(05-08-2024, 19:57)Geobacter schrieb:(05-08-2024, 17:51)subdil schrieb: Die Wissenschaft sollte sich lieber um ihre eigenen Probleme kümmern, nämlich dass sie auf entscheidende Fragen wie zum Beispiel die nach der Entstehung des Bewusstseins keine eindeutigen Antworten zu bieten hat. Solange etwas so zentrales noch nicht geklärt ist, kann die Wissenschaft nichts außerhalb von ihr befindliches belehren, was sich auf ganz andere Art mit diesen Fragen befasst und so auf andere Antworten kommt.
Naja.. immerhin hast du ja schon zugegeben, dass du solche "eindeutigen Antworten der Wissenschaften" auch dann nicht akzeptieren willst, wenn sie dir noch so schlüssig und logisch-richtig vorgetragen werden.
Nein, es geht nicht darum, dass ich solche materialistischen Erklärungen für die Entstehung des Bewusstseins nicht glauben will, sondern dass ich sie nicht vollumfänglich glauben kann. Das ist ein enorm wichtiger Unterschied und es sollte für dich gar kein Problem sein, das nachzuvollziehen.
Deinem Auftreten nach ist es bei dir ja auch nicht so, dass du nicht an Gott glauben willst, sondern dass du nicht an ihn glauben kannst, weil du nun mal ein kompromissloser Rationalist bist. Und auf dieser Basis ist ein Gottglaube nicht möglich. Also könntest du nicht glauben, selbst wenn du es wolltest. Bei mir ist das, wie ich schon zuvor geschildert habe, ähnlich, aber doch auch anders: Ich würde gerne tief glauben können, kann es aber nicht. Deshalb bin ich Agnostiker, allerdings mit dem Hang dazu, im Zweifelsfalle, wenn ich mich wirklich festlegen muss, die Frage nach Gott im weitesten Sinne mit Ja zu beantworten. Soll heißen: Ich weiß nicht, ob es Gott gibt, aber ich glaube irgendwie an die Existenz einer geistigen Welt oder geistigen Ebene des Daseins. Innerhalb dieser geistigen Welt glaube ich weiterhin, dass es eine gewisse Ordnung, eine Struktur braucht, also letztlich auch eine Hierarchie. Und in jeder Hierarchie muss es eine oberste Instanz geben und diese ist das, was die Menschen "Gott" nennen.
Ähnlich ist es aber auch bei der Frage nach wissenschaftlichen Erklärungen zum Beispiel für die Entstehung von Bewusstsein. Ich würde mich wirklich gerne mit der wissenschaftlichen Antwort auf die Frage nach der Entstehung des Bewusstseins abfinden können, einfach nur um meine Ruhe vor diesem Thema zu haben. Denn letztlich ist diese Frage ja, wie schon erörtert wurde, ein müßiges Unterfangen. Wir sind nun mal bewusste Wesen, also wäre es besser, diese Tatsache einfach zu akzeptieren und unser Leben zu leben, anstatt sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Aber auch hier gilt, wie bei der Frage nach Gott, bei mir: Ich kann mich einfach nicht mit der wissenschaftlichen Darlegung, Bewusstsein sei ein Epiphänomen des Gehirns, zufriedengeben.
Ich habe selber keine eindeutig bessere Antwort auf diese Frage, aber dennoch kann ich mich nicht mit der wissenschaftlichen These zufrieden geben, weil - wie eben das hard problem of consciousness besagt - es auch nach einer Erklärung immer noch wundersam und eigentlich unglaublich wäre, wie durch die Schaltung von Materiebausteinen ein tatsächlich stattfindendes subjektives Erleben, also etwas Nicht-Materielles entstehen kann. Man kann das nicht damit vergleichen, das zum Beispiel ein materielles Musikinstrument etwas Nichtmaterielles, also Musik erzeugt. Denn um Musik wahrzunehmen, braucht es ein Bewusstsein.
Bewusstsein ist also das Medium, innerhalb dessen sich alle andere Fragen in Bezug auf das Nichtmaterielle beantworten lassen, aber das Medium selbst bleibt immer ein Mysterium, selbst wenn man die Materiebausteine aufzeigen könnte, aus denen es entsteht.

