(11-01-2013, 08:13)Flat schrieb: Nahezu jedes Buch ist interpretierbar. Macht das alle Bücher gefährlich?
Natürlich nicht. Aber im Gegensatz zu anderen Büchern verlangt die Bibel vom Leser erstens ein moralisches Verhalten, und droht zweitens mit spekulativen, im Wahrheitsfalle aber fürchterlichen, Strafen, falls man nicht alles kritiklos übernimmt. Deswegen sind ungute Verhaltensweisen, wenn sie der Bibel entnommen sind (zum Beispiel Schlagen von Kindern) nicht nur als Schuld der Leser anzusehen, sondern indirekt auch von den Schreibern.
In diesem Sinne ist es sogar von Vorteil, wenn sie sich an vielen Stellen widerspricht, weil das ihre Glaubwürdigkeit auf den Prüfstand stellt.
Andere Bücher dagegen sind meistens Belletristik oder Sachbuch. Sachbücher stellen meistens keine Forderungen, und wenn doch (zum Beispiel als Gesetzbuch), drücken sie sich klar und unmissverständlich aus; falls nicht, sind sie dilettantisch geschrieben, und man kann eine Alternative suchen, die denselben Sachverhalt besser beschreibt.
Belletristik dagegen kann gut oder schlecht geschrieben sein; man kann das Verhalten der Protagonisten vorbildlich finden oder nicht; aber die Belletristik erhebt keinen Anspruch auf irgendeinen Wahrheitsgehalt (im Gegensatz zu religiösen Schriften), sondern gibt zu, dass ihre Handlung der Phantasie des Autors entspricht.

