10-03-2014, 20:23
(10-03-2014, 19:22)Gundi schrieb: Davon abgesehen liegt die moderne Glaubensbetrachtung, laut der Argumente die da kommen, meinem Verständnis nach oftmals gar nicht so weit vom Atheismus entfernt, da die Existenz übernatürlicher Wesen als nicht gegeben angesehen und Glaube/Religion nur auf ihren praktischen Nutzen hin gesehen wird.
Das ist ja auch legitim
das ist legitim, richtig
und da sehe ich doch eine eher gemischte bilanz des "praktischen Nutzens", der ja, konkret und mit bezug auf z.b. ekkards "moderne Glaubensbetrachtung" formuliert, sich im gesellschaftlichen miteinander zu erweisen hat
ja, die berufung auf mythen - seien sie religiöser oder säkular ideologischer natur - ist identitätsstiftend und und somit schon einmal ganz gut geeignet für eine förderung des gedeihlichen miteinanders. mythen aber entziehen sich nun mal per se einer rational faktischen betrachtung, eine solche wäre ein kategorienfehler
und das ist leider oft der moment, wo das ganze kippen kann. entzieht sich der ausgangspunkt (hier: die mythen) dem faktencheck, kann man diesen von den daraus abgeleiteten regeln auch nicht verlangen. dann steht halt aussage gegen aussage, und das wort der hardliner der "rechten lehre" gilt nicht weniger als das der bedächtigeren, nur daß die ersteren halt über die spitzeren ellenbogen verfügen und diese auch einsetzen
deshalb halte ich eben die berufung auf transzendente grundlagen, wie formal auch immer verstanden, für eine grundsätzliche schwäche gesellschaftlicher konzepte. wir sollten uns eher darauf verständigen, daß das gesellschaftliche miteinander auch unabhängig von transzendent begründeten idealen organisiert werden muß auf der basis einer maximalen teilnahme und interessenberücksichtigung aller - auf dem wege eines immer wieder neu zu verhandelnden konsens
das ist mühsam, kann uns aber nicht erspart bleiben, wenn wir die aufforderung zu einem gedeihlichen miteinander ernst nehmen. eine persönliche religiöse überzeugung muß dem keineswegs im wege stehen, in einer generellen berufung auf eine solche sehe ich aber, wie ausgeführt, auch mögliche gefahren
anders gesagt: ein soziales modell, das was taugt, muß auch ohne transzendente begründung funktionieren
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)

