(18-07-2014, 13:18)Sinai schrieb: Aber ehrlich gesagt wurden und werden auch wertlose Bücher gedruckt und lagen und liegen in der NB auf.
Das ist ein zunehmender Trend. Eine ISBN zu bekommen und ein Buch im Selbstverlag zu veroeffentlichen ist so billig wie noch nie. Amazon macht damit gute Geschaefte.
(18-07-2014, 13:18)Sinai schrieb: Jetzt kommt das große "Aber"
Forscher müssen auch leben, haben Familie, müssen Wohnung und Kleidung kaufen. Forscher opfern tausende Stunden ihrem Forschungsgegenstand. Kein ernsthafter Forscher ist so blöd, seine Erkenntnisse vor die Schweine zu werfen. Er stellt das nicht gratis ins Internet, er füttert nicht das Wikipedia.
Das mag in manchen Fachgebieten so sein, wenn es um Buecher geht, aber ansonsten ist das eine falsche Vorstellung davon, wer hier das Geld verdient. Ich kann Dir sagen, dass, was wissenschaftliche Artikel in meinem Fachgebiet angeht, weder mein Broetchengeber, meine Mitautoren noch ich irgendeinen Cent dafuer sehen. Ganz im Gegenteil, meist muss man fuer die Veroeffentlichung noch bezahlen, was frueher z.B. dazu fuehrte, dass viele wissenschaftliche Artikel als "Werbung" gekennzeichnet werden mussten.
Selbst bei Buechern in meinem Fachbereich gibt es selten irgendein Honorar fuer's Schreiben. Man bekommt ein paar Freiexemplare. Manchmal gibt's fuer ein Kapitel kleinere Betraege. Irgendein Verlag hatte mir mal $300 angeboten (habe ich aus Steuergruenden abgelehnt), und die Royal Society gab einen Buchgutschein ueber etwa 120 GBP (weiss den genauen Betrag nicht mehr).
Im Prinzip ist es aber so, dass ein Gutteil dieser Forschung aus Steuermitteln bezahlt wird. Buecher sind eine Ausnahme, da mein Arbeitsvertrag das Schreiben von Buechern waehrend der Arbeitszeit untersagte, aber fuer Artikel gilt, dass z.B. alle wissenschaftlichen Artikel, die irgendwie mit US-Steuermitteln mitfinanziert wurden, frei zugaenglich gemacht werden. Die bekommt man z.B. auf PubMed Central umsonst. Die Verlage, die die einzigen sind, die an dem Zirkus verdienen, haben sich nach langem Kampf dazu bereiterklaert, die Artikel nach 6 Monaten zugaenglich zu machen.
(18-07-2014, 13:18)Sinai schrieb: Die Leute jedoch, denen vom Computerhandel eingeredet wurde, daß sie kostenlos im Internet Forschungsarbeiten lesen können und in Foren "mit Fachleuten auf Augenhöhe diskutieren" können, sind auf dem Holzweg.
Das ist in dieser Pauschalitaet nicht wahr. Es gibt eine ganze Reihe von Forschern, die aktiv in der Blogosphaere taetig sind und mit denen man diskutieren kann. Das kostet aber mehr Zeit, als nach was es aussieht, weil man mit dem ganzen Muell (Spam, User mit Verhaltensstoerungen) umgehen muss.
(18-07-2014, 13:18)Sinai schrieb: Kein ernsthafter Forscher stellt sein Werk kostenlos ins Internet ! Das machen Dilettanten und selbsternannte Möchtegern-Forscher, das sind meist Kurpfuscher...
Das stimmt so auch nicht. Es gibt eine ganze Reihe ernsthafter Forscher, die ihre Artikel nach Ablauf der "Schonfrist" auf der eigenen Website zum kostenlosen Download bereitstellen. Das sind allerdings nur Wenige. Ich mach's auch nicht, allerdings gibt's alles, woran ich mitgewirkt habe und was die Verlage bereitstellen muessen, auf PubMed Central.
(18-07-2014, 13:18)Sinai schrieb: Wertloses Zeug halt, das kein Verlag drucken will.
Das ist so auch nicht immer richtig, und in manchen Faellen ist das Internet das bessere Medium. Die beste palaeontologische Seite im Netz war vor 10 Jahren eine, die, was Tetrapoden angeht, von einem Juristen betreut wurde. Viele Forscher hatten ihn auch mit Material versorgt, weil sie den Service gut fanden, und die Seite wurde auch in Uni-Kursen verwendet. So etwas aufrecht zu erhalten ist aber eine Menge Arbeit fuer einen berufstaetigen Amateur. Die Seite ist immer noch gut, aber koennte etwas Arbeit vertragen.
(18-07-2014, 13:18)Sinai schrieb: Einzige sinnvolle Möglichkeit wäre 1.) Kostenpflichtige Seiten. 2.) Teilnahme in wirklichen Fachforen Die gibt es wirklich. Aber da kann nicht Hinz und Hunz mitreden, ist doch klar.
Siehe Ekkard oben. Spektrum hat eine solche kostenpflichtige Seite. Was Fachforen angeht, geben Dir manche eine Chance, wie Listserver, wo ein Moderator Posts von Nichtfachleuten freischaltet. Bei manchen darf man eventuell mitlesen, aber nicht mitreden.
(18-07-2014, 13:18)Sinai schrieb: Völlig aussichtslos ist jedoch der Versuch, sich kostenlos und bequem vom Wohnzimmer aus mittels Bildschirm zu "informieren"
Kommt darauf an. Aeltere Buecher, wie das, was Du von Sigmund Freud angesprochen hattest, gibt's durchaus kostenlos im Internet, von ganz offiziellen Quellen. Ich hatte zwar nur die englische Ausgabe gefunden, aber die tat's auch. Allerdings geht's in diesem Thread eher um Angebote, die die Info verstaendlich aufarbeiten.

