22-10-2015, 13:58
Was das so bezeichnete (christliche) Abendland angeht, so ist dieser Begriff trotz, oder gerade im Blick auf seine geschichtliche Bedeutung und vor allen Dingen Wandlung schon immer ein Kampfbegriff gewesen. Auch wenn heute wieder eher im wortherkunftlichen Sinne verankert - wobei es wie gesagt logisch gesehen ein westliches Land überhaupt nicht gibt - so wurde der Begriff schon immer dazu verwendet, um sich gegen andere kulturelle Strömungen abzugrenzen und eine Verteidigungsstellung gegen einen propagierten Angriff auf die vermeidliche eigene Kultur zu zeichnen. Ob es nun gegen den Kommunismus ging, die amerikanische Kultur, die „satanistische“ freiheitliche demokratische Gesellschalt, oder heute mal wieder gegen den Islam. Der Begriff erfreut sich immer dann wieder größerer Popularität, wenn der Einfluss Andersdenkender vermeidlich zu einer fatalen Abkehr von der eigenen Lebensweise führen wird. Und damit ist und war es schon immer ein Kampfbegriff. Wir gegen die. Aktuell wird da dann das christliche als zentraler Aspekt des Abendlandes wieder in den Vordergrund gehoben, was zum Einen tendenziell Amerika wieder mit einschließt, zum Anderen aber auch gezielt als Gegenpol zum Islam gebracuht wird. Und natürlich ist es fremdenfeindlich. Was ist es denn sonst, wenn man gegen das Fremde, den Islam und gegen jeden, der in Gedanken diesen Stempel auf der Stirn hat aufbegehrt? Man kann es sich natürlich schön reden, und sagen, man will die eigene Kultur schützen. Aber andere aufgrund ihrer Kultur, ihrer Fremdheit abzulehnen ist nun einmal der Innbegriff der Fremdenfeindlichkeit. Das ist das was Fremdenfeindlichkeit ausmacht. Sicher wohnt dem Islam stärker noch als dem Christentum ein mit dem Grundgesetz und Menschenrechten nicht vereinbares Frauenbild inne. Aber dagegen muss man etwas tun, und nicht gegen die Menschen. Und natürlich haben Politiker Angst angesichts der ungebildeten Massen von Menschen, die sich aus Fremdenfeindlichkeit zusammen rotten. Das ist eines der wenigen Dinge bei denen wir aus der Geschichte gelernt haben.
Im Übrigen, das größtenteils friedliche Europa ist aus einem größtenteils durch und durch verfeindetem Europa auf Basis militärischer Eroberung und anschließender wirtschaftlicher Verflechtung freiheitlich demokratischer Staaten entstanden. Die christliche Kultur hat ursprünglich nicht anders ausgesehen, als das, was wir von den „islamischen Morgenländern“ sehen.
Im Übrigen, das größtenteils friedliche Europa ist aus einem größtenteils durch und durch verfeindetem Europa auf Basis militärischer Eroberung und anschließender wirtschaftlicher Verflechtung freiheitlich demokratischer Staaten entstanden. Die christliche Kultur hat ursprünglich nicht anders ausgesehen, als das, was wir von den „islamischen Morgenländern“ sehen.

