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Evolutionärer Humanismus
#1
Habe mir nun mal das "Manifest des evolutionären Humanismus" von Michael Schmidt-Salomon durchgelesen. Den Ansatz, humanistische Ideen mit rationalem Blick auf den Menschen und seine Herkunft zu kombinieren finde ich gut und richtig. Das Buch selbst hat mich jetzt aber nicht so sehr vom Hocker gehauen. Hätte mir bei vielen Sachverhalten mehr Tiefgang gewünscht. Der Grundaussage stimme ich aber zu und würde das Buch auch durchaus weiterempfehlen. Nur nicht unbedingt als einziges religionskritisches Werk.
Gut finde ich jedoch, dass Gegenmodelle zu Religion und den damit einhergehenden Behauptungen (für Ethik und Moral brauche es Religion und dergleichen) geliefert werden.

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#2
Zum "Manifest des evolutionären Humanismus" habe ich schon mal etwas geschrieben: hier. Das Büchlein ist ein Manifest (Katalog von Forderungen an das Nachdenken), also eine Art Essenz aus Schmidt-Salomons kritischen Schriften zu Religionen und ihrem Verhältnis zur Menschlichkeit.

Religionen haben die Psyche auf ihrer Seite, für die der analysierende Verstand nichts Vergleichbares bereitstellen kann. Ich denke, man kann nicht von allen Menschen verlangen, sich rational den Fragen der Ethik zu nähern. Dazu denkt der Mensch viel zu irrational. Im Allgemeinen ist ihm eine Geschichte lieber, die sich um die wichtigen Fragen des Alltags in "schönen" Sprachbildern drehen (Kleiden, Essen, Trinken, Wohnen, Feiern, "Bumsen"). Mit halbem Ohr hört "er" (sie auch), wie man sich dabei verhalten soll.

Im Augenblick versagen sowohl die Religionen als auch der kritische Verstand.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#3
(29-11-2017, 22:34)Ekkard schrieb: Zum "Manifest des evolutionären Humanismus" habe ich schon mal etwas geschrieben: hier. Das Büchlein ist ein Manifest (Katalog von Forderungen an das Nachdenken), also eine Art Essenz aus Schmidt-Salomons kritischen Schriften zu Religionen und ihrem Verhältnis zur Menschlichkeit.

Danke für den Link. Ich hatte mir deinen Beitrag schon vor einiger Zeit mal durchgelesen. Wie findest du denn das Buch bzw. die Ideen dahinter? Unabhängig davon, ob es realisierbar ist: Würdest du mit den Ideen und Argumenten konform gehen?

(29-11-2017, 22:34)Ekkard schrieb: Religionen haben die Psyche auf ihrer Seite, für die der analysierende Verstand nichts Vergleichbares bereitstellen kann.

Der ev. H. bringt daher ja auch extra Philosophie und Kunst neben der reinen Wissenschaft mit rein. Um eben den Menschen "etwas an die Hand zu geben", alternativ zur Religion.

(29-11-2017, 22:34)Ekkard schrieb: Ich denke, man kann nicht von allen Menschen verlangen, sich rational den Fragen der Ethik zu nähern.

Der Einzelne muss das auch nicht unbedingt. Wenn es jedoch um gesellschaftliches Zusammenleben geht, sollten wir rational argumentieren.
Das Buch verweist imho zurecht darauf, dass unsere Gesellschaft und unsere Regeln großteils auf die Aufklärung zurückgehen, es aber massiv versäumt wird (von der Politik), die Ideen von Humanismus und Aufklärung in der Gesellschaft und in den Menschen zu verankern. Bestes Beispiel hierfür ist der Religionsunterricht anstatt eines gemeinsamen Gesellschafts- bzw. Ethikunterrichts für alle Schüler. Es müsste mehr darüber gelehrt werden woher die Ideen für unser Zusammenleben eigentlich kommen, welchen Kampf und welche Mühe es bedeutete hat, sie durchzusetzen und wie wichtig es ist, sie zu "verteidigen". Das Umsetzen der Ideen von Humanismus und Aufklärung ist eben nicht die Selbstverständlichkeit als welche sie uns erscheint. Dahinter steht eine lange Geschichte und Tradition von Philosophien. Das würde auch religiösen und ideologischen Fundamentalismen den Nährboden entziehen.


(29-11-2017, 22:34)Ekkard schrieb: Im Augenblick versagen sowohl die Religionen als auch der kritische Verstand.

Imho versagt der kritische Verstand nicht, er findet lediglich zu wenig Gehör bzw. gibt es zu wenig Menschen die offensiv für ihn eintreten.

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#4
(30-11-2017, 21:29)Gundi schrieb: Ich hatte mir deinen Beitrag (Ekkard, hier) schon vor einiger Zeit mal durchgelesen. Wie findest du denn das Buch bzw. die Ideen dahinter? Unabhängig davon, ob es realisierbar ist: Würdest du mit den Ideen und Argumenten konform gehen?
Das Buch beginnt mit einer Bestandsaufnahme fundamentaler Kränkungen, die unsere Selbstüberschätzung, als "Krone der Schöpfung" massiv und vor allem begründet, dämpft.

Alsdann entlarvt er die diversen religiösen Mythen, bleibt allerdings am Wortlaut hängen, was man bei Mythen nicht tun darf. Dabei findet er sich in guter Gesellschaft mit all' jenen, die aus Mythen unmittelbare Handlungsempfehlungen entnehmen bzw. entwickeln, sagen wir: heraus interpretieren. Schließlich bleibt eine wesentliche Forderung: Blase dein Ego nicht auf, du bist nur ein Lebewesen unter vielen.
In der vorgenannten Punkten stimme ich Schmidt-Salomon zu.

Psychologische Seite der Mythen:
(30-11-2017, 21:29)Gundi schrieb: Der ev. H. bringt daher ja auch extra Philosophie und Kunst neben der reinen Wissenschaft mit rein. Um eben den Menschen "etwas an die Hand zu geben", alternativ zur Religion.
Der evolutionäre Humanismus (nach Schmidt-Salomon) stößt genau an jene Grenzen, die aus lauter kleinen Egoisten eine Gesellschaft machen sollen. Ratio und Wissen machen aus "kleinen Egoisten" ("Wichten") keine Gesellschaft, sondern gemeinschaftliches Tun und Nachdenken. Und ich habe so den Eindruck, dass darin vor allem die emotionale Ebene eine wesentliche Rolle spielt - und bisher von den Mythen "bedient" wurde. Nun sind diese alten, religiösen Mythen allesamt weit weg von dem, was man weiß oder wissen sollte. Diese Tatsache macht deutlich, dass die Mythen inhaltlich unbeachtlich sind, sondern nur als Vehikel des menschlichen Miteinanders dienen.

(30-11-2017, 21:29)Gundi schrieb: Wenn es jedoch um gesellschaftliches Zusammenleben geht, sollten wir rational argumentieren.
Rational zu argumentieren, heißt ja nicht unbedingt, nur analytisch zu argumentieren. Es kann ja auch rational sein, den Unterschied heraus zu arbeiten zwischen einem Mythos und seinem Sinn, der ja dem Wortsinn durchaus widerspricht.

(30-11-2017, 21:29)Gundi schrieb: Das Buch verweist imho zurecht darauf, dass unsere Gesellschaft und unsere Regeln großteils auf die Aufklärung zurückgehen, es aber massiv versäumt wird (von der Politik), die Ideen von Humanismus und Aufklärung in der Gesellschaft und in den Menschen zu verankern. Bestes Beispiel hierfür ist der Religionsunterricht ...
Auch der evolutionäre Humanismus kommt ohne gesellschaftlich wirksame Vereinbarungen nicht aus, so wenig, wie die Religionen. Ich bin auch nicht sicher, ob der evolutionäre Humanismus, zumindest das Manifest, nicht doch ideologisch als Kampfschrift missverstanden werden kann.

Klar, den Religionsunterricht könnte man besser nutzen, da gebe ich dir Recht!

(30-11-2017, 21:29)Gundi schrieb: Imho versagt der kritische Verstand nicht, er findet lediglich zu wenig Gehör bzw. gibt es zu wenig Menschen die offensiv für ihn eintreten.
... oder er hat zu wenige Vertreter! (Ich habe auch die Eigennutz-Debatte des Manifestes nicht ganz verstanden; jedenfalls gibt es da wohl Einschränkungen.)
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#5
(29-11-2017, 22:34)Ekkard schrieb: Religionen haben die Psyche auf ihrer Seite, für die der analysierende Verstand nichts Vergleichbares bereitstellen kann.
Ja die Religionen haben die Psyche auf ihrer Seite, dass hast du schön erkannt.

Wie gesagt gibt es m.E. 3 Kategorien!
Der analytische Verstand ist auf einer anderen Ebene als die Psyche und sie müssen getrennt beachtet und bedacht werden.
Ohne differenzierte Betrachtung vermischt man die Ebenen zu sehr.
Psyche/Seele + Denken/Geistiges Tun + Aktivität/Körper/Leben = 3 Kat.

-Religionen betreffen die Seele, den Wunsch, das Herz NICHT den Verstand. Das ist die Kategorie der Gefühle und der Sehnsüchte oder Wünsche.
-Der analysierende Verstand betrifft die Kategorie "Denken/Geist". Da sich hier NUR die geistigen Prozesse und die Verarbeitung befindet, liegt der Glaubenswunsch nicht auf dieser Ebene.
-Jeder Mensch nimmt mit seinem Körper die Welt und sein Umfeld wahr, er "saugt" regelrecht geistige Informationsfluten ein und erlebte Situationen die ihm wie"Material/Stoff" sind. Aus diesen "Zutaten" kreiiert der Mensch alle seine Wünsche incl. den Glaubenswunsch UND er kann auch ein Denker oder Anaylytiker werden, denn auch dass ist eine Leidenschaft, ein Begeheren, ein innerer Wunsch.

Entweder wird der Mensch ein analytischer Denken oder er wendet sich einer Religion zu oder aber er will beides. = 3 Möglichkeiten.
Wo es 3 Möglichkeiten gibt, gibt es nun mal auch jede dieser 3 Möglichkeiten für sich allein!
Aus 2 Möglichkeiten wird die Dritte Möglichkeit die beides macht/kann/hat. 2 = 3

(29-11-2017, 22:34)Ekkard schrieb: Im Augenblick versagen sowohl die Religionen als auch der kritische Verstand.
Weil beide nicht erkannt haben dass sie 3 Kategorien vereinen müssten.
Das ist meine Meinung, Gedanken, ggf notwendige Vorvorurteile, die ich so gut es mir derzeit möglich ist, ausgedrückt habe.
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#6
(29-11-2017, 21:00)Gundi schrieb: Gut finde ich jedoch, dass Gegenmodelle zu Religion und den damit einhergehenden Behauptungen (für Ethik und Moral brauche es Religion und dergleichen) geliefert werden.

Für Ethik und Moral braucht es keine Religion. Religion wird für die Seele und DAS Glauben ANSICH gebraucht.
Religion und Glaube sind in einer extra Kategorie die man nicht wie einer Kategorie zugehörig bearbeiten kann.
Was in 2 getrennten Fächern ist, ist nun mal in 2 getrennten Fächern.
Das ist meine Meinung, Gedanken, ggf notwendige Vorvorurteile, die ich so gut es mir derzeit möglich ist, ausgedrückt habe.
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#7
Da Bilder, die ein Konzept veranschaulichen sollen, dieses Konzept meist nur unvollstaendig und mit Fehlern abbilden, sollte man sich davor hueten, aus den Bildern Rueckschluesse fuer das urspruengliche Konzept zu ziehen. Ein solcher Zusammenhang - und deshalb der Sinn hinter einem solchen Rueckschluss - muss zuvor erst etabliert werden.
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#8
(01-12-2017, 10:04)Adamea schrieb:
(29-11-2017, 21:00)Gundi schrieb: Gut finde ich jedoch, dass Gegenmodelle zu Religion und den damit einhergehenden Behauptungen (für Ethik und Moral brauche es Religion und dergleichen) geliefert werden.

Für Ethik und Moral braucht es keine Religion. Religion wird für die Seele und DAS Glauben ANSICH gebraucht.

Es braucht weder für Moral und Ethik Religion, noch fürs glauben, Adamea. Natürlich kannst du dir da selber deine ganz eigenen Regeln aufstellen, die dir selbst am besten gefallen. Du kannst dir auch deine eigenen WICHTigkeits-Hierarchien festlegen, was DAS GLAUBEN angeht, aber das ändert nichts daran, dass auch glauben nur etwas ganz Natürliches wie Selbstverständliches ist und überhaupt nichts mit DEM GLAUBEN zu tun haben muss.

DER Glaube ist nämlich gerade für die unsere Zeit eine ziemlich problematische Angelegenheit, weil zum einen, BEIM Glauben alle Tatsachen ignoriert werden müssen, die dem Gläubigen das Glauben erschweren würden und weil zum anderen, IM GLAUBEN auch jede Menge narzisstische Selbstwert-Identifikation steckt, die sich ständig neue Feindbilder schaffen muss.. an denen sich dann die eingebildete "hehere Bewusstseinsebene" messen lässt)
Ich habe überhaupt nichts gegen Gläubige, es sei denn, sie behaupten, die Würde des Menschen hinge alleine vom Glauben an einen Gott  ab.
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#9
(01-12-2017, 10:04)Adamea schrieb: Für Ethik und Moral braucht es keine Religion. Religion wird für die Seele und DAS Glauben ANSICH gebraucht.
Religion und Glaube sind in einer extra Kategorie die man nicht wie einer Kategorie zugehörig bearbeiten kann.
Was in 2 getrennten Fächern ist, ist nun mal in 2 getrennten Fächern.

Die Seele braucht auch nicht unbedingt Religion. Religion entsteht aber durch Glauben.
Ich würde schon sagen, dass der Mensch ein grundsätzliches Bedürfnis hat, in vielfacher Hinsicht über sich hinauszuwachsen. Dabei hilft ihm für gewöhnlich eine Moral, da sie von ihm ein bestimmtes Handeln verlangt, das umzusetzen für ihn eine Herausforderung ist. Während der Mensch also versucht, sich einer Moral entsprechend zu verhalten, fängt er an, über sich hinauszuwachsen und zum Wohle Aller sozial zu reifen.
Ethik fängt dann dort an, wo ein Reflektionsprozess durchlaufen wird, an dessen Ende moralische Werte auch verstanden werden und dem Verstand und Herzen zugänglich sind.
Die Dinge funktionieren aber, wie Du sagst, auch gut ohne Religion. Im Gegenteil: Wenn man sich die Geschichte der Religionen ansieht, ist es fast natürlich, dass manche Menschen im Zuge ihrer ethischen Entwicklung eher auf Distanz zu Religion und Glauben gehen. Ich denke diese Phase ist sogar ungemein wichtig, um zu einem mündigen Glauben zu gelangen.
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#10
(01-12-2017, 00:19)Ekkard schrieb: Psychologische Seite der Mythen:
(30-11-2017, 21:29)Gundi schrieb: Der ev. H. bringt daher ja auch extra Philosophie und Kunst neben der reinen Wissenschaft mit rein. Um eben den Menschen "etwas an die Hand zu geben", alternativ zur Religion.
Der evolutionäre Humanismus (nach Schmidt-Salomon) stößt genau an jene Grenzen, die aus lauter kleinen Egoisten eine Gesellschaft machen sollen. Ratio und Wissen machen aus "kleinen Egoisten" ("Wichten") keine Gesellschaft, sondern gemeinschaftliches Tun und Nachdenken.

Und daher eben die Forderung, nach einer verstärkten Bildung bezüglich der Wurzeln unserer Gesellschaft und unserer Werte. Dies würde das Nachdenken fördern und zu gemeinschaftlichem Tun anregen. Denn wann man darum weiß, welchen langen Weg es bedurfte unsere heutigen Freiheiten und Ansichten zu erlangen und durchzusetzen und das derlei nicht selbstverständlich einfach so existiert, kann dies dafür sensibilisieren dafür auch einzutreten.

(01-12-2017, 00:19)Ekkard schrieb: Nun sind diese alten, religiösen Mythen allesamt weit weg von dem, was man weiß oder wissen sollte. Diese Tatsache macht deutlich, dass die Mythen inhaltlich unbeachtlich sind, sondern nur als Vehikel des menschlichen Miteinanders dienen.

Hm... Mythen entstammen ja nicht nur den Religionen. Auch Märchen, Bücher, Filme etc. können den emotionalen Teil eines Menschen ansprechen, jedoch mit dem Vorteil, dass der Mensch sich eben bewusst ist, dass es sich hierbei um einen Mythos handelt (was bei Religion eben nicht immer der Fall ist).

(01-12-2017, 00:19)Ekkard schrieb:
(30-11-2017, 21:29)Gundi schrieb: Wenn es jedoch um gesellschaftliches Zusammenleben geht, sollten wir rational argumentieren.
Rational zu argumentieren, heißt ja nicht unbedingt, nur analytisch zu argumentieren. Es kann ja auch rational sein, den Unterschied heraus zu arbeiten zwischen einem Mythos und seinem Sinn, der ja dem Wortsinn durchaus widerspricht.

In der Tat. Nur wird es wohl immer Menschen geben, die tatsächlich an die Auferstehung Jesu glauben wollen und denen es eben nicht reichen wird, dass derlei lediglich ein tradierter Mythos ist.


(01-12-2017, 00:19)Ekkard schrieb: Auch der evolutionäre Humanismus kommt ohne gesellschaftlich wirksame Vereinbarungen nicht aus,

Möchte er auch nicht. Nur soll anstatt Moral eben Ethik gesetzt werden.

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#11
(01-12-2017, 16:12)Geobacter schrieb: DER Glaube ist nämlich gerade für die unsere Zeit eine ziemlich problematische Angelegenheit, weil zum einen, BEIM Glauben alle Tatsachen ignoriert werden müssen, die dem Gläubigen das Glauben erschweren würden

Richtig. Und deswegen schränkt religiöser Glaube auch den kritischen Blick des Gläubigen in vielen Dingen ein. Und man kann es auch kaum verübeln, müsste er doch sein religiöses Korsett erst einmal ausziehen, um wirklich offen zu sein.


(01-12-2017, 16:12)Geobacter schrieb: und weil zum anderen, IM GLAUBEN auch jede Menge narzisstische Selbstwert-Identifikation steckt, die sich ständig neue Feindbilder schaffen muss.. an denen sich dann die eingebildete "hehere Bewusstseinsebene" messen lässt)

Derlei findet man allerdings auch außerhalb der Religion. Vermutlich ist dies wohl eine Eigenschaft der Menschen generell. Aber auch hier kann ein rationaler Blick helfen, zu große Auswüchse dessen zu verhindern.

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#12
(01-12-2017, 22:03)sanctus schrieb:
(01-12-2017, 10:04)Adamea schrieb: Für Ethik und Moral braucht es keine Religion. Religion wird für die Seele und DAS Glauben ANSICH gebraucht.
Religion und Glaube sind in einer extra Kategorie die man nicht wie einer Kategorie zugehörig bearbeiten kann.
Was in 2 getrennten Fächern ist, ist nun mal in 2 getrennten Fächern.

Die Seele braucht auch nicht unbedingt Religion. Religion entsteht aber durch Glauben.
Ich würde schon sagen, dass der Mensch ein grundsätzliches Bedürfnis hat, in vielfacher Hinsicht über sich hinauszuwachsen. Dabei hilft ihm für gewöhnlich eine Moral, da sie von ihm ein bestimmtes Handeln verlangt, das umzusetzen für ihn eine Herausforderung ist. Während der Mensch also versucht, sich einer Moral entsprechend zu verhalten, fängt er an, über sich hinauszuwachsen und zum Wohle Aller sozial zu reifen.
Ethik fängt dann dort an, wo ein Reflektionsprozess durchlaufen wird, an dessen Ende moralische Werte auch verstanden werden und dem Verstand und Herzen zugänglich sind.
Die Dinge funktionieren aber, wie Du sagst, auch gut ohne Religion. Im Gegenteil: Wenn man sich die Geschichte der Religionen ansieht, ist es fast natürlich, dass manche Menschen im Zuge ihrer ethischen Entwicklung eher auf Distanz zu Religion und Glauben gehen. Ich denke diese Phase ist sogar ungemein wichtig, um zu einem mündigen Glauben zu gelangen.

Eine sympathische Ansicht. Sollte ein Gläubiger aber wirklich diesen offenen Weg gehen, kommt er vielleicht gar nicht mehr zum Glauben zurück.

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#13
(01-12-2017, 16:12)Geobacter schrieb:
(01-12-2017, 10:04)Adamea schrieb: Für Ethik und Moral braucht es keine Religion. Religion wird für die Seele und DAS Glauben ANSICH gebraucht.
Es braucht weder für Moral und Ethik Religion, noch fürs glauben, Adamea.

Ja, im Grunde braucht es auch für das Glauben keine Religion. Doch der Mensch bildet nun mal Gruppierungen.
Es ist doch regelrecht mit Logik vorherzusehen dass es zu einer Gruppenbildung kommt, so wie eine vom Menschen durchführbare Aktion erkannt wurde. Jedes Hobby wurde irgendwann einmal das Erste mal durchgeführt und daraufhin finden sich mehrere Menschen zusammen diese Aktivität zu erleben. Die gesammte Erlebnisswelt des Menschen besteht aus Aktivitäten und Ereignissen die der Mensch zusammen ausführt. Es werden sich immer Interessengruppen bilden, egal ob es ein sortliches Spiel ist oder sonstige Gemeinschaftserlebnisse sind zu denen auch eine religöse Praxis gehört.
Die "Seele" also Psyche des Menschen will ERLEBEN.
Die Wahrnehmung ist die Lebendigkeit des Lebens. Der Mensch nimmt nicht nur durch Kontakt und Berüghrung wahr sonderen er nimmt auch seine Gedankenwelt und Sehnsüchte/Verlangen wahr.

Ethik und Moral beziehen sich nur auf ein Verhalten, den gemeinsamen Umgang miteinander, also dem Aggieren nach Außen.
Religion kann diesen Bereich zwar aufgreifen aber im wahren Kern betrifft die Religion das Innere Denken+Glauben, also eine Aggieren nach Innen.

(01-12-2017, 16:12)Geobacter schrieb: Natürlich kannst du dir da selber deine ganz eigenen Regeln aufstellen, die dir selbst am besten gefallen. Du kannst dir auch deine eigenen WICHTigkeits-Hierarchien festlegen, was DAS GLAUBEN angeht, aber das ändert nichts daran, dass auch glauben nur etwas ganz Natürliches wie Selbstverständliches ist und überhaupt nichts mit DEM GLAUBEN zu tun haben muss.

Ich will nur allgeimeingültige Regeln, also wahre, beständige!
Regeln die ich mir selber zurechgebogen habe sind Lügen und Selbstverarschung.
Was meinst du mit Glauben hat nichts mit DEM Glauben zu tun?
Freilich gibt es mehrere Verwendungsmöglichkeiten des Begriffes "Glauben".
Ein Glauben kann an Dinglichem/Ereignissen/Situationene/Wirkungen/Prozesse gebunden sein. Ein Glauben kann an Werte/Ideale/Prinzipien/Funktionen gebunden sein. Ein Glauben kann an Zustände/Seinszustände/Erhofftes/Wünsche//Werdendes/Zukünftiges gebunden sein.
Der religöse Glaube ist ein anderer Glaube wie der Glaube an das gelingen eines wissenschaftlichen Experimentes oder sonstige Wunscherfüllungen.

(01-12-2017, 16:12)Geobacter schrieb: DER Glaube ist nämlich gerade für die unsere Zeit eine ziemlich problematische Angelegenheit, weil zum einen, BEIM Glauben alle Tatsachen ignoriert werden müssen, die dem Gläubigen das Glauben erschweren würden und weil zum anderen, IM GLAUBEN auch jede Menge narzisstische Selbstwert-Identifikation steckt, die sich ständig neue Feindbilder schaffen muss.. an denen sich dann die eingebildete "hehere Bewusstseinsebene" messen lässt)
Gerade WEIL es in dieser Zeit so ist, ist es m.E. wichtig sich diese Angelegenheit ganz genau anzusehen und allgemeingültige und aussagekräftige religionsverbindende Formulierungen zu finden damit das trennende Denken aufhören kann.

Beim Glauben müssen keine Tatsachen ignoriert werden! Glauben wird leichter wenn er mit den Tatsachen zusammen kommen kann.
Wo ist eine narzisstische Selbstwert-Identifikation nicht möglich?
Das ist meine Meinung, Gedanken, ggf notwendige Vorvorurteile, die ich so gut es mir derzeit möglich ist, ausgedrückt habe.
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#14
(01-12-2017, 22:03)sanctus schrieb: Wenn man sich die Geschichte der Religionen ansieht, ist es fast natürlich, dass manche Menschen im Zuge ihrer ethischen Entwicklung eher auf Distanz zu Religion und Glauben gehen. Ich denke diese Phase ist sogar ungemein wichtig, um zu einem mündigen Glauben zu gelangen.

Ja Zustimung.
Ich beführchte nur das dieser mündige Glaube verhindert wird.
Wenn nicht genau zwischen einen mündigen und irrsinnigen Glauben differenziert und vorallem auch dementsprechend artikuliert wird, wirft man alle Gläubige in einem "Glaubens-Idot-Topf", das kann keine vereinte Gesellschaft hervorbringen und erschwert die Entwicklung eines müdnigen Glaubens.
Das ist meine Meinung, Gedanken, ggf notwendige Vorvorurteile, die ich so gut es mir derzeit möglich ist, ausgedrückt habe.
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#15
Widerspricht sich der Begriff "mündiger Gläubiger" nicht bereits selbst?

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