23-07-2011, 21:25
(23-07-2011, 20:36)Tyko schrieb: Du berufst dich auf NOMA, doch ich muss dir widersprechen.wie willst du zu einer funktionierenden these gelangen wenn nicht mit logik und rationalismus?
Wenn du die gesamte diskussion verfolgt hast kennst du bereits meinen standpunkt gegenüber aussagen über das Metaphysische.
"NOMA" sagt mir nichts.
Nun, ich habe nicht davon gesprochen, dass wir Logik oder gar Rationalismus vernachlässigen sollen.
Wir sollten nur ihre Grenzen kennen.
Und ja, dein Standpunkt ist klar geworden. Sehr naturalistisch geprägt.
Du solltest dich nur davor hüten zu meinen, dass die naturalistische Sicht auf die Welt "eh klar" der "Wahrheit" am nächsten wäre.
Nietzsche ging übrigens noch viel weiter und meinte in seiner Götzendämmerung :
"Wenn man nötig hat, aus der Vernunft einen Tyrannen zu machen, wie Sokrates es tat, so muß die Gefahr nicht klein sein, daß etwas andres den Tyrannen macht.
Die Vernünftigkeit wurde damals erraten als Retterin; es stand weder Sokrates noch seinen »Kranken« frei, vernünftig zu sein – es war de rigueur, es war ihr letztes Mittel.
Der Fanatismus, mit dem sich das ganze griechische Nachdenken auf die Vernünftigkeit wirft, verrät eine Notlage: man war in Gefahr, man hatte nur eine Wahl: entweder zugrunde zu gehn oder – absurd-vernünftig zu sein...
Der Moralismus der griechischen Philosophen von Plato ab ist pathologisch bedingt: ebenso ihre Schätzung der Dialektik.
Vernunft = Tugend = Glück heißt bloß: man muß es dem Sokrates nachmachen und gegen die dunklen Begehrungen ein Tageslicht in Permanenz herstellen – das Tageslicht der Vernunft.
Man muß klug, klar, hell um jeden Preis sein: jedes Nachgeben an die Instinkte, ans Unbewußte führt hinab..."
und weiter :
"Wir besitzen heute genau so weit Wissenschaft, als wir uns entschlossen haben, das Zeugnis der Sinne anzunehmen – als wir sie noch schärfen, bewaffnen, zu Ende denken lernten. Der Rest ist Mißgeburt und Noch-nicht-Wissenschaft: will sagen Metaphysik, Theologie, Psychologie, Erkenntnistheorie. Oder Formal-Wissenschaft, Zeichen-Lehre: wie die Logik und jene angewandte Logik, die Mathematik. In ihnen kommt die Wirklichkeit gar nicht vor, nicht einmal als Problem: ebensowenig als die Frage, welchen Wert überhaupt eine solche Zeichen-Konvention, wie die Logik ist, hat. –"

