinen Bruch zwischen dem physikalischen Vorgang auf kleinster Ebene in den Atomen der Gehirne und dem großen Vorgang in der Interaktion zwischen zwei Menschen. Jeder Buchstabe, den Du hier liest, hat eine rein physikalische Ursache.

Ich habe ja bereits geschrieben, da die Randbedingungen aus technischen und physikalischen Gründen nicht alle bekannt sind, kann man bei Makrovorgängen, wie etwa der Wirkung eines Medikaments nur statistische Vorhersagen treffen. 
Die Naturgesetze gelten für alle Menschen und Medikamente gleich, aber nicht jeder Mensch hat einen identischen Zustand seiner Körperchemie und nicht jedes Medikament trifft zB auf die gleichen Mageninhalt.

Wenn man aber das gleiche Medikament mit der exakt gleichen Wirkstoffverteilung dem exakt gleichen Menschen in einem exakt gleichen Körperzustand auf exakte gleiche Art und Weise gibt, dann wird das Ergebnis (bis auf Quanteneffekte) identisch sein. Nur wird so etwas wohl nie passieren. Die Abweichungen sind aber statistisch erfassbar, was man ja auf jeder Nebenwirkungsliste nachlesen kann.

Die naturwissenschaftlichen Methoden an sich funktionieren also, man muß aber je komplexer der Untersuchungsgegenstand ist, größere Ergebnisspannweiten einkalkulieren.
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#6
Was Gundi sagte.

Da es hier um Axiome geht, wuerde ich sagen, dass Philosophie in der Beziehung fast so wie Mathematik ist. Man kann Axiome freier waehlen als in den empirischen Naturwissenschaften, muss gewisse Regeln festlegen, und schaut dann, was am Ende herauskommt. Ob's zu irgendetwas nutze ist, stellt sich dann eventuell hinterher heraus.
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#7
(02-09-2017, 17:38)HJS6102 schrieb: In meiner Weltsicht stehen die Physik und Mathematik allumfassend über den Dingen. 

Dabei ist die Physik die "materielle" Grundlage der Welt, die Mathematik beschreibt "formell" die Logik. Physik ist also objektgebunden (was ist faktisch möglich), während die Mathematik rein geistig existiert (was ist theoretisch möglich).

Alle anderen Wissenschaften sind nur Teilgebiete der Physik/Mathematik.

Ich sehe das ähnlich. Physik bildet die Grundlage. Die anderen Naturwissenschaften beschäftigen sich zwar mit Dingen, mit denene sich ein Physiker eher nicht beschäftigen würde (Chemie, Biologie, Geologie etc.). Dennoch lassen sich diese Dinge letzenendes eben auch physikalisch beschreiben bzw. liefert die Physik die Grundlage dafür, sie zu erforschen.

(02-09-2017, 17:38)HJS6102 schrieb: Die Philosophie wiederum ist ein Teilgebiet der Psychologie die sich mit der Interaktion der Lebewesen als Gruppen beschäftigen.

Die traditionelle Philosophie war ja wesentlich weiter gefasst als das heute der Fall ist und bildete die Grundlage nahezu aller heutigen Wissenschaften (und damit sogar der Physik).
Als Teilgebiet der Psychologie würde ich sie nicht bezeichnen.

(02-09-2017, 17:38)HJS6102 schrieb: Letztendlich ist für mich alles Physik und jeder Vorgang im Universum erklärbar.

Hm... bist du denn auch der Meinung, dass der menschliche Geist in der Lage ist, alles zu verstehen?
Es kann ja durchaus sein, dass wir zwar vieles wissen über die Welt, uns aber für endgültige und absolute Erklärungen von Allem schlicht der nötige Intellekt fehlt. Das unser Hirn uns also begrenzt.
Ich stimme dir jedoch zu, dass es im Universum mit rechten Dingen zu geht und die Naturgesetze universell sind (es also keine Götter oder dergleichen gibt, die wahllos eingreifen können).

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#8
(02-09-2017, 21:43)Ulan schrieb: Da es hier um Axiome geht, wuerde ich sagen, dass Philosophie in der Beziehung fast so wie Mathematik ist. Man kann Axiome freier waehlen als in den empirischen Naturwissenschaften, muss gewisse Regeln festlegen, und schaut dann, was am Ende herauskommt. Ob's zu irgendetwas nutze ist, stellt sich dann eventuell hinterher heraus.

Eine gute Erklärung. Sind die Axiome einmal gesetzt, muss die weitere Vorgehensweise dann den üblichen wissenschaftlichen Kriterien genügen (in der Philosophie ist das in der Regel die logische Argumentation).
Und noch etwas besonderes wird der Philosophie zuteil: Sie kann radikal auch ihre Axiome anzweifeln und selbst zum Gegenstand ihres Faches machen. Man denke beispielsweise an das Axiom "Gott".

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#9
(02-09-2017, 21:54)Gundi schrieb:
(02-09-2017, 17:38)HJS6102 schrieb: Letztendlich ist für mich alles Physik und jeder Vorgang im Universum erklärbar.

Hm... bist du denn auch der Meinung, dass der menschliche Geist in der Lage ist, alles zu verstehen?

Alles nicht. Wir wissen ja nicht einmal, ob wir auch nur einen großen Teil der Naturgesetze kennen. Die Quantenmechanik war im 19. Jahrhundert auch völlig unbekannt und hat alles verändert. Möglicherweise wartet noch eine solche Revolution auf uns.

Es wäre sehr arrogant anzunehmen, daß wir kurz vor der allumfassenden Erkenntnis stehen. Unsere Gehirne sind begrenzt und werden es immer sein. Daher werden wir auch nie sicher sein können, ob unsere Erkenntnisse vollständig sind.
Wir können eher sagen, wie das Universum nicht ist (Falsifikation), alles andere sind Modelle, die immer einen unbekannten Grad an Ungenauigkeit haben.
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#10
(01-09-2017, 21:59)Ekkard schrieb: Die "naturwissenschaftliche Methode" ist an einigen wenigen Grundregeln aufgehängt. Die wesentlichsten lauten:
  • Kausalität / Kausalkette: Die Beschreibung (eines Experiments) muss auf mindestens eine Ursache zurück zu führen sein.
  • Universalität: Ein Experiment muss überall, zu jeder Zeit und von jedermann durchgeführt dasselbe Ergebnis haben.
  • Räumliche und zeitliche Konkretisierung: Beschreibungen müssen Ort und Zeit ggf. den Ablauf benennen.
  • Weltanschauliche Abstinenz: Die Beschreibung darf keine weltanschaulichen Beurteilungen enthalten, genau genommen überhaupt keine Urteile fällen.
  • Intellektuelle Redlichkeit: Randbedingungen und Prämissen müssen lückenlos genannt werden
  • Occam's razor: Theorien, die mit weniger Prämissen auskommen, sind anderen Beschreibungen vorzuziehen
  • Falsifizierbarkeit: Eine Theorie darf nicht gegen bestimmte empirische Ergebnisse "immunisiert" werden.
Die Wirkungsgeschichte dieser Methode ist dermaßen erfolgreich, dass an ihrer angemessenen Axiomatik keine Zweifel besteht.
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Gemessen an diesen Grundregeln ist das heute vorherrschende Weltbild abzulehnen. Die Welt wird besonders seit dem Erstarken des Naturalismus auf Grundlage vieler unbewiesener Annahmen beschrieben und - was das eigentlich Gefährliche daran ist -  aus dieser Weltsicht heraus wird die aktuelle Situation beurteilt und auf die weitere Entwicklung geschlossen. Der dritte Weltkrieg kommt in dieser Beschreibung nicht vor...

Nur mal zu einigen der oben angedeuteten Annahmen: Niemand weiß was Leben ist, es konnte nie welches künstlich erzeugt werden. Und doch wird so getan, als sei Leben autonom entstanden.

Kein Mensch hat je die Entstehung einer Art beobachtet, und dennoch redet alle Welt von Evolution als Tatsache.

Die Entstehung der Augen sei geklärt, dröhnt es mir immer wieder entgegen. Eine dummdreiste Behauptung. Nichts deutet z.B. darauf hin, dass die Augen das Ergebnis eines langwierigen Entwicklungsprozesses sind. Bis heute weiß man nicht den Code, mit dem visuelle Wahrnehmungen an das Gehirn übermittelt und danach wieder abgerufen werden können. Damit möchte ich übrigens nicht behaupten, dass dieser Code nicht erkannt werden kann. Doch auch in diesem Fall spricht die Komplexität zugunsten einer spontanen Schöpfung.  

Über Einsteins Relativitäts-Phantasien - eine beispiellose Attacke auf die menschliche Vernunft - stritt das Forum bereits an anderer Stelle...
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#11
@konform: Das Einzige, was hier dummdreist ist, ist, dass Du Deine falschen Behauptungen immer wieder wiederholst, obwohl Dir schon x-mal das Gegenteil nachgewiesen wurde. Zum Thema hast du anscheinend sowieso nichts zu sagen.

(15-09-2017, 16:51)konform schrieb: Nur mal zu einigen der oben angedeuteten Annahmen: Niemand weiß was Leben ist, es konnte nie welches künstlich erzeugt werden. Und doch wird so getan, als sei Leben autonom entstanden.

Nur mal hierzu, da der Rest der Behauptungen schlicht in verschiedenen Graden falsch ist: die Antwort, was Leben eigentlich ist, ist wahrscheinlich so banal, dass wir an ihr einfach vorbeischauen. Wenn wir mal darauf achten, was ein Arzt benutzt, um den Tod festzustellen, wird klar, was Leben ausmacht: eine funktionierende Na+/K+-ATPase und genug Energie, um sie anzutreiben. Eine Handvoll Kanaele und Transporter sind auch noch hilfreich. Daran angeknuepft ist der Reparatur- und Reproduktions-Apparat, der dies am Laufen haelt. Das Minimalgenom sind 256 Gene, und das ist auch schon kuenstlich hergestellt worden. Natuerlich werden in der Natur immer Genom mit einer funktionierenden Umgebung vererbt (ausser beim Virus). Urspruengliches Leben muss noch viel primitiver gewesen sein.

Leben entsteht heutzutage nicht mehr, da die gesamte Welt so von Organismen durchzogen ist, dass neues Leben keine Ueberlebenschance mehr haette. Auch wenn wir Menschen Kinder bekommen, entsteht dabei kein "neues Leben", auch wenn wir das gerne so ausdruecken.
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#12
(15-09-2017, 17:14)Ulan schrieb: @konform: Das Einzige, was hier dummdreist ist, ist, dass Du Deine falschen Behauptungen immer wieder wiederholst, obwohl Dir schon x-mal das Gegenteil nachgewiesen wurde. Zum Thema hast du anscheinend sowieso nichts zu sagen.

Es kamen auf meine Beiträge regelmäßig die üblichen, eben nie wirklich überzeugenden Argumente.

Die Grundlagen des Naturalismus sind längst widerlegt.  Aus nachvollziehbaren Gründen kann das noch nicht öffentlich eingestanden werden. Ein Wende-Versuch war die Bekanntgabe des CERN-Experiments, bei dem Überlichtgeschwindigkeit gemessen wurde. Mit dem heftigen Widerstand der scientific community hatten die CERN-Physiker wohl nicht gerechnet. Erst mit dem “Eingeständnis” eines “Messfehlers” beruhigte sich der Wissenschaftler-Pulk wieder...

(15-09-2017, 17:14)Ulan schrieb:
(15-09-2017, 16:51)konform schrieb: Nur mal zu einigen der oben angedeuteten Annahmen: Niemand weiß was Leben ist, es konnte nie welches künstlich erzeugt werden. Und doch wird so getan, als sei Leben autonom entstanden.

Nur mal hierzu, da der Rest der Behauptungen schlicht in verschiedenen Graden falsch ist: die Antwort, was Leben eigentlich ist, ist wahrscheinlich so banal, dass wir an ihr einfach vorbeischauen. Wenn wir mal darauf achten, was ein Arzt benutzt, um den Tod festzustellen, wird klar, was Leben ausmacht: eine funktionierende Na+/K+-ATPase und genug Energie, um sie anzutreiben. Eine Handvoll Kanaele und Transporter sind auch noch hilfreich. Daran angeknuepft ist der Reparatur- und Reproduktions-Apparat, der dies am Laufen haelt. Das Minimalgenom sind 256 Gene, und das ist auch schon kuenstlich hergestellt worden. Natuerlich werden in der Natur immer Genom mit einer funktionierenden Umgebung vererbt (ausser beim Virus). Urspruengliches Leben muss noch viel primitiver gewesen sein.

Und nun ist nur noch ein kleiner Schritt zum künstlichen Leben. Dir gebührt ein Nobelpreis.  Ich überlege noch, wie man diesen bezeichnen soll... Icon_cheesygrin
(15-09-2017, 17:14)Ulan schrieb: Leben entsteht heutzutage nicht mehr, da die gesamte Welt so von Organismen durchzogen ist, dass neues Leben keine Ueberlebenschance mehr haette. Auch wenn wir Menschen Kinder bekommen, entsteht dabei kein "neues Leben", auch wenn wir das gerne so ausdruecken.

Das genügt manchen sicher als Erklärung. Zu diesen zähle ich jene, die am 24. ihre Stimme der richtigen Partei geben... Icon_smile
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#13
@konform: Zumindest zeigt mir Deine Entgegnung mal wieder, dass Dir zu meinen Anmerkungen so rein gar nichts einfaellt. So bleibt's wieder mal bei rhetorischen Maetzchen. Macht aber nichts; ich weiss auch so, dass Du von solchen Dingen keine Ahnung hast.

Im Prinzip ist unsere Hochachtung vor dem Leben ein gewisser Ausdruck unserer Selbstachtung. Deshalb haben auch so viele Menschen ein Problem mit der Banalitaet des Todes. Letztere zeigt uns nur allzu deutlich, wie banal unsere Existenz letztlich ist.
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#14
Da ich in jungen Jahren das zweifelhafte Privileg hatte, tage- und wochenlange neben einem Sterbenden zu sitzen und auch dabei war, als eben dieser seinen letzten Atemzug getan hat, möchte ich beim Thema "Banalität des Todes" doch widersprechen. Mag sein, dass Sterben hierzulande tabuisiert ist, aber banal würde ich das nicht nennen.
Mich hat die Beobachtung dieses Sterbeprozesses darin bestärkt, dass es tatsächlich eine Seele gibt, weil der Unterschied zwischen der lebenden Person und dem, was nach dem Sterben übrig blieb, gravierend war.

Das schreib ich nur deswegen, weil wir im anderen Thread die Diskussion hatten von wegen subjektive Meinungen ohne Wahrheitsanspruch ( so hab ich das zumindest interpretiert).
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#15
(15-09-2017, 18:29)Ulan schrieb: @konform: Zumindest zeigt mir Deine Entgegnung mal wieder, dass Dir zu meinen Anmerkungen so rein gar nichts einfaellt. So bleibt's wieder mal bei rhetorischen Maetzchen. Macht aber nichts; ich weiss auch so, dass Du von solchen Dingen keine Ahnung hast.

Ich habe lediglich einige sachlich formulierte Fragen aufgeworfen, auf die Verteidiger des Naturalismus offenbar keine Antwort wissen. Versuche gibt es freilich viele, die Uni-Bibliotheken sind voll davon...

(15-09-2017, 18:29)Ulan schrieb: Im Prinzip ist unsere Hochachtung vor dem Leben ein gewisser Ausdruck unserer Selbstachtung. Deshalb haben auch so viele Menschen ein Problem mit der Banalitaet des Todes. Letztere zeigt uns nur allzu deutlich, wie banal unsere Existenz letztlich ist.

Es gibt begründenten Anlass, sich dieser negativen auf dem Naturalismus fußenden Sicht zu verweigern.
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