(21-07-2020, 18:29)Ekkard schrieb: . . . Symbol für den wieder austreibenden Baum - kurz: den Lebensbaum.
Das mit dem nordischen Lebensbaum ist nicht auszuschließen (obwohl Karl der Große die Weltesche Ygdrasill zerstörte und den zugrundeliegenden Kult bekämpfte) - aber glaubhafter dürfte das altisraelitische Motiv vom totgeglaubten Baumstumpf sein, aus dessen Wurzeln wieder eine Knospe austreibt (Jesaja 1,11)
"Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht." Jesaja 1,11 (Einheitsübersetzung)
Oder möglicherweise eine Mischung beider Paradigmen. Zur Zeit Karls des Großen war die Kirche im Frankenreich und Italien sehr mächtig, aber nordöstlich von Frankfurt sah es anders aus. Die missionierende Kirche wollte keinen flächendeckenden offenen Konflikt mit der Bevölkerung und respektierte die alten heidnischen Bräuche (soweit nicht offen unchristlich, wie Menschenopfer der Slawen oder Wotankult der Germanen).
Oft wurden Orte und Symbole rezipiert
Auf Hügeln wo seit Menschengedenken alte heidnische Kulte beheimatet waren, wurden christliche Kapellen gebaut.
So kann es sein, dass die missionierende Kirche das Paradigma des nordischen Lebensbaums in veränderter Form übernahm und dann in der nächsten Generation an dieses Motiv anknüpfend das biblische Motiv von Jesaja predigte - dass der Heiland aus einer alten toten Wurzel sproß
Wir werden es nie genau wissen. Die Bauern damals waren Analphabeten und hinterließen keine Aufzeichnungen, und die Kirche hütete sich, über versteckte alte heidnische Bräuche in der Liturgie zu reden oder gar schriftlich zu fixieren. Die Kirche wollte alle Hinweise auf heidnische Bräuche verwischen

