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Das Mysterium der menschlichen Ich-Identität
#5
(29-12-2025, 23:17)subdil schrieb: Im Alltag ist es klar, dass wir das nicht jedes mal erklären. Aber dazu gibt es ja Internetforen, um Fragen zu beantworten, die im Alltag untergehen. Also: Was macht uns aus? Wie grenzt man das ab? Würdest du beispielsweise sagen, dass die Erinnerungen zum Ich gehören oder hat das Ich Erinnerungen?

Definiere es doch, wie Du willst, oder uebernimm irgendeine philosophische Definition; solange Du uns sagst, wie Du den Begriff abgrenzt, ist es in der Diskussion klar. Bei Demenz sind die Erinnerungen im Fluss und aendern sich (alte verschwinden, neue werden erfunden), aber der Charakter der Person aendert sich nicht. Es gibt aber Viruserkrankungen, die auch das aendern. Aber, um die Frage zu beantworten: ich halte Erinnerungen schon fuer einen Teil unserer selbst (wobei man "selbst" auch wieder anders definieren kann), und demnach auch fuer einen Teil unseres "Ichs". Ich neige also zu einer "inklusiven" Definition, wenn man das so nennen will.

(29-12-2025, 23:17)subdil schrieb: Aber wer sagt "mein"? Gerade du als "Materialist" (ich weiß, nur so halb...) müsstest dir doch diese Frage stellen. Ich sage ja, dass der Geist sagt: "Meine Seele, mein Körper, mein Gehirn" usw... Aber wer sagt im reduktionistischen Weltbild "mein Gehirn" - eigentlich müsste das Gehirn sagen: "Ich, das Gehirn, denke, dass..." denn in deinem Weltbild, auch wenn es nicht radikal-materialistisch ist, sind doch Ich und Gehirn quasi Synonyme oder nicht? Oder ist das Ich für dich nur eine Funktion des Gehirns unter vielen anderen?

Nein, nein, nein... Du faengst schon wieder an, dass Organ "Gehirn" mit dem emergenten Phaenomen "Bewusstsein" gleichzusetzen. So etwas tun auch "moderne Materialisten" nicht; woran wir mal wieder sehen, dass Deine etwas unangebrachte Definition von "Materialismus" Dir gedanklich dauernd ein Bein stellt. Deswegen habe ich in meiner ersten Antwort auch ausdruecklich das "Ich" umfassend definiert, also den Koerper (wozu das Gehirn gehoert) und die emergenten Phaenomene (Gedanken, Vorstellungen, etc.) mit eingeschlossen. 

(29-12-2025, 23:17)subdil schrieb: Wie außerkörperliche Erfahrungen ohne Geist/Seele möglich sein sollen, konnte mir bisher noch niemand schlüssig erklären.

Das habe ich ja bereits probiert, ist aber wohl nicht zu Dir vorgedrungen. Ich hatte mal ueber die Sinne gesprochen, wobei wir meist nur die der Aussenwahrnehmung wahrnehmen (also z.B. Sehen oder Hoeren, ueber die wir die Umgebung und auch uns selbst in dieser Umgebung warhnehmen), waehrend wir die anderen Sinne vergessen, weil wir sie so sehr als Teil unseres Selbst betrachten, dass wir sie kaum bemerken (z.B. also den Koerpersinn, die Propriozeption, bei der uns ein ganzes Netzwerk von Rezeptoren in unserem Koerper jeweils mitteilen, wo, in welchem Winkel zueinander und zum Boden, unter welcher Muskelspannung, in welcher Bewegungsrichtung, etc. sich jeder noch so kleine Teil unserers Koerpers befindet. Du musst nicht gucken, wo sich Dein linker Ellbogen gerade befindet, sondern das melden andere Sinne mit vielen Detailinformationen. So entsteht Dein Koerpergefuehl.

Out-of-Body-Erfahrungen gibt es eigentlich nur, wenn der Koerper sich gerade in einer geschaedigten Situation befindet. In solchen Faellen fallen Sinnesinformationen weg, also oft das Sehen (was ziemlich viel Energie kostet), aber auch das Propriozeptions-System (Vorstufen sind wenn Glieder "taub" werden). Unser Hirn fuellt fehlenden Sinnesinput im Normalfall mit irgendwelchen Informationen, die es erfindet (im tauben oder gar fehlenden Bein prickelt oder schmerzt es dann), also Interpolationen, Bildern aus Erinnerungen, etc, und wenn es keine Rueckmeldung darueber mehr bekommt, wo der Koerper gerade ist, muss es auch das efinden; was es dann auch tut.

(29-12-2025, 23:17)subdil schrieb: Hier sind wir wieder bei dem Problem, dass die Wissenschaft das (noch) nicht kann.

Das ist hier aber gar nicht das Hauptproblem. Das Hauptproblem ist, dass aus Unverstaendnis heraus irgendwelche Sachen wie "Seele" etc. erfunden werden. Ich weiss, Philosophen haben schon haeufig versucht, die Notwendigkeit solcher Vorstellungen zu begruenden, aber ueberzeugend war das noch nie; vor allem, wenn diese Philosophen Fakten missverstanden haben.


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RE: Das Mysterium der menschlichen Ich-Identität - von Ulan - 30-12-2025, 10:32

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