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Pythagoras und die Pythagoreer
#1
Pythagoras war ein griechischer Philosoph und Mathematiker gewesen. Er wurde ≈ 570  vC auf der Insel Samos geboren und ist nach 500 in Metapont (Kalabrien) verstorben. Um sein Leben und Wirken ranken sich viele ↗Legenden. Kaum etwas von dem, was ihm zugeschrieben wird, ist authentisch. Der Satz zur Berechnung eines Dreiecks, wonach c2 gleich a2+ b2 ist, über den jeder Grundschüler Pythagoras kennt, geht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf ihn zurück. Er dürfte der babylonischen Mathematik (LThK Bd 8, 749) entstammen. Schriften dürfte Pythagoras keine verfasst haben1. Jedenfalls ist alles, was er gelehrt haben soll, Zitaten bzw. Berichten anderer entnommen.

Dass Pythagoras bei ↗Pherekydes von Syros studiert haben soll, wird zwar oft behauptet, ist aber nicht gesichert. Schon in seiner Jugend soll er viel gereist sein und sich in alle griechischen und ausländischen ↗Mysterien einweihen haben lassen (Diog. Laert. 8,2). Zum Tyrannen von Samos, ↗Polykrates, stand er in Opposition, weshalb er  Samos verlassen musste2. Er ging nach Italien, ließ sich in Kalabrien nieder und gründete in Kroton (heute Crotone) eine philosophische Schule.

Pythagoras soll gelehrt haben, dass das Wesen aller Dinge die Zahl sei. Das, meinte er, könne  man in der mathematisch darstellbaren Harmonie kosmischer Sphären, aber auch der hörbaren Musik erkennen.

Auch ein Dualismus von Leib und Seele soll von Pythagoras gelehrt worden sein. Strenge ↗Askese steigere die Erkenntnisfähigkeit der Seele, die unsterblich sei und nach dem Tod, je nach sittlichem Verdienst, ein neues Wesen annimmt. Die ↗Seelenwanderungslehre des Pythagoras schloss Menschen und Tiere ein. Ob sie auch für Pflanzen galt, ist umstritten (Obst, S. 43). Pythagoras warnte, den ↗Göttern blutige Opfer zu bringen (Diog. Laert. 8,20)3 und Beseeltes zu essen (Ovid, Met. 15,75).

Eine auf Menschen beschränkte Seelenwanderungslehre wurde erst von späteren Gemeinschaften von Pythagoreern vertreten.

"Die alte, eigentümliche Legende zeigt Pythagoras als Quasi-Schamanen, der durch einen 'Abstieg in die Unterwelt' seine Unsterblichkeitslehre beglaubigt. Dass ein Ionier des 6. Jhs Elemente babylonischer Mathematik, iranischer Religion, ja auch indischer Seelenwanderungslehre aufnehmen konnte, ist durchaus möglich." (Burkert, 446)

Die Pythagoreer, Schüler und spätere Anhänger der Lehren des Pythagoras, bildeten eine, man kann durchaus sagen religiöse Gemeinschaft. Der Meister, der für sich eine Abstammung von Gott ↗Hermes beanspruchte (Diog. Laert. 8,4), wurde von seinen Anhängern als Inkarnation ↗Apollons (hyperboreischer Apollon)4 gehalten.

Dass sich Ideen und Lehren von Pythagoreern und ↗Orphikern vielfach überscheiden (Burkert, 446), sei hier nur kurz angemerkt. K. Kerenyi hat die Verwandtschaft beider Lehren in seiner Arbeit "Pythagoras und Orpheus" ausführlich beschrieben.

Literatur:
Karl Kerenyi. Pythagoras und Orpheus. 1950 Zürich. Rhein-Verlag AG.
Helmut Obst. Reinkarnation. Weltgeschichte einer Idee. 2009 München, Verl. C. H. Beck.
Walter Burkert. Griechische Religion der archaischen und klassischen Epoche. 2. Aufl. 2011 Stuttgart. Verl. Kohlhammer.


1) Dass Pythagoras keine Schiften verfasst habe, wird neuerdings infrage gestellt:
Christoph Riedweg: Pythagoras hinterließ keine einzige Schrift - ein Irrtum? Anmerkungen zu einer alten Streitfrage, in: Museum Helveticum 54/1997 (Heft 2), S. 65-92.
2) Ovid, Met. 15,60: "Hier lebte der Mann, der aus Samos stammte; doch war er zugleich von der Insel und vor ihren Machthabern geflüchtet und aus Tyrannenhass freiwillig in die Verbannung gegangen."
3) Nach ↗Diogenes Laertios gibt es aber auch Berichte, wonach Pythagoras die Opferung von Hähnen und Zicklein, die noch kein Gras gefressen hatten, als zulässig erklärte.
4)  Iamblichos. De vita Pythagorica c. 6



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MfG B.
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