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Religionsphilosophie studieren?
#8
Beitrag # 1
(05-02-2020, 14:16)Erina Schutorfki schrieb: Ich bin jetzt bald 40 Jahre alt und überlege mir, ein neues Fernstudium zu machen. Ich würde mich gerne in eine christliche Gemeinde eingliedern und tätig sein. Hier in Frankreich habe ich schon ein paar Jahre als Hilfsaumoniere gearbeitet (unbezahlt) . Aumoniere ist sowas wie ein Kaplan.

Allerdings war ich früher kein Engel. Ich war verhaltensauffällig und hatte schon mit 19 Jahren ein Kind, dass vor allem in PflegeFamilien aufwuchs. Habe ich damit noch irgendeine Chance, meinem Traum nachzugehen? Nützt mir das Studium überhaupt noch etwas?

Würdet ihr so einen Neuanfang wagen? Was haltet ihr davon?


Willkommen im Forum !

Überlegst Du Dir, ein Fernstudium zu machen, oder ein neues Fernstudium zu machen ??
Hast Du denn schon eines gemacht? Welches ?

"Verhaltensauffällig" zu sein muß nicht unbedingt ein Nachteil sein, wenn man es ehrlich sieht. Auch der junge Mozart war verhaltensauffällig
Und wenn ein Mädchen mit 19 Jahren ein Kind bekommt, so ist das beste biblische Tradition

Warum erzählst Du uns das mit den Pflegefamilien ??

Allerdings ist die Frage ob so ein Fernstudium etwas nützt, schwer zu beantworten.

Du sagst, daß Du Dich "gerne in eine christliche Gemeinde eingliedern" willst - in irgend eine die Du Dir dann nach dem Fernstudium suchen willst (durch trial and error) oder schwebt Dir da schon irgend eine spezielle Gemeinde vor ??
Du solltest Dir hoffentlich klar sein, daß ein Studium eine enorme Investition ist (finanziell und Lebensjahre!) die nur dann Sinn macht, wenn es anerkannt wird. Nicht jede "Gemeinde" anerkennt jedes "Studium" - und bei Fernstudien ist das oft noch viel schlimmer . . .
Es wäre schade, wenn jemand einen Haufen Geld und wertvolle Lebensjahre investiert, Tag und Nacht studiert, und dann mit dem Zeugnis abblitzt . . .


Beitrag # 3
(06-02-2020, 07:38)Erina Schutorfki schrieb: . . . Ich bin katholisch und . . .

Jetzt wirst Du schon konkreter, Engelchen Icon_smile
Na dann würde ich an Deiner Stelle die Katholische Kirche befragen, wie sie das sieht. Aber nicht einen Mesner, sondern einen Bischof.
Wie Deine Zukunftsaussichten in der katholischen Kirche sind und ob Du mit diesem Fernstudium etwas anfängst . . .
Wenn sinnlos, dann laß die Finger davon !

Wenn sinnvoll, dann suche um eine Förderung an. Die Kath Kirche braucht ja tätige Menschen

Allerdings solltest Du bei Förderungen - egal ob kirchlich, staatlich oder privat - darauf achten, daß es kein Kredit ist !
Denn immer häufiger sind "Förderungen" gar keine echten Förderungen, sondern materiell gesehen versteckte Kredite - das heißt, wenn jemand die Ausbildung abbricht (weil zu hohe Anforderungen), dann muß er das Geld zurückzahlen !!! Vorsicht !!!

Dann sind Jahre vergeudet worden und der Mensch sitzt auf einem gräßlichen Kredit da, den er nun abzahlen muß

Bei solchen Vertragsmodellen wird das Risiko völlig auf den Schüler abgewälzt - das ist unfair

So etwas beginnt immer lieblich - aber wenn der Schüler dann 2/3 der Ausbildung absolviert hat, steigen plötzlich die Prüfungsanforderungen ins Astronomische. 90 % Durchfallsquote bei Prüfungen sind dann keine Seltenheit und die können dann mit Dir machen was sie wollen

Dann steckt der Mensch mitten in einer halbfertigen Ausbildung und kann nicht vorwärts und nicht zurück

Irgendwie erweckst Du den Eindruck, daß Du Dir nicht völlig klar bist, was Du willst, was auf Dich zukommt und ob Du Dein Fernstudium nutzen kannst. In so einer Situation laß die Finger davon !

Ein Studium ist keine Sonntagswanderung sondern eine Himalaya Expedition und so etwas macht man nicht aus Spaß

--

Ein ganz anderes Thema: ich kenne eine Frau, die ihr Geld "im Gesundheitsbereich" (etwas schwammig definiert) verdient
Sie arbeitet tageweise freiberuflich in einem großen Krankenhaus wo sie eine Randexistenz hat
Sie ist keine Ärztin, keine Krankenschwester, keine Physiotherapeutin - sondern macht halt Dinge auf Werkvertragsbasis und hält die Patienten bei Laune. Massage und Musik, etwas Tanztherapie und Kosmetik und Feng Shui und wie das ganze Zeug so heißt. Sie macht das sehr geschickt, denn die Patienten sind glücklich ("motiviert") und keiner fragt so genau was sie macht und alle sind glücklich mit der lieben Gretl. Die Patienten schätzen ihre "Therapie" und das Spitalsmanagement ist froh darüber.
Jetzt hat sie die Idee, in einer ehemaligen Ostblockstadt ein Fernstudium zu beginnen - ist nicht einmal arg teuer und sie wird Frau Doktor
Aber stell Dir vor in was für Mühlen sie dann gerät. Wenn sie dann ein "Seminar" abhält, wird ihr eine junge freche Krankenschwester vor allen anderen Krankenschwestern die Frage stellen, was für eine "Frau Doktor" sie denn ist - ob sie eine Ärztin ist - oder was ?
Dann muß sie zähneknirschend gestehen, daß sie eine Frau Doktor der Richtung Orchideenstudium ist, und wird ab diesem Zeitpunkt gemobbt werden.
Sie wird Probleme haben, die sie jetzt nicht hat

Ich riet ihr von diesem Fernstudium ab

Solltest Du ernsthaft Interesse an diesem von Dir erwähnten Fernstudium haben, so solltest Du uns nähere Informationen zu diesem wohlklingenden Namen "Religionsphilosophie per Fernstudium" geben

Ob die Kath Kirche überhaupt einen "Religionsphilosophen" duldet ??
Wie gesagt solltest Du zu Deiner Absicherung vorher in der Kath Kirche nachfragen

Klingt sehr interessant, aber wenn sinnlos, dann wäre es schad um Zeit und Geld

Wenn Du keine Stellung (ehrenamtlich oder bezahlt) in der Kath Kirche anstrebst, sondern nur aus Interesse studieren willst, dann würde ich überhaupt kein Studium beginnen. Weder auf der staatlichen Universität noch ein Fernstudium. Da kannst Du gleich selber ein Buch beginnen und Dich von diesem Buch immer weiterhanteln: gute Bücher haben Fußnoten mit Quellenangaben. Wenn Dich eine Passage interessiert, findest Du weiterführende Literatur. Und nach einem halben Jahr hast Du einen Fundus von einem halben Dutzend interessanter Bücher. Dann wirst Du Mitglied in einer öffentlichen Bibliothek und kannst gratis lesen ! Kaufen ist ab einem gewissen Punkt nicht mehr sinnvoll - finanziell und Platzproblem (da platzt Dein Bücherschrank)
Und dann beginnen die elektronischen PDF im Internet. Gratis und manchmal gut (das merkt man eh sofort wenn ein Büchl Ramsch ist)

Ich habe mir ein paar Jahre lang jede Woche ein Buch gekauft (thematisch extrem breit gestreut von Ägyptologie bis Zeitgeschichte) und zwar so: ich schlage das Buch in der Mitte auf !
Vorwort und sonstiger Ramsch interessiert mich nicht. Ebensowenig die Dicke des Literaturverzeichisses (3 weiterführende Bücher sind weit wertvoller als ein Datenfriedhof von 300 faden Schinken die nur dort stehen damit das Literaturverzeichis dicker wird)
Dann lese ich eine Seite in der Buchmitte - und weiß sofort, ob das Buch was taugt.

Abschließend möchte ich noch sagen, daß ein Studium "Religionsphilosophie" nach irrsinnigem Lernaufwand aussieht. Da mußt Du dann 80 % Zeug lernen, das Dich als Christin nicht interessiert. Da mußt Du dann auch altgriechische Philosophien (von denen manche interessant sein mögen aber manche fad und öd sind) und Fernöstliche Religionen samt ihren Religionsstiftern bis ins letzte Detail auswendig lernen -
ein unglaublich breit gestreutes Wissen

Die Kath Kirche braucht Seelsorger, die sich - möglichst praktisch - um die eigenen Leute kümmern.
Ich denke nicht, daß sie Leute braucht, die "Religionsphilosophen" sind - und alle religiös angehauchten Philosophien von Echnaton bis Buddha, von Seneca bis Morus, von Maimonides bis Spinoza auswendig herunterratschen können wie ein wandelndes Lexikon

Aber wie gesagt - ich weiß ja nicht, was Du willst

Solltest Du ein religiöses Sendungsbewußtsein haben (Mission) so wäre "Religionsphilosophie" nutzlos

Solltest Du ein braves Zahnrad der Katholischen Kirche (und es ist immer unklarer was die katholische Kirche ist) sein wollen, dann ist "Religionsphilosophie" ebenfalls nutzlos

Aber ich will Dich keineswegs beeinflussen. Immerhin gibt es mehrere Dutzend Studienrichtungen auf der Welt und nur weil ich unbegabt für organische Chemie bin, darf ich niemand abraten, organische Chemie zu studieren
Jeder Mensch ist anders
Jeder Mensch ist ein Individuum
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