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Pentheus
#1
Sagenhafte König von ↗Theben, Sohn des ↗Kadmos.

Kadmos hatte in Theben vor seiner Burg ein Semele-Heiligtum anlegen lassen, das ↗Dionysos mit "traubenreichem Rebgrün" umwachsen ließ (Eur. bak. 40).

Dionysos kam nach Theben, um sich den Menschen als Gott zu zeigen. Vom Volk wird er jubelnd begrüßt, die Schwestern seiner Mutter aber behaupteten, die Vaterschaft des ↗Zeus sei erlogen, um einen Fehltritt der ↗Semele zu entschuldigen (bak. 22ff.). Als Strafe für diese Behauptung ließ Dionysos sie in Wahnsinn verfallen. Er "zwang ihnen die dionysischen Feiern auf und scheuchte alles, was in Theben weiblich ist, in wilder Raserei aus den Wohnungen", wie es bei Euripides (bak. 33ff.) heißt.

Alle, die sich dem "Dionysosrausch" hingeben, werden von Pentheus verfolgt. Auf die Warnungen des blinden Sehers Teiresias1 und die seines Vaters (Kadmos) will er nicht hören. Er lässt Dionysos, der ihm in Menschengestalt gegenübertritt, gefangen nehmen und ist entsetzt, als ihm berichtet wird, dass sich dieser, obwohl er gefesselt und eingesperrt gewesen war, in der Burg frei bewegt.

Dionysos tritt Pentheus neuerlich gegenüber, "trübt ihm den Geist mit einem leichten Wahn" (bak. 850f.) und bietet an, ihn zum Kultplatz der ↗Bakchantinnen zu führen, damit er in Frauenkleidern diese belauschen könne. Pentheus nimmt das Angebot an, wird von Dionysos in den Wald geführt, dort von den Frauen entdeckt und von seiner Mutter Agaue und ihren Schwestern zerrissen (bak. 1095ff.).

Als Agaue vom Wahnsinn genesen war und sah, was sie angestellt hatte, war sie verzweifelt und irrte umher, bis sie nach Illyrien kam, wo sie von König Lykotherses aufgenommen wurde (Hyg. fab. 184), der sie später heiratete. Den aber ermordete sie, um für ihren Vater Kadmos einen neuen Thron zu schaffen (Hyg. fab. 240).


Literatur:
Euripides. Tragödien, zweisprachige Ausgabe,  Bd 2. 2. Aufl. 1979 Berlin, Verl. Artemis&Winkler.


1) Teiresias, ein Zeus-Priester, dessen Weissagungen als unfehlbar galten.




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MfG B.
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