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Religion und Psychoanalyse
#10
(06-05-2017, 23:17)HJS6102 schrieb: Bei welchen Symptomen bzw. beim Vorliegen welcher Kriterien geht man von einer Behandlungsbedürftigkeit aus?

´Behandlungsbedürftigkeit´ ist im psychologischen Bereich ein dehnbarer und mit Vorsicht anzuwendender Begriff. Klare Kriterien sind meiner Meinung nach (1) der subjektive Leidensdruck einer Person und/oder (2) objektiv antisoziale Verhaltensweisen seitens einer Person, die auf einer Neurose oder Borderline-Störung oder Schizophrenie basieren. Offen antisoziale Effekte sind hauptsächlich von Borderline- und Schizophrengestörten zu erwarten, Neurosen sind mehr privater Natur. Ein subjektiver Leidensdruck, verbunden mit der Einsicht in die Notwendigkeit psychologischer Hilfe, ist eine Voraussetzung für ein positives Therapieresultat, die bei Borderline- und Schizophreniegestörten aber eher selten gegeben ist.

Vorgesagtes gilt ganz allgemein, also auch für Neurosen, die einen deutlich religiösen Kontext haben. Das religiöse Weltbild einer Person darf nicht per se schon Kriterium für Behandlungsbedürftigkeit sein; erst wenn der subjektive Leidensdruck zur Einsicht in die Behandlungsbedürftigkeit führt und/oder wenn sich die Person objektiv antisozial verhält, ist die Person bzw. ihre Symptomatik als behandlungsbedürftig einzuschätzen.

Natürlich ist auch der Begriff des ´objektiv Antisozialen´ mit Bedacht anzuwenden. Gesellschaftliche Regeln und Werte sind weitgehend kulturabhängig. Was in einer Kultur sozial ist, mag in einer anderen antisozial sein. Naheliegendes Beispiel sind einige muslimische Verhaltensweisen und Anschauungen, die den juristischen und moralischen Kriterien im menschenrechtlich ausgerichteten westlichen Kulturkreis klar zuwiderlaufen. Ich nenne nur die Frauenunterdrückung. Ist eine solche Haltung und Praxis, inbesondere vor dem Hintergrund der grund-islamischen Dichotomie von Gut (Allah) und Böse (Satan), als geistig-seelisch gesund anzusehen oder nicht? In Europa ist es gegenwärtig verpönt, diese Frage zu verneinen. Ich persönlich verneine sie. Argumente dafür gibt es zuhauf. Die Frage der Behandlungsbedürftigkeit stellt sich hier aber auf einer ganz anderen Ebene, da - psychoanalytisch gesehen - nicht das einzelne muslimische Subjekt, sondern sein Weltbild ´pathologisch´ ist. Dieses Weltbild beruht der Ideologie des Mohammed, die im Koran schriftliche Gestalt angenommen hat. Ab 610, ab seinem 40. Lebensjahr, kam es bei Mohammed zu einschneidenden Veränderungen in seiner Persönlichkeit. Er verfiel körperlich, vernachlässigte sein Äußeres, aß kaum etwas, irrte im mekkanischen Umland umher und behauptete, von "Visionen" heimgesucht und von schreienden Felsen und Steinen bedroht zu werden. Man sah ihn, vor Angst schlotternd, in Höhlen herumsitzen. Kurz bevor er sich aus Verzweiflung von einem hohen Felsen stürzen wollte, hörte er jemanden, der sich "Allah" nannte, zu ihm sagen, dass er erwählt sei, die "Wahrheit zu verkünden".

Schon Theophanes Confessor, ein byzantinischer Historiker um 800 CE, vermutete eine epileptische Erkrankung bei Mohammed, da nicht nur Halluzinationen, sondern auch die überlieferten körperlichen Begleiterscheinungen von Mohammeds "Visionen" für Epilepsie typisch sind. Moderne Theorien erwägen als Ursache eine Temporallappenepilepsie oder Dysfunktionen des retikulären Systems im Zwischenhirn oder Acromegalie mit einem guten Schuss Paranoia. Diese Acromegalie (= Gigantismus) entsteht durch einen Tumor in der Hypophyse unterhalb des Gehirns und führt zu starken Störungen des Hormonhaushalts und die wiederum zu Halluzinationen und physischen Symptomen, wie sie bei Mohammed vorlagen.

Möglicherweise war bei Mohammed aber eine nicht physiologisch bedingte Schizophrenie gegeben, die zu Wahnvorstellungen führte, wie sie heutzutage aus zahllosen klinischen Fällen bekannt sind. Man nennt das eine "paranoide halluzinative Schizophrenie". In vielen Fällen geht diese Erkrankung mit der Fähigkeit einher, sich im Alltag durchaus normal bzw. den Konventionen der Umgebung entsprechend zu verhalten und zu behaupten. In Phasen des psychotischen Schubs können sich abgespaltene Persönlichkeitsanteile als vermeintlich externe Stimmen manifestieren (bei Mohammed zunächst Allah und dann, während der Koran-Diktate, der Erzengel Gabriel), die für den Betroffenen absolut echt wirken. Nicht nur die Stimmen, sondern auch die mitgeteilten Inhalte sind dann nur Produkte des eigenen Unbewussten.

Auch neurotische und Borderline-Elemente sind im Islam erkennbar, wenn man ihn durch die atheistisch-psychoanalytische Röntgenbrille betrachtet. Die massive Gut-Böse-Dichotomie ist typischerweise ein Borderline-Symptom, wie ich a.a.O. schon schrieb. Die diversen Rituale sind ähnlich wie zwangsneurotische Symptome Abwehrmechanismen gegen andrängende Schuldgefühle, die aus unbewussten Wünschen und Phantasien resultieren, die dem islamischen Dogma zuwiderlaufen.

Die gleiche Problematik findet sich natürlich auch in den beiden anderen monotheistischen Religionen, auf denen der Islam bekanntlich basiert. Nehmen wir vor allem das Christentum zu der Zeit, als es sich noch frei entfalten, d.h. den ihm angelegten Sadismus und Masochismus, basierend auf einigen Aussagen im NT und auf den Lehren des Augustinus, uneingeschränkt ausleben konnte. Wir sollten das Christentum nicht nach seiner heutigen Erscheinungsform beurteilen, sondern nach seiner Entwicklung bis zur Zeit der Aufklärung. Denn wie heißt es so schön in Mt 7,16:


Zitat:An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.


(06-05-2017, 23:17)HJS6102 schrieb: Wenn es in der psychoanalytischen Literatur so viele Stimmen gibt, die Religiösität als ein psychisch erklärbares und teilweise sogar behandlungsbedürftiges Phänomen darstellen, warum wird dies in der Öffentlichkeit nicht viel stärker publiziert? Fürchtet man die Reaktion entsprechend einflußreicher Interessengruppen oder gibt es erhebliche fachliche Gegenmeinungen?

(1) ´Religion´ ist kein einheitliches Phänomen. Zwischen dem Buddhismus und dem Monotheismus liegen Welten.

(2) Die religionskritischen psychoanalytischen Untersuchungen sind der Öffentlichkeit ungehindert zugänglich. Bekannt ist vor allem Freuds Ansatz, während Reik, Jones, Rank, Fromm usw. eher in Fachkreisen geläufig sind. Das liegt natürlich am inhaltlichen Anspruch der Texte, die gute psychoanalytische Grundkenntnisse voraussetzen.

Irgendwelche "Reaktionen" von Interessengruppen sind dabei kein Thema. Worin sollten diese bestehen, und welche Gruppen meinst du? Vermutlich die Kirchen, die aber keinen Einfluss auf die Programme wissenschaftlicher Verlage haben. "Erhebliche" fachliche Gegenmeinungen? Da wäre als Stimme von einigem Gewicht höchstens C.G. Jung zu nennen, der Religion nicht per se, wie Freud, sondern nur unter bestimmten Bedingungen als pathologisch ansah. Nun ist aber auch Jungs eigener Ansatz sehr umstritten, ich selber halte nicht viel davon.
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Religion und Psychoanalyse - von Tarkesh - 06-05-2017, 15:12
RE: Religion und Psychoanalyse - von Ekkard - 06-05-2017, 16:26
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