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Mündiger Glaube
#16
(03-12-2017, 15:57)Gundi schrieb: spielst du irgendwann den Beleidigten und 
Mein Gott, Du kommst ja aus Deinem Modus wirklich nicht raus. Du solltest Dir mal ein Wellnesswochenende gönnen.

Und nein, Du wolltest mit mir nicht diskutieren, denn auf meine Religiösität waren Deine Argumente nicht anwendbar, stattdessen hast Du immer *über* irgendwelche (nicht anwesenden) Gläubigen sprechen wollten, über die Du ein bestimmtes Bild konstruiert hast, das Du zum Diskussionsgegenstand machen wolltest:

Genau das finde ich befremdlich, wenn "über nichtanwesende Gläubige (die Glaubensmodelle der Anwesenden scheinen ja nicht ins gewollte Schema zu passen)" gerichtet wird: Ist kein grundsätzliches Problem, aber eben nicht interreligiös.
#17
Ok, wer nicht diskutieren möchte soll es halt lassen.

#18
(03-12-2017, 17:34)Gundi schrieb: Ok, wer nicht diskutieren möchte soll es halt lassen.

Ich hatte Dir im anderen Thread 2mal erklärt, dass ich weder sauer noch eingeschnappt bin, und ebenso mindestens 3 mal, dass ich Dir Gott nicht als Deine ethische Handlungsgrundlage vermitteln will. 

Das hattest Du beides offensichtlich nicht verstanden - selbst in diesem Thread kommst Du wieder mit der gleichen Sache, obwohl Dir vermittelt wurde, dass Du Dich irrst. Welchen Sinn soll die Diskussion mit jemandem haben, der gar nicht daran interessiert ist, was der Gegenüber sagt?
#19
Ach, sanctus, derlei Theater wie du hier aufführst bringt keinen weiter. Alleine schon der permanente Verweis darauf, dass dein Gegenüber ja gar kein Interesse hätte und dich nicht verstehen möchte usw. Du ziehst dir den Schuh mit der Opferrolle recht schnell an.

Aber um dir mal entgegen zu kommen: Warum lehnst du denn beide meiner Schlussfolgerungen aus Beitrag 12 ab? Du sagst doch selbst: "Mit der Zeit ist es so, dass sich die Regeln entweder als gut bewähren oder nicht. Bewähren sie sich als "gut", in der Reflektion wie im Leben, kann man sie beibehalten. Führen sie zu keinen "guten Früchten", muss man darüber reflektieren, ob diese Regeln wirklich Teil der gültigen Offenbarung eines "guten Gottes" sein können."

Dein Gottesbild scheint also nicht fest zu sein, sondern davon abhängig, ob sich Regeln (welche du als gut ansiehst) in diesem Bild wiederfinden. Erst die Regeln, dann die Wahl des Gottesbild. Und ist derlei Vorgehen wirklich so weit entfernt von Feuerbachs Projektionsidee?

#20
(03-12-2017, 11:08)sanctus schrieb:
(03-12-2017, 10:05)Ulan schrieb: eventuell versuchen, zu verstehen, was damit gemeint war. Die Gottesvorstellung in den abrahamitischen Religionen wird durch eine Figur beherrscht, die als "Vater" beschrieben wird, der weiterhin die Weisungs- und Erziehungsberechtigung ueber den Glaeubigen wahrnimmt. Darauf bezog sich das. Vielleicht koenntest Du das diskutieren.

Bei manchen Leuten ist das Verhältnis zu den Eltern in der Tat derart gestört, dass sie glauben erst emanzipiert zu sein, wenn sie eine Familientragödie angerichtet und Gott Vater getötet haben.
Finde den Vergleich recht passend: als Kind Gottes bekommt man von Gott Vater bestimmte Regeln und Normen mit auf den Weg. Der gläubige Mensch hat Vertrauen, dass diese Regeln gut sind. Ist Vertrauen für Dich Unmündigkeit?
Mit der Zeit ist es so, dass sich die Regeln entweder als gut bewähren oder nicht. Bewähren sie sich als "gut", in der Reflektion wie im Leben, kann man sie beibehalten. Führen sie zu keinen "guten Früchten", muss man darüber reflektieren, ob diese Regeln wirklich Teil der gültigen Offenbarung eines "guten Gottes" sein können.

Das ist mal wieder haarscharf daneben argumentiert. Es geht um unbedingten Gehorsam. Bei Nichtbefolgung wird ewige Bestrafung angedroht. Das muss man sich nicht schoen reden, wie Du das hier tust.

Wobei anzumerken ist, dass es hier um die im Titel angesprochene Muendigkeit geht. Gegen die Vorgehensweise, wie Du sie in Deinem Zitat angesprochen hast, ist ansonsten nichts einzuwenden. Dein Vaterbild ist halt nicht das der Bibel.
#21
(03-12-2017, 15:32)sanctus schrieb: Die grundsätzliche Frage ist, ob hier mit Gläubigen diskutiert werden soll oder man nur über Gläubige diskutieren will. In einem Forenbereich, der "religionsübergreifend" bzw "interreligiös" sein will, wirkt es etwas befremdlich, wenn der Platz zum Sammelort von Atheisten wird, die über nichtanwesende Gläubige (die Glaubensmodelle der Anwesenden scheinen ja nicht ins gewollte Schema zu passen) richten wollen. Ist kein grundsätzliches Problem, aber eben nicht interreligiös.

Es heißt ja interreligiöses Forum..und wenn meine Deutschkenntnisse mich jetzt nicht ganz im Stich lassen, dann heißt das, dass auch "Nichtschotten" hier mal mitreden dürfen. Ansonsten gäbe es ja für solche Themen ganz spezielle Foren, wo die Gläubigen beim Diskutieren ganz unter sich sind.
Aber.. jetzt ist es nun halt mal wie es ist..  Also einfach das Beste daraus machen.

Und was heißt da jetzt Mündig.. oder bin ich vielleicht gar ein Schelm, der unter "Mündig" auch noch so einiges andere versteht, als von Amtswegen damit gesagt werden soll?

Was Glaube ist und welche unerwünschten Nebenwirkungen damit oft verbunden sind..weis ich ja.. Aber mündiger Glaube klingt für mich fast so, wie wenn hier gleich ein islamistischer Selbstmordattentäter der genau weis was er will ,"die Bude" stürmt.
Ich habe überhaupt nichts gegen Gläubige, es sei denn, sie behaupten, die Würde des Menschen hinge alleine vom Glauben an einen Gott  ab.
#22
(03-12-2017, 17:57)Gundi schrieb: Führen sie zu keinen "guten Früchten", muss man darüber reflektieren, ob diese Regeln wirklich Teil der gültigen Offenbarung eines "guten Gottes" sein können."

Dein Gottesbild scheint also nicht fest zu sein, sondern davon abhängig, ob sich Regeln (welche du als gut ansiehst) in diesem Bild wiederfinden. Erst die Regeln, dann die Wahl des Gottesbild. Und ist derlei Vorgehen wirklich so weit entfernt von Feuerbachs Projektionsidee?

Nein, genau anders herum. Das Gottesbild des "guten Gottes" macht es unmöglich, Regeln diesem Gott zuzuordnen, die dem Gottesbild widersprechen. Ich kann mich schlecht auf einen Gott berufen, der das Gute für die Menschen will, und dann im nächsten Moment einen Menschen töten oder das Haus von jemandem anstecken, der die "falsche" Konfession hat. Dann gilt es aber nicht, das Gottesbild so anzupassen, dass es mein Handeln legitimiert, sondern, dieses falsche Handeln zu unterlassen, weil es nicht im Einklang mit dem steht, was der Wille Gottes ist.
#23
(03-12-2017, 18:06)Ulan schrieb: Das ist mal wieder haarscharf daneben argumentiert. Es geht um unbedingten Gehorsam. Bei Nichtbefolgung wird ewige Bestrafung angedroht. Das muss man sich nicht schoen reden, wie Du das hier tust.

Ewige Bestrafung, Höllenfeuer, die Verdammnis usw usf. sind Symbole, die in einer bestimmten Zeit nötig waren.Wie willst Du in einer Kultur, in der es üblich war, die Mädchen direkt zu vergraben, die Menschen dazu bringen, dieses zu unterlasse, wenn Du nicht mit starken Bildern argumentierst?

Die Ausschmückungen von Himmel und Hölle, die nicht in den religiösen Büchern zu finden sind, dürften der Phantasie von Theologen und Geistlichen entstammen. Himmel und Hölle zeigen eher das relative Verhältnis von Gottesferne und -nähe an. Für einen gläubigen Menschen ist Gottesferne natürlich eine Strafe, aber die resultiert vielmehr aus seiner eigenen Entscheidung.

Was den unbedingten Gehorsam angeht:
Nun das kann man auch etwas in Relation setzen. Ich kenne nichtgläubige Menschen, die für ihre Ideale, wie beispielsweise Menschenrechte, alles riskieren. Ich würde diese Menschen sogar als gläubig betrachten, weil sie eben höheren/geistigen Idealen folgen.
Man ist den Idealen und Mustern, die einem als gut und richtig offenbart wurden, meist Gehorsam, weil unser Gewissen immer danach strebt, das Richtige zu verwirklichen. Kein Mensch wird etwas tun, wenn er die Einsicht hat, dass es falsch ist.


Zitat:Wobei anzumerken ist, dass es hier um die im Titel angesprochene Muendigkeit geht. Gegen die Vorgehensweise, wie Du sie in Deinem Zitat angesprochen hast, ist ansonsten nichts einzuwenden. Dein Vaterbild ist halt nicht das der Bibel.

Das Vaterbild der Bibel wurde den biblischen Völkern offenbart. Gott selbst kann keiner erkennen, deshalb ist die Art und Weise, wie die Propheten Gott offenbaren die Art und Weise, wie wir Gott sehen und verehren.
Das monotheistische ist genau wie das monistische Gottesbild eben nur ein Bild. Die letzte Wirklichkeit liegt hinter den Beschreibungen. Alles sind Bilder.  Da die letzte Wirklichkeit als absolute Realität gesehen werden kann, ist es völlig unsinnig davon auszugehen, sie wäre in der gleichen Art und Weise beschränkt wie unsere Bilder.
#24
(03-12-2017, 19:18)Geobacter schrieb: Es heißt ja interreligiöses Forum..und wenn meine Deutschkenntnisse mich jetzt nicht ganz im Stich lassen, dann heißt das, dass auch "Nichtschotten" hier mal mitreden dürfen. Ansonsten gäbe es ja für solche Themen ganz spezielle Foren, wo die Gläubigen beim Diskutieren ganz unter sich sind.

Die Frage ist nur, ob es Sinn macht, mit einem gläubigen Menschen eine Diskussion über Religion dahingehend zu führen, dass man über andere religiöse Menschen, die gar nicht vor Ort sind, diskutiert. Umgekehrt macht es auch keinen Sinn, wenn ich mit nichtGläubigen spreche, irgendwelche negativen Verhaltensweisen anderer Atheisten auf den Tisch zu packen, mit denen sie gar nichts zu tun haben.

Für mich spricht dabei immer eine Hilflosigkeit: nämlich dass man die eigenen Agitationsstrukturen quasi abrufbereit hat und unbedingt die eigenen Klischees absetzen muss.

So würde man keinen interreligiösen Dialog führen, aber vielleicht ist das auch die falsche Messlatte.


Zitat:Und was heißt da jetzt Mündig.. oder bin ich vielleicht gar ein Schelm, der unter "Mündig" auch noch so einiges andere versteht, als von Amtswegen damit gesagt werden soll? 

Meine Definition von mündig hat sich noch nicht verändert im Vergleich zum Ursprungsthread:
Für mich bedeutet Mündigkeit, vorliegende Daten zu reflektieren und ggf. meine Position zu überdenken. Wenn ich da von vorn herein mit z.b. "Es kann nicht sein, was nicht sein darf" herangehe, sperre ich mich selbst gegen Informationen, die ich aber bräuchte, um meine Position reflektieren zu können.


Zitat:Was Glaube ist und welche unerwünschten Nebenwirkungen damit oft verbunden sind..weis ich ja.. Aber mündiger Glaube klingt für mich fast so, wie wenn hier gleich ein islamistischer Selbstmordattentäter der genau weis was er will ,"die Bude" stürmt.

Du meinst diese Selbstmordattentäter, die für ihre Syrienreise noch vorher einen Kredit aufnehmen, ganz im Sinne von "Allah verzeiht Euch alle eure Verfehlungen, außer Eure Schulden" ?
Das muss ein sehr mündiger Gläubiger sein.
#25
(03-12-2017, 19:53)sanctus schrieb: Nein, genau anders herum. Das Gottesbild des "guten Gottes" macht es unmöglich, Regeln diesem Gott zuzuordnen, die dem Gottesbild widersprechen. Ich kann mich schlecht auf einen Gott berufen, der das Gute für die Menschen will, und dann im nächsten Moment einen Menschen töten oder das Haus von jemandem anstecken, der die "falsche" Konfession hat. Dann gilt es aber nicht, das Gottesbild so anzupassen, dass es mein Handeln legitimiert, sondern, dieses falsche Handeln zu unterlassen, weil es nicht im Einklang mit dem steht, was der Wille Gottes ist.

Ok, dann hatte ich dich wohl in der Tat falsch verstanden.
Nun ist es leider so, dass die "heiligen Schriften" (insbesondere Bibel und Koran) ja durchaus auch Stellen aufweisen, die Greultaten rechtfertigen, zumeist gegen Mitglieder außerhalb der eigenen Gruppe (Ungläubige oder Andersgläubige).
Während Gott also durchaus als absolut guter und lieber Gott für die Mitglieder der eigenen Glaubensgruppe angesehen wird, kann er sich gegenüber "Outsidern" als absolut böser Hinrichter erweisen (sowohl im Diesseits als auch im Jenseits).
Ich denke daher, dass es gar nicht unbedingt zu dem von dir gezeichneten Konflikt kommen muss (böse Taten mit gutem Gott vereinbaren zu müssen), da die "heiligen Schriften" ja recht eindeutig trennen zwischen "guten" und "bösen" Menschen.
Warum sage ich das? Nun, weil ich (wie schon einmal gesagt) nicht davon ausgehe, dass aktuell alle Menschen auf der Welt sich auf gewisse Grundwerte einigen könnten. So sieht der islamistische Fundamentalist in Gott ebenfalls einen guten Gott. Nur eben nicht für Andersdenkende. Für ihn wäre ein absolut notwendiger Grundwert die Akzeptanz des Korans als Grundlage gesellschaftlichen Lebens. Ein mitteleuropäischer Humanist jedoch hätte ganz andere Prinzipien, die er unbedingt vertreten wissen möchte. Die katholische Kirche ebenso. Hinzu kommen die ganzen unterschiedlichen politischen Meinungen.
Wie soll es da zu einem Konsens kommen, ohne auf einer gemeinsamen Grundlage? Ich habe hier eben die Vernunft vorgeschlagen, da sie gegenüber Religionen und Ideologien den Vorteil der guten Argumente auf ihrer Seite hat und vernünftiges Denken eine Fähigkeit (nahezu) aller Menschen ist.

#26
(03-12-2017, 20:11)sanctus schrieb:
(03-12-2017, 18:06)Ulan schrieb: Das ist mal wieder haarscharf daneben argumentiert. Es geht um unbedingten Gehorsam. Bei Nichtbefolgung wird ewige Bestrafung angedroht. Das muss man sich nicht schoen reden, wie Du das hier tust.

Ewige Bestrafung, Höllenfeuer, die Verdammnis usw usf. sind Symbole, die in einer bestimmten Zeit nötig waren.Wie willst Du in einer Kultur, in der es üblich war, die Mädchen direkt zu vergraben, die Menschen dazu bringen, dieses zu unterlasse, wenn Du nicht mit starken Bildern argumentierst?

Bei derlei Argumentation stellen sich mir zwei Frage:

1. Woher weiß man das? Woher weiß man, dass derlei schon immer nur als Symbol gedacht war, mit welchem eigentlich ein ganz anderer Zweck verfolgt werden sollte?

2. Wenn das alles nur Symbolcharackter hat, warum wird Gott selbst dann nicht auch nur als Symbol verstanden? Woher nimmt man die Gewissheit zu wissen, dass Himmel und Hölle nur Symbole sind, Gott aber real existieren soll?

#27
Ich spreche durchaus noch oft genug mit Glaeubigen, die das mit dem Hoellenfeuer todernst meinen. Die sind auch der Ansicht, dass jegliche Abweichung vom "wahren Weg" mit ewiger Verdammnis bestraft wird. Das faengt dann schon bei der "falschen" Konfession an.

Es ist zwar richtig, davor zu warnen, in Diskussionen in Stereotypen zu verfallen. Ein exaktes Zuschneiden auf den jeweiligen Gespraechspartner erfordert es aber eigentlich nur dann, wenn es um rein persoenliche Glaubensansichten geht. Und wer die heiligen Schriften heilige Schriften sein laesst und sich seinen Gott selbst zusammenbastelt, der hat halt gewissermassen eine Privatreligion. Allerdings frage ich mich dann, warum dann nicht mehr Gelassenheit rueberkommt. Man muss sich schliesslich nicht jeden Schuh anziehen. Wenn irgendeine Aussage zum persoenlichen Glauben nicht passt, dann erklaert man das halt, und gut ist.

Nur, wo bleibt bei dem ganzen die Gottesfurcht? Ist der Begriff auch nicht mehr woertlich zu nehmen?
#28
(03-12-2017, 22:08)Gundi schrieb: 1. Woher weiß man das? Woher weiß man, dass derlei schon immer nur als Symbol gedacht war, mit welchem eigentlich ein ganz anderer Zweck verfolgt werden sollte?

Das ist natürlich eine Betrachtung aus der heutigen Zeit. Wenn man sich die Beschreibungen ansieht, kommt man doch gar nicht um die Einsicht herum, dass es sich um Symbole handelt - mir würde jedenfalls schwer fallen, die doch sehr physischen Höllenbeschreibungen irgendwo räumlich zu verorten. Die Himmelfahrt der Propheten wäre auch so ein Beispiel. Sie werden ja kaum durch die Wolken gefahren sein, daher bleibt auch hier eher der Eindruck, dass es nur Beschreibungen sind.

Zitat:2. Wenn das alles nur Symbolcharackter hat, warum wird Gott selbst dann nicht auch nur als Symbol verstanden? Woher nimmt man die Gewissheit zu wissen, dass Himmel und Hölle nur Symbole sind, Gott aber real existieren soll?


Das, was wir hier oft als Gott sehen (monotheistische, monistische oder andere Beschreibungen), sind im Grunde auch nur Symbole und Darstellungen. Also ist wohl die Frage, warum man annimmt, dass es eine letzte Wirklichkeit gibt, gerade auch weil sie nicht erkennbar ist. Interessanterweise sprach der Stifter der Bahai-Religion im Bezug auf die Propheten von "Manifestationen des Unbekannten".

Nun für mich persönlich ist überzeugend, dass es in großen Etappen immer wieder Propheten gab, die den Menschen Lehren brachten, die sich durch die Menschheitsgeschichte wie ein roter Faden ziehen. Diese Botschaften gingen immer über das, was ein Prophet als "Mensch" schaffen konnte, weit hinaus.
#29
(03-12-2017, 22:03)Gundi schrieb: Nun ist es leider so, dass die "heiligen Schriften" (insbesondere Bibel und Koran) ja durchaus auch Stellen aufweisen, die Greultaten rechtfertigen, zumeist gegen Mitglieder außerhalb der eigenen Gruppe (Ungläubige oder Andersgläubige). 
Die heiligen Schriften standen immer in kulturellen und politischen Zusammenhängen und niemals im luftleeren Raum. Daher gab es bei Moses und Mohammed Gesetze, um einen Staat zu etablieren, während Jesus, der in keiner historischen Situation stand, einen Staat begründen zu müssen, solche Gesetze nicht bekommen hat. Entsprechend gab es Auseinandersetzungen zwischen Menschen, die in die Regularien mit eingeflossen sind.


Zitat:Ich denke daher, dass es gar nicht unbedingt zu dem von dir gezeichneten Konflikt kommen muss (böse Taten mit gutem Gott vereinbaren zu müssen), da die "heiligen Schriften" ja recht eindeutig trennen zwischen "guten" und "bösen" Menschen.

Die Frage ist schon, wie eindeutig das ist oder wie die Schriften gelesen werden müssen. Es ist auch die Frage, wie sich die Menschen, die vielleicht als "böse Menschen" gezeichnet werden, gegenüber den Gläubigen verhielten (bestes Beispiel: die Karawanen, die Mohammed überfiel, transportierten das Eigentum der Muslime, dessen sie bei ihrer Vertreibung aus Mekka enteignet wurden), so dass es zu den entsprechenden Bewertungen in den Schriften kam.
Recht hast Du aber mit der Anmerkung, dass die meisten historischen Botschaften sich immer an eine bestimmte Menschengruppe richtete. Bei Jesus ging es um die Wiedervereinigung des Hauses Israel, bei Mohammed um die Vereinigung der arabischen Stämme, bei den frühen Propheten in der Bibel war häufig Familie das Thema, und die aktuelle Offenbarung Bahaullahs richtet sich an die Einheit der gesamten Menschheit. Religion ist eben auch immer eine Entwicklung.


Zitat:So sieht der islamistische Fundamentalist in Gott ebenfalls einen guten Gott. Nur eben nicht für Andersdenkende.



Stellt sich eben die Frage, ob sein Fundamentalismus in der Schrift begründet liegt oder nicht vielmehr einer politischen Theologie entspringt, die in der arabischen Welt vor allem dazu dient, wahhabitisch-monarchische Theokratien zu rechtfertigen.
Eigentlich steht im Koran bereits in der 2. Sure, dass diejenigen, die vorgeben an Allah und den Propheten zu glauben, aber Unfrieden auf der Welt stiften, auf dem falschen Weg sind.
Beim Christentum ist das nicht anders, wo klar gesagt wird, dass es nicht um die begriffliche Zuordnung geht und ob jemand "Herr, Herr!" sagt, sondern es um die Früchte geht.


Zitat:Wie soll es da zu einem Konsens kommen, ohne auf einer gemeinsamen Grundlage? Ich habe hier eben die Vernunft vorgeschlagen, da sie gegenüber Religionen und Ideologien den Vorteil der guten Argumente auf ihrer Seite hat und vernünftiges Denken eine Fähigkeit (nahezu) aller Menschen ist.

Eben die Vernunft ist der Schlüssel.

Das Problem bei den meisten Religionen ist, dass sie in einem geschichtlich-kulturellen Kontext stehen und besonders die Normen und sozialen Regeln, an die Kultur angepasst waren und zum Fortschritt in der jeweiligen Kultur dienten, von den Anhängern der Religionen heute durchgesetzt werden wollen. Dabei wären Regeln, die zur Zeit Mohammeds nützlich waren, für uns heute ein Rückschritt und deshalb nicht erstrebenswert. Das Übel liegt darin, dass die Religionen alle – obwohl in ihren Schriften immer ein neuer Prophet mit neuen Regeln angekündigt wurde – behaupten, sie hätten die letzte Wahrheit und die wäre bis in alle Ewigkeit gültig. Die muss man dann wohl auch für alle durchsetzen. Da rührt das Übel vieler Religionen her.
#30
(03-12-2017, 20:20)sanctus schrieb: Die Frage ist nur, ob es Sinn macht, mit einem gläubigen Menschen eine Diskussion über Religion dahingehend zu führen, dass man über andere religiöse Menschen, die gar nicht vor Ort sind, diskutiert.
Für mich spricht dabei immer eine Hilflosigkeit: nämlich dass man die eigenen Agitationsstrukturen quasi abrufbereit hat und unbedingt die eigenen Klischees absetzen muss.

Dem würde ich zustimmen, wenn DER Glaube im Sinne einer religiösen Überzeugung nicht auch immer mehr zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem werden würde und somit die ganzen unerwünschten Nebenwirkungen des Glaubens auch von all denen getragen werden müssen, die damit gar nichts "am Hut" haben.

(03-12-2017, 20:20)sanctus schrieb: Meine Definition von mündig hat sich noch nicht verändert im Vergleich zum Ursprungsthread:
Für mich bedeutet Mündigkeit, vorliegende Daten zu reflektieren und ggf. meine Position zu überdenken. Wenn ich da von vorn herein mit z.b. "Es kann nicht sein, was nicht sein darf" herangehe, sperre ich mich selbst gegen Informationen, die ich aber bräuchte, um meine Position reflektieren zu können.
Das ist natürlich "dann" für DICH ein Problem, weil sich in diesem Glauben dein Selbstwert-Ideal wieder spiegeln soll. Glaube bedeutet ja immerhin "Nicht-Wissen" und also Hoffen... und weil ihr "Gläubigen" damit aber nicht zufrieden seid, sondern darin den Absolutheitsanspruch der Gewissheit auch gegenüber denen geltend machen wollt, die da vielleicht nach ganz anderen Kriterien und Prämissen unterscheiden, was denn nun wahr sein könnte und somit wahrscheinlich.... oder auch nicht, ist das Thema Glaube auch zunehmend ein politisches Thema..

Beispiele dafür bringe ich im nächsten Beitrag..



(03-12-2017, 20:20)sanctus schrieb: Du meinst diese Selbstmordattentäter, die für ihre Syrienreise noch vorher einen Kredit aufnehmen, ganz im Sinne von "Allah verzeiht Euch alle eure Verfehlungen, außer Eure Schulden" ?
Das muss ein sehr mündiger Gläubiger sein.
nun. ich meine z. B. auch die Palästinenser, die gerade heute wieder mal ganz schlecht auf jene amerikanischen Christen zu sprechen sind..welche zu Trumps treuesten Anhängern zählen.. .*https://www.welt.de/politik/ausland/article171204950/Palaestinenser-warnen-vor-totaler-Zerstoerung-des-Friedensprozesses.html
Ich habe überhaupt nichts gegen Gläubige, es sei denn, sie behaupten, die Würde des Menschen hinge alleine vom Glauben an einen Gott  ab.


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