Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Katalonien und sein Streben nach Unabhängigkeit
#1
Habt ihr eine Meinung zu diesem Thema?

Ich meine, wie immer man zu diesem Thema auch stehen mag:
Der zentralspanische Staat reagiert nicht richtig in dieser Sache.
Zitieren
#2
Nicht? Was steht in der Verfassung?
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Zitieren
#3
Man kann sich zwar darueber unterhalten, ob sich die spanische Regierung geschickt verhalten hat; letztlich geschahen die Weichenstellungen aber jeweils anhand der Gerichte, die lediglich geltendes Recht anwandten. Z.B., das Verbot der Abstimmung in Katalonien geschah nicht durch die spanische Regierung, sondern durch das Verfassungsgericht, was meiner Meinung nach ein entscheidender Unterschied ist. Ich denke immer noch, dass die katalanische Regierung, wenn sie es gewollt haette, ein weitgehenderes Autonomiestatut haette aushandeln koennen (aehnlich wie das Baskenland). Stattdessen wurde diese unsinnige Unabhaengigkeitserklaerung gemacht, die gar keine Chance hatte, durchzukommen.

Man weiss nie, wie Dinge sich entwickeln. Vielleicht steckte ja irgendein ausgekluegeltes Kalkuel hinter der Vorgehensweise. Erkennen kann ich das zwar noch nicht, aber wir werden ja sehen, wie sich die oeffentliche Meinung in Katalonien von hier aus aendert.
Zitieren
#4
Die spanische Verfassung sieht die Abspaltung einer Region nicht vor. Wie schon angemerkt wurde, hat das spanische Verfassungsgericht die Abstimmung untersagt. Der Rechtsbruch wurde also zweifelsfrei von den Repräsentanten der Regionalregierung begangen. Jene, die die Abstimmung in die Wege geleitet hatten, versuchen sich nun als Opfer politischer Willkür darzustellen. Das aber sind sie nicht. Sie sind Opfer der eigenen politischen Dummheit.
MfG B.
Zitieren
#5
Hatte Katalonien nicht bereits weitgehende Autonomie? Geht es mal wieder um solidarische Zahlungen an die anderen Regionen? (In D bekannt als "Länderausgleich")
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Zitieren
#6
Ganz allgemein meine ich, dass man politische Probleme mit politischen Mitteln lösen sollte.
Und nicht dadurch, dass man den politischen Gegner ins Gefängnis wirft.

Das klingt eher nach Dritter Welt als nach Spanien.
Zitieren
#7
Ja, Katalonien war schon zum Gutteil autonom, wie viele spanische Regionen. Spanien ist schon weitgehend dezentralisiert, mit 17 autonomen Gebieten. Und ja, es ging auch ums Geld. So weit ich gehoert habe, haben die Basken aber wohl noch mehr Zugestaendnisse bekommen. Aber einigen geht wohl selbst das nicht weit genug.

Zum Teil sind das noch Nachwehen des Franco-Regimes. Die Forderungen der Basken, von Navarra, Kataloniens und Galiziens nach mehr Autonomie waren wohl von Anfang der Republik an unumstritten.

Im Prinzip eiert die Verfassung da wohl ein wenig herum. Zwar wird anerkannt, dass Spanien aus verschiedenen Nationalitaeten und Regionen besteht, aber die Einheit der spanischen Nation ist trotzdem festgeschrieben.
Zitieren
#8
(05-11-2017, 23:34)Mellnau schrieb: Ganz allgemein meine ich, dass man politische Probleme mit politischen Mitteln lösen sollte.
Und nicht dadurch, dass man den politischen Gegner ins Gefängnis wirft.

Das klingt eher nach Dritter Welt als nach Spanien.

Den Politikern waren die Gesetze, gegen die sie verstossen haben, doch eindeutig bekannt? Sie haben sich auch offen gegen die Entscheide des Verfassungsgerichts verhalten. Dass das rechtswidrig ist, ist also eindeutig.

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass wir es hier mit politischem Kalkuel zu tun haben, und sich die inhaftierten Politiker bewusst zu Maertyern stilisieren wollen, um die politische Meinung zum Kippen zu bringen. Bei Dir hat's ja anscheinend funktioniert. Ich kann mir naemlich nicht vorstellen, dass sie gedacht haben, sie wuerden mit ihrer Sache durchkommen.

Und wie sollte eine Loesung hier denn aussehen? Die Positionen sind doch vollkommen unvereinbar. Da kann es doch gar keinen Kompromiss geben.
Zitieren
#9
Versuche der Katalanen, einen selbständigen Staat einzurichten, waren seit dem Erbfolgekrieg immer vorhanden.

Im 19. Jh breitete sich in Katalonien ein Kulturnationalismus aus, der die historische Eigenständigkeit der Region behauptete. Spanien wurde als Staat, nicht aber als Nation anerkannt. 1901 wurde von Enric Prat de la Riba die Lliga Regionalista de Catalunya mit dem Ziel gegründet, Katalonien in eine höchstmögliche Unabhängigkeit von Spanien zu führen. Mit dem Zusammenschluss der vier katalanischen Provinzialausschüsse (1913) zur sogenannten Mancomunitat war der erste Schritt Kataloniens auf dem Weg zu einer eigenständigen politischen Einheit innerhalb Spaniens getan. 1932 erreichten die Katalanen ein Autonomiestatut, das ihnen eine eigene Regierung (die Generalitat) und umfangreiche Selbstverwaltungsrechte (in der unteren und mittleren Verwaltungskompetenz) einräumte. Allerdings fühlten sich die Katalanen auch danach noch (und das bis zum heutigen Tag) in der Verteilung des Steueraufkommens benachteiligt.

Während der Franco-Diktatur wurden die Autonomierechte der Katalanen (wie auch der Basken) zurückgenommen. 1939 kam es zu Säuberungen in der Verwaltung. Der Gebrauch der Regionalsprachen wurde mit Strafandrohung verboten. Der Widerstand der Nationalisten (die sich radikalisierten) wurde mit äußerster Brutalität unterdrückt.

Nach Francos Ende waren die Autonomie- und Selbständigkeitsbewegungen so stark wie nie zuvor in der spanischen Geschichte. Spanien wurde regionalpolitisch neu geordnet, ein Staat von 17 autonomen Gemeinschaften eigerichtet. Rechte und Pflichten wurden in Autonomiestatuen festgeschrieben. 1993 und 2005 kam es zu Reformen der Autonomiestatute. Das für Katalonien erarbeitete Statut wurde von der katalanischen Bevölkerung in einem Referendum angenommen.

Allerdings wurden schon kurz nach Annahme des Status einige Regelungen infrage gestellt und dem Verfassungsgericht zur Entscheidung vorgelegt. Das Gericht ließ sich Zeit, erst 2010 lag das Ergebnis vor. Die Bezeichnung "Nation" für Katalonien wurde für Bedeutungslos erklärt, der Vorzug, dem das Katalanische als Amtssprache eingeräumt war, wurde zurückgenommen und dem Spanischen als gleichberechtigt bezeichnet. Auch wo die Grenzen der Gesetzgebungskompetenz und Steuerhoheit lägen, wurde zweifelsfrei festgehalten.

In der Folge gewann die Idee, Katalonien solle zu einem selbständigen Staat innerhalb der EU werden, gewichtige Befürworter innerhalb der katalanischen Regierung  aber auch Sympathie unter der Bevölkerung. Schließlich wurde versucht, die Idee mit rechtswidrigen Mitteln umzusetzen. Das vorläufige Ergebnis dieser Politik ist nunmehr die verfassungsgemäße Amtsenthebung der verantwortlichen Amtsträger.
MfG B.
Zitieren
#10
Danke für diesen historischen Überblick! Ich denke, "man", also die katalanische Regionalverwaltung hätte genauso gut die Bevölkerung zu anderen wichtigen Themen befragen können, als ausgerechnet zum illegalen Thema "Abspaltung von Spanien". Als ein Beispiel denke ich an katalonische Vertretungen bei der EU (, was vermutlich auch nicht kostenlos zu haben ist).

Es stellt sich tatsächlich die Frage, was hinter diesem Referendum und dem "juristischen Affenzirkus" steckt, eine kriegerische Auseinandersetzung mit Gesamtspanien ja wohl nicht?
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Zitieren


Möglicherweise verwandte Themen...
Thema Verfasser Antworten Ansichten Letzter Beitrag
  Kehrt die Dominanz der Religion auch nach Westeuropa zurück? Erich 23 6217 06-06-2015, 13:58
Letzter Beitrag: Harpya
  Spendenrückgang nach massiven Image-Schäden Kreutzberg 5 1730 30-11-2013, 15:39
Letzter Beitrag: Harpya
  1 Jahr nach den Tragödie von Duisburg mit 21 Toten Gerhard 15 5856 30-07-2011, 16:21
Letzter Beitrag: Gerhard

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste