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Ist die Offenbarung des Johannes ernstgemeint?
#17
Hi, Epicharm -
ich vermute mal, die Datierung auf das 4.Jhd.vdZ ist etwas sehr gewollt auf die Epoche nach den hellenischen Schulphilosophen verlegt worden, also nach Sokrates und Plato (Aristoteles wurde zuerst nicht so beachtet)
- aber er verwendet im Text mehrere lange Passagen hindurch Wortbilder, die nur erheblich weit zurueck passen, z.B. eine Passage koennte zum "Papyrus Ani" passen, welcher durch die Fundumstaende datierbar ist auf spaetestens 1250 vdZ - und zwar teils zu Textpassagen teils zu Illustrationen, so nahe dran, dass auch das sehr verblueffend ist.
Innerhalb der Text-Gattungen innerhalb der Hl.Schrift ordnet man Hiobs Buch zur "Weisheits-Literatur" ein - aber dass das eine besonders lange Tradition hat, in Zeiten vor dem Griechischen Kultus ueberhaupt, spielt auch eine Rolle, die manche nicht gerne wahrhaben moegen, die sich vor oder unabhaengig vom Hellenismus nichts "Weises" vorstellen koennen.

In der Rahmen-Erzaehlung, die Erwaehnung der sich versammelnden Elokim, das bezieht sich auf die Bedeutung desselben Wortes als "Gerichtshoefe", also mindestens 3 Personen - ob Menschen oder Engel, denn wir stellen uns das parallel gestaltet vor, dass G0TT auch den Engeln ein persoenlich eigenes Urteil gewaehrt.
Eines Gerichtshof-Wesens "Soehne" ("tres faciunt collegium" Regel: mindestens 3 Personen sind noetig, um nicht-sie-selbst zu sein, wenn es etwas zu beurteilen gibt im Sinne dieser Gemeinschaft) sind in dem Sinne Einzelne, soweit sie zum Urteil-Sprechen einem solchen Hof angehoeren.
Der Versucher ist als pures Geist-Geschoepf ja auch ein Engelbote, wenn auch einer, der sich selbst ent-segnet hatte - der staendige Skeptiker, der Logik fuer alles haelt, wie man sagt, und schon deshalb Menschen nicht begreift und nicht einsieht, wozu G0TT "sowas Dummes" geschaffen habe. Im Buch Hiob ist er eben auch einer der Boten und besucht mal die Erde und dann mal wieder die "obere" Konferenz, warum auch nicht.

Das besagt aber, dass die Datierung ins 4.Jhd.vdZ auch dazu gar nicht passen wuerde, denn vor dem Hellenismus war Israel persisch ins Reich integriert, und damit kam eine starke Akzentuierung nach persischem Muster hinzu, welche gute und boese Wesen ganz krass getrennt sieht und es geschafft hat, dass manche nachher denken, dieser Versucher sei in irgendeiner Weise G0TT vergleichbar eine Art gewaltiger Gegenpol.
Das ist aber keine juedische Lehre.
In Aegyptens Staatsreligion kann ich die erste Polarisierung aehnlicher Art am Grab von Ramses I bemerken. Die kannten es vorher auch nicht so. Also etwa zur 19.Dynastie parallel wuerde ich diesen Prolog-Text einordnen. Da ist etwa Halbzeit zwischen David und Moses und ebenfalls noch die gedankliche Umwelt des Papyrus Ani.

Die sprachliche Schlussredaktion mag spaeter gemacht worden sein, aber der wesentliche Gespraechsverlauf, das gestellte Problem der Frage, warum einem Menschen Leiden passieren, und was man tun koenne oder solle oder nicht duerfe, um sie "abzustellen", und daraufhin dessen "spezifisch-juedische" Loesung, welche im Buch nur Hiob und G0TTES Rede wiedergeben, das wird zwar "Tischgespraech"-artig vorgetragen, aber die Kontrahenten passen besser in die spaeter islamisch gewordene Umgebung als in eine hellenische, zumal einer als Jemenit charakterisiert wurde.

Meiner Ansicht nach stellt der Versucher seine Meinung hierbei als 4.Besuchs-Redner vor, ein Kunstgriff, weil die 3 Besucher bilden 1 Kollegium, das hat "Vereinsgeist" ausgebildet, weil ihnen dieser Hiob nicht geheuer ist, und diese "Position" nimmt flugs der Versucher ein.
Nachher ist er im Text auch wieder "weg", indem Hiob dann fuer die 3 Menschen, die ihn besuchten, beten darf (denn die haben falsch von unserm G0TT gedacht und geredet, heisst es da) und es tut - nicht fuer 4 Personen.

Als Teilnehmer an so einer Engel-Konferenz ist der Versucher hier ebenfalls ein Sohn eines Elokim.
G0TT ist Selbst damit nicht beruehrt. ER wuerde nie "Vater von Engeln" genannt, denn Vaeter und Muetter sind bio-logischer als Engelboten.
DEN Namen wird man also auch nicht im Zusammenhang mit solchen Aussagen finden, biblisch. DER Name kennzeichnet, wenn mit Elokim eindeutig kein Gerichtshof gemeint sein soll.

mfG WiT :)


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RE: Ist die Offenbarung des Johannes ernstgemeint? - von Lhiannon - 10-03-2008, 17:17
RE: Ist die Offenbarung des Johannes ernstgemeint? - von t.logemann - 10-03-2008, 13:16
RE: Ist die Offenbarung des Johannes ernstgemeint? - von WiTaimre - 10-03-2008, 23:25
RE: Ist die Offenbarung des Johannes ernstgemeint? - von t.logemann - 20-03-2008, 17:35
RE: Ist die Offenbarung des Johannes ernstgemeint? - von t.logemann - 21-03-2008, 12:47

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