23-05-2008, 12:27
Mandingo schrieb:[quote=gudrun] Für den Gebrauch des Wortes Liebe
für das, was zwischen Menschen und Gott im Sinne Jesu stattfindet spricht in meiner Sicht einiges:
Erst einmal haben wir in den drei Abrahamsreligionen sowieso das Modell eines Vaters oder einer Mutter vor uns, weil unser Kopf konkrete Bilder braucht und weil der Dialog im Gebet eine Kommunikationsform ist, die stärkt und tröstet, Geborgenheit vermittelt, die uns mehr gibt als die Überzeugtheit von einem hohen Ideal oder Prinzip.
Dieses Verhältnis soll ganzheitlich sein, d.h. die Gefühlsebene mit umfassen, denn nur, wer sich ganz in die Nächstenliebe einbringt, kann im Sinne Jesu ganz "Nächster" sein. Er oder sie muss es gern tun, sonst ist die Nächstenliebe noch nicht weit entwickelt.
Außerdem würde ich das "du sollst..." lieber mit "du wirst..." übersetzen, wie es auch für die 10 Gebote gilt.
Alles gut und schön ... und ziemlich verführerisch überzeugend, trotzdem bleibt "Liebe" in unserer Zeit ein arg strapazierter Begriff und schon deshalb nur noch äußerst zögerlich verwendbar, wenn denn nicht Missverständnisse vorprogrammiert sein sollen. Ich denke da an nationalistischen Missbrauch ... a la Vaterlandsliebe für Hurra-Patriotismus, an der Sinn-Verengung auf Sex, auch an religiöser Überforderung durch Nächstenliebe-Erwartung an pflegende (Ordens-)Frauen bis zur eigene Selbstaufgabe, existentiellen Selbstvernichtung.
Gottes Zuwendung zu allen menschen ist wohl nur ganzheitlich annähernd verstehbar und lässt umgekehrt auch eine ganzheitlich menschliche Bindung an Gott erwarten, einen irgendwie biblisch denn doch personalen UND unerfassbaren Gott, nicht wirklich ein Abstraktum, das Emotionen ausschließen würde. Das mag auch eine Schwäche einer funktionalen Gottesvorstellung "Gott geschieht" bleiben, trotz aller Vorzüge ...
Ich wäre für den Ersatz des Wortes Liebe im religiösen Kontext durch "ganz tief empfundenen Respekt", Zuneigung und Hochachtung inbegriffen. Nächsten-Respekt scheint mir deutlicher und verständlicher.
Im Übrigen halte ich viel vom Heinemann-Ausspruch: "Ich liebe meine Frau, und das reicht mir."
Fritz
Liebet eure Feinde, vielleicht schadet das ihrem Ruf! (Jerci Stanislaw Lec)
Wer will, dass Kirche SO bleibt - will nicht, dass sie bleibt!
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