(08-12-2021, 23:21)Apollonios schrieb: Naturphilosophisch betrachtet hat er damit recht: Die Natur selbst ist auf Krieg aufgebaut, der unablässige Kampf zwischen Raubtieren und Beutetieren, Parasiten und ihren Wirten gehört zu den Säulen der Naturordnung, des biologischen Gleichgewichts. Auch der Kampf zwischen den Menschen und Covid ist ein Krieg. Für diesen universellen Charakter des Polemos will Heraklit seinen Lesern die Augen öffnen
wenig reflektierte anthropomorphismen sind noch keine "naturphilosophie"
"krieg" ist ein menschlicher begriff für menschliches verhalten (auf gruppenebene), nämlich systematische gewaltanwendung anderen gruppen gegenüber zum zweck der erlangung eigener vorteile auf kosten der anderen - und ist somit imho dem individuellen "fressen und gefressen werden" (kampf ums eigene überleben) in keiner weise deckungsgleich. biologisch übrigens ist das verhältnis parasit-wirt keineswegs durch kampf um sieg gekennzeichnet, sondern durch ein gewisses "leben und leben lassen" - ein parasit, der seinen wirt tötet, schadet damit auch und in erster linie sich selbst. vergleichbares gilt auch für krankheitserreger, wobei natürlich weder parasiten noch krankheitserreger über irgendeinen willen oder zielgerichtetes vorgehen verfügen - die evolution kennt und verfolgt keine absichten, das ist nur eine leider sehr oft mißverstandene metapher zur beschreibung sich herausbildender gleichgewichte
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)

