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Predigt in lateinischer Sprache?
#1
Über die katholische Kirche werden ja nun auch einige Legenden verbreitet und auch geglaubt.

Zum Beispiel las ich gestern in einem seriösen Artikel in der seriösen FAZ, die katholischen Priester hätten hier in Deutschland bis 1970 noch ihre Predigten in allen Kirchen in Latein gehalten.
Was für ein grandioser Unsinn!
Da hat wohl jemand wohl was ziemlich verwexelt.
-------------------------------
Habt ihr dies auch schon mal gehört oder gelesen?
Oder sogar geglaubt?
Oder echt schon mal in  katholischen Kirchen in Deutschland selber mitgehört, dass der Pfarrer auf lateinisch gepredigt hat?
Und wenn ich sage: Gepredigt - dann meine ich auch gepredigt!
Also nicht solche rituellen Dialoge wie:
"Dominus vobiscum!" - "Deo gratias!"


Und ich spreche nun vom Jahre 1970 - und nicht vom Mittelalter.  Icon_smile
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#2
Richtig! Nach diversen Artikeln wurden eine Reihe von Messen, so genannte Hochämter, d. h. ihre liturgischen Worte in lateinischer Sprache gehalten. Von den Predigten war nicht die Rede. Das ist bestenfalls im Petersdom in Rom der Fall.
"Eine Messe halten" ist nicht dasselbe wie "Predigt", sondern ein eigenständiger liturgischer Akt.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#3
Ja, genau! Icon_smile

Es mag sein, dass der Papst  zu Rom alle Schaltjahre mal eine Predigt in lateinischer Sprache hält.
Aber dass ein normaler Priester in einer normalen deutschen Pfarrkirche auf Latein predigt, das habe ich noch nie gehört.
Außer - falls er sich mal an Fasnacht einen Scherz machen möchte!  Icon_cheesygrin
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#4
Ich habe nachgeschaut, und das steht tatsaechlich dort:

"Am Reformationstag halte ich in Gerlingen, in meiner Heimatkirche, eine Predigt. Dass ich dies tun kann als Frau, dass ich Deutsch (und vielleicht auch ein wenig Schwäbisch) sprechen darf – all das geht auch auf Martin Luther zurück."

Ob Luther auch Frauen predigen liess, weiss ich nicht, aber das kann man zumindest noch als "langen Arm der Geschichte" abtun. Predigten wurden jedenfalls auch im Mittelalter in der jeweiligen Landessprache gehalten.

Und weiter hinten: "Wenn man sich vorstellt, dass die Priester in der katholischen Kirche bis in die 1960er-Jahre hinein auf Lateinisch gepredigt haben und die Menschen nicht unmittelbar verstanden, was sie hörten, dann sieht man die Ungeheuerlichkeit von Luthers Denken als einem frühen „Demokratisierer“ des Glaubens."
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#5
Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit erinnern, als Messen noch öfter mal in Latein gelesen wurden... Hab sogar mal selbst ministriert.. Dass in katholischen Kirchen dem Volk jemals in Latein gepredigt wurde, ist natürlich ein großer "Blödsinn", den wohl jemand in die Welt setzen musste, um irgendwelchen anderen Großartigkeiten und damit zusammenhängenden Befindlichkeiten zu schmeicheln..
Ein Schelm, wer hier böse denkt.
Ich habe überhaupt nichts gegen Gläubige, es sei denn, sie behaupten, die Würde des Menschen hinge alleine vom Glauben an einen Gott  ab.
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#6
(02-11-2017, 16:02)Ulan schrieb: Predigten wurden jedenfalls auch im Mittelalter in der jeweiligen Landessprache gehalten.

Mit Sicherheit!  Icon_smile
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#7
Ich bin katholisch und im Jahre 1946 geboren und als Kind und Jugendlicher noch jeden Sonntag in die Kirche gegangen.

Und mein ganzes Leben lang habe ich noch niemals dabei gehört, dass ein Pfarrer in Deutschland seine Predigt in lateinischer Sprache gehalten hat.

Jene Journalistin in der FAZ mag sich bei anderen Dingen auskennen.

Aber nicht bei katholischen Gottesdiensten.

Und da wäre es schon besser gewesen, sie hätte gar nichts dazu geschrieben als solch einen Unsinn.

Aber weil's halt gar so schön passt zu den negativen Klischees in Sachen katholische Kirche, die diese Journalistin wohl im Kopf hat, so hat sie's halt geschrieben ....
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#8
(04-11-2017, 11:23)Mellnau schrieb: Jene Journalistin in der FAZ mag sich bei anderen Dingen auskennen.

Die Autorin ist keine Journalistin. Die Dame ist Vorsitzende der Geschaeftsfuehrung eines deutschen Maschinenbauunternehmens und hat auch viele andere Posten in der Wirtschaft. Nebenbei ist sie halt Laienpredigerin, und als solche hat sie anlaesslich des Reformationsjubilaeums einen persoenlichen Artikel geschrieben (Titel: "Mein Luther"). Da hat sie halt etwas nicht vernuenftig recherchiert. Allerdings ist das bei so Lobhudeleien, wie sie anlaesslich von Jubilaeen oft getaetigt werden, sowieso nie so ganz objektiv. Der Artikel ist ja auch als "Lobrede" und "Gastbeitrag" markiert.
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#9
(04-11-2017, 11:23)Mellnau schrieb: Aber weil's halt gar so schön passt zu den negativen Klischees in Sachen katholische Kirche, die diese Journalistin wohl im Kopf hat, so hat sie's halt geschrieben ....
Nun ja... manche Leute haben halt ihren "Lutter", wenn sie gerade mal nicht "ihre Tage" haben. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass mancherorts tatsächlich Katholiken leben, die sich noch immer nicht damit abfinden können, dass die Inquisition abgeschafft wurde.
Ich habe überhaupt nichts gegen Gläubige, es sei denn, sie behaupten, die Würde des Menschen hinge alleine vom Glauben an einen Gott  ab.
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#10
ist das hier ein Luther bashing,
eine Rehabilitation der katholischen Kirche

oder geilt man sich an Fehlern auf?




2007


Zitat:Vor fast vierzig Jahren wurde die lateinische Messe aus der katholischen Kirche verbannt. Jetzt will der Papst sie wieder einführen. Unterstützt wird er auch in Deutschland - von führenden Intellektuellen.

...

Theologisch korrekt heißt sie "tridentinische Messe", benannt nach dem Konzil von Trient Mitte des 16. Jahrhunderts. Der mittelalterliche Ritus verstand sich als Antwort auf die Reformation

...

1970 wurde diese Praxis katholischer Liturgie aus den Gotteshäusern verbannt.

...

Moderne Gottesdienste auf Latein? Die Anhänger erklären, dass man auch ohne großes Latinum der Messe folgen könne; heute würden Predigt und Evangelien in der jeweiligen Landessprache vorgetragen. Allerdings sind Tages- und Schlussgebet dem Priester vorbehalten. Dafür kommen die Gläubigen beim gemeinsamen Singen zum Zug: Das "Kyrie" und "Gloria" singen Gemeinde und Priester zusammen - auf Latein.

spiegel.de/kultur/gesellschaft/liturgie-debatte-latein-muss-sein-a-460740.html

dasselbe in der WELT

welt.de/politik/article1048766/Warum-gehen-Glaeubige-in-die-Messe-auf-Latein.html




die lateinlose Liturgie scheint anspruchsvoller zu sein


Zitat:Meine Sorge möchte ich mit den Worten des damaligen Bischofs von Mainz, Kardinal Hermann Volk, ausdrücken. Der hat, als er von der ersten Konzilsperiode zurückkam, gesagt: "Wir werden bald schon sehr viel mehr dürfen, als wir können." Und das ist auch mein Eindruck. Wir haben eine Fülle von Variationsmöglichkeiten, deren Einsatz aber eine ganz große liturgische Bildung und Kompetenz voraussetzen. Und da frage ich mich manchmal, ob die überall so gegeben ist – bei Gemeindemitgliedern, aber auch bei denen, die der Liturgie vorstehen

katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/keine-stummen-zuschauer
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#11
(04-11-2017, 12:08)Ulan schrieb:
(04-11-2017, 11:23)Mellnau schrieb: Jene Journalistin in der FAZ mag sich bei anderen Dingen auskennen.

Die Autorin ist keine Journalistin. Die Dame ist Vorsitzende der Geschaeftsfuehrung eines deutschen Maschinenbauunternehmens und hat auch viele andere Posten in der Wirtschaft.

OK - ich hatte hier "Journalist"  im weiteren Sinne gebraucht.
Nicht als Beruf.
Sondern etwa in der Bedeutung: Jemand, der Artikel für eine Zeitung schreibt.

In diesem Falle hätte ich auch "Verfasserin des Artikels" schreiben können.
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#12
(04-11-2017, 15:25)Geobacter schrieb: Nun ja... manche Leute haben halt ihren "Lutter", wenn sie gerade mal nicht "ihre Tage" haben.

So eine Bemerkung muss doch nun wirklich nicht sein. Warum eine Frau die Predigt gehalten hat, sollte doch wohl klar sein: Hier wird die doppelte Errungenschaft gefeiert, dass Prediger, erstens, Laien und, zweitens, Frauen sein duerfen.

(04-11-2017, 17:53)scilla schrieb: ist das hier ein Luther bashing,
eine Rehabilitation der katholischen Kirche

oder geilt man sich an Fehlern auf?

Hat hier irgendjemand ueber Luther geredet? Den Fehler, um den es geht, hat die Autorin doch gemacht? Die Predigt war in der Katholischen Kirche zu allen Zeiten immer in der Landessprache. Gebete und Gesaenge waren auf Latein (die Elemente der direkten Gottesverehrung). Da die Autorin denselben Fehler mindestens zwei Mal in ihrem Artikel gemacht hat, scheint sie es wirklich nicht besser zu wissen. Und da kann man einem Lektor einer Zeitung wie der FAZ schon vorwerfen, hier seine Arbeit nicht gemacht zu haben.

Das steht uebrigens auch so in Deinen Zitaten.
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#13
(04-11-2017, 19:01)Mellnau schrieb: OK - ich hatte hier "Journalist"  im weiteren Sinne gebraucht.
Nicht als Beruf.
Sondern etwa in der Bedeutung: Jemand, der Artikel für eine Zeitung schreibt.

In diesem Falle hätte ich auch "Verfasserin des Artikels" schreiben können.

Es sah so ein wenig nach der heute ueblichen Journalisten-Schelte aus, und die war hier halt unangebracht. Es war ja wohl bewusst ein Laien-Artikel.

Man koennte hier eventuell andere Mechanismen kritisieren. Dass sich hier niemand getraut hat, die Autorin zu korrigieren, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass die meisten Leute das sich bei sehr einflussreichen Personen nicht trauen, zumindest wenn sie selbst etwas zu verlieren haben.
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#14
(04-11-2017, 19:02)Ulan schrieb:
(04-11-2017, 15:25)Geobacter schrieb: Nun ja... manche Leute haben halt ihren "Lutter", wenn sie gerade mal nicht "ihre Tage" haben.

So eine Bemerkung muss doch nun wirklich nicht sein. Warum eine Frau die Predigt gehalten hat, sollte doch wohl klar sein: Hier wird die doppelte Errungenschaft gefeiert, dass Prediger, erstens, Laien und, zweitens, Frauen sein duerfen.
Die wirklich unpassende Bemerkung tut mir leid.

Bezüglich der Feststellung, dass Frauen neuerdings in der kath. Kirche "predigen" dürften, im Sinne dessen was auf Katholisch mit "Predigt" gemeint ist, bin ich mir aber nicht ganz sicher. Laien dürfen anstelle der sonst üblichen Predigt des Priesters eine Art Lesung halten und Frauen sind davon selbstverständlich nicht ausgeschlossen. "Orthodoxen" Katholiken geht das aber oft schon viel zu weit. Ich weis das, weil ich fast 18 Jahre lang musikalisch bei Messgestaltungen mitgearbeitet habe.. die mehr junge Menschen in die Kirche bringen sollten. Wens wundert - ich bin seit  ungefähr meinem 12 Lebensjahr katholischer Atheist, bzw, atheistischer Katholik. - "Geglaubt" hab ich schon vorher nichts.. und wahrscheinlich gerade auch deswegen, weils den orthodoxen Katholiken nicht um den Inhalt der Predigt ging, sondern nur um ihren katholischen Heiligenschein..
Tatsächlich hätte früher kaum mal jemand etwas gemerkt, wenn der Pfarrer "lateinisch" gepredigt hätte.. deswegen läuten die Ministranten ja auch heute noch immer das Glöckchen, wenns nach der Predigt mit der "Wandlung von Wasser in Wein" losgeht..
Ich habe überhaupt nichts gegen Gläubige, es sei denn, sie behaupten, die Würde des Menschen hinge alleine vom Glauben an einen Gott  ab.
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#15
Der einzig wirkliche Unterschied zwischen Katholiken und Reformierten besteht meines Erachtens nur darin, dass es auf beiden Seiten noch immer genug wahre Extremisten gibt.
Ich habe überhaupt nichts gegen Gläubige, es sei denn, sie behaupten, die Würde des Menschen hinge alleine vom Glauben an einen Gott  ab.
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