08-11-2013, 00:18
(07-11-2013, 21:18)Klaro schrieb: Ich war ziemlich erstaunt, als ich las, daß Gandhi`s Idee, gegen Hitler gewaltfrei vorzugehen, ihn mit Spiritualität zu überzeugen, wirklich in seinen Gedanken zu finden war. Selbst später, als ihm von den Verbrechen berichtet wurde, meinte er, daß er es geschafft hätte, ihn zu überzeugen, von der Gewalt zu lassen.Ich denke, hier wird die historische Situation Gandhis vielleicht auch von ihm selbst irrig eingeschätzt. Die Befreiung Indiens von den Briten, ist von einem ganz anderen Kaliber als der Genozid an Juden, Roma etc. Die Briten waren keine fanatischen, ideologisierten Menschenhasser wie Hitler und Co. Gandhi hätte in Deutschland nur Erfolg gehabt, wenn er die Diffamierungen und Demütigungen Deutschlands durch die Siegermächte des 1. Weltkrieges durch das Aufrichten des Volkes so hin bekommen hätte, wie in Indien gegen die Briten. Hitler war die Weltmeinung vollkommen gleichgültig, gemessen an seinen wahnhaften Idealvorstellungen eines Herrenvolkes - im Gegensatz zu den Briten in Indien.
(07-11-2013, 21:18)Klaro schrieb: In der Bibel steht, daß man, wenn man geschlagen wird, noch die anderen Seite hinhalten soll, damit sich jemand so richtig austoben soll, weil: er wird dann irgendwann sein Gewissen spüren und von selbst aufhören.Das ist historisch zu verstehen. Palästina war besetzt. Die römischen Legionäre hatten das Recht, die Einheimischen zu gewissen Hilfsleistungen heran zu ziehen z. B. das Gepäck eine Meile tragen zu helfen. Dies konnte durch einen Backenstreich auch erzwungen werden. Das ist eine recht demütigende aber geregelte Verhaltensweise, auf die Jesus als ein Beispiel Bezug nimmt.
Man kann dieser Demütigung durch eine gewisse innere Freiheit begegnen, in dem man die Regelbefolgung übertreibt. Geh' eine zweite Meile mit, halte eventuell die andere Wange hin, heißt, setze den Legionär ins (römische) Unrecht. Mache klar, dass hier eine Verletzung der Menschenwürde stattfindet.
(07-11-2013, 21:18)Klaro schrieb: Empfindet der Feind dann diese Art der Gegenseite nicht als Schwäche? Wer sich ewig schlagen läßt, der kann dem Gegner nicht unbedingt ein gute Gefühl der Gleichwertigkeit vermitteln.Nicht unbedingt. Es kommt auf die Situation an. Im Falle der an sich (römisch) zivilisierten Legionäre war es eine Möglichkeit, sich selbst Haltung zu bewahren. Ob einem Dietrich Bonhoeffer diese Haltung genutzt hat, wage ich zu bezweifeln. Aber: Regime und Ideologie haben sich damit für alle Zeiten ins menschliche Abseits manövriert (auch wenn diese widerliche Denke immer wieder aufflammt).
(07-11-2013, 21:18)Klaro schrieb: Wie sieht es heute mit der Idee der Gewaltlosigkeit eines Mahatma Gandhi aus?Die Art von Gandhis politischer Macht beruht auf "Gütekraft", die geschickt die politische Situation ausgenutzt hat. Dazu bedarf es ungeheuer starker Persönlichkeiten, die bereit sind, ihr Leben in spektakulärer, sichtbarer Weise vor den Augen der Welt tatsächlich hinzugeben, damit das Volk "passiven Widerstand" leistet.
Ein unbekannter Toter durch die britische Kolonialverwaltung wäre in dieser Beziehung wertlos gewesen.
(07-11-2013, 21:18)Klaro schrieb: Wie hätten unsere Vorfahren überlebt, wenn sie sich nicht gewehrt hätten?Oh, das ging und geht sehr gut - in Gesellschaft! Eine starke Gesellschaft kommt weitgehend ohne physische Gewalt aus. Nur, einem stumpfsinnigen Barbaren mit leerem Bauch kann man so nicht begegnen. Aber vielleicht kann man ihm und seiner Sippe etwas zu Essen und ein Dach über dem Kopf verschaffen. Manchmal hilft das. Das Problem sind Massen mit leerem Bauch!
(07-11-2013, 21:18)Klaro schrieb: Wie hätte Stalin reagiert, wenn man ihm angeraten hätte, die Menschen nicht umzubringen, die im Gulag durch die Hölle gegangen sind?Stalin war schlicht paranoid. Der hat jeden umbringen oder verschwinden lassen, der ihm "verdächtig" vorkam, besonders jene, die mal im Ausland waren. Solche Stalins kann man nur verhaften und einsperren oder liquidieren. Das muss nur durch mutige Richter und Vollzugsbeamte rasch und rechtzeitig geschehen. Das Dumme war nur, das Volk wollte den starken Führer. Damals war eben Faschismus in allen Völkern Europas angesagt.
(07-11-2013, 21:18)Klaro schrieb: Ist es heute anders ? Kann man Diktatoren mit friedlichen Mitteln besiegen oder erledigt das die Geschichte selbst, so in der Art: Kommt Zeit, kommt Rat ?Jedenfalls nicht so, wie das heute versucht wird: Jahrelange Infiltration, Waffenlieferungen, undurchsichtige Geschäfte, ..., und wenn dann das Volk aufbegehrt, schickt man Soldaten? Mehr politischen Murks kann man kaum machen! Deshalb ist das auch gar keine echte Frage.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Ekkard

