23-04-2003, 10:13
Hallo
Im Prinzip richtig - führt aber in der Sache nicht weiter. Ursächlich sehe ich prinzipielle Unterscheide im Schriftverständnis als "Gottes Wort".
Der Koran (bitte um Korrektur bei fehlerhafter Darstellung) ist die spätere schriftliche Fixierung der Reden des Propheten, welche dieser direkt durch Gott bzw. Seinen Engel empfing (spätere schriftliche Fixierung" ist übrigens kein Argument: mündliche Weitergabe war damals sehr genau). Da weiter der Prophet selbst in besonderer Nähe zu Gott stand - im Wesentlichen also auch aus dieser Nähe heraus handelte - gewinnt seine Lebensführung (in der er ja "lebte", was im Koran geschrieben steht) eine besondere Bedeutung (ist aber außermuslimisch weitgehend unbekannt). Diese Sicht begründet eine streng normative Sicht - auch den Koran selber betreffend, der ja auch nur in der ursprünglichen Sprache Arabisch richtig verstanden sein kann.
Die (westlich) christlich-biblische (die jüdische kenne ich wenig bis gar nicht) Sicht ist anders. Zwar gab es auch hier lange Zeit ein Verbot der Bibelübersetzung - diese aber lag in Latein (also bereits übersetzt) vor, war eine von mehreren Übersetzungen (wie auch die Gotische Bibel); und das Verbot hatte mit Autoritätsansprüchen der damaligen Kirche zu tun. Dies änderte sich seit Luther (zunächst für Protestanten). Übersetzungen als solche aber waren auch vorher nicht das Problem: denn immer schon ging es über den "reinen" Text hinaus um Exegese - Auslegung; vielleicht auch begründet in der Vielzahl der Schriften (und damit Autoren). "Exegese" hat rein auf das Wort (und die Wörter) bezogen etwas interpretatives, ist dennoch mehr als 'Interpretation': Bemühen um den eigentlichen / tiefen Sinn aus Schrift, Glauben und Gotteserfahrung heraus. Das Verständnis von der Bibel als "Gottes Wort" reicht dann von (ähnlich Koran) "irgendwie wörtlich von Gott so formuliert und von Menschen niedergeschrieben" bis "aus tiefer Gotteserfahrung heraus, aber eben doch von Menschen in ihrer Sprache und ihrer Zeit formuliert" (somit gleichwohl auch "Gottes Wort" - nur eben nicht bis in jedes Wort und in jede Formulierung hinein).
Bleibt festzuhalten: das je eigene Verständnis auf die 'andere' Schrift anzuwenden führt zu Mißverständnissen. Ich kann den Koran nicht wie die Bibel lesen und die Bibel nicht wie den Koran! - Heißt, ich 'kann' ja schon - nur verstehe ich's dann eben automatisch 'falsch'.
Zitat:Wenn Du jetzt sagst
Zitat:
das ist der Beweis das Gottes Wort geändert und somit eigeninterpretiert worden ist. Und das ist für einen Gläubigen eine schwere Sünde.
(Zitat Ende)
dann ist das ein schwerer Vorwurf, den Du einfach so in den Raum stellst. Worauf stützt er sich? Die Texte, in denen diese Geschichte erzählt wird, sind, historisch gesehen, über 1000 Jahre älter als der Koran. Wenn Du jetzt über 'Fälschung' und 'Eigeninterpretation' diskutieren willst, dann liegt die Beweislast bei Dir.
Im Prinzip richtig - führt aber in der Sache nicht weiter. Ursächlich sehe ich prinzipielle Unterscheide im Schriftverständnis als "Gottes Wort".
Der Koran (bitte um Korrektur bei fehlerhafter Darstellung) ist die spätere schriftliche Fixierung der Reden des Propheten, welche dieser direkt durch Gott bzw. Seinen Engel empfing (spätere schriftliche Fixierung" ist übrigens kein Argument: mündliche Weitergabe war damals sehr genau). Da weiter der Prophet selbst in besonderer Nähe zu Gott stand - im Wesentlichen also auch aus dieser Nähe heraus handelte - gewinnt seine Lebensführung (in der er ja "lebte", was im Koran geschrieben steht) eine besondere Bedeutung (ist aber außermuslimisch weitgehend unbekannt). Diese Sicht begründet eine streng normative Sicht - auch den Koran selber betreffend, der ja auch nur in der ursprünglichen Sprache Arabisch richtig verstanden sein kann.
Die (westlich) christlich-biblische (die jüdische kenne ich wenig bis gar nicht) Sicht ist anders. Zwar gab es auch hier lange Zeit ein Verbot der Bibelübersetzung - diese aber lag in Latein (also bereits übersetzt) vor, war eine von mehreren Übersetzungen (wie auch die Gotische Bibel); und das Verbot hatte mit Autoritätsansprüchen der damaligen Kirche zu tun. Dies änderte sich seit Luther (zunächst für Protestanten). Übersetzungen als solche aber waren auch vorher nicht das Problem: denn immer schon ging es über den "reinen" Text hinaus um Exegese - Auslegung; vielleicht auch begründet in der Vielzahl der Schriften (und damit Autoren). "Exegese" hat rein auf das Wort (und die Wörter) bezogen etwas interpretatives, ist dennoch mehr als 'Interpretation': Bemühen um den eigentlichen / tiefen Sinn aus Schrift, Glauben und Gotteserfahrung heraus. Das Verständnis von der Bibel als "Gottes Wort" reicht dann von (ähnlich Koran) "irgendwie wörtlich von Gott so formuliert und von Menschen niedergeschrieben" bis "aus tiefer Gotteserfahrung heraus, aber eben doch von Menschen in ihrer Sprache und ihrer Zeit formuliert" (somit gleichwohl auch "Gottes Wort" - nur eben nicht bis in jedes Wort und in jede Formulierung hinein).
Bleibt festzuhalten: das je eigene Verständnis auf die 'andere' Schrift anzuwenden führt zu Mißverständnissen. Ich kann den Koran nicht wie die Bibel lesen und die Bibel nicht wie den Koran! - Heißt, ich 'kann' ja schon - nur verstehe ich's dann eben automatisch 'falsch'.
