(24-10-2023, 11:49)Reklov schrieb: Nicht nur ich meine, dass sich alle Religionen an einen Tisch setzen und sich mit der Frage auseinandersetzen sollten, wie denn die WIRKLICHKEIT beschaffen ist. Früher wurden z.B. Kriege wegen der Frage der Trinität geführt - dem JA oder NEIN. Auch heute werden aus relig. Motiven Kriege angezettelt, obwohl es weit besser wäre, die relig. Fragen zu bearbeiten - und zwar "seriös".
Und, was soll das bringen? Nur um festzustellen, dass die Antwort, die Dir vorschwebt - also etwas Transzendentes - von jedem vollkommen willkuerlich und nach jeweiligem Belieben zu beantworten ist, muessen die sich nicht zusammenzusetzen. Dass die Religionen solche Fragen unterschiedlich beantworten, wissen wir auch vorher schon.
(24-10-2023, 11:49)Reklov schrieb: Wenn das LEBEN z.B. nur den Sinn hätte, den wir ihm gäben, dann wäre dies (den Sinn selbst zu setzen) selber etwas, das schon da ist, weil wir es ja nicht noch mal setzen.
Oh, dem ist definitiv nicht so (Deine Antwort ist schon in sich widerspruechlich); es sei denn, Du willst darauf anspielen, dass der freie Wille eine Illusion ist und da keine Entscheidung zu treffen ist, was eine durchaus adaequate Antwort auf die Frage ist. Ansonsten, ja, den Sinn des Lebens setzt jeder fuer sich selbst. Vorgegeben ist nur, dass Du oder irgendwelche nahe Verwandtschaft Nachkommen grossziehen muessen, sonst ist das Ende mit Deinem Tod erreicht. Den Rest darfst Du frei entscheiden, ob Du auf der Strasse leben willst, irgendwo als Einsiedler, Deinen Mitmenschen helfen oder sie ausbeuten. Dies sind alles Moeglichkeiten, wie Du Deinem Leben Sinn verleihen kannst.
(24-10-2023, 11:49)Reklov schrieb: Wer glauben möchte, dass das LEBEN nur den Sinn hat, den man ihm gibt, glaubt ja an seine eigene absolute Schöpferkraft und verlegt die Idee Gottes lediglich von aussen nach innen.
Unsinn. Du verkehrst hier das, was eigentlich passiert, in das komplette Gegenteil. Wenn Du Dir Deinen Gott schoepfst und ihm Deinen von Dir gefundenen Sinn zuschreibst, versuchst Du Deine eigenen Gedanken zu ueberhoehen und unangreifbar zu machen. Du ueberhoehst Dich also selbst. Atheisten sind da viel bescheidener.
(24-10-2023, 11:49)Reklov schrieb: Der moderne Nihilismus glaubt letztlich, dass er selber an die Stelle "Gottes" getreten ist und ist insofern nicht ansatzweise so atheistisch, wie er gerne vorgibt.
Das ist dann die Folge des philosophischen Unfalls in Deinem vorangegangenen Satz. Im Prinzip ist das Wort "Nihilismus" nur eine Polemik von Leuten, die es nicht vermoegen, ihre eigene innere Leere ohne die Erfindung eines Gottes fuellen zu koennen. Das, was Du da sagst, ist natuerlich auch vom Wortsinn her schon falsch. Im Prinzip versteckt sich hier der Theismus hinter seiner ihm eigenen Fantasielosigkeit.
(24-10-2023, 11:49)Reklov schrieb: Eine religiöse Wahrheit sagt: Man kann "Gott" um vieles bitten, das heisst aber noch nicht, dass er zuhört.
Das ist eine theistische Hohlfloskel, die die Gottesidee lediglich gegen ihre fehlende Falsifizierbarkeit zu immunisieren versucht.
(24-10-2023, 11:49)Reklov schrieb: Ich denke, dass ist nur eines von vielen Missverständnissen, wenn z.B. über das in unserer Welt bestehende Gute und Böse, über Freude und Leid gesprochen, geklagt, gelästert oder geflucht wird.
Das ist kein Missverstaendnis, sondern eine weitaus tiefere Einsicht in das Problem, das hinter der Annahme eines Gottes steckt, der im Endeffekt nur dazu dient, die eigene Unsicherheit zu uebertuenchen. Und natuerlich muessen sich theistische Philosophen hier auch irgendwie als "etwas Besseres" darstellen, denn sonst haben sie ja nichts in der Hand. Das ist typisches hohles Bravado, das die leicht beeinflussbaren Mitmenschen beeindrucken soll. "Wahrheiten" findet man so nicht.
Am Beispiel dieses Threads sehen wir aber wieder mal, warum diese staendig wiederkehrende und auch schon x-mal gefuehrte "Diskussion" nicht funktionieren kann. Im Prinzip geht's im Eingangsbeitrag mal wieder darum, warum die Theisten die besseren Menschen sind und Atheisten Menschen sind, die sich selbst beluegen und "zu Goettern machen" (dieser Vorwurf war schon immer an Absurditaet kaum zu ueberbieten). Zwar hat meine Antwort dann letztlich auch nichts anderes gemacht, indem sie aufgezeigt hat, warum es die Theisten sind, die sich selbst ueberhoehen - auch wenn sie diese grossartigen Eigenschaften gerne auf einen Teil ihres Selbst schieben, der angeblich separat von ihnen ist - so geht es mir hier nur darum aufzuzeigen, warum auf diese Art kein Dialog zu erreichen ist. Diese Art Selbstbeweihraeucherung, wie sie von Dir laufend kommt, wird niemanden ansprechen, der nicht sowieso schon Deiner Meinung ist.
Letzteres ist das das Grundproblem und wohl eigentlich auch eine gewollte Eigenschaft von apologetischer "Philosophie" dieser Art: sie dient nur dazu, die eigenen Schaefchen, die eventuell anfangen nachzudenken, bei der Stange zu halten und ihre Zweifel zuzuschuetten. Irgendwelche Atheisten soll das von vorneherein gar nicht ansprechen. Apologeten wie William Lane Craig, die seit Jahrzehnten diesen Unsinn breittreten, wollen eigentlich nur die Erosion des Glaubens aufhalten. So Leute wie mich soll das gar nicht ansprechen, und wer das ernsthaft glaubt, ist auf dem Holzweg.

