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Judas und die endlose Spekulation der Fachleute
#1
Guten Tag,

... beim Verrat von JUDAS könnte man sich auch auf die Bibelzeugnisse beschränken und sagen, dass damit alles erklärt ist. Die Geschichte scheint ein klassischer Fall zu sein. Dennoch ist dieser Eindruck für mich nicht ganz überzeugend. Es müssen hier Motive zum Zuge gekommen sein, die zu einem Zerwürfnis zw. Jesus und Judas geführt haben.

In der Verfilmung bei BIBEL-TV geht der Aktion einer Desillusionierung voraus. Der Anführer für den Aufstand gegen die Römer, das wurde klar ist Jesus eindeutig nicht. Das einige Juden von dem Gedanken beseelt waren, dass ein großer Führer die Fremdherrschaft beenden sollte ist wohl historisch belegt.

Der schwer fassbare Hintergrund wird noch komplizierter, wenn man bedenkt, dass JUDAS wahrscheinlich doch auch ein Anhänger der Zelotischen Volksbewegung war. Insgesamt ist sicherlich gut nachvollziehbar, dass falsche Erwartungen Palästina des 1. Jahrhundert immer wieder aufgerüttelt haben.

Gibt es denn irgendwelche Erkenntnisse an denen man sich hier wenigstens zuverlässig orientieren kann ?!
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#2
(05-04-2018, 14:40)Kreutzberg schrieb: Gibt es denn irgendwelche Erkenntnisse an denen man sich hier wenigstens zuverlässig orientieren kann ?!

Nein. Aber das ist die Standardantwort auf alles, was mit den Evangelien zu tun hat. Keine dieser Geschichten ist in irgendeiner Form ausserhalb der Evangelien belegt. Auch Fachleute haben nur das zur Verfuegung, was die Evangelien uns erzaehlen. Das heisst natuerlich auch, dass jeder hingehen kann, die Evangelien zu lesen und zu interpretieren. Ein bisschen Hintergrundwissen zur Geschichte und zur juedischen Religion dieser Zeit etc. schadet bei der Interpretation natuerlich nicht.

Geht man von der Standarderklaerung aus, dass die Evangelien als Reaktion auf den Untergang Jerusalems geschrieben wurden, so bleibt natuerlich auch anzumerken, dass "Judas" die griechische Form von "Juda" ist, also der Name des Stammvaters des Stammes Juda und des Koenigreiches sowie der roemischen Provinz gleichen Namens. Es war zwar ein gaengiger Name, aber dieser kann natuerlich genau so gut symbolisch fuer den Juden an sich oder Judaea stehen. Vor allem - wie Du bereits angemerkt hast - der Zusatz "Ischariot" macht das noch wahrscheinlicher. In diesem Sinne waere der Verrat des Judas der Verrat des juedischen Volkes an den Weisungen Gottes (mit Jesus als Gottes Bote), weil sie den Aufstand/Krieg (hier durch den Bezug zu Sikariern/Zeloten symbolisiert) gewaehlt hatten. Die Barabbas-Geschichte kann man auch so auslegen.
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#3
ULAN : Deine Aussagen deuten auf einen gewissen kryptographischen Schreibstil hin. Daraus ist sicherlich
ableitbar, dass eine gewisse Form von Symbolsprache auch anderweitig zu finden ist. Die Sterbegeschichte
Jesu wirkt jedoch schon realistisch, gerade wenn man bedenkt, dass handfeste irdische Motive zum Prozess-
Ende geführt haben.

noch etwas : um kein Missverständnis aufkommen zu lassen. Es ist doch wohl nicht so, dass das Judas-Evangelium
Judas Iskariot zugesprochen worden ist von den einschlägigen Experten.
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#4
(06-04-2018, 11:28)Kreutzberg schrieb: ULAN : Deine Aussagen deuten auf einen gewissen kryptographischen Schreibstil hin. Daraus ist sicherlich
ableitbar, dass eine gewisse Form von Symbolsprache auch anderweitig zu finden ist.

Nun, das steht ja in den Evangelien selbst. Jesus redet in Parabeln, damit die Leute ihn nicht verstehen (Mk 4:12). Formeln wie "der Leser begreife" (Mk 13:14) deuten auf verklausulierte Sprache hin.

(06-04-2018, 11:28)Kreutzberg schrieb: Die Sterbegeschichte Jesu wirkt jedoch schon realistisch, gerade wenn man bedenkt, dass handfeste irdische Motive zum Prozess-
Ende geführt haben.

Jede gute Erzaehlung wirkt realistisch. Auch Romanautoren versuchen, ihren Figuren sinnvolles Handeln mitzugeben, damit sie "lebensecht" wirken. Der Prozess Jesu, wie er in den Evangelien dargestellt wird, wirft eine ganze Reihe von Fragen auf, die schwer zu erklaeren sind. Die meisten Elemente sind sicherlich frei erfunden.

(06-04-2018, 11:28)Kreutzberg schrieb: noch etwas : um kein Missverständnis aufkommen zu lassen. Es ist doch wohl nicht so, dass das Judas-Evangelium
Judas Iskariot zugesprochen worden ist von den einschlägigen Experten.

Diese Aussage ist insofern ueberfluessig, da es kein einziges Evangelium gibt, das "von den einschlaegigen Experten" irgendeiner bestimmten Person zugesprochen wird. Nach derzeitigem Wissensstand sind alle Evangelien anonym geschrieben worden (was uebrigens gaengige Praxis in juedischen religoesen Texten war). Die Autorenzuschreibungen sind erst spaet belegt.
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#5
Das ist wohl die bittere Wahrheit. Deshalb gibt es dann bei Fachleuten die sog. Bibelexegese.

Mir persönlich ist auch noch niemals ein Bibelprediger aufgefallen der behauptet hat, dass die christlichen Botschaften unmissverständlich und eindeutig sind. Darauf legen die Menschen aber doch in der Regel großen wert.
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#6
Gewiss! Menschen mögen immer eine möglichst konkrete Bestätigung ihrer glaubensmäßigen Vorstellungen. Oder wenn nicht, dann doch wenigstens einen handfesten Widerspruch.

Doch das ist eines Wunschdenken. Als Christen haben wir im Grunde nur "uralte Glaubenszeugnisse". Den Konsens im Glauben*) muss sich jeder Gesellschaft zu ihrer Zeit selbst erarbeiten. Die alten Geschichten sind bestenfalls Anregungen.

*) "Glaube" im recht allgemeinen im Sinne von "gesellschaftsrelevante, gemeinschaftliche (soziale) Anschauungen" also nicht unbedingt transzendenten/theologischen Inhalts.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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