Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Jean-Paul Sartre: Das Spiel ist aus
#1
Liebes Forum,
da ich heute sowieso schon ein paar Threads zum Thema Gott / Götter / Teufel in den Medien eröffnet habe, hier noch einer, aber dann hör ich auf, das Forum vollzuschwafeln.

Hat einer von Euch das Buch "Das Spiel ist aus" von J.P. Sartre gelesen?
+++https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Spiel_ist_aus

Da gehen die Toten nach ihrem Tod zu einer Registrierstelle, erst dann sind sie ganz offiziell tot. Das läuft halt so in etwa wie an der Kasse im Supermarkt, wer sich vordrängelt, wird nicht gern gehabt.

Danach können sie dann unter den noch Lebenden herumwandern. Bewirken können sie nix mehr und die Existenz der ganzen Menschheit scheint auch relativ sinnfrei zu sein. Man kann natürlich die frisch Verstorbenen bei der Registrierstelle abholen. Und irgendwo rumsitzen. Und seine Nachfahren kritisieren. Und drauf warten, dass diese auch sterben. Dann kann man sie noch mehr beschimpfen.

Das Grundprinzip von alledem liest sich aber so:
Erst ist man am Leben, arbeitet auf irgendein ganz doll wichtiges Ziel hin. Dann stirbt man und stellt fest, dass das Ziel irrelevant war und dass einen vertraute Menschen doch immer wieder hintergangen haben.

Wenn man seinen vorherbestimmten Lebensweg bzw. die Begegnung / das Leben mit einem vorherbestimmten Partner nicht haben konnte, kann man eventuell reklamieren und kriegt vielleicht noch eine Chance, aber das bringt irgendwie auch nix. Soziale Unterschied / gesellschaftliche Klassen lassen sich dadurch jedenfalls nicht umgehen.
Wiki sagt, das Buch orientiert sich am Determinismus. Das kann man beim Lesen durchaus bestätigen.

Positiv am Buch:
Es ist ein französisches Buch und das lässt sich mit einer typisch französischen Hauptdarstellerin bestimmt wunderbar verfilmen. Icon_lol
Da ist es von Vorteil, dass es gleich als Drehbuch geschrieben wurde. Ich hab keine Ahnung, ob es bereits eine Verfilmung gab.
Weiß nicht, ob das ein Job für Woody Allen wäre.

Ich lese Sartre durchaus gern, er beherrscht sein Handwerk, sprachlich, den Aufbau des Ganzen, Stilmittel etc. pp., aber das Buch ist irgendwie entmutigend. Eine schöne, aber fade Blume, sozusagen.

wer mag was dazu sagen?
beste Grüße
Hase
Zitieren
#2
Niemand von Euch kennt das Buch bzw. mag was dazu sagen?
Schade. Naja, vielleicht klickt ja noch jemand drauf.
Zitieren
#3
Kenne das Buch noch nicht, möchte es aber noch lesen.
Offenbar war der Tod bzw. das dahinter für Sartre ein beliebtes Thema. Sein Stück "Geschlossene Gesellschaft" ist daher auch sehr zu empfehlen, dürfte wohl aber für dich auch in Richtung "entmutigend" gehen.

Zitieren
#4
(08-10-2017, 18:57)Hase schrieb: Wenn man seinen vorherbestimmten Lebensweg bzw. die Begegnung / das Leben mit einem vorherbestimmten Partner nicht haben konnte, kann man eventuell reklamieren und kriegt vielleicht noch eine Chance, aber das bringt irgendwie auch nix. Soziale Unterschied / gesellschaftliche Klassen lassen sich dadurch jedenfalls nicht umgehen.

Meinem Empfinden nach waren die sozialen / gesellschaftlichen Unterschiede gerade in diesem Buch eher zweitrangig. Der eigentliche Grund für das Scheitern der Protagonisten waren mMn eher tiefere Verbundenheiten: beide haben erst nach dem Tode erfahren, dass ihnen sehr nahestehende Personen einer tödlichen Bedrohung ausgesetzt sind. Beide wollten diese "zweite Chance" nutzen, um die Gefahr von besagten Personen abzuwenden. Ihre eigentliche Aufgabe, nämlich innerhalb einer gesetzten Frist eine vertrauensvolle Beziehung miteinander aufzubauen, haben sie deshalb vernachlässigt, und sind so schließlich wieder im Totenreich gelandet.
Zitieren
#5
@Gundi,
danke für den Tipp.

@AncheCameo,
ja, das war natürlich auch ein Grund fürs Scheitern der neuen Beziehung / Verbundenheit.
Die Beziehung hatte so oder so keine Chance.
Zitieren
#6
(12-10-2017, 20:39)AncheCameo schrieb: Der eigentliche Grund für das Scheitern der Protagonisten waren mMn eher tiefere Verbundenheiten: beide haben erst nach dem Tode erfahren, dass ihnen sehr nahestehende Personen einer tödlichen Bedrohung ausgesetzt sind.

Richtig.

Die beiden haben bewiesen - Eve mit ihrer Anteilnahme am Schicksal der eigenen Familie und Pierre mit seinem Einsatz für die Sache der Arbeiter -, dass sie, trotz ihrer Liebe, die gesellschaftlichen Schranken nicht überwinden konnten.

Wenn es am Ende des Films heißt: 'Wenn die Kugel einmal rollt, sehen Sie, kann man eben seinen Einsatz nicht mehr ändern', drückt das die Resignation gegenüber dem Unveränderlichen aus. Dennoch raten sie dem jungen Paar, an dem die "Direktion" ebenfalls einen Fehler gutzumachen hat, seine Chance wahrzunehmen.
MfG B.
Zitieren
#7
(08-10-2017, 18:57)Hase schrieb: Hat einer von Euch das Buch "Das Spiel ist aus" von J.P. Sartre gelesen?
+++https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Spiel_ist_aus

Ich habe den Film gesehen. Sartre hatte die Geschichte während des Krieges ja als Drehbuch niedergeschrieben.
MfG B.
Zitieren
#8
Oben in meinem Beitrag habe ich das Scheitern der Beziehung keineswegs nur auf die sozialen Schranken zurückgeführt. Mag sein, dass ich das nicht deutlich genug ausgedrückt habe, aber das allein war auch für mich nicht der Grund. Ich weiß wohl, dass die beiden zu sehr in ihr Privatleben (Ève) und in ihr politisches Engagement (Pierre) vertieft waren, um die Verstrickung bzw. das Engagement einfach so aufzugeben bzw. um auf die Schnelle zu akzeptieren, dass sie nichts verändern können.

Ich glaube, wenn Ève ebenfalls aus der Arbeiterklasse wäre, hätte sie mehr Bezug zu Pierres Ziel gehabt, sie hätten dadurch mehr Verbundenheit erreichen können. Wenn beide aus der Arbeiterklasse gewesen wären, dann wäre aber der Aspekt "im Tod sind die Reichen und die Armen gleich" für das Buch nicht mehr verfügbar gewesen.

Im Grunde sind wir uns also durchaus einig. Icon_lol
Zitieren
#9
(13-10-2017, 00:14)Bion schrieb: Die beiden haben bewiesen - Eve mit ihrer Anteilnahme am Schicksal der eigenen Familie und Pierre mit seinem Einsatz für die Sache der Arbeiter -, dass sie, trotz ihrer Liebe, die gesellschaftlichen Schranken nicht überwinden konnten.

Ich weiß nicht, ob das Schicksal einen anderen Verlauf genommen hätte, wenn die beiden genau der gleichen Gesellschaftsschicht angehört hätten, aber ich bezweifle das. Anscheinend ist es leichter, "die Welt zu retten", als sich um das eigene Wohlergehen zu kümmern. Den Auftrag des toten Vaters, sein Kind vor der Verwahrlosung zu bewahren und in geordnetere Verhältnisse zu überführen, haben sie ja immerhin erfüllt.
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste