04-06-2022, 22:18
(04-06-2022, 15:54)Reklov schrieb: >> Zentral für die Argumentation ist Anselms Gottesbegriff: Gott sei „das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann“ (id, quo nihil maius cogitari potest).Bereits in dieser Grundannahme steckt ein gedanklicher Fehler, zu dem es zahllose Gegenbeispiele gibt. Ein sehr einfaches Beispiel: Zahlen können über jede Grenze hinaus größer gedacht werden. Auch Dichte und Temperatur können offenbar über jedes denkbare Maß wachsen. Anselm von Canterbury hat hier nicht zuende gedacht.
(04-06-2022, 15:54)Reklov schrieb: Anselm ... möchte den Toren aus Ps 14,1 widerlegen, der in seinem Herzen spricht, es gebe keinen Gott. Zunächst führt Anselm aus, dass auch ein Tor, der die Existenz Gottes leugne, zugeben müsse, dass, wenn er den vorgelegten Gottesbegriff verstehe, dieser in seinem Verstand existiere (esse in intellectu), da alles, was verstanden werde, im Verstand sei.Das ist doch keineswegs so! Was durch unseren Verstand vorgestellt werden kann, kann existieren aber auch ein Märchen sein. Ich kann Märchenfiguren verstehen (ja sogar erzählerisch reproduzieren), ohne dass auch nur ein Hauch Existenz im Spiel ist.
(04-06-2022, 15:54)Reklov schrieb: Im zweiten Schritt argumentiert Anselm wie folgt: Das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, könne nicht nur im Verstand existieren, da sonst gedacht werden könne, dass es auch in Wirklichkeit existiere (esse in re), was größer wäre. Das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, wäre dann nicht das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann. Daraus folgert Anselm, dass das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, auch in Wirklichkeit existieren muss.Entweder hat der Autor dieser Zeilen, den Anselm nicht verstanden, und die Argumentation falsch wieder gegeben. Oder Anselms Unterstellung entbehrt jeder Grundlage. Denn dass Vorgestelltes existieren muss, nur weil ich etwas Größeres nicht denken kann, ist offensichtlicher Unsinn, wie das Beispiel von mächtigen Märchenfiguren zeigt.
(04-06-2022, 15:54)Reklov schrieb: Im dritten Argumentationsschritt stellt Anselm die These auf, dass von dem, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, nicht einmal gedacht werden könne, es existiere nicht. Es könne nämlich gedacht werden, dass etwas existiert, das als nicht existierend nicht gedacht werden kann. Das aber wäre größer als etwas, von dem gedacht werden kann, dass es nicht existiert. << (Wikipedia)Nee, das ist Baron Münchhausens Story, als er sich angeblich am eigenen Zopf aus dem Sumpf gezogen hat! Es kann nämlich nahezu alles gedacht werden, auch wenn es nicht existiert. Dessen Größe ist kein Grund für oder gegen seine Existenz. Wie erwähnt: Entweder wird A.v.C. hier falsch wieder gegeben, oder der Vogel hat von vorneherein mit haltlosen Annahmen operiert.
(04-06-2022, 15:54)Reklov schrieb: Wer hierzu etwas einzuwenden hat, sollte seine "vernünftige" Gegenrede ...Bitte sehr!
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Ekkard

