09-07-2011, 16:19
(09-07-2011, 10:12)Bion schrieb: Für die Beurteilung der Sinnhaftigkeit der Texte des NTs ist "die hebräische Sprache" kein geeignetes Instrument. Die Texte des NTs wurden - in unserem Forum ist das schon mehrfach angesprochen worden - allesamt in Koine-Griechisch verfasst.
Woher weiß man, dass es keine Übersetzungen aus dem Aramäischen sind, die dann schon früher verfasst worden waren?
Es scheint mir irgendwie wahrscheinlich, dass es ursprünglich schriftliche Niederlegungen der Lehre für die Juden in ihrer Muttersprache gegeben hat und nur die Übersetzungen erhalten geblieben sind. Es ist doch ein Unding, anzunehmen, dass die Urchristen nicht versucht haben sollen, ihre eigenen Landsleute - die sicher z. T. überhaupt nicht griechisch sprechen und lesen konnten, nicht von der neuen Lehre in Kenntnis zu setzen!
Vergleich das doch mal z. B. mit den Schriften des Buddhismus, die ja auch nicht nicht in der Sprache erhalten sind, die der Buddha gesprochen hat und selbst in Sanskrit nur teilweise und zufällig in Tibet. Voll erhalten sind sie nur in der Übersetzung ins Pali.
Wenn sie aber auf aramäisch geschrieben waren, ist MaSofias Meinung durchaus nachvollziehbar.
(09-07-2011, 10:12)Bion schrieb: In der Regel wird es genügen, eine gute deutsche Übersetzung zur Hand zu nehmen. Ob man nun Luther 1984, die Einheitsübersetzung, die Elberfelder Übersetzung, etc. hernimmt, die kleinen textlichen Abweichungen sind immer begründbar, die Botschaften bleiben die gleichen.Das genügt lediglich dazu, die schon zur Zeit Christi so traditionierten "mainstream" Botschaften kennen zu lernen.
Meine Behauptung:
Kenntnisse der biblischen Sprachen sind hilfreich, wenn man sich mit den Texten wissenschaftlich auseinandersetzen will. Wer sich an die Neuinterpretation der biblischen Texte heranwagt, sollte die einschlägige wissenschaftliche Literatur dazu nicht völlig übergehen.
Um sich mit den Botschaften der Texte vertraut zu machen, genügt es, eine gute Übersetzung - in der Regel durch eine Gemeinschaft hochspezialisierter Fachleute hergestellt - zur Hand zu nehmen.
Es scheint mir offensichtlich, dass die Art der Interpretationen, die MaSofia hier vorstellt, zur Zeit Christi nicht mehr die offizielle Lesart war. Irgendwann mögen die verschiedenen Auslegungen der Thora allgemein praktiziert worden sein oder von gleich einflussreichen Schriftkundigen verbreitet worden sein. Zu irgendeinem Zeitpunkt setzte sich jedoch eine Interpretationsart durch und diese wurde dann als die Lehre traditioniert. Die anderen Lesarten wurden dann zur "Esoterik", die - wenn überhaupt - nur von einer kleinen Gruppe entsprechend interpretiert wurde. Diese Leute waren damals wahrscheinlich genau so Außenseiter wie heute die Esoteriker und wurden von den "seriösen" Schriftgelehren genau so angesehen wie die heutigen Esoteriker von denen, die sich als Wissenschaftler verstehen.
Die "einzig richtige Art" etwas zu sehen, hat es immer schon gegeben. Schließlich konnten die "nicht-esoterischen" rabbis auf eine wahrscheinlich schon Jahrtausende alte Tradition und Denkweise zurückgreifen und auch auf eine Gemeinschaft hochspezialisierter Fachleute - von denen Du oben sprichst.
In welchem Ausmaß MaSofia mit ihren Behauptungen Recht hat - darüber habe ich keine Meinung.
Aber es ist offensichtlich, dass - zumindest im Hebräischen und auch Aramäischen - andere Deutungen möglich sind.
Und was die Übersetzungen aus dem Grichischen betrifft: wWnn ich mir z. B. so das Beispiel Markus 1,10 betrachte, so sehe ich die Übersetzung, die ich noch gelernt habe - der heilige Geist in Gestalt einer Taube, die auf Jesus herabfuhr vom Urtext her (Interlinearübersetzung angeschaut) nicht als gegeben an. Und heißt es nicht in Markus 12 oder 13, dass er dann von diesem in die Wüste getrieben
wurde?
Als Übersetzer muss man sich halt oft entscheiden, welches der möglichen Worte man nimmt.
Darauf dann eine Theologie aufzubauen ist schon problematisch. Die dann als "richtig, da Expertenmeinung" anzusehen, ist recht naiv.
