20-11-2019, 16:35
(19-11-2019, 20:39)Gundi schrieb:(16-11-2019, 17:01)Holmes schrieb: Wir haben sehr gute Gründe anzunehmen, dass es eine prinzipelle Grenze menschlichen Erkenntnisvermögens gibt, die [/font][/size][/color]nicht identisch mit der Grenze der Wirklichkeit "an sich" ist, so dass wir das geschilderte Dilemma nicht wirklich befriedigend dadurch lösen, indem wir so tun, als gäbe es diese Divergenz nicht.
Warum sollte es eine solche Divergenz geben? "Erkenntnisvermögen" würde ich in diesem Falle lediglich als "mit der Welt interagierend" beschreiben und das tut der Mensch ziemlich erfolgreich. Sei es durch seine Sinne oder Messinstrumente.
Ob es die "Welt an sich" gibt ist auch eigentlich egal, da wir alle Phänomene in ihr in menschengerechte Sprache (Mathematik, Naturwissenschaften) transkribieren. Der Mensch hat sich damit einen Zugang zur Welt und den in ihr ablaufenden Vorgängen geschaffen und erklärt sie nur für sich (für wen auch sonst).
(16-11-2019, 17:01)Holmes schrieb: Bei dem Betrag ging es zwar um den Naturalismus, aber viele der Dogmen bzw. Weltanschauungen des Naturalismus decken sich mit der Methode der Naturwissenschaften, denn auch sie muss, wie ich sie genannt habe Konventionen eingehen und kann deswegen nicht frei von einer Weltanschauung agieren.
Du fasst "Weltanschauung" zu weit. MMn. beinhalten Weltanschauungen eine moralisch-ethische Ebene mit normativen Aussagen. Und eine solche wird von den Naturwissenschaften nicht getroffen. Axiome sind keine Weltanschauung sondern eher Ordnungselemente.
Und diese Ordnungselemente, wie du sie nennst, haben keinen Wert? Was sollen sie "ordnen"? Den Erfolg den du ansprichst, den sehe ich praktisch gesehen natürlich auch, denn mir fällt keine andere Methode ein, die praktisch geeigneter wäre die Welt zu beschreiben, als die Naturwissenschaften, aber in deiner Aussage steckt eine Wertaussage -> Es ist egal wie die Welt an sich ist, denn praktisch funktioniert die Naturwissenschaft. Das ist schon ein Bekenntnis dazu, dass wenn man die Methode beschreiben will, die praktische Anwendung wertvoller als die weniger praktische ist.
Ich stimme euch ja zu, dass die Methode eine sehr praktische ist, aber die Praxis sagt nichts über ihren Wahrheitsgehalt aus, sondern wir können sie nur für "wahr" halten, wenn wir einen Wert in unsere Axiome legen.
Ekkard schrieb:So wird meine Verwirrung nicht behoben! Die ganze Wert-Dabatte fühlt sich "falsch" an. Ich weiß doch, dass die Annahme "Raum und Zeit existieren" nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, sondern mit unserer Kommunikation. Die Axiome dienen dazu, dass meine Gesprächspartner wissen, wovon wir reden.
Es gibt sonst überhaupt keine Begründung für Axiome!
Hier fällt doch einem sofort auf, dass ein Wert enthalten sein muss? Ich lege Wert darauf, dass mein Gesprächspartner mich verstehen kann. Du sagst es gibt sonst keine Begründung für Axiome, aber diese Begründung enthält doch schon eine Wertaussage. Das mein Gesprächspartner mich verstehen soll, basiert doch darauf, dass ich praktisch etwas erreichen will. Ich lege also Wert darauf, dass es praktisch funktioniert. Wie funktioniert das ohne Wert?
Geobacter schrieb:Holmes hat sich daran festgebissen, dass Axiome eigentlich nur das selbe wären wie die Dogmen der verschiedenen Religionen. Vielleicht sollte ihm jemand jetzt mal erklären, dass Axiome aber in etwa das selbe sind wie der feste Boden unter unseren Füßen.
Die Dogmen der verschiedenen Religionen sind nicht dasselbe wie die Axiome der Wissenschaft, dass hab ich aber auch schon deutlich gemacht. Sie unterscheiden sich in der Praxis, außerdem sind religiöse Dogmen meistens logisch inkonsistent und haben somit nicht mal einen Anspruch darauf Axiome genannt werden zu können. Wären sie logisch konsistent, was auch eine Wertforderung impliziert, denn wieso sollte etwas logisch sein müssen, dann könnte man sie noch in der Praxis vergleichen, was wieder eine Wertzuweisung erfordert.


