(21-02-2017, 13:41)Sinai schrieb: Gott IST das Schlechte Gewissen.
Muss man dafuer eine solche Zuschreibung machen?
Ich sehe natuerlich als eine Moeglichkeit, dass man Gott im abstrakten Sinne als das menschliche Element begreift, dass sich ethisch und moralisch "gut" verhaelt, wobei man "gut" erst noch definieren muesste (dazu gibt's ja entsprechende Threads). In so einem Fall, frage ich mich allerdings, ob man diese Umschreibung eigentlich braucht oder nicht genau so gut ohne sie auskommt.
Die Auffassung der Westkirchen dazu ist natuerlich, dass der Mensch von Grund auf schlecht ist, via Erbsuende. Wenn "Gott" dann das schlechte Gewissen ist, wird dem Menschen so quasi die Faehigkeit abgesprochen, von sich selbst aus gut zu handeln - was ich als ziemlich pessimistisches Menschenbild ansehe - und im Prinzip wird gutes Handeln auch nicht belohnt, da das ja dann keine Eigenleistung ist, sondern von aussen angestossen (Gott). Aus diesem verqueren Denken stammt auch die Behauptung vieler Glaeubiger, ohne Glaube an Gott gebe es keine Moral oder keine Ethik, da Gott ja die Moral oder Ethik is. Da faehrt die ganze Argumentation aber vor die Wand, da unser Leben ja das Gegenteil beweist.
Das gilt fuer die Liebe aehnlich. Brauchen wir unbedingt eine transzendente Ursache dafuer? Trauen wir wirklich dem Menschen nicht zu, dass er das von sich aus erlebt? Ich kann schon verstehen, dass man nach einer aeusseren Ursache sucht, wenn man bedenkt, dass sich ja niemand bewusst entscheidet, sich zu verlieben (oder zumindest kenne ich keinen solchen Fall). Das tangiert aber wiederum eher die Frage, ob wir wirklich so frei entscheiden koennen, wie wir denken; und in diesem Fall sind wir tatsaechlich eher "Opfer" unserer Gene und Hormone.


