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Der römische Katholizismus - Dostojewski - miky - 04-04-2012 Hallo. Wir sollten in Religion einen Text erarbeiten und dabei Argumente und Begründungen raussuchen und Gegenargumente dazu aufstellen. Der Text war von Dostojewski und bezog sich auf den Roman "Der Idiot". Folgendes habe ich schon rausgefunden: Welche Vorwürfe erhebt Dostojewski? 1. Der römische Katholizismus sei ein unchristlicher Glaube 2. Er ist schlimmer als Atheismus 3. Er ist nichts weiter als die Fortsetzung des weströmischen Reichsgedankens ihm ist alles unterzuordnen 4. Der Papst bemächtigt sich des irdischen Thrones, Lüge, Hinterlist, Betrug, Fanatismus, Aberglauben und Verbrechen spielt mit den Gefühlen des Volkes 5. Der römische Katholizismus tauscht alles gegen weltliche Macht ein 6. Er ist schuld an der Ausbreitung des Atheismus Fanatismus und Hass gegen die Kirche und das Christentum Welche Begründung hat Dostojewski für seine Kritik? • 2. Atheismus predigt Negation, aber römischer Katholizismus verkündet entgegengesetzten Christus, predigt einen Antichrist • 3. Kirche könne ohne staatliche Weltmacht nicht bestehen • 6. Beginn des Atheismus im römischen Katholizismus, konnte sich nur aufgrund ihrer Lügen und ihrer geistigen Kraftlosigkeit ausbreiten Meine Gegenargumente sind bis jetzt: • 1+2. Die Theologie beschäftigt sich intensiv mit Quellen aus der Zeit Jesu. Er kann nicht „entgegengesetzt gepredigt“ werden. • 3. Es gibt verschiedene Religionen in Staaten, die in Koexistenz leben. Habt ihr noch Gegenargumente? Lg arik :) RE: Der römische Katholizismus - Dostojewski - Bion - 04-04-2012 Ich nehme einmal an, dass ihr die folgende Textstelle vorliegen habt: Zitat:"Pawlischtschew war ein heller Geist und ein Christ, ein wahrer Christ", sagte der Fürst plötzlich; "wie konnte er nur einen unchristlichen Glauben annehmen? Der Katholizismus ist geradezu ein unchristlicher Glaube!" fügte er mit blitzenden Augen hinzu, indem er vor sich hinschaute und alle Anwesenden gleichsam mit einem Blick zusammenfasste. Die Hauptfigur des Romans, Fürst Myškin, heißt in den Entwürfen zum Roman "Fürst Christus". Christus ist es also, der aus dem Fürsten spricht und die Vorwürfe gegen römische Kirche und Papst erhebt. Sie predigen einen entstellten Christus, sagt der Fürst! Womit er Recht hat. Schon Paulus und die Evangelisten haben die Lehren Jesu verändert. Entstellt hat man die Lehre Jesu als sie zur Befestigung der Macht von Kaiser und Papst missbraucht wurde. So ist es naheliegend, dass Jesus, der aus dem Fürsten spricht, die Päpste als seine Stellvertreter nicht anerkennt, der Papst für ihn (wie ehemals für Luther auch) der Antichrist ist. Auch damit, dass der römische Katholizismus das römische Kaisertum fortführt, liegt der Fürst richtig. Mit der Konstantinischen Schenkung (eine Fälschung, wie man heute weiß), hat sich der Papst das "Imperium für den Westen" übertragen lassen. Die große Anklage gegen die römische Kirche allerdings erhebt Dostoevskij in "Die Brüder Karamazov", und zwar in der Erzählung über den Groß-Inquisitor. Jesus, der sich in das von der Inquisition heimgesuchte Spanien begibt, wir sofort erkannt und auf Befehl des Groß-Inquisitors eingekerkert! Der Groß-Inquisitor (der für die römische Kirche steht) klagt Jesus an, er habe die Gaben des Versuchers ausgeschlagen und anstatt Macht die Freiheit gewählt. Damit habe er Unglück über die Menschen gebracht. Mit Hilfe des Antichristen, zu dem sich der Groß-Inquisitor bekennt, soll den entwürdigten Menschen das Paradies auf Erden errichtet werden. Nur der Tod habe im Jenseits Platz. Natürlich hat Dostoevskij überzeichnet. Aber was die historische katholische Kirche betrifft, hat er Recht, meine ich. Gute Gegenargumente habe ich leider nicht anzubieten. Hier noch eine passende Ergänzung aus "Die Dämonen": Zitat:Heute ist das Volk klüger geworden. Aber Sie gingen noch weiter: Sie glaubten, daß der römische Katholizismus kein Christentum mehr sei; Sie behaupteten, Rom habe einen Christus verkündet, der der dritten Versuchung des Teufels erlegen sei, und wenn der Katholizismus der ganzen Welt gepredigt habe, dass Christus ohne ein weltliches Reich auf Erden nicht bestehen könne, so habe er eben damit den Antichrist gepredigt und dadurch die ganze westliche Welt verdorben. Zu Deinen Gegenargumenten: arik schrieb:• 1+2. Die Theologie beschäftigt sich intensiv mit Quellen aus der Zeit Jesu. Er kann nicht „entgegengesetzt gepredigt“ werden. Die akademische Theologie, die sich mit den Quellen beschäftigt und diese kritisch hinterfragt, wird von Rom mit viel Misstrauen beobachtet. arik schrieb:• 3. Es gibt verschiedene Religionen in Staaten, die in Koexistenz leben. Gerade diesen Umstand kann, meine ich, die katholische Kirche nicht als Verdienst verbuchen. Wo Religionsfreiheit herrscht, hat sich die Aufklärung durchgesetzt. Viel ist es nicht. Vielleicht hilft es Dir dennoch einen kleinen Schritt weiter. |