15-07-2008, 12:57
Liebe Nadia,
ich kenne zwei Volksgruppen weltweit, die in herausragendster ASrt und Weise Erfahrungen mit anderen Kulturen machen mussten, sich dabei ihre Identität bewahrten und gleichzeitig darum bemüht waren, das jeweils "Beste" aus der jeweils anderen, fremden Kultur aufzunehmen und zu in das eigene Leben, auch in die eigene Sprache, zu integrieren. Die eine Volksgruppe sind die Sinti und Roma, die andere Volksgruppe sind die Juden.
Beide Volksgruppen trugen im Laufe der Geschichte erhebliches zu den Kulturen der Volksgruppen, in denen sie lebten, bei. Beiden Volksgruppen wurden in unterschiedlichsten Zusammenhängen unberechtigte, haarsträubende Vorhaltungen gemacht, beide Volksgruppen wurden in ihrer Diaspora fallweise verfolgt, verjagt. Und beide Volksgruppen wurden in Ausschwitz vergast...
Etwa die Hälfte meiner Freunde und Geschäftspartner gehört dem Volk der Roma & Sinti an. Der Unterschied zwischen Roma und Sinti liegt zum Einen in der Religion - Sinti sind mehrheitlich römisch-katholisch, Roma teilen sich in griechisch-orthodoxe, russisch-orthodoxe Christen und Muslime auf.Zum Anderen definieren sich die Roma als "vorwiegend im romanischen Sprachraum lebend", die Sinti als Gruppe die im eher nicht-romanischen Sprachraum lebt. Heutzutage sind diese Unterschiede verwaschen, zumal die Sprache beider Teile der Völker immernoch ziemlich gleich ist. Aber egal ob sich unsere Roma orthodox oder muslimisch, unsere Sinti katholisch definieren - ihnnen allen ist gemeinsam, das sie nicht nur ihre "eigenen" Heiligen verehren, sondern auch die Heiligen der jeweils anderen Glaubensrichtungen. Die Organisation und Administration, die hinter einem Glauben steht, war und ist unseren Roma & Sinti reichlich egal - für einen muslimischen Roma ist ers Tradition, seinen Sohn zu beschneiden, nach muslimischer Tradition zu heiraten und nach muslimischer Tradition beerdigt zu werden. Umma, Sunna und Scharia - interessiert nicht. Für die orthodoxen und katholischen Roma und Sinti ist die Firmung wichtig, die Heirat nach kirchlichem Ritus und die Beerdigung nach kirchlichem Ritus - "Kirchenrecht? Katechismus - ach`bleibt mir doch vom Leib mit dem Sch...." (Orginalaussage eines Sinti den ich mal in Stuttgart kennenlernen durfte).
Wenn irgendewin Landesherr vor 300 Jahren sich Geld "beim Juden" lieh, es nicht mehr zurückzahlen konnte und deshalb, mit dem Ziel den Gläubiger "los" zu werden ein Progrom veranstaltete - waren es immer auch die Mitglieder des "fahrenden Volkes", die ebenfalls ermordet wurden. Und nahezu immer, wenn ein jüdischer Mitbürger unter der Folter der Inqusition litt - litt "eine Zelle weiter" auch ein "Zigan" unter der Inquisition. "Zigan", der Eigenname der Roma und Sinti, aus dem sich das Wort "Zigeuner" ableitete, bedeutet übrigends "Mensch"....
Genauso wie die Juden waren die Zigan über Jahrhunderte hinweg Opfer, Verfolgte, Geschmähte. Aber Du wirst heute kaum einen Zigan finden, der seinen Peinigern von früher deren Schuld nachträgt. Unsere Zigan hauen sich zwar gelegentlich gegenseitig ein`s auf die Nase -vorallem wenn der Slibowitz, der Cognac und der Wein reichlich fliessen - aber sie sind gleichzeitig die am schnellsten auch verzeihenden Menschen.
Im interreligiösen Dialog an den berühmten runden Tischen der Religionen habe ich auch Juden kennen gelernt. Juden aus Osteuropa, Überlebende der Nazi-Barbarei die traditionell in Westeuropa lebten, Juden deren Urgrosseltern schon nach Amerika ausgewandert waren und die nun für ein paar Jahre in "good old europe" leben wollten. Und egal woher unsere Juden stammten - es gab immer ein paar unter ihnen, die jegliche politische Kritik am Staat Israel gleich mit dem Aufschrei "Antisemitismus" beantworteten. Es gab immer Einige, die die politische Bedrohung im Israel-Palästina-Konflikt als "muslimische Bedrohung" ansahen und die von ihrer eigenen Kultur, ihrer eigenen Diaspora in muslimischen Ländern nicht wussten oder nicht wahrhaben wollten, das gerade die Juden zur Zeit der römisch-katholischen Inquisition Asylrecht in Bagdad und Damaskus unter den Kalifen geniessen konnten.
Die Geschichte der Zigan und der Juden ist in vielen Bereichen ähnlich - auch die Zigan hatten mal ein eigenes Königreich.... auch die Zigan treten wo immer sie es können für ihre Rechte ein. Nur: Die Zigan treten für sich ein -sie treten nicht zurück, sie erfinden keinen Konflikt wenn keiner vorhanden ist und wenn ein Konflikt da ist, bemühen sie sich um dessen Lösung und heizen ihn nicht noch weiter an. Bei manchen unserer jüdischen Mitbnürgern sieht das da ganz anders aus; so etwa nach dem Motto_: "fast 2000 Jahre mussten wir alles erdulden und klaglos hinnehmen - nun schiessen wir zurück....".
Auf diese Art und Weise, liebe Nadia, kann man keinen Dialog führen, sondern nur Rache üben.
ich kenne zwei Volksgruppen weltweit, die in herausragendster ASrt und Weise Erfahrungen mit anderen Kulturen machen mussten, sich dabei ihre Identität bewahrten und gleichzeitig darum bemüht waren, das jeweils "Beste" aus der jeweils anderen, fremden Kultur aufzunehmen und zu in das eigene Leben, auch in die eigene Sprache, zu integrieren. Die eine Volksgruppe sind die Sinti und Roma, die andere Volksgruppe sind die Juden.
Beide Volksgruppen trugen im Laufe der Geschichte erhebliches zu den Kulturen der Volksgruppen, in denen sie lebten, bei. Beiden Volksgruppen wurden in unterschiedlichsten Zusammenhängen unberechtigte, haarsträubende Vorhaltungen gemacht, beide Volksgruppen wurden in ihrer Diaspora fallweise verfolgt, verjagt. Und beide Volksgruppen wurden in Ausschwitz vergast...
Etwa die Hälfte meiner Freunde und Geschäftspartner gehört dem Volk der Roma & Sinti an. Der Unterschied zwischen Roma und Sinti liegt zum Einen in der Religion - Sinti sind mehrheitlich römisch-katholisch, Roma teilen sich in griechisch-orthodoxe, russisch-orthodoxe Christen und Muslime auf.Zum Anderen definieren sich die Roma als "vorwiegend im romanischen Sprachraum lebend", die Sinti als Gruppe die im eher nicht-romanischen Sprachraum lebt. Heutzutage sind diese Unterschiede verwaschen, zumal die Sprache beider Teile der Völker immernoch ziemlich gleich ist. Aber egal ob sich unsere Roma orthodox oder muslimisch, unsere Sinti katholisch definieren - ihnnen allen ist gemeinsam, das sie nicht nur ihre "eigenen" Heiligen verehren, sondern auch die Heiligen der jeweils anderen Glaubensrichtungen. Die Organisation und Administration, die hinter einem Glauben steht, war und ist unseren Roma & Sinti reichlich egal - für einen muslimischen Roma ist ers Tradition, seinen Sohn zu beschneiden, nach muslimischer Tradition zu heiraten und nach muslimischer Tradition beerdigt zu werden. Umma, Sunna und Scharia - interessiert nicht. Für die orthodoxen und katholischen Roma und Sinti ist die Firmung wichtig, die Heirat nach kirchlichem Ritus und die Beerdigung nach kirchlichem Ritus - "Kirchenrecht? Katechismus - ach`bleibt mir doch vom Leib mit dem Sch...." (Orginalaussage eines Sinti den ich mal in Stuttgart kennenlernen durfte).
Wenn irgendewin Landesherr vor 300 Jahren sich Geld "beim Juden" lieh, es nicht mehr zurückzahlen konnte und deshalb, mit dem Ziel den Gläubiger "los" zu werden ein Progrom veranstaltete - waren es immer auch die Mitglieder des "fahrenden Volkes", die ebenfalls ermordet wurden. Und nahezu immer, wenn ein jüdischer Mitbürger unter der Folter der Inqusition litt - litt "eine Zelle weiter" auch ein "Zigan" unter der Inquisition. "Zigan", der Eigenname der Roma und Sinti, aus dem sich das Wort "Zigeuner" ableitete, bedeutet übrigends "Mensch"....
Genauso wie die Juden waren die Zigan über Jahrhunderte hinweg Opfer, Verfolgte, Geschmähte. Aber Du wirst heute kaum einen Zigan finden, der seinen Peinigern von früher deren Schuld nachträgt. Unsere Zigan hauen sich zwar gelegentlich gegenseitig ein`s auf die Nase -vorallem wenn der Slibowitz, der Cognac und der Wein reichlich fliessen - aber sie sind gleichzeitig die am schnellsten auch verzeihenden Menschen.
Im interreligiösen Dialog an den berühmten runden Tischen der Religionen habe ich auch Juden kennen gelernt. Juden aus Osteuropa, Überlebende der Nazi-Barbarei die traditionell in Westeuropa lebten, Juden deren Urgrosseltern schon nach Amerika ausgewandert waren und die nun für ein paar Jahre in "good old europe" leben wollten. Und egal woher unsere Juden stammten - es gab immer ein paar unter ihnen, die jegliche politische Kritik am Staat Israel gleich mit dem Aufschrei "Antisemitismus" beantworteten. Es gab immer Einige, die die politische Bedrohung im Israel-Palästina-Konflikt als "muslimische Bedrohung" ansahen und die von ihrer eigenen Kultur, ihrer eigenen Diaspora in muslimischen Ländern nicht wussten oder nicht wahrhaben wollten, das gerade die Juden zur Zeit der römisch-katholischen Inquisition Asylrecht in Bagdad und Damaskus unter den Kalifen geniessen konnten.
Die Geschichte der Zigan und der Juden ist in vielen Bereichen ähnlich - auch die Zigan hatten mal ein eigenes Königreich.... auch die Zigan treten wo immer sie es können für ihre Rechte ein. Nur: Die Zigan treten für sich ein -sie treten nicht zurück, sie erfinden keinen Konflikt wenn keiner vorhanden ist und wenn ein Konflikt da ist, bemühen sie sich um dessen Lösung und heizen ihn nicht noch weiter an. Bei manchen unserer jüdischen Mitbnürgern sieht das da ganz anders aus; so etwa nach dem Motto_: "fast 2000 Jahre mussten wir alles erdulden und klaglos hinnehmen - nun schiessen wir zurück....".
Auf diese Art und Weise, liebe Nadia, kann man keinen Dialog führen, sondern nur Rache üben.
