15-05-2012, 07:31
(14-05-2012, 23:35)Ekkard schrieb: Bisweilen äußerst du ein Christenbild, das eher einem Zerrbild entspricht, zumindest aber nur für gewisse christliche (katholische und fundamentalistische) Zirkel gilt
ich seh das umgekehrt: du äußerst oft ein privatverständnis von christentum, das dem, was in den kirchen gelehrt (und praktiziert wird) nicht entspricht. von dem, was hier im forum geäußert wird (das meinst du ja wohl mit "katholischen und fundamentalistischen Zirkeln", auch wenn es da in der regel nicht katholen, sondern evangelen sind, die sich am fundamentalistischsten hervortun), mal ganz zu schweigen
wo, bitte, werden in der bibel, und sei es auch in der bergpredigt, dem menschen würde und rechte aus sich heraus zugesprochen?
es bleibt doch immer beim letztbezug auf die göttliche autorität, die über allem steht. auch jesus ist doch "gekommen, um uns zu erlösen" - der mensch besitzt also seine würde nicht aus sich heraus, er muß erst durch göttlichen gnadenakt zu dieser geführt werden
ein mensch, dessen würde unantastbar ist, kann nicht auf "erlösung" usw. durch andere angewiesen sein. seine würde wäre auch durch einen "gott" unantastbar, und sei dieser auch de facto gewalt- und machthaber über den menschen, etwa durch jüngste gerichte etc.
wohlgemerkt - ich rede hier vom grundsätzlichen anspruch auf würde und rechte. schon klar, daß dieser realiter auch durch säkulare instanzen und machthaber mit füßen getreten wird, da hat die religion keine sonderstellung. ich behaupte aber weiterhin, daß die religion schon im grundsatz eine unantastbare menschenwürde aus sich heraus ablehnt, ja ablehnen muß - denn die hätte ja auch und vor allem ohne oder gar im widerspruch zu gott bestand
(14-05-2012, 23:35)Ekkard schrieb: So verstehe ich auch, wieso du die Menschenrechte "als nicht auf dem Mist der Religionen gewachsen" betrachtest
der ganze mist, den die christliche kirche über die jahrtausende produziert hat, düngt natürlich auch heute noch unsere kultur - das ist nicht abzustreiten. daß aber das christentum nicht aus unserer kulturgeschichte wegzudenken ist und natürlich auch seinen einfluß auf nichtkirchliche denker und vorstellungen hat(te), bedeutet nicht, daß es für alles, das unsere kultur hervorgebracht hat, auch ursächlich verantwortlich wäre
(14-05-2012, 23:35)Ekkard schrieb: Lies den Wiki-Artikel über die Wurzeln dieser Rechte oder vergleiche die Schlagworte der französischen Revolution mit Teilen der Bergpredigt, dann wird klar, dass die geistesgeschichtliche Entwicklung sehr wohl auf dem "Mist der Religion" beruht.
zum einen machst du es dir zu leicht, wenn du aus dem großen, dicken buch ein paar zeilen herauspickst, die zufällig was ähnliches sagen oder so interpretiert werden können. denn das gilt für so ziemlich alles, auch und gerade die menschenwürde verachtendens
zum anderen würde ich gerne am konkreten beispiel diskutieren, wie da die menschenwürde und -rechte in der bergpredigt begründet werden. kannst ja mal die stelle zitieren, die du meinst
(14-05-2012, 23:35)Ekkard schrieb: Was soll denn "aus sich heraus" das Besondere sein
das fragst du allen ernstes?
schau dir doch an, wie der mensch in bibel, theologie und kirchenpraxis so gut wie ausschließlich als verfügungsmasse gottes gesehen wird
(14-05-2012, 23:35)Ekkard schrieb: Das religiöse Vokabular mag ja etwas sperrig sein, aber ein Wesen (der Mensch), das berufen ist "ebenbildlich zum Ewigen" - also schöpferisch - tätig zu werden, das durch seine eigene, innere Gesetzlichkeit gerecht ist und Rechte respektiert, kann konzeptionell nichts anderes wollen, als das, was in der Menschenrechtskonvention formuliert wurde
dein privates religiöses vokabular scheut vor allem wie der teufel das weihwasser den begriff "gott", auf den aber die religion alles zurückführt - und nicht auf einen schöpferischen, innergesetzlich gerechten menschen
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)


