22-03-2015, 18:18
(21-03-2015, 22:31)Ulan schrieb: ... urspruenglichen Ansatzpunkts dieses Threads ... Da geht es bei Bildung um Schulbildung, und die Studie unterscheidet zwischen "kein Abschluss", "Highschool"-Abschluss (also sozusagen Gymnasium), "etwas Universitaetsausbildung", "Hochschulabschluss" und "weiterfuehrender Abschluss" (Doktor oder aehnliches), und da nimmt Religiositaet in dieser Richtung ab. Das hat wohl damit zu tun, dass wissenschafltiche Denkmuster sich auch auf andere Bereiche des Lebens uebertragen, und da werden halt auch vorher fraglos akzeptierte Traditionen haeufig einer Befragung unterzogen und gegebenenfalls verworfen, wenn sie als haltlos erfasst werden.
Ich weiß nicht, was solche Frageaktionen (Studien) wirklich zum Vorschein bringen. Meine Erfahrung ist, dass sie eine differenzierte Auskunft überhaupt nicht zulassen. Es ist richtig, dass man mit zunehmender Erfahrung lernt, dass religiöse Mythologie einschließlich mythischer Figuren und Orte nur Sprachsymbole tiefer liegender Problemfelder sein können. Man verlernt die vorbehaltlose Akzeptanz dessen, was man als "fromm" bezeichnen könnte. Und in dem Sinne kann ein gebildeter Mensch nicht religiös sein, ohne in Selbstwidersprüche zu geraten. Es ist die ungeheure menschliche (humane), soziologische, psychologische und wissenschaftliche Vielfalt, die das verbietet. Ich vermag daher alle Kritik an der einfachen Mythologie nachzuvollziehen. Aber wir diskutieren die Dinge ja nicht, um Menschen, die nicht durchblicken, zu schockieren, sondern um zu sehen, was wichtig ist und was bleibt. Und die Mythologie ist definitiv nicht wichtig.
Der einfache Gottglaube kann jedenfalls nicht bleiben. Da der Begriff "Gott" als Symbol von Gemeinsamkeit, von der Sehnsucht nach Gerechtigkeit, nach guter Gesellschaft, nach Ganzheit, Zusammengehörigkeit und Rechenschaft ist, sollte man das Wort "Gott" ruhen lassen und die wirklich gemeinten Dinge ansprechen. Sie werden dadurch menschlicher und greifbarer. Klar, sie werden auch angreifbar, aber eben dadurch lebendiger. Religion verliert dadurch ihren leblosen, dogmatischen Regelcharakter zugunsten von Kommunikation.
Obwohl ich in Fragebögen "atheistischer Christ" angeben würde, bin ich in einem bestimmten Sinne religiös, nämlich da, wo es um das Humane in der Gesellschaft geht. Menschen sind, wie alle Lebewesen, verletzlich als Individuum. Die teils irrationalen Re-Aktionen zeigen, dass eine Gesellschaft gut daran tut, diesen Umstand frühzeitig zu berücksichtigen.
Insofern bin ich der Ansicht, dass nur eine bestimmte Art der Religiosität mit zunehmender Bildung schwindet, nicht aber generell - auch wenn Studien etwas anderes zu dokumentieren scheinen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Ekkard

