(15-10-2008, 07:51)Petrus schrieb: Vor kurzem sagte mir mal ein (im Übrigen sehr religiöser!) Freund, jeder Gläubige solle man versuchen, eine Woche lang so zu tun, als ob es Gott nicht gäbe, und jeder Ungläubige sollte mal eine Woche lang so tun, als ob es Gott gäbe. Und dann solle er in sich hineinforschen. [...] Vielleicht dient das wirklich sehr zu Klärung?
Für mich klingt das sehr ominös. Aus einer selbst auferlegten Illusion kann doch kein Glauben entspringen, geschweige denn, dass man sich dieser Illusion die ganze Zeit über bewusst ist oder?
Petrus schrieb:Aber hast Du keine Grund-Entscheidung getroffen? Ein grundsätzliches Ja (oder Nein) zu Glauben und Unglauben? Ich glaube, dahin geht nämlich edts Vorgabe seiner "befriedigenden Antwort" (und auch meine Hoffnung). Ich will keine 100%ige Sicherheit, die mich ruhig in meinem Sessel sitzen lässt. Aber ich wünsche mir eine "Basis" (egal, ob die nun "Glaube" oder "Skepsis" heisst, oder gar "Unglaube"), auf der weiterhin Fragen möglich sind. Was ich mir aber nicht wünsche, sind Fragen, die mich ständig "hin und her schleudern", weil ihre Antworten einander rigoros ausschliessen.
Ja, ich habe eine Entscheidung hin zum Glauben getroffen. Das stellt natürlich diese Basis dar, aber wenn es nötig sein wird, wenn ich an einem Punkt angekommen bin, an dem ich erkenne, dass es für mich keinen Wert mehr hat, dann würde ich auch diese Grundeinstellung ändern.
Meine Fragen sind für mich nur die Leitpfosten, mit denen ich selbst meinen Weg abstecke. Und vielleicht laufe ich diesen Weg eines Tages wieder ein Stück zurück und erkenne, dass ich einen kleinen Seitenweg übersehen habe, dem ich aber nun folgen kann. Glaube verändert sich mit dem Menschen - jeden Tag.
"Religion ist Ehrfurcht - die Ehrfurcht zuerst vor dem Geheimnis, das der Mensch ist." ~Thomas Mann

