03-10-2008, 16:13
azad schrieb:Soll heißen: Es gibt keinen nicht-antisemitischen Weg, israelische Politik im Nahostkonflikt zu kritisieren.
Soll es das heißen oder ist das gesagt worden? Die Spanne zwischen Interpretation und dem was tatsächlich gesagt worden ist, möge jeder und jede selbst beurteilen.
Warum der "azad" die Quelle seiner Zitate vorenthält, können wir nur vermuten... Warum nur ein Satz zitiert wird und der Verweis auf die komplette Antwort Ariel Sharons vorenthalten wird, hat Gründe, die sich unmittelbar aus der Antwort selbst ergeben:
Zitat:Ariel Sharon: »Today there is no separation. We are talking about collective anti-Semitism. The state of Israel is the Jewish state and the attitude towards Israel runs accordingly. This anti-Semitism is fundamental, and today, in order to incite it and to undermine the Jews' rights for self-defence, it is re-aroused. These days to conduct an anti-Semite policy is not a popular thing, so the anti-Semites bundle their policies in with the Israeli-Palestinian conflict. Anti-Semitism needs to be fought against. This is a very dangerous thing. However, certainly the right answers could be found in order to fight it. Our demand from the European countries is to fight anti-Semitism in every possible way and vigorously. Of course the sheer fact that there are a huge amount of Muslims, approximately 17 million in the EU, this issue has also turned into a political matter. I would say, in my opinion, EU governments are not doing enough to tackle anti-Semitism. However, there are some countries that incorporate this subject in their educational curriculum, and that is exactly what needs to be done. There is a need to teach, there is a need to explain, there is a need to remind what anti-Semitism caused in the past, and one must know that the damage caused by anti-Semitism ultimately does not affect only the Jews, but also affects those countries where anti-Semitism is rife. They must fight this anti-Semitism. You cannot separate here; Israel is treated as a Jewish state.« => READ MORE
Kommen wir nunmehr zur suggestiven Schlussfolgerung aus dem was heißen soll: »Es gibt keinen nicht-antisemitischen Weg, israelische Politik im Nahostkonflikt zu kritisieren«
=> »keinen nicht-antisemitschen« - eine erstaunliche (um-)Formulierung der Aussage: »Es gibt einen antisemitischen Weg«
=> keinen - Alles oder nichts - Schwarz oder Weiß...
Der Rechtfertigungsversuch des "azad" muss scheitern, denn er bemüht eine Pauschale, nämlich die, dass jede Kritik an Israel antisemitische sei. Das ist genauso unsinnig wie zu behaupten keine Kritik an Israel sei antisemitisch. Alles oder nichts kann es niemals geben.
Wann also wäre eine solche Israel-Kritik als antisemitische anzusehen? Darüber gegen die Meinungen auseinander. Ein paar Anhaltspunkte können jedoch klar umrissen werden:
Ulrich W. Sahm schrieb: Eine Arbeits-Definition von Antisemitismus
nach der European Union Agency for Fundamental Rights (ehemals EUMC)*
(Januar 28, 2005)
»Anhaltspunkte«, habe ich geschrieben. Im Einzelfall gilt es das genauer anhand der konkreten Aussagen zu beleuchten. Genau das habe ich hier gemacht.
Es ist nicht meine Schuld, wenn antisemitische Klischees das Denken so vieler Menschen in Deutschland noch heute bestimmen. Dazu eine kurze Erinnerung an längst Bekanntes:
Zitat:Antisemitischer Wolf im Schafspelz
Psychologen decken versteckte antijüdische Einstellungen auf
Kritik an Israel zu üben, ist gerade für Deutsche schwierig. Denn leicht kommt der Verdacht auf, damit würde eine versteckte antisemitische Grundeinstellung bemäntelt. Kommunikationspsychologen der Universität Jena um Prof. Dr. Wolfgang Frindte sind dem Phänomen des versteckten Antisemitismus nachgegangen. Seit den 90er Jahren beschäftigt sich der Jenaer Wissenschaftler mit Antisemitismus und mit Fremdenfeindlichkeit in Deutschland überhaupt. Neue Studienergebnisse ermöglichen jetzt einen differenzierten Blick auf die Grauzone der Einstellungen der Deutschen zwischen berechtigter Kritik an Israel und Trittbrettfahrern aus der antisemitischen Ecke.
Kommen wir zum Wesentlichen:
Zitat:Wo verläuft die Trennlinie zwischen Antisemitismus und der Kritik an Israel?
„Heutzutage darf man Israel nicht kritisieren, ohne gleich als Antisemit zu gelten.“ So oder so ähnlich lauten Vorwürfe, die insbesondere seit dem Frühjahr 2002 in unterschiedlichem Maße die öffentliche Diskussion mitbestimmen und Fragen nach einem möglichen Zusammenhang zwischen der Kritik an der Politik Israels und Antisemitismus aufwerfen.
(...)
Der klassische Antisemitismus in Deutschland stagniert auf niedrigem Niveau, aber 62 Prozent der Deutschen sind es leid, immer wieder von den deutschen Verbrechen an den Juden zu hören.
(...)
Die Hälfte der Deutschen vergleicht die Politik Israels mit der des Dritten Reichs
Zwar ist insbesondere das Ergebnis zur NS-vergleichenden Israelkritik sehr brisant. Jedoch verdeutlicht ein Blick auf die Berichterstattung zum Nah-Ost-Konflikt, dass ähnliche Vergleiche Bestandteil des öffentlichen Diskurses sind. Der Konflikt selbst wird mediengerecht zudem sehr brutal dargestellt. Dies und die nahezu inflationäre Verwendung von Vergleichen mit dem Nationalsozialismus
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Nicht jede Israelkritik ist antisemitisch, aber die meisten sind es. Sie sind es dann, wenn sie antisemitische Inhalte aufweisen.
Noch ein kleiner Nachtrag, zu dem was "azad" betont und zitiert:
Alex Gruber schrieb:Der Philosemitismus ist dem Antisemitismus aufs Engste verwandt, er ist nichts als die andere Seite der gleichen Medaille.
Alex Gruber hat vollkommen Recht, denn Philosemitismus und Antisemitismus bemühen dieselbe Klischees.
